Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
170
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Io

Wald und Sumpf erworben, fuhr ich fort.Ich habe die Vögel ſo gut, wie Sie, in ihrem Leben und Treiben beobachtet und kenne gar manchen, deſſen Namen Sie noch nicht gehört haben. Aber dennoch will ich von Ihnen lernen; vielleicht lernen Sie auch von mir. Um uns übrigens ein für allemal zu verſtändigen: mir hat die Geſchichte jedenfalls weniger Geld eingebracht, als Ihnen.

Er ſchob die linke Hand hinters Ohr. Ich fürchtete, daß es ſich nicht wieder davon trennen würde: aber nur ein Zöpfchen ſeines langen, ſpärlichen Haars hatte ſich daran gefangen.

Die Panto⸗ oder richtiger Monomime war verſtändlich genug Fiſchefangen und Vogelſtellen hat noch niemals viel eingebracht.

Wir waren einander ſchon viel näher gerückt. Auch räumlich, mit einiger Vorſicht meinerſeits, obwohl mein Excurſionshabit nicht eben ſalonmäßig ausſchaut.

Haben Sie ſchon öfter Neſter des Krünitz gefunden?

O ja, ſchon viele, mit Eiern und mit Jungen. Aber es gibt auch hier nicht viel Menſchen, die welche geſehen haben. Wer klettert im Winter, wenn 4, 5 Fuß hoch Schnee liegt, auf die hohen, alten Fichten, die auch beſchneit ſind!

Sie aber ſind hinaufgeklettert? Weshalb denn?

Oft genug! und mit einem Tone, der wie verletztes Selbſt⸗ gefühl klang, fuhr er fort.Schon als junger Menſch. Ich mußte doch ſehen, ob es wahr iſt, daß die Krünitze im December, Januar und Februar brüten, wie ich von einem alten Vogelfänger gahört hatte.

Blos deshalb?

Ich wollte auch wiſſen, ob die jungen Krünitz⸗ ſchon mit dem Kreuzſchnabel zur Welt kommen, oder ob ſie einen geraden Schnabel haben, und wie die Alten mit ihrem Kreuzſchnabel füttern und wie alles dabei zugeht, wie die Neſter und die Eier ausſehen.

Mittlerweile hatte ſich unſere Geſellſchaft vermehrt. Vier jüngere Leute, gleichfalls Holzſchläger, kamen mit ihren Kobern heran, holten ſpannendicke Keile Schwarzbrot, mehrere große, ſchöne Zwiebeln, Salz und Speck hervor und begannen die Zwiebeln zu ſchälen: es war Frühſtückszeit. Sie nahmen in geringer Entfernung von uns Platz.

Ich werde mein Frühſtück auch gleich machen, wenn Sie es erlauben.

Gewiß, ſtärken Sie ſich, alter Freund!

Das that er denn nun auch. Eine Portion Brot, die reichlich ein Paar Tage für mäßige Eſſer zureicht, drei bis vier große, ſaftige Zwiebeln und ein ſchönes Stück Speck verſchwanden in verhältniß⸗ mäßig kurzer Zeit, wenn auch nicht ſogleich. Dazu einBuddel Branntwein, in dem abenteuerliche Figuren,Angelika und andere geſunde Wurzeln, umherſchwammen. Um ihm Zeitzur Stärkung zu laſſen, trug ich einſtweilen die Koſten der Unterhaltung und er⸗ zählte ihm von dem reichen Vogelleben in den ungariſchen Sümpfen und auf den Vogelinſeln der Nordſee.

