Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
152
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Alle Fenſterläden des weitläuftigen Gebäudes waren geſchloſſen. Kein Lichtſtrahl ließ nach außen hin vermuthen, daß drinnen ein ſo glänzender Kreis zu Außergewöhnlichem ſich verſammelt habe. Neun⸗ zehn betrug die Zahl der zur Beſchwörung Zugelaſſenen, welches ſämmtlichLeute von Conſideration, Charakter und Reſpectabilität waren. Darunter befand ſich der Herzog von Kurland, der Mini⸗ ſter von Wurmb, der Baron von Hohenthal⸗Dölkau nebſt ſeiner Ge⸗ mahlin, einer Dame von großer Schönheit und Liebenswürdigkeit, der Baron von Heinitz, die Kammerherren von Hopfgarten und von Biſchofswerder, der Obriſt von Fröden und andere diſtinguirte Adelsperſonen.

Die große Gallerie des Palaſtes war dem Wundermann einge⸗ räumt worden, und er hatte noch alle Hände voll zu thun, um die letzten Anordnungen zu treffen. Nach Beendigung derſelben begaben ſich alle Anweſenden in feierlicher Stimmung dorthin. Um jeden Betrug und jede beabſichtigte Täuſchung in der Wurzel zu erſticken, ſchloſſen die Herren eigenhändig nochmals alle Fenſterläden und verſicherten ſich ihrer Feſtigkeit.

Jetzt trat der Geiſterbeſchwörer in ihre Mitte. Der ſchwarz ausgeſchlagene und wenig erhellte Saal warf einen eigenthümlichen Reflex auf ſein bleiches Geſicht und ſeine phantaſtiſche Kleidung. Dieſe ähnelte der Amtstracht eines katholiſchen Prieſters. Ein me⸗ tallenes Crucifix trug er in ſeinen Händen.

Mit gemeſſenen kurzen Worten theilte er den Erſchienenen mit, daß die nunmehr erfolgende Handlung die ſtärkſten Anforderungen an den Muth und die Geiſtesgegenwart eines jeden ſtellen werde und daß er deshalb den Rath geben müſſe, zuvor ein Glas Punſch aus der auf dem Tiſche befindlichen Bowle zu nehmen. Dieſen Vor⸗ ſchlag fanden faſt alle ſehr vernünftig und ließen ſich's nicht zweimal ſagen. Ein einziger nur weigerte ſich, der Ermahnung Folge zu leiſten, und antwortete:Ich bin gekommen, um einer Erſcheinung beizuwohnen. Entweder will ich alles ſehen, oder nichts. Mein Entſchluß iſt gefaßt, und kein Zureden kann mich vermögen, einen Tropfen auf meine Lippen zu nehmen.

Darauf hin ſtellte ſich ein anderer Herr, der auch ſeinen Kopf oben behielt, dem Haupteingang gegenüber gerade und feſt auf, um darüber Wache zu halten, daß derſelbe nicht durch menſchliche Ge⸗ walt von außen heimlich geöffnet werde.

All dieſen Maßregeln ſah der Geiſterbeſchwörer mit der größten Gleichgültigkeit zu, und nicht lange darnach begann er ſein Werk. Auf ein gegebenes Zeichen traten alle Anweſenden in einen von Kohle umſchriebenen Kreis und reichten ſich wechſelſeitig die Hände. Alle andern Kerzen wurden entfernt, und die Augen folgten erwar⸗ tungsvoll dem Beſchwörer, der ſich feierlich langſam nach der einen Ecke der Gallerie begab, woſelbſt auf einem Teppich eine Art Altar errichtet war, auf dem geweihte Kerzen raſch von demſelben ange⸗ zündet wurden. Nun fiel er auf die Knie, beugte das Haupt und mur⸗ melte leiſe unverſtändliche Worte, in welchen er die guten Geiſter anrief, ihm zur Hilfe wider die böſen zu erſcheinen. Eine Menge geheimnißvoller Geberden folgte dieſem beweglichen Anfange. Er beugte aufs neue ſeine Knie, hielt das Crucifix empor und küßte es inbrünſtig, ſchlug Kreuze zu unterſchiedenen Malen und fuhr fort, leiſe zu beten und mit feiner zitternden Stimme zu ſingen.

Die Erwartung der Zuſchauer ſpannte ſich aufs höchſte, jeder Nerv bebte, jede Fiber zitterte. Mitten inne ſchlugen die Glocken mit dumpfen, trägen Tönen die Stunden auf den Thürmen, aber die Beſchwörung ſchien diesmal wirkungslos vorüber gehen zu wollen. Kein Geiſt wollte kommen, und der Beſchwörer fing ſein Treiben wieder von vorne an. Er näherte ſich dem Altar, lag abwechſelnd bald auf den Knieen, bald auf dem Angeſicht, krampfhaft zuckten alle Glieder ſeines Körpers, wild rollte ſein Auge in den Höhlen, Schaum ſtand ihm vor dem Munde und heftiger Schweiß bedeckte ſein Angeſicht.

Da fuhr's mit einem Male an die Außenſeite aller Fenſter mit heftigem Gepraſſel, wie wenn Hagel herniederfährt, und kurz darnach entſtand ein ſonderbares Geräuſch, ſo fein und durchdringend, als würde mit naſſen Händen über den Rand von Gläſern hingeſtrichen.

Der Beſchwörer erhob ſich voll Freude und bedeutete die Geſell⸗ ſchaft, daß dieſer Ton die gewiſſe Ankunft der hilfreichen guten Geiſter verkündige, welche kämen, ihm Schutz zu gewähren. Dann begann er mit erneutem Eifer ſeine Arbeit.

