Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
150
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Recht haben. Aber Gott weiß, daß ich auch früher nach meiner beſten Ueberzeugung gehandelt habe.

Er ging abermals in großer, innerer Bewegung hin und her, ſetzte ſich dann wieder, tauchte die Feder ein und ſchrieb die Beſtätigung des Urtheils auf den Bericht. Die Thränen ſtanden ihm in den Augen, als er mir das Papier reichte und mir ſchweigend winkte, daß ich entlaſſen ſei.

Soweit dieſer Gegenſtand, über welchen ich nur noch Folgendes hierher bemerke.

Eben während ich dieſe Erinnerungen aus alten Aufzeichnungen, Tagebüchern und geſammelten Papieren zuſammenſtelle, iſt man in verſchiedenen Ländern bemüht, die Aufhebung der Todesſtrafe im Wege der Geſetzgebung zu erlangen; ſoweit iſt die Mißliebigkeit der⸗ ſelben ſchon populär geworden. Muß ich auch noch jetzt, im hohen Alter, ein ſolches Beſtreben für eine Verkehrtheit achten, ſo lehrt doch die Erfahrung auch läßlicher über ſolche Verkehrtheiten denken. Ein⸗

In Dürers

Wer, der die Perle unſeres deutſchen Vaterlandes, die alte, herr⸗ liche Reichsſtadt Nürnberg einmal zu ſehen das Glück gehabt, erinnert ſich nicht mit Vergnügen des ſchönen St. Aegidienplatzes? Die ſtatt⸗ lichen Häuſer der alten Patricierfamilien, der Imhoff und Peller, umgeben ihn als Zeugen alter reichsſtädtiſcher Herrlichkeit, und zwiſchen ihnen, äußerlich unſcheinbar, ſteht ein niedriges Häuslein mit kleiner Pforte, das aber noch mehr, als jene Paläſte, Nürnbergs Ruhm durch die deutſchen Lande getragen hat. Es iſt das alte Aegidien⸗ kloſter, das nach der Reformation zum Gymnaſium eingerichtet wurde; eins der erſten Beiſpiele des durch ſie wiedererweckten Sinnes für die claſſiſchen Studien gab die reiche Handelsſtadt, zum Beweis, daß ein reger Eifer für Kunſt und Wiſſenſchaft mit Bürgertugend und Ge⸗ ſchäftskenntniß gar wohl ſich vereinigen kann. Luthers Mahnwort an die Rathsherren der deutſchen Städte, gute Schulen zu gründen, war kaum erſchollen, da kam von Nürnberg aus eine freundliche Ein⸗ ladung an ſeinen treuen Freund und Kampfgenoſſen Melanchthon, der ſchon früher auf ſeiner Reiſe von Tübingen nach Wittenberg in Nürnberg verweilt und in dieſer Zeit mit den bedeutendſten Staats⸗ männern und Gelehrten der Stadt Freundſchaft geſchloſſen hatte, die er durch einen regen Briefwechſel unterhielt, zu kommen und das Schulweſen zu reformiren, ja ſelbſt als Rector des Gymnaſiums an die Spitze zu treten. Das letztere ſchlug er zwar aus Dankbarkeit gegen den Kurfürſten und aus Anhänglichkeit an Wittenberg ab, aber ſein Kommen ſagte er zu und richtete auch im Jahre 1525 die neue Schule ein, deren Rectorat ſein Freund Camerarius übernahm.