Ich habe ſchon oft bedauert, keinen photographiſchen Apparat auf meinen Reiſen bei mir gehabt zu haben. Jetzt hätte ich eine prächtige Suite phyſiognomiſcherdissolving views auffangen können. Man denke ſich einen von Jugend auf leidenſchaftlichen Vogellieb⸗ haber, dem nichts überVogelgeſchichten geht, der, nicht aus ſeinem Walde herausgekommen, ſich einbildet, alles zu kennen und zu wiſſen, was ſeine Lieblinge angeht, der grundſätzlich kein Buch darüber ge⸗ leſen, vielleicht auch, weil er es nicht konnte: und man wird ſich die wechſelnden Empfindungen von Zweifel, Erſtaunen, Freude und Niedergeſchlagenheit vorſtellen können, die gleich Nebelbildern über das verwitterte Geſicht zogen und ſich gelegentlich inAch undAh undWas Sie ſagen Luft machten.

Und nun erzählen Sie! ſchloß ich meinen Vortrag, den ich ſolchem Auditorium gegenüber nicht ohne einige Begeiſterung gehalten hatte; denn auch die anderen Zuhörer zeigten, wie alle echtenWald⸗ naturen, ein lebhaftes Intereſſe für ſolche Mittheilungen, was ſie indes nicht verhinderte, einen Kubikzoll Brot über den anderen in den wohlbewaffneten Mund zu führen. Nicht ſo mein Vogeltobies. Ein aus tiefſter Bruſt geholter Seufzer und der verlegen ausgeſprochene Vorſatz,nun etwas zu eſſen, machte ſich darauf aufmerkſam, daß er ſeineMagenſtärkung bisher unverantwortlich vernachläſſigt hatte. Um das Hinderniß zu entfernen, ging ich unter die nahen, von der Axt verſchont gebliebenen Fichten und zählte unter einem einzigen Baume über 200 Samenzapfen oder vielmehr deren Rippen; die Schuppen hatten die Kreuzſchnäbel mit ihrem eigens dazu gebauten

Schnabel abgenagt, um zu dem erſt halbreifen Samen zu gelangen. Kaum war ich mit dem Zählen fertig, da war es mein College auch mit dem Eſſen. Er hatte die Verſäumniß nachgeholt. Ich ſetzte mich wieder zu ihm.

Um ihm Muth zu machen, begann ich mit der Aufforderung, mir nun etwas von ſeinenKrünitzen zu erzählen; die kenne er jedenfalls beſſer, als ich.

Nun gab er in ziemlich geordneter Folge und ſonſt gewandter Rede, mit der er indes ſelber nicht zufrieden ſchien, weil er das nicht ſagen könne, wie er's eigentlich dächte und von ſich geben möchte, eine Reihe ſelbſtgemachter Beobachtungen über die geſammte Lebensweiſe der Krünitze, beſonders über dasmerkwürdige Neſten mitten im Winter. Das Neſt ſtehe meiſt ſehr hoch auf alten Fichten(Roth⸗ tannen) und dicht am Stamme unter einem überhangenden Aſte, der vor dem Schnee ſchütze. Bis fünf Eier habe er darin gefunden. Die jungen Krünitze kämen mit einem geraden Schnabel aus dem Ei, der ſich erſt nach ihrem Ausfliegen nach beiden Seiten hin krümme. Sie ſeien ſehr fett und gut und geſund zu eſſen, weil ſie ſehrſar⸗ matiſch(aromatiſch) nach Fichtenharz ſchmeckten. Daß die Krünitze alle Arten vonFlüſſen, Gicht und Reißen an ſich zügen und meiſt ſelbſt davon ſtürben, wenigſtens längere ZeitKrämpfe davon trügen, war ihm eine ausgemachte Sache. Ebenſo, daß die Rechtsſchnäbel (bei denen der Oberkiefer rechts über den Unterkiefer gebogen iſt) den Männern, die Linksſchnäbel nur den Frauen hälfen; dagegen ſei das Aberglauben, daß die Rechtsſchnäbel für die rechte Seite und die Linksſchnäbel für die linke gut ſeien. Meine Zweifel an der Wirk⸗ ſamkeit dieſer Naturheilmethode ſchlug er ſeiner Meinung nach mit der Erklärung nieder, daß die Fichtennadelbäder, Extracte, Tincturen, Fichtelnadelwollſtrümpfe und ſonſtige Inexpreſſibles nur durch die Krünitze in denKopf der Doctors gekommen wären, die in ihrem Kopfe mehr Heilkraft hätten die Krünitze nämlich als eine ganzeFichtenbadeanſtalt. Er ſelbſt wiſſe nichts von Kopf⸗ oder Armreißen, weil er immer Krünitze um ſich habe. DieDoctors aufm Walde wüßten das auch; ich ſolle ſie nur fragen.

