Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
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Primeln und Cyclamen. Einige erziehen Zierhölzer und Spalier⸗ obſt, andere bevorzugen Palmen. Die Gärtnerei von Martin und Moſenthin bietet faſt jedes Jahr dem Publikum das Schauſpiel der blühenden Victoria Regia, Laurentius Orchideenhaus verſetzt mitten im Winter in die Pracht braſilianiſcher und oſtindiſcher Wälder mit Vandas, Aörides und Vanillen, die Senkeſche Gärtnerei hat eine der reichſten Sammlungen dickblättriger Pflanzen, beſonders Cacteen in hunderten von Arten und Spielarten.

Wir haben eins der ehemaligen inneren Stadtthore erreicht und ſetzen unſere Wanderung auf der neuangelegten Promenade an der Südſeite fort. Hier fallen uns mancherlei botaniſche Merkwürdig⸗ keiten auf: blaublühender Indigo, deſſen Verwandte die bekannte dunkelblaue Farbe liefern, großblättriger Riccinus, deſſen Samenöl ſowohl mediciniſch, als auch techniſch Gur Seifebereitung) dient, da⸗ neben ein weichblättriger Papiermaulbeerbaum, deſſen Baſt auf den Südſeeinſeln die Kleidungsſtücke abgeben muß; dann feinblättrige Tamariske, ein Gewächs der Wüſtenthäler Afrikas und Arabiens, das von vielen als die Erzeugerin des Manna betrachtet wird; dann eine anſehnlich große Sophora, derſelbe Baum, deſſen gelbe Farb⸗ ſäfte in China zum Färben der kaiſerlichen Gewande dienen, dann noch zahlreiche große und kleine Spielarten von europäiſchen, ameri⸗ kaniſchen, und beſonders japaniſchen Zierſträuchern und Bäumen. Zugleich iſt hier der außerordentlich vernünftige Anfang damit gemacht worden, die gepflanzten Gewächſe durch beigeſteckte Namentäfelchen dem ſich dafür intereſſirenden Publicum näher zu rücken. Es iſt dies gerade in Leipzig um ſo mehr mit Dank anzuerkennen, als der zur Uni⸗ verſität gehörige botaniſche Garten wegen ſeiner eigenthümlichen Lage von wenig anderen, als den ſpeciell Studirenden beſucht wird.

Bereits auf den Anpflanzungen auf der neuen Promenade, noch mehr aber in manchen Gärtnereien, fallen uns zahlreiche, buntblätt⸗ rige oder, wie die Gärtner ſie nennen, panachirtblättrige Gewächſe auf. Wir treffen Ahorne mit weiß- und grüngeſprenkeltem Laube, Thuja⸗ gebüſche, deren Zweigſpitzen goldgelb, andere, bei denen ſie weiß ſind, Stechhülſen mit weißgeſäumten Blättern u. ſ. w. Wir werden hier⸗ durch auf eine ſonderbare Mode aufmerkſam gemacht, welche gerade jetzt in ziemlichem Umfange herrſchend geworden. Es iſt das Wohl⸗ gefallen an Gewächſen, deren Laub durch krankhafte Entartung theil⸗ weiſe oder ganz weiß, grün und weiß oder roth, grün und weiß ge⸗ färbt iſt, während jene Pflanzen in gewöhnlichem Zuſtande ſich eines grünen Kolorits erfreuen. Es hängt dieſe Mode eng zuſammen mit den zahlreichen Neuheiten, welche in jüngſter Zeit aus den japaniſchen Gärten nach Europa übergeführt worden ſind, und deren viele, des verwandten Klimas wegen, bei uns im Freien ausdauern. Die Ja⸗ paner haben mit den Chineſen die Vorliebe für Zwerggewächſe ge⸗ mein, die ſie dadurch künſtlich erzeugen, daß ſie den Pflanzen in jeder nur möglichen Weiſe die Wurzelnahrung beſchränken und dadurch ein Verkümmern der ganzen Gewächſe herbeiführen. Ein Nebenproduct dieſes Verkümmerns und Verkrüppelns iſt das Bleichwerden der Blätter. Panachirtblättrige Pflanzen verlieren leicht ihr ſcheckiges Anſehen und erhalten wieder grünes Laub, ſobald ſie in guten Boden und dadurch in glücklichere Verhältniſſe gebracht werden. Die bleichſüchtigen Ge⸗ wächſe bilden das ſchroffe Gegentheil derjenigen mit gefüllten Blumen, welche letztere aus einem Ueberfluß an Nahrung hervorgingen. Es

