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hielten, warf Dürer ſeine allzugroße Beſcheidenheit und die ewigen Selbſtanklagen vor. Er ſei doch und bleibe ein großer Künſtler; die Italiener hätten ihn ja ſelbſt aufs höchſte geehrt und bewundert, ſeine Reiſe durch die Niederlande habe einem fürſtlichen Triumphzuge ge⸗ glichen. Freilich, was den Lohn für ſeine Arbeiten betreffe, da habe er von ihnen eben nichts Sonderliches zu rühmen; er habe überall mehr gegeben, als empfangen. Und was den hochweiſen Rath zu Nürnberg betreffe, ſo habe der's um Dürern auch nicht verdient, daß er ihm ein ſo koſtbares Andenken hinterlaſſe. Denn ſchäbig genug habe er ſich benommen, die ihm vom Kaiſer Max verliehene Abgaben⸗ freiheit ſchnöder Weiſe nicht anerkannt, und erſt nach jahrelangem Mäkeln habe ein ernſtes kaiſerliches Machtwort ihn vermocht, den großen Künſtler, der die glänzendſten Anerbietungen Venedigs und Antwerpens aus Liebe zu ſeiner Vaterſtadt ausgeſchlagen, mit einem lumpigen Jahrgeld abzufinden.
Hatte Pirckheimer ein Recht, auf ſeine Vaterſtadt zu zürnen, um Dürers wie um ſeinetwillen(denn er war durch niedrige Ränke genöthigt worden, aus dem Rathe zu treten und ſich in gelehrte Einſamkeit zurückzuziehen), ſo konnte Melanchthon dagegen ein Loblied der nürnbergiſchen Obrigkeit mit gutem Gewiſſen ſingen, denn mochte ſie gegen die beiden Freunde karg und undankbar geweſen ſein, er hatte nur von ihrem Eifer für Schule und Wiſſenſchaft Löbliches zu berichten. Dem greiſen Künſtler aber konnte er das alternde Herz beſonders dadurch erfreuen, daß er ihm mittheilte, wie hoch ſein Name in ganz Deutſchland geehrt und angeſehen ſei und ihm die freundlichſten Grüße von Lucas Cranach und Luther überbrachte. Ueber Luthers Gruß war Dürer ganz beſonders erfreut:„Ja,“ rief er,„das iſt mein Mann, der iſt anders als die übrigen Theologen; wenn ich von ihm die vorderen Sätze auf den erſten Seiten geleſen habe, ſo weiß ich ſchon, was ich in dem ganzen Werke zu gewärtigen habe, ſo klar iſt alles, ſo wohlgeordnet. Wenn ich aber andere Schriften leſe, da muß ich erſt das ganze Werk durchſtudiren, und dann noch darüber nachdenken, was eigentlich der Verfaſſer will und worüber er ſchreibt.“
„Das geht auf mich,“ ſagte Pirckheimer,„und auf mein Schriftchen vom Abendmahle. Dieſer leidige Streit hat uns faſt auseinander⸗ gebracht, weil Dürer theologiſche und philoſophiſche Gründe für lauter Spitzfindigkeiten achtet. Ich habe ihm oft ſchon geſagt, das ſei kein Feld für ihn, er möge über das aburtheilen, was gemalt werden kann, und ſich nicht von ſeinem Leiſten entfernen.“
„Und das ſoll ich mir bieten laſſen“, ſcherzte Dürer weiter,„als ob ein Menſch nur auf ein Stück ſich einüben müßte, wie jener Schreiber, der nur eine Formel zu Papier bringen konnte und darum in den meiſten Fällen nicht zu brauchen war. Luther braucht doch auch theologiſche und philoſophiſche Gründe, die ſind aber klar und ver⸗ ſtändlich, während ich vieles, was Pirckheimer vorbringt, nicht faſſe und verſtehe. Warum ſchreibt Ihr Gelehrten in ſo gar unverſtändlicher Sprache und wollt euern eigenen Dialekt für Euch haben?“
„Na, ſei ſtill,“ entgegnete Pirckheimer,„die Kohle bricht Dir nicht, aber in der Logik biſt Du nicht zu Hauſe.“
Dürer lächelte und erzählte Melanchthon auf ſeine Frage, was Pirckheimer damit meine, ein Geſchichtchen. Kaiſer Maximilian habe ihm einſt den Umriß eines bei ihm zu beſtellenden Gemäldes mit Kohle vorreißen wollen. Dabei ſei ihm immer die Kohle gebrochen. Da habe Dürer den Stift genommen und mit ſicherer Hand ohne Unterbrechung den Riß vollendet und ausgeführt.„Ich möchte nur wiſſen, Dürer“, habe Maximilian gefragt,„warum Euch nie die Kohle bricht?“ Lächelnd aber habe er geantwortet:„Gnädigſter Kaiſer, Gott gebe, daß Ew. Kaiſerliche Majeſtät nie ſo gut malen lernen, als ich.“
„Ich meine aber“, fuhr Dürer fort,„der Vergleich paßt hier nicht. Zeichnen iſt ein Ding, das nur ein Künſtler braucht, denken muß jeder Menſch können und darf es ſich nicht verbieten laſſen,
