Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
136
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rühmlichſt ausgezeichnet, unter anderem bei dem Dorfe Einſiedel bei Böhmiſchfriedland bei Beginn des Feldzuges die erſten Radetzky⸗ huſaren, ſowie acht Jäger und zwanzig Infanteriſten gefangen einge⸗ bracht hatte.

Leipziger

Botaniſche Excurſion in einer Großſtadt. Von Hermann Wagner.

Sie haben in Ihrem Hotel zu MittagLeipziger Allerlei ge⸗ geſſen und ſich dabei ſchon etwas von den Anſtrengungen der Reiſe erholt. Die gewöhnliche Lebensklugheit räth davon ab, in die Küchen⸗ geheimniſſe der Gaſthöfe einzudringen, wir wollen es deshalb nicht weiter erforſchen: ob der Blumenkohl Ihres Allerlei wirklich berühmter Dresdner oderErfurter war, ob der Spargel aus Al gerien übergeführt, oder ob er in der Umgegend von Halle oder in den Kohlgärten Leipzigs gewachſen: auch über die kleinen Hühnchen und großen Krebſe dabei forſchen wir lieber nicht weiter, ſondern be⸗ gnügen uns mit den Verſicherungen des Kellners, daß alle einzelnen Beſtandtheile des⸗Allerlei von koſtbarſter Beſchaffenheit waren. Naturgeſchichtliche Studien innerhalb der Gaſthöfe und Reſtauratio⸗ nen ſind immer etwas bedenklich, dagegen wird es mir Vergnügen machen, wenn Sie mir erlauben, ein Viertelſtündchen lang mit Ihnen eine kleine Excurſion durch unſere Großſtadt zu machen. So viel verſchiedene Leute in Leipzig wohnen, ſo viel verſchiedene Urtheile werden Sie auch über die gute Stadt hören. Jeder bildet ſich eine Anſicht von ſeinem Standpunkte aus. Sehen Sie dort oben auf der Spitze des Schornſteines den ſchwarzen Schlottfeger ſitzen, der Menſch hat ſicher eine ganz andere Anſicht von unſerer Stadt, als da drunten jener Hausmann, der aus der Tiefe ſeiner Kellerwohnung durch die Eiſengitter des Trottoirs forſchend nach uns heraufblickt, da wir ihm eben ſeine Handbreit Tageslicht rauben! Auch innerhalb deſſelben Standes ſind die Anſichten verſchieden. Der Groſſiſt, nach deſſen Waarenlager jene Rollwagen ihren Weg nehmen, ſieht die berühmte Meßſtadt anders an, als der junge Schüler Mercurs, welcher dort mitfriſchen Brezeln oderwarmen Eiern ſeine erſten Verſuche im Profitmachen anſtellt.

So habe auch ich, nach dem Recht der Individualität, mir meine beſonderen Anſichten gebildet, die, wie ich mir ſchmeichle, die beſchei⸗ dene Mitte zwiſchen den angedeuteten Extremen halten. Ich betrachte Leipzig rein von naturgeſchichtlichem Standpunkte aus und finde da⸗ bei einen viel reicheren Stoff, als der Neuankommende, vonder Menge der Eindrücke überwältigt, vielleicht ahnt.

Wir finden hier in der Großſtadt alle drei Naturreiche vertreten.

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Jetzt ſchmückt die Bruſt des tapferen Reiterofficiers das r verdiente Pour le Mérite⸗Kreuz, die Thaten des wackern 10. d mentes aber werden ſtets eine glänzende Seite in den Annale⸗ preußiſchen Reiterei ausfüllen. W.

Allerlei.

