Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
127
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Er war am Tage

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noch eine Stunde wogte der Kampf im Dorfe hin und her, da verließ ihn das Bewußtſein. Erſt am Morgen nach der Schlacht kam er wieder zu ſich. Es hatte ſeit ſeiner Verwundung ununter⸗ brochen geregnet, und er fand ſich daher völlig durchnäßt in einer Pfütze liegend. Mühſam kroch er durch das benachbarte Gehöft in eine Scheune, deſſen offnes Tennenthor er von ſeinem Platze aus er⸗ blicken konnte, und fand daſelbſt fünf andere verwundete Kameraden, unter ihnen auch ſeinen Burſchen. Bei deſſen Anblick ließ ihn der nun aufs heftigſte rege gewordene Hunger der beiden Gänſe gedenken, aber dieſe waren leider aus dem Torniſter verſchwunden, da auch der Burſche mehrere Stunden nach ſeiner Verwundung bewußtlos auf der Dorfſtraße gelegen hatte. Der Beſitzer der Scheune, ein alter czechiſcher Bauer, erſchien bald auf der Tenne; aber wie ſehr wurde die Hoffnung der Unglücklichen auf ſeinen Beiſtand getäuſcht, als er auf deren dringende Bitten nur die übliche Antwort hatte, kein Deutſch zu verſtehen, und, in ſeiner Sprache angeredet, bei der trock⸗ nen Erklärung verblieb, nichts Eßbares im Hauſe zu haben! So ver⸗ ging der erſte Tag nach der Schlacht; mehre der Verwundeten wurden ſchwächer und ſchwächer, und als die Sonne des zweiten Tages aufging, waren nur noch drei derſelben am Leben. Der Bauer erſchien wieder, ließ ſich aber auch jetzt nicht bewegen, die Verſchmachtenden zu er⸗ quicken oder ihnen irgendwie Hilfe zu ſchaffen. Da ging auf der Dorfſtraße ein preußiſcher Soldat vorüber. Unſer Freund rief ihn herbei und bat ihn um Beiſtand. Er kam hinein, brachte die Todten fort und holte von der Bühne einige Bund Stroh, auf denen er die Verwundeten bettete. Zu eſſen hatte er nichts, und auch ſeine Be⸗ mühungen, im Dorfe Lebensmittel für die Verſchmachtenden zu er⸗ langen, blieben fruchtlos. Wieder verging der Tag, die Nacht, und der fünfte Tag, ſeitdem der Unglückliche keinen Biſſen Speiſe zu ſich genommen, brach an. Wieder war inzwiſchen einer ſeiner Leidensge⸗ fährten verſchieden, und ſchon ſah er ſich dem ſchrecklichen Hungertode rettungslos verfallen. Da gab ihm die Verzweiflung ein, den hart⸗ herzigen Beſitzer des Gehöftes durch Furcht zum Beiſtande zu vermögen. Er lud mit vieler Mühe das Gewehr eines Verſtorbenen, ſchob deſſen Mündung in das Dachſtroh und drohte, daſſelbe in Brand zu ſchießen, wenn er nicht ſofort in das nächſte Lazareth geſchafft würde. Dies halft: ſchon nach einer Viertelſtunde befand er ſich auf dem Wagen und wurde nach dem nächſten Städtchen gebracht. Auf dem Markte deſſelben be⸗ gegnete dem Wagen eine Frau mit einem Becken lieblich duftenden Rippenbratens. Sie erwies ſich bereit, ein derbes Stück davon dem Verſchmachtenden zu verkaufen, und wir wollen es ihm glauben, daß ihm die Mahlzeit köſtlich behagte. Auch blieb ſie, der allgemeinen Anſicht über die Schädlichkeit derber Koſt nach langem Faſten zuwider, gänzlich ohne Nachtheil. In jener Stadt traf er mit zwei Abge⸗ ſandten des Berliner Pflegevereins zuſammen, die ihn auf ihrem Wagen nach dem Lazareth in Königinhof brachten, von wo aus er bereits nach 8 Tagen in das märkiſche Reſervelazareth verlegt wurde. Hier war nach etwa 6wöchentlicher Cur ſeine Heilung faſt vollendet.

Ganz anders war es mit ſeinem Kameraden, einem öſterrei⸗ chiſchen Jäger. Derſelbe war der Sohn eines in Temeswar, im Banat, wohnenden Kaufmanns, deutſcher Abkunft und als 19jähriger Student den Fahnen ſeines Kaiſers gefolgt. In der Schlacht bei