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findet ſich deshalb auch kein Gewächs, das gleichzeitig panachirte Blätter und gefüllte Blumen trüge. Von der erwähnten Geſchmacks⸗ verirrung unterſcheidet ſich höchſt vortheilhaft die Pflege ſolcher Ge⸗ wächſe mit ſchönen und bunten Blättern, welche durch mehrere tüch⸗ tige Gärtnereien in lobenswerther Weiſe außerordentlich befördert wird. Schon die Begonien weiſen prachtvolle Sortiments von Blatt⸗ verſchiedenheiten auf; manche von ihnen ſehen aus wie aus Sammet gearbeitet, andere, wie mit Silber, Gold und Perlen geſtickt. Ihnen ſchließen ſich an die Marantaceen, die Arten von Echites, Gesnerie, Eranthemum, Sonerilla, Campylobotrys, Cyanophyllum und zahl⸗ reiche andere. Viele von ihnen ſind freilich ſo zart und ſtammen aus ſo heißen Klimaten, daß ſie nur im feuchten Warmhaus bei behut⸗ ſamer Pflege gedeihen wollen und in der trockenen, ſchnellen Tempe⸗ raturwechſeln ausgeſetzten Luft der Wohnzimmer raſch abſterben.

Wir gelangen jetzt auf den Auguſtusplatz. Er hat zu Weih⸗ nachten ſeinen botaniſchen Glanzpunkt, indem dann auf ihm über Nacht ein förmlicher Schwarzwald aus Fichten, Tannen und Kiefern entſteht, der ſchließlich am heiligen Abend nach allen Seiten während eines völligen Ameiſengewimmels verläuft. Zu Pfingſten grünt Leipzig gerade am entgegengeſetzten Ende, auf dem Fleiſcherplatze. Es ſchimmert dann im heitern Grün duftender Birken, die unter dem NamenMaien zum feſtlichen Zimmerſchmuck an den Mann ge⸗ bracht werden.

Die Zeit iſt uns knapp zugemeſſen, wir könnten ſonſt unſern Ausflug von hier aus durch den alten Park fortſetzen bis nach dem Roſenthale. Wir würden bereits neben dem Schwanenteiche pracht⸗ volle Exemplare der Schwarzpappel begrüßen, dann könnten wir das bunte Gemiſch von Bäumen und Geſträuchen muſtern, unter denen uns die gegenwärtig zu Straßenanpflanzungen bevorzugten Ahorne auffallen würden, durch welche man die kränkelnden Linden erſetzt. Wären wir gut zu Fuß, ſo könnten wir ſogar bis zu der eine Stunde entferntengroßen Eiche wallfahrten. Statt deſſen werfen wir nur noch einen flüchtigen Blick auf den Friedhof neben der Johannis⸗ kirche, einen wahren Garten der Stadt. Wollen wir ihn in ſeiner vollen Glorie ſehen, ſo müſſen wir ihn am Johannisfeſt beſuchen. Dann bilden die Blumenverkäuferinnen in ſeiner Umgebung förm⸗ liche Spaliere. Wer aus der Vogelſchau dann herabblicken könnte, würde ſtatt eines wandelnden Waldes hundert und mehr wandernde Blumenbeete von allen Richtungen der Windroſe herbeieilen und auf dem Friedhofe Platz nehmen ſehen. Aber auch zu allen anderen Zeiten des Jahres lohnt ein Beſuch des ſtädtiſchen Begräbnißplatzes. Er gibt uns Gelegenheit, die Schlußſcene des lieblichen Schauſpiels zu betrachten, welche das Anſchließen der Pflanzenwelt an das Ge⸗ müthsleben des Menſchen bietet. Sei es ein einfacher Immortellen⸗ kranz, ſeien es theure Wedel von Sago⸗ oder Fächerpalmen, die den Bewohner der Stadt auf ſeinem letzten Gange begleiten und ſeine Ruheſtätte decken, ſelten wird ein Begräbniß jeglichen Blumen⸗ ſchmuckes entbehren. Die meiſten Grabſtätten zeigen durch ſorgſame Pflege die Pietät der Ueberlebenden gegen die Manen des Entſchla⸗ fenen. Aber ſelbſt da, wo keine liebende Hand den verſinkenden Hügel bepflanzt, bleibt derſelbe nicht ohne Pflanzenſchmuck; es deckt dann die Hand der allverſorgenden Natur über ihn den weichen Teppich mit der tröſtenden Farbe der Hoffnung!

