Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
131
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bar. Indes galt er allgemein für einen Ehrenmann, er war unbe⸗ ſtechlich rechtſchaffen, fleißig und ſparſam, aber auch hilfreich und wohlthätig bei Kranken und Armen. Während er allen Umgang mied, wandte er ſeine ganze Liebe dem ihm übrig gebliebenen Knaben zu, den er zu ſeinem Nachfolger beſtimmt hatte und mit der größten Sorgfalt erzog. Auch hatte er die Freude, ihn zu einem wohlgebildeten, wackern, verſtändigen und lebhaften Jünglinge heranwachſen zu ſehen.

Leopold war im zweiundzwanzigſten Jahre, als er in ein leiden⸗ ſchaftliches Verhältniß gerieth mit der Tochter eines Rentbeamten, welcher in dem Ackerſtädtchen Stellbach, etwa eine Meile von Birs⸗ heim, wohnte. Die ſchöne Philippine, wie Jedermann ſie nannte, muß auf die benachbarte männliche Jugend einen ungemeinen Reiz ausgeübt haben, denn obgleich es bekannt war, daß ihr Vater nicht in den beſten Umſtänden lebte, und obgleich der geſchäftige Leumund über ſie ſelbſt allerlei Geſchichtchen umhertrug, ſo war ſie doch um⸗ drängt von Freiern aller Art, unter denen ſich ſogar ein benachbarter Edelmann befand. Doch wollte man wiſſen, daß bis zu Leopolds Werbung der Jäger Johann Keil der einzige Begünſtigte geweſen ſei. Man tadelte ſie deshalb. Denn der Jäger, aus dem rauhen Ober⸗ lande hierher verſetzt, mochte immerhin ein hübſcher, junger, kräftiger Mann ſein, ein gutes Auskommen beſitzen und alle Ausſicht haben, nächſtens Förſter zu werden, ſo war er doch ein wilder, verwegener Menſch, übermüthig und rückſichtslos, und niemand traute ihm Gutes zu. Hatte die ſchöne Philippine ihn aber auch eine Zeit lang vor anderen begünſtigt, ihm Beſuche geſtattet, ihn angehört, ſo war ſie doch der feſten Ueberzeugung, ſich in keiner Weiſe gegen ihn gebunden und ihre Freiheit vollkommen bewahrt zu haben. Als daher der friſche, muntere, liebenswürdige Leopold Welzer bei ihr erſchien, als ſie bemerkte, welch lebhaften Eindruck ſie auf ihn gemacht, als auch in ihr eine warme Neigung zu ihm ſich entzündete, glaubte ſie ſich durch nichts gehindert, ſeine leidenſchaftliche Werbung anzunehmen. Beide hatten ſich bereits verſtändigt, ehe jemand davon erfuhr, und Leopold wollte nur noch ſeinen zweiundzwanzigſten Geburtstag abwarten, um mit dem Bekenntniſſe ſeiner Neigung vor ſeinen Vater zu treten. Er wußte, daß der Vater ihn zu innig liebe, um nicht in eine Ver⸗ bindung zu willigen, an welcher das Glück und die Zufriedenheit des einzigen Sohnes hing.

Wie ſorgfältig die jungen Leute ſich aber auch bemühten, ihr beglückendes Geheimniß bis dahin verborgen zu halten, ſo konnte das⸗ ſelbe dem ſcharfblickenden Argwohn des Jägers doch nicht entgehen. Dieſer glaubte bald Gewißheit zu haben, daß ihm wie er ſich ausdrückte jemand ins Gehege gekommen ſei und ſein Wild ge⸗ ſtellt habe, und die wüthendſte Eiferſucht packte ihn. Die Liebenden pflegten ihre Zuſammenkünfte in der Laube des Gartens zu halten, der von Philippinens väterlichem Hauſe ſich ziemlich weit aus der Stadt hinaus erſtreckte. Leopold konnte dieſelbe leicht erreichen und wieder verlaſſen, ohne bemerkt zu werden. Hier ſaß Philippine eines Abends, wenige Tage vor dem erwarteten Geburtstage, in der ſom⸗ merlichen Dämmerung. Leopold hatte ſie erſt vor kurzem verlaſſen, und ſie träumte glücklich vor ſich hin, als ſie plötzlich Schritte hörte und aufblickend die dunkle Geſtalt des Jägers im Eingange der Laube ſtehen ſah.