und das iſt ja eben der Segen Eurer Wittenberger Reforniation, daß wir wieder ſelbſt denken und prüfen dürfen und ſollen, was in Gottes Wort begründet iſt, was nicht. Ich habe mich wohl früher einmal mit der Dichtkunſt beſchäftigt und ſchlechte Verſe gemacht; da hat mir's Freund Spengler eingetränkt. Der ſchickte mir meine lahmen Verſe mit einer Fabel wieder: es habe einmal ein Schuſter bei einem Maler ein zum Trocknen ausgeſtelltes Bild geſehen und daran die Schuhe getadelt, der Meiſter habe darauf die Schuhe ſtillſchweigend geändert. Als aber nun der Schuſter auch den Faltenwurf und die Geſichtszüge bekrittelte, da habe ihm der Meiſter zugerufen:„Schuſter, bleib bei deinem Leiſten!“ Und das gelte nun jedem, der über ſein Feld in andere Gebiete pfuſche. Das ließe ich mir hinſichtlich des Dichtens gefallen, das iſt nicht Jedermanns Sache; aber über die wichtigſten Wahrheiten des Glaubens ſich ein Urtheil bilden, das meine ich, iſt für keinen Menſchen ein Pfuſchen auf fremdes Gebiet. Hier ſollte jeder recht eigentlich zu Hauſe ſein, mehr als in ſeinem irdiſchen Handwerk.“
„Gewiß“, bekräftigte Melanchthon,„undamallerwenigſten möchte ich's Euch verdenken, lieber Meiſter, hier vor dieſer Eurer Meiſtertafel mit den Apoſteln. Da habt Ihr in der That den vollgültigen Beweis geliefert, daß Ihr auf Eurem eigenſten Gebiete ſeid, wenn es gilt, Dinge des Glaubens und der Religion zu beurtheilen.“
„Nun, wenn Dürer ſolchen Succurs bekommt, da muß ich wohl die Segel ſtreichen,“ ſagte Pirckheimer und klopfte dem Freund auf die Schulter.„Aber nun, alter Freund, erzähle uns ein wenig von Deiner Reiſe und zeige Melanchthon Deine trefflichen Portraits, die Du auf ihr geſammelt.“
Dürer beſaß die Fähigkeit, ein menſchliches Antlitz mit wenigen Zügen ſo aufs Papier zu werfen, daß es in ſeiner ganzen charakte⸗ riſtiſchen Eigenthümlichkeit vor den Beſchauer trat. Er hatte davon reichlichen Gebrauch gemacht, und die meiſten der bedeutenden Perſön⸗ lichkeiten, mit welchen er auf der Reiſe verkehrt hatte, in ſolcher meiſterhaften Weiſe ſkizzirt. Es waren mehrere hunderte. Melanch⸗ thon ſah ſie mit großem Intereſſe durch, von jeder Perſönlichkeit wußte Dürer anmuthig zu erzählen. Beſonders freute ſich Melanch⸗ thon über das Bild ſeines Freundes Erasmus, und Dürer mußte viel von ihm berichten. Eben war der meiſterhafte Kupferſtich, den Dürer nach ſeiner Skizze angefertigt, aus der Preſſe, und ein ſchönes Exemplar mußte Melanchthon als Geſchenk mitnehmen. Dafür aber verlangte der Meiſter von ihm die Gefälligkeit, ſich nun auch in dieſer Weiſe ſeiner Sammlung einverleiben zu laſſen. Melanchthon willigte ein, und ſo haben wir noch ein lebendiges Erinnerungszeichen an dieſe Zuſammenkunft der beiden großen Männer. Denn kurz darauf, noch in demſelben Jahre, führte Dürer Melanchthons Portrait ebenſo, wie das des Erasmus, in einem meiſterhaften Kupferſtiche aus, der uns die Züge des großen Reformators in wunderbarer Treue vors Auge führt.
Dieſer Beſuch war einer der letzten Lichtblicke, welche das durch manche äußerliche und innerliche Leiden getrübte Alter des großen Künſtlers erhellten. Schon 2 Jahre ſpäter erhielt Melanchthon die Trauerkunde, daß ſein herrlicher Freund das müde Auge geſchloſſen. Er überlebte ihn noch 36 Jahre und hat während dieſer Zeit in ſeinen Briefen und auf dem Katheder oft von dieſem Beſuche mit Begeiſterung geſprochen und unzählige Male wiederholt, daß er nicht wiſſe, ob er Dürer als Künſtler oder als Menſch höher ſtellen ſolle. Als Künſtler habe er zwar die höchſte Stufe erreicht, aber als Menſchen habe er ihn faſt noch mehr achten gelernt. Beſonders rühmte er an Dürer, daß er in ſeiner Manier, wie guter, alter Wein, mit den Jahren immer milder geworden ſei, ohne an Kraft und Feuer zu verlieren. Großartig und gewaltig ſeien alle ſeine Schöpfungen, aber die anfängliche Steifheit ſei ſpäter einer anmuthigen Weichheit
gewichen. Und das ſei das Zeichen eines vollendeten Meiſters.—
Sin Wundermann des vorigen Jahrhunderts. Von Theodor Bindewald.
(Schus).
Tiefe Stille hatte ſich über die nächtlichen Straßen und Gaſſen von Dresden gelagert. In vielen Häuſern waren ſchon die Lichter erloſchen, und immer menſchenleerer ſahen ſich die Hauptplätze an. Melancholiſch knarrten die Wetterfahnen im Zugwinde hin und her,
die Uhren der Kirchen zeigten ſchon ſtark auf Mitternacht. Da
ſchallten einzelne Männerſchritte vor dem Palaſte des Herzogs von
Kurland. Vermummte Geſtalten huſchten an einander vorüber und verſchwanden hinter dem Portale, ohne ein Wort zu wechſeln.
——* Weike allein in dem damme⸗