Es war ein Jahr ſpäter, da ſtanden am 6. Mai 1526 vor der Pforte des ehemaligen Kloſters, jetzigen Gymnaſiums, vier ehrwürdige Gelehrtengeſtalten, augenſcheinlich in geſpannter Erwartung. Es waren Camerarius und ſeine Mitlehrer, der berühmte Humaniſt Eoban Heß, Michael Roting und Johann Schoner, der große Mathematiker. Sie harrten ihres Freundes Melanchthon, der zur Einweihung des neuen Gymnaſiums zu kommen und die Feſtrede zu halten verſprochen hatte. Gegen Abend bog ein Wägelein um die Ecke, und der Er⸗ ſehnte ſaß darin und wurde aufs wärmſte begrüßt. Des andern Morgens erſchienen zur Begrüßung die Abgeordneten des Raths, unter ihnen Melanchthons Freund Lazarus Spengler, der Stadt⸗ ſchreiber, und viele Verehrer und Freunde, unter ihnen Wili⸗ bald Pirckheimer und Hieronymus Baumgärtner, die bekannten Staatsmänner und Gelehrten. Nachdem die feierliche Begrüßung vorüber war, blieben Spengler und Pirckheimer noch bei dem Freunde und forderten ihn auf, ſie zu Albrecht Dürer zu begleiten, der ſie dringend gebeten habe, den verehrten Gaſt, den er kennen zu lernen wünſche, doch ſo bald als möglich zu ihm zu bringen. Melanchthon, der Dürer aufs höchſte ſchätzte und ſelbſt nach ſeiner Bekanntſchaft begehrte, willigte gern ein, und die drei, nebſt Camerarius, machten ſich alsbald auf den Weg. Ein kurzer Marſch brachte ſie an den Fuß des Burgberges, wo Dürers Haus ſtand, das in ſeiner urſprünglichen Geſtalt durch die Pietät der Nachkommen uns noch heute erhalten iſt.

Es iſt ein ſchmales, dreiſtöckiges Haus mit überragendem Dache; hier

zelne leiden darunter; das Ganze geht ſeinen Weg. Gegen die Be⸗ ſeitigung der Todesſtrafe wäre nichts zu erinnern, könnte man zugleich die Verbrechen beſeitigen, welche ſie nöthig machen. Da dies nicht möglich iſt, ſo hat eine Aufhebung der Todesſtrafe auf lange Dauer nicht zu rechnen. Sie wird zur Folge haben, daß die Verruchtheit frecher, die Unthaten häufiger werden, und das wird eine Gegenwir⸗ kung hervorrufen, die todesfürchtige Weichlichkeit wird verſchwinden, das ſittliche Gefühl wird ſich empören, wird ſich in den derberen Volksſchichten vielleicht ungeberdig hervorthun, und um einer wilden Volksjuſtiz, wie ſie mitunter ſich ſchon regt, die Beweggründe abzu⸗ ſchneiden, wird man ſich zur Wiedereinführung der Todesſtrafe ge⸗ zwungen ſehen. Und ſo wird der große Lenker der Geſchichte durch deren eigene Entwickelung ſchon ſorgen, daß jenes Wort immer wieder zu Ehren gebracht werde, das er nach der Sündflut zu dem Vater der neuen Menſchheit ſprach:Wer Menſchenblut vergießt, des Blut ſoll auch durch Menſchen vergoſſen werden, denn Gott hat den Men⸗ ſchen zu ſeinem Bilde gemacht.

Atelier.

(Mit Abbildung.)