Keil! rief ſie, indem ſie aufſprang,was wollen Sie hier?

Der Jäger ſperrte ihr den Ausgang mit ſeiner Büchſe und ſchrie wild:Wo iſt der Schurke? Er iſt bei Dir geweſen. Wo iſt er? Ich werde ihn niederſchießen.

Philippine, ſo erſchrocken ſie auch war, begriff doch ſogleich, daß ſie verſuchen müſſe, den Raſenden aufzuhalten.Was geht es Sie an, ſagte ſie,wer hier geweſen iſt, und ob jemand hier geweſen iſt?

Was? entgegnete er mit grimmigem Flüſtern.Geht es mich nichts an, ob jemand Abends zu meinem Mädchen ſchleicht? Glaubſt Du, ich wiſſe nicht, daß Du mit dem geputzten Pächtersſohn von Birsheim Zuſammenkünfte haſt? Glaubſt Du, ich könne es an⸗ ſehn, daß mir der Laffe den Rang bei Dir abläuft?

Sie machen es wenigſtens darnach, daß er's leicht thun könnte, erwiderte Philippine.Er würde ſich zu ſolchen Verwegenheiten nie hinreißen laſſen. Was wollen Sie? Was für ein Recht haben Sie an mir?

Ich kein Recht an Dir? Das wagſt Du mir ins Geſicht zu ſagen? Haſt Du mir nicht ſichtlich gezeigt, daß Du mich gerne hätteſt? Sind wir im Walde nicht zuſammengegangen? Haſt Du nicht alles angehört, was ich Dir da geſagt habe? Haſt Du

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Keil! unterbrach ſie ihn, da er vor Aufregung einen Augen⸗ blick ſtockte;wann habe ich Ihnen das Recht eingeräumt, mich Du zu nennen? Welches Wort habe ich geſprochen, das Sie berechtigte, mich Ihr Mädchen zu heißen?

Falſche Dirne! Als ob Du nicht ſo gut wüßteſt wie ich, daß Du mein ſein mußt, daß ich ohne Dich nicht leben kann! Das haſt Du gewußt, haſt's nicht widerredet, und iſt das nicht eben ſo gut, als hätteſt Du mir tauſendmal Dein Wort gegeben?

Nein, das iſt es nicht, und wenn auch alles wahr wäre, was Sie ſagen. Seien Sie vernünftig! Keil! Warum wollen Sie mich bereuen laſſen, daß ich freundlich gegen Sie war? Sie können nicht behaupten, daß ich Ihnen jemals meine Liebe, daß ich Ihnen jemals Herz oder Hand zugeſagt hätte. Sie können mich nicht hindern, frei darüber zu verfügen, und hätte ich das gethan, ſo brauchte ich mir Ihretwegen keinen Vorwurf zu machen.

So! Es iſt alſo geſchehen! Du geſtehſt es! Und dabei ſoll man vernünftig bleiben? Höll' und Teufel! Weißt Du, was Du für Deine Falſchheit verdient hätteſt? Daß ich Dich niederſchöſſe! hier auf der Stelle! Und bei meiner armen Seele, ehe Du ſein wirſt, muß einer von euch beiden dran glauben: Er oder Dul! Mehr ſage ich für heute nicht. Wir ſprechen uns wieder.

Er eilte durch die ſinkende Dunkelheit davon, ſprang über die Hecke und war verſchwunden.