Was war zu thun? Der Glaube an dieſe Heilkraft der Kreuz⸗ ſchnäbel iſt ſo allgemein verbreitet, daß etwas daran ſein müßte, wenn etwas daran ſein könnte! Und diesKönnte wäre immer⸗ hin noch einiger vorurtheilsfreier Verſuche werth. Factiſch iſt, daß ich ſammt meiner Familie in der ſehrzugigen Wohnung in der Heſſenmühle in F. oft genug mit Rheuma geplagt war, aber ſtets nur kurze Zeit, und daß von 14 meiner Kreuzſchnäbel dort 5 an Krämpfen ſtarben. Das Bergſteigen erwärmte uns freilich recht gründlich nach jeder Erkältung, und jetzt, wo die Kreuzſchnäbel in einer eigenen, ganz zu ihrem Comfort eingerichteten Stube herum⸗ fliegen, ſind bereits auch zwei geſtorben!

Doch mein Vogeltobies langweilt ſich, wenn wir ihn zu lange allein laſſen. Begleiten wir ihn nach ſeiner Wohnung!

Sieben oder acht, höchſt ſommerlich bekleidete Kinder und min⸗ deſtens doppelt ſoviel Käfige in der kleinen Stube, erſtere ſehr ſauber und rein, letztere merklich weniger. Da war vor allen die graue Grasmücke,ein Hauptvogel, ſo haben Sie ihn noch nicht gehört, Herr Doctor! eine Dulllerche(Haidelerche), ein prächtiges Thier⸗ chen, ſingt ¾¼ Jahre in einem fort zwei Schwarzplättchen(Platt⸗ mönch),alle beide, weit und breit hören Sie ſie nicht ſo! Gelte, Mätzchen? Sämmtliche Vögel waren ſeit ſeinem Eintritte wie elektriſirt! Ein Paar Rothkehlchen, Braunellen, Hänflinge, Finken und Kreuzſchnäbel, da haben wir ſeine Lieblinge, die's zu wiſſen ſchienen, daß ſie es ſeien. Lauterausgeſuchte Sänger, Stümper behalt' ich nicht.

Aber der Fink, den ich hatte

Iſt er geſtorben?

Wenn's das wäre!

Nun, was denn?

Sie haben's gewiß ſchon gehört? der Finke!

Der Förſter hatte mir allerdings die tragiſche Hiſtorie mit dem Zuſatze erzählt: ſonſt iſt es ein fleißiger Arbeiter und kreuzbraver Kerl, auf den man ſich verlaſſen kann.

Und dieſe Geſchichte?

Hier iſt ſie! Dem Manne gegenüber wohnte ein anderer, der einen Finken beſaß, wie es nach dem ſybaritiſchen Finkenohre unſeres Tobies keinen zweiten gab. Für Geld war er nicht zu haben, hätte

Der Herr Förſter o,

wer anders, a konnde der Die regeln zu ſein der Stube des daß jener dend in S. gebrackt, einiger Zeit de kauft hatte. unglüclich Bo verurtheilt Ja, der da drüben! E Mit eini Geſtor! Ja, no Tod des unve war beruhigt! Aber! fort.Ich! iſt ein Stümp Sonne drauß drückte die Ho und ſo ware war ſo zahn wie eine Nac da, die dama Kindern, er kauft; welche fort! Acht erſten Frühje Nichts davon Finken! Es var ſehr die die Käge werden mich kennen, wie ſauern Arb aufm Wal Ich Ih, Aber ſo ei Wehes. W 5 Dactor, wie ich ſe ufe, ſie draußen M Geſetz bel ten werden Er etwas ſche