im Erdgeſchoß hatte der große Meiſter ſein Arbeitszimmer, ein mäßig großes Gemach, das gegen Norden ein einziges breites, oben abgerun⸗ detes Fenſter hatte, dem gerade gegenüber die hohe, dunkle Stadt⸗ mauer ſtand und das Licht ſo abfing, daß nur ein ſchmaler Raum dicht am Fenſter Licht zum Arbeiten bot; ein Vortheil, den andere Künſtler ſich künſtlich durch Veranſtaltungen zur Concentrirung des Außenlichtes verſchaffen müſſen. Der Meiſter ſaß gerade, als die vier eintraten, vor ſeiner Staffelei, auf welcher er das herrliche Ge⸗ mälde der vier Hauptapoſtel hatte. Er hatte es zu einem Geſchenke für ſeine Vaterſtadt beſtimmt, die es ſpäter nach München an den Kurfürſten verkaufte, wo es noch eine Hauptzierde der Pinakothek iſt. Hocherfreut begrüßte der alternde Meiſter den jugendlichen Gelehrten, der ſchon damals den wohlverdienten Namen eines Praeceptor Ger- maniae trug. Da ſtanden ſie einander gegenüber, einer dem andern bewundernd ins Antlitz ſchauend, Dürer gebrochen, abgezehrt, mager, das ernſte und ſtrenge Geſicht trug ſchon die Spuren eines langen, arbeitsvollen Lebens, das Auge hatte zwar noch etwas vom alten Feuer, lag aber ſchon tief in den Höhlen und trug einen ſtarren Ausdruck; und dennoch war der Meiſter noch einer der ſchönſten Männer, mit ſeinem edlen, von langen Locken umwallten Künſtler⸗ geſicht und ſeiner markigen, breiten und gedrungenen Geſtalt. Me⸗ lanchthon, obwohl erſt 29 Jahre alt, erſchien dagegen faſt klein und unanſehnlich, mit ſeinem hageren, durch Studien ſchon frühzeitig ge⸗ alterten Geſicht und ſeiner dürren, etwas ungelenken Geſtalt. Beide, von Natur ſchüchtern, hatten ſich doch bald in einander gefunden und ſprachen wie alte Freunde mit einander. Bewundernd ſtand Me⸗ lanchthon vor dem faſt vollendeten Apoſtelbilde und vertiefte ſich mit Feinheit des Urtheils in eine Aufzählung der Vorzüge der Dürerſchen Malerei, ging auf die Idee, die vier Apoſtel als die Re⸗ präſentanten der vier Temperamente darzuſtellen, mit großem Intereſſe ein, während Dürer den Lobeserhebungen ängſtlich zu ſteuern ſuchte und ſich ſelbſt anklagte, nur gar zu lange die Natur in ihrer einfachen, großartigen Schönheit vernachläſſigt und an auffallenden Geſtalten und bunten Bildern ſein Wohlgefallen gehabt zu haben. Leider ſei ihm dieſe Erkenntniß erſt im ſpäteren Alter gekommen, und er ſehe jetzt ſelbſt auf ſeine früheren Arbeiten durchaus nicht mit der Befriedigung zurück, mit der ſeine Freunde ſie zu beurtheilen pflegten und mit der er ſelbſt ſie früher betrachtet. Viel habe er in Italien und den Niederlanden gelernt; da ſeien große Künſtler, die freilich vor ihm vorausgehabt, daß ſie in ſtetem Anſchauen einer herrlichen, großen Natur und vollendeter claſſiſcher Vorbilder geſchwelgt und an ſolchen Vorbildern Auge und Herz gekräftigt hätten. Nun ſei er leider zu alt, um auf dem neuen Wege noch große Erfolge zu erringen; zudem nage eine verzehrende Krankheit, die er ſich in den Niederlanden ge⸗ holt, am Marke ſeiner Kraft, und es ſei wohl ſein letztes Werk, das er auf der Staffelei habe. Eben darum habe er es zum Andenken für ſeine liebe Vaterſtadt beſtimmt.

Pirckheimer, der dem Geſpräche der beiden aufmerkſam zugehört,

während Spengler mit Camerarius ſich in der Fenſterniſche unter⸗

großen

Anwerpens aus L

laumpigen Jahrgeld

Hatte Pirckh um Dürers wie un genoͤthigt worden, Einſamkeit zurüchu der nürnbergiſchen⸗ ſie gegen die beiden hatte nur von ihren

berichten. Dem gr

beſonders dadurch er ganz Deulſchland g

Grüße von Lucas

Gruß war Dürerg

Mann, der iſt and

die vorderen Sätze ſchon, was ich in

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nachdenken, was e Das geht au vom Abendmahle. gebracht, wen Duͤre Spitzfindigkeiten a

Feld für ihn, er kann, und ſich nic

Und das ſo ob ein Menſch nur

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Sprache und wollt Na ſäſſl aber in der Logik Dürer läche Pirckheimer damiꝛ ihm einſt den U tohle vorreißen! a habe Dürer Unredrechung den wiſſen, Dürer⸗ h bricht? dcelnd gebe, daß Co. K Ich meins Zeichnen

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