Vor der furchtbaren Leidenſchaft, mit welcher er die letzten Reden herausgeſtoßen hatte, war aller erkünſtelte Muth des armen Mäd⸗ chens zergangen. Wie ein geſcheuchtes Wild lief ſie durch den weiten Garten dahin, dem Hauſe zu, auf ihre Kammer, und warf ſich weinend und zitternd auf ihr Bett. Sie fühlte, daß in den Vorwürfen des wilden Menſchen etwas Wahres ſei, und dieſer Stachel im Gewiſſen ver⸗ mehrte ihre Angſt. Nach langem, rathloſen Ringen ſtand ſie mitten in der Nacht auf und ſchrieb einige Zeilen an Leopold. Sie beſchwor ihn, Birsheim in den nächſten Tagen nicht zu verlaſſen und auf keinen Fall nach der Stadt zu kommen. Sie könne ihm jetzt den Grund zu dieſer Bitte nicht ſagen, ſie werde es ſpäter thun; dieſelbe habe nichts mit ihrer Liebe und Treue zu ſchaffen, deren er ſich unver⸗ brüchlich verſichert halten dürfe. Am andern Morgen, ſo früh es thunlich war, wurde dieſer Brief fortgeſchickt.

Leopold empfing ihn, befolgte die ausgeſprochene Bitte und traute den Verſicherungen ſeiner Geliebten. Aber die Sehnſucht nach ihr ſcheint ihn bewogen zu haben, ſchon am nächſten Sonntage, dem Tage vor ſeinem Geburtsfeſte, dem Vater ſeine Liebe zu Philip⸗ pinen zu bekennen und ſeine Zuſtimmung zu dieſer Verbindung zu erbitten. Der Vater umarmte ihn in ſeiner leidenſchaftlichen Weiſe und ſagte:Glaubſt Du, ich hätte nicht längſt bemerkt, daß Dich ſo etwas beſchäftige? Aber ich wußte, Du werdeſt es mir ſagen. Mir i*ſt alles recht, was Du thuſt, und ich traue Deinem Urtheil über die ſchöne Philippine mehr, als allem Gerede der Menſchen. In der Regel iſt es nur ein Gewebe von Neid, Mißgunſt und Schadenfreude. Auf Geld brauchen wir nicht zu ſehen. Liebt ſie Dich ſo, wie Du davon überzeugt biſt, ſo wird ſie Dir auch eine gute Hausfrau wer⸗ den, Du wirſt glücklich ſein, und dann habe ich keinen Wunſch mehr in dieſem Leben. Und nun geh in die Stadt, wirb bei ihrem Vater um ſie! Es iſt noch nicht ſo ſpät, daß Du nicht vor Mitternacht wieder zurückkehren könnteſt. Morgen wollen wir dann zuſammen hinfahren und Geburtstag und Verlobung zugleich feiern.

Leopold dankte dem Vater aufs herzlichſte und begab ſich in fröhlicher Eile auf den Weg. Er mochte glauben, daß er durch ſeine bisherige Zurückhaltung Philippinens Bitte vollkommen erfüllt habe.

Um dieſelbe Zeit machten ſich vier junge Leute aus Stellbach auf den Weg nach Birsheim, um Leopold, dem ſie befreundet waren, alles Ernſtes vor dem Jäger Keil zu warnen. Der erzählte Auftritt in der Laube mußte von irgend jemand belauſcht worden ſein, von wem, iſt nicht zu ermitteln geweſen; aber ſchon Tags darauf entſtand in dem Orte ein Gerücht, der Jäger Keil habe der ſchönen Philippine heftige Vorwürfe über ihre Treuloſigkeit gemacht und dabei gedroht, er werde dem jungen Welzer ein Leides zufügen. Dies Gerede machte die Einwohner des Städtchens auf das Gehen und Kommen, Thun und Treiben des Jägers aufmerkſamer, als ſie ſonſt wohl ſein mochten. Man erzählte ſich am Sonntag Nachmittage auf der Kegelbahn, er habe ſich fortwährend zwiſchen den Stadtgärten und auf dem Wege nach Birsheim mit ſeiner Büchſe umhergetrieben und ſei den Leuten, die ihm hätten begegnen müſſen, ſchon von ferne