Plötzlich folgte ein fürchterliches, wahrhaft die Ohren zerr eiße nde

Geheul, das ſich gleichzeitig in der Luft und unter und neben den entſetzten, bebenden Hörern vernehmbar machte. Der Beſchwörer ſprach ihnen Muth ein, denn jetzt hatten ſich die böſen Geiſter ange⸗ zeigt, und nun mußte es ſich bald entſcheiden, ob die gewünſchte Perſon auf die Beſchwörung ſich werde ſehen laſſen oder nicht.

Noch immer lag der Beſchwörer vor dem Altare auf dem An⸗ geſicht und ſetzte ſeine Gebete fort, als ſich unverſehens mit großer Gewalt und Schnelligkeit die feſtverriegelte Thür öffnete, daß die Flügel weit aufſprangen. Die Augen wendeten ſich unwillkürlich dahin. Himmel, was iſt das?

Eine große, ſchwarze Kugel rollt in den Saal, von einer dichten Rauchwolke umgeben. Aus ihrer Mitte ſteigt eine Geſtalt empor, ein menſchlich Angeſicht wird ſichtbar.

DerChevalier de Saxe! bebt's von den Lippen der wie Espenlaub Zitternden.

Karl, was willſt Dumit mir? Warum ſtörſt Du mich? rief eine laute und zornige Stimme.

Die Geſtalt ſtand lange bolzengerade und regungslos im Zimmer. Niemand unternahm es, zu ihr heranzutreten und zu ſehen, ob ſie auch Fleiſch und Blut habe, oder wirklich ein Geiſt ſei. Wie eine Schar furchtſamer Kinder drängten ſich alle in die Ecken, von un⸗ nennbaren Schauern erfaßt.

Vor allen aber verlor der Herzog jegliche Faſſung. Auf ſeine Veranlaſſung, um ſchnöden Geldes willen, war die Grabesruhe des Oheims geſtört worden. Dieſe Gottloſigkeit ſiel jetzt mit Centnerlaſt auf ihn. Er vermochte dem Geiſte weder zu antworten, noch wagte er's, eine Frage an denſelben zu richten. Das Wort erſtarb ihm im Munde. Ganz außer ſich ſiel er endlich auf ſeine Kniee, rutſchte verzweifelt im Zimmer hin und her, und als er die Sprache wieder⸗ gewann, bat er in tiefſter Zerknirſchung den heiligen Gott um Ver⸗ zeihung wegen der von ihm begangenen großen Sünde.

Der Reſt der Geſellſchaft aber wendete ſich hilfeſuchend an den Beſchwörer, und bat flehentlich um eine letzte Probe ſeiner Kunſt um die Entfernung des erſchienenen Geiſtes.

So ſchleunig wollte ſich dieſer aber durchaus nicht wegbegeben, eine tödtlich lange Zeit verſtrich, ehe er den Aufforderungen zu ge⸗ horchen Miene machte und auf Schröpfers Befehl ſpurlos verſchwand.

Doch die Schrecken waren noch nicht zu Ende.

Kaum athmeten nach all dem Ausgeſtandenen die Herzen wieder etwas auf, als die abermals verſchloſſene Thür von neuem auffuhr und dieſelbe furchtbare Geſtalt mitten unter die Menge drang. Das gab eine Scene über alle Beſchreibung. Die bis dahin Beherzteſten erfaßte Furcht. So gut es gehen wollte, verkroch ſich Jedermann. Viele hielten die Augen zu. Einige fielen in Ohnmacht. Niemand wagte den Geiſt anzureden.

Der Beſchwörer allein fuhr in ſeinem Werke fort, und endlich gelang es ihm, nach den entſetzlichſten Verwünſchungen und Drohungen, den Gegenſtand der allgemeinen Furcht wieder an ſeinen Ort zu bannen.

Niemand gelüſtete es, noch mehr zu ſehen. Das Signal zur eiligſten Flucht war gegeben. Wie vom Wirbelwind getrieben, ſtob die ganze Geſellſchaft auseinander, überwältigt von den unerklärlichen, wunderbaren und aufregenden Erlebniſſen der Nacht.

Einen größeren Erfolg, einen vollſtändigeren Triumph hätte der Geiſterbeſchwörer nicht erlangen können. Seine Kunſt hatte glänzend die Probe beſtanden!

III.

Der Morgen des folgenden Tages brach an, ſtill und unmerk⸗ lich wie alle andern Morgen auf Erden, aber ſein Licht fiel auf viele verſtörte Angeſichter, denen die Nachwirkungen der verlebten Nacht deutlich anzuſehen waren. Baron Heinitz namentlich war ſo von dem Schrecken angegriffen, daß man für ſeinen Verſtand zu fürchten anfing. Andere konnten an die Geiſterbeſchwörung nicht denken, ohne ſich aufs neue aufzuregen und eine ſchlafloſe Nacht zuzuziehen. Die meiſten hielten es für das Gerathenſte, das tiefſte Stillſchweigen über den Vorfall zu beobachten. Etliche aber ſchämten ſich offen ihrer Schwach⸗ heit, und es kam ihnen höchſt erbärmlich und lächerlich vor, daß dieſe Scene ſolch einen Eindruck auf ihre Phantaſie hatte machen können, welche nach ihrer innerſten Ueberzeugung trotz alledem nichts als ein geſchicktes Gaukelſpiel geweſen war.

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