Noch iſt der Winter nicht zu Ende, und körbevoll bringt ſieSomme⸗

thierchen! in Bündel zu je 3 Pfg. Gebünden. Es iſt unſere Früh⸗

lingsknotenblume, maſſenhaft bereits vorhanden in den entlegenern i Theilen des Roſenthales, die nahe Verwandte des ſüddeutſchen Schneeſ⸗ glöckchens. Weiterhin im Jahre bietet ſie Kränzchen aus Waldvepe⸗ gißmeinnicht, in Waſſernäpfe zu ſetzen als Schmuck des Zimmeiſrs oder des Grabhügels; nebenbei dann auch Sträußchen aus den erſtien Walderdbeeren und Heidelbeeren für die Kinder, Kreuzkraut ſand Voögelmiere für den Kanarienvogel und Stieglitz. Im Frühl jahr erſcheint die Jungfrau mit Bouquets von Himmelſchlüſſelchen, tdann mit purpurrothen Lerchenſporen, goldgelben Trollblumen, endlich) mit der zweiblätterigen Orchis, die unter dem NamenNachtſchataten paſſirt, da ſie beſonders Abends ihren Wohlgeruch entwickelt. Auf dem Boden ihres Körbchens können wir ein Häufchen kleine ſohnee⸗ weiße Händchen liegen ſehen, die wir ſofort für die handförmigg zer⸗ theilten Knollen der breitblätterigen Orchis erkennen. Sie wuurden auf dem Wieſengrund ausgeſtochen und weißgewaſchen. Würdſen wir in der Türkei ſein, ſo wüßten wir, daß dieſe Orchisknollen als, Salep gedörrt, fein gemahlen und dann mit kochendem Waſſer übergoſſen würden. Das ſchleimige Getränk, welches daraus entſteht, wird in türkiſchen Städten als nahrhafter und wärmender Morgentrußnk feil⸗ geboten. Wozu aber dienen die Salepknollen in Leipzig, dem Mittel⸗ punkt des völkererleuchtenden Buchhandels?Glückshändchen ſind es! belehrt uns das Mädchen,das Stück zu 5 Pfg. Wir hemer⸗ ken das mitleidige Lächeln der Köchin neben uns, da wir noch dicht wiſſen, daß ein ſolches Glückshändchen in der Börſe das ſicherſte Mittel iſt, daß es darin nie an Geld fehlt. Auch für die Lotterielooſe, die dabei gelegt werden, erweiſt es ſich vortheilhaft!

Eine folgende Abtheilung des Marktes wird durchdüftet von den Producten derKranzleute. Je nach der Jahreszeit wechſeln hier die Figuren und Farben gleich den fallenden Tropfen des Regen⸗ bogens, aber Kränze, Sträuße und Guirlanden, mit Geſchmack und Geſchick gefertigt und ausgelegt, finden wir ſtets, ſelbſt mitten im Winter. Sogar bei grimmigem Froſt und ellenhohem Schnee ſind hier Kränze aus dunkelgrün gefärbtem Moos, aus weißgrauen Renn⸗

Jetzt wandeln wir auf Granitplatten jeder Schritt einen Dukaten werth! dann betreten wir ein Moſaikpflaſter aus röthlichem Por⸗ phyr, dann reinliche Fußwege aus zierlichen Rollkieſeln verſchiedener Färbung. Als weitere Objecte mineralogiſcher Studien bieten ſich behauene Sandſteine, Marmor, Schiefer,ſchöner Sand! geſchliffene Achate, Malachite, ächte und unächte Edelſteine, theure und wohlfeile Gold⸗ und andere Metallſachen. Ueber das alles legt ſich wie ein magiſcher Schleier der Leipziger Staub, die neueſte aller geologiſchen Formationen, zuſammengeſetzt aus zermalmten Pflaſterſteinen, aus 100,000 Paar abgelaufener Lederſohlen, aus unzähligen Faſern von langſchleppenden Kleidern aus italieniſcher Seide, amerikaniſcher Baumwolle, auſtraliſcher Schafwolle, dann ab⸗ genutzte Radbeſchläge und Hufeiſen, Aſche von weſtindiſchen und Stötteritzer Cigarren u. ſ. w.