Lin Mundermann des vorigen Jahrhunderts. Von Theodor Bindewald.

I.

In der alten und reichen Stadt Nürnberg wurde im Jahre 1739 dem fidelen Rathhausvogt zu ſeiner zahlreichen Kinderſchar noch ein Söhnlein Johann Georg Schröpfer geboren. Im elterlichen Hauſe ging es bei der Taufe flott her, denn der Rathhausvogt hatte zugleich den ſtädtiſchen Weinſchank und war eine ehrliche, deutſche Haut, der der Umgang mit den Herren GebrüdernTrumpfaus undSauf⸗ aus zum täglichen Bedürfniß ſchon längſt geworden war. Einem hochwohlweiſen Magiſtrat der Reichsſtadt wollte zwar ſolches Wefen nicht ſonderlich gefallen, und es regnete Verweiſe und Drohungen, doch hatte man immer noch Geduld mit ihm, bis die Unordnung alſo überhand nahm, daß man den Mann mit Ehren nicht mehr im Amte

laſſen konnte und ihm und den Seinen das Rathhaus zu räumen befahl. 1 Kümmerliche Zeiten ſtiegen nun herauf. Der Vogt erfand einenLebensbalſam, den nach ihm ſogenannten Schröpferſchen Balſam; mit dem ging er hauſiren im Lande und friſtete ſo ſich und den Seinen das Leben. Der leichtſinnige und abenteuerliche Sinn, den ſolch ein wan⸗

derndes Leben mit ſich bringt, ging auf die Kinder über, unter welchen

ſich Johann Georg beſonders bemerklich machte. Noch ganz unreifen Geiſtes ergriff ihn ein ungeheurer Wiſſensdrang. Tauſenderlei Bücher las er durcheinander und erhitzte ſeine ungezügelte Phantaſie durch die ausſchweifendſten Vorſtellungen von ſpäter zu vollbringenden Dingen. Einſilbig, in ſich gekehrt und, wie es ſchien, ſchwermüthiger

Gedanken vol, auf einſamen, er gerne den die er dann ſe herbeizuführen einen Auöweg Die ange Dauer nicht an ſereinbrach in unſerm Joham Huſaren zu 3. kam Schröpfer ſeine Reverenz ſondern um de ſerviren. 2 ſolche Verbin Bruder ind Von di Die Freigebi⸗ Kloſtergaſſe e tabelſten Geſch alles flott, wie anjiehende Per das mußte ihn ſchwiegenſten höheren Welt Licht bringen Dieſe lächerlich vor gläubigen, d nur, daß er brauch macht eines Tages ſchloſſen, und daß er gänzlie Gegen Ereiguh Sch kleidet, als je ſonſt. Was geſchehen? ſeinen alten znn zu Nür unzen ſei, d von Steinbach Majeſtät in; Uniform anle d; Bäi ſö Laichted,n⸗ alten Syſtem maligen ung älles auf gr Jetzt b Thitigkeit u erbindun Liſon höher

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