Das Thierreich zeigt ebenfalls eine überraſchende Mannigfaltig⸗ keit, auch wenn wir uns nicht bis zum zoologiſchen Verkaufsgarten oder dem Muſeum der Univerſität verſteigen. Für jetzt erlaube ich mir, Sie auf einige botaniſche Eigenthümlichkeiten Leipzigs aufmerk⸗ ſam zu machen. 4

Wir kommen hier am Gemüſemarkte vorbei. Fürchten A nicht, daß ich mich zu weit in die Küchenbotanik vertiefe, um Ihnen ein Verzeichniß ſämmtlicher hier producirter Kohlarten, Gemüſe und Salatkräuter zu geben, aber ſehen Sie dieſes rothbäckige, wettergebräunte Kind von zwanzig Jahren, einem Walddorfe entſtammend, auf dem Rücken hinab lange blonde Zöpfe aus Zwiebeln, am Arme ein Körbchen! Es iſt eine intereſſante Dienerin Floras, eine Stimme der freien Wildniß mitten hinein in das Gewimmel der Cultur.

thierflechten, aus zartem ſchneeweißem Binſenmark und Wintergrün, niedliche Körbchen aus Fichtenreis und Immortellen zu treffen. Haben die getriebenen Hyacinthen, Tulpen und Maiblümchen noch nicht ſo weit ausgeblüht, daß ſie zum Einbinden verwendet werden können, will man nicht des Koſtenpunktes wegen ſich zu ächten goldgelben Akazien, duftenden Veilchen, prahlenden Kamelien verſteigen, ſo müſſen gemachte oder getrocknete Blumen die Stelle der friſchen erſetzen. Auch den lebendigen Kamelien und ähnlichen kurzſtieligen Kindern des Warm⸗ hauſes ſetzt man lange Drahtſtiele an, die im Grün verſteckt werden. Die künſtlichen Blumen ſind möglichſt wohlfeil aus gefärbtem Seiden⸗ papier hergeſtellt, und es gehört ſchon ein geübtes Auge dazu, ſie zwiſchen den wirklichen Blumen als Kunſtprodukte ſofort herauszu⸗ finden. Getrocknete Blumen ſind ein anſehnlicher Handelsgegenſtand auf dem Blumenmarkte. Immortellen, in allen möglichen natürlichen und künſtlichen Farben prahlend, bilden den Hauptartikel. Vom Schneeweiß finden wir die Scala nach brillantem Goldgelb, leuchten⸗ dem Scharlach, Orange bis zum dunkeln Braunroth. Bei Feſtgelegen⸗ heiten hat man wirklich aus den niedlichen Blümchen intereſſante Moſaikgemälde zuſammengeſetzt, während ihre Verwendung zu In⸗ ſchriften in Todtenkränzen eine gewöhnliche iſt. Zu ihnen kommen in geringeren Quantitäten violette Bleiwurzdolden und die zierlichen Arten des Zittergraſes und Haſenſchwanzgraſes, ſowohl gefärbt, als ungefärbt. Auch der beſcheidene Ackerklee, der ſeiner Zeit in Halle eine Rolle als Choleramittel zuertheilt bekam, gilt hier wegen ſeiner

weichhaarigen Blüthenköpfchen als unverwelkliche Straußverzierung. . Einen intereſſanten Artikel des Marktes bilden die Motten⸗ kräuter, eine ganze Reihe ſtarkriechender Gewächſe, die auch bis auf

1 weicen ſogar aus darin gepflegt wu ſügſan biſen Thatjache it aber königs verkauften derer Autoritäter ganze Tragkörbe verleih, zu deutſe alles Mögliche in zieht ihn auf den ſich Kamillen(H. Verden beideauch denuncirt, Käufer einer vorübergehen Wir finden pitel aus der Geſe Die gange Reihe gewürze gebräuch ſeinen Gutsverw hier ausgelegt:! u.. ſ. w. Die me gehören urſprüng Römerzüge und: wurden dieſelben viſchen Halbinſel Hauptbeſtandtheile ded Saxeges nac würze gebräuchläch ſetzen, ſo können überreichen Stoff gebränchlichen aſi eine reiche Auswe vermeintlicher Arz von den Bandwu Jittwerſamen und aſſſchen oder perſt Wolltn wir Nußſuddien noch e Haſel Pezzen un Tbbe frei ſeeren llga und Obſt)

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