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Königgrätz hatte er einen Schuß in die rechte Kniekehle erhalten und war erſt fünf Tage ſpäter auf dem von den Preußen immer noch durchſuchten Schlachtfelde aufgefunden und in das Lazareth nach Kö⸗ niginhof gebracht worden, von wo er gleichfalls nach 14 Tagen nach der Mark transportirt worden war. Anfänglich ſchien der Ver⸗ lauf der Verletzung günſtig; allein die zarte und ſchwächliche Conſti⸗ tution des jungen Mannes war derſelben auf die Dauer nicht gewachſen; es ſtellte ſich ein nervöſes Fieber ein, unter deſſen Ein⸗ fluß die Wunde ſich erheblich verſchlimmerte. Inzwiſchen hatten ſich ſeine Eltern vergeblich um Nachrichten über das Schickſak dieſes, ihres einzigen Kindes bemüht. Da ſolche unter den obwaltenden Umſtänden von den öſterreichiſchen Militärbehörden nicht ertheilt werden konnten, reiſte der bejahrte Vater ſelbſt nach dem Kriegsſchauplatze, und hier gelang es ihm endlich zu erfahren, daß ſein Sohn noch lebend in das Königinhofer Lazareth und von dort nach X. in der Mark gebracht worden ſei. In banger Sorge, ob er ſein Kind noch lebend antreffen werde, eilte er dorthin. Er hatte ſich vorgenommen, den Kranken aus dem Lazareth loszubitten, ihn in ſein Quartier aufzunehmen, um ihn ſelbſt dort zu pflegen; aber nachdem er zuvor die Behandlung und Pflege, die ſeine Landsleute im Lazareth genoſſen, kennen gelernt, rief er mit Thränen aus:Nein, ich laſſe ihn bei den Preußen; ich könnt' es ihm nicht beſſer ſchaffen! Das Wiederſehen zwiſchen ihm und dem darauf vorbereiteten Sohne ließ im Krankenſaale, vom Oberarzte bis zum Wärter herab, kein Auge trocken. In rührendſter Weiſe gab der alte Mann den wechſelnden Gefühlen der überwälti⸗ genden Freude, den Todtgeglaubten in ſeine Arme zu ſchließen des Kummers, ihn ſo hoffnungslos leidend zu finden, des Dankes für die liebevolle Behandlung ſeines Kindes Ausdruck.Hab'ich es doch immer Deiner Mutter geſagt, rief er, ſich halb zu ſeinem Sohne, halb zu uns ſich wendend,daß wenn Du noch lebend in die Hände der Preußen gefallen wäreſt, wir nicht zu ſorgen hätten. Du wäreſt dann ja bei deutſchen Leuten; aber nun ſeh' ich, Du biſt bei lieben Freunden! Und dann erzählte er uns, wie ſchrecklich das Schickſal der im ungariſch⸗öſterreichiſchen Kriege 1849 in die Hände der Morlaken und Grenzler gefallenen Gefangenen geweſen ſei; wie er mit eignen Augen geſehen, daß ihnen die Kleider vom Leibe geriſſen, die nackten Arme mit Strohſeilen auf dem Rücken zuſammengebunden, und das Stroh angezündet worden ſei.

Leider war es dem zärtlichen Vater nicht beſchieden, den Sohn geneſen zu ſehen. Acht Tage hindurch wich er nicht von deſſen Lager; man hatte ihm ein Bett neben das ſeines Sohnes geſtellt, der, ohne zu klagen, mit einem ſtets freundlichen, dankbaren Ausdruck in dem abgezehrten Geſichte, dem Tode raſch zueilte. Zehn Tage nach Ankunft des Vaters verſchied er.

Gegen Ende September wurden die nunmehr geheilten Ver⸗ wundeten in ihr Vaterland zurückgeſendet, und den Heimatsbehörden in Oeſterreichiſch⸗Oderberg übergeben. Ihr Abſchied von den Aerzten und ihren treuen Pflegerinnen war der herzlichſte, und ſicherlich werden die Heimgekehrten durch die Berichte, wie es ihnen in Feindesland ergangen, zur Beſchwichtigung der künſtlich aufgeregten National⸗ erbitterung zwiſchen den beiden Völkern beitragen.

Oſtfrieſiſche Lebensbilder.

Von Hermann Meier.

II. Das Klootſchießen.

Juchhe! noch friert's! Iſt dieſer Ausruf überhaupt im Munde unſeres eifrig ſchlittſchuhlaufenden Oſtfrieſen nicht ſelten, wenn er des Morgens die Naſe ins Freie ſteckt oder die gefrorenen Fenſterſcheiben mit dem Athem ſeines Mundes aufzuthauen verſucht; freudiger, zu⸗ friedener klingt er am Faſtnachtstage, an dem Tage, an welchem der Mittagstopf aller Häuſer Klöße mit Schinken liefert. Wäre es doch eine Sünde wider die Sitten der Väter, dieſen Tag nicht durch Kloot⸗ ſchießen zu feiern. Faſtnacht fällt immer auf den Tag vor Aſcher⸗ mittwoch, alſo auf einen Dienſtag; feierte man aber den Montag be⸗

ats als einen blauen, der Dienſtag iſt gewiß in ſolche Farbe gehüllt.

Alles feiert, jeder geht ſeinem Vergnügen, dem Klootſchießen nach. Doch findet man dieſes Volksvergnügen nicht in allen Theilen

V

Oſtfrieslands, nur im nordöſtlichſten Theile, im ſogenannten Har⸗ lingerlande, tritt es noch in der von den Vätern ererbten Weiſe auf.

Es war an einem grimmig kalten Montag F bruars, als uns weder Poſt noch Omnibus mehr unſerem Ziele zufuhren konnten und wir alſo gezwungen waren, des Schuſters Rappen anzuſpannen. Der Fingerbieter(Fingerbeißer), wie der Oſtfrieſe eine ſchneidende Kälte zu nennen pflegt, trieb uns raſch vorwärts, und in Gedanken verſetzten wir uns bereits an den warmen Ofen im anheimelnden Stübchen unſeres harrenden Gaſtfreundes.

Todesſtille ringsum! Kein Menſch, kein Thier auf dem öden Wege, nur hie und da eine beſſere oder ſchlechtere Hütte, deren auf⸗ ſteigende Rauchſäule wir mit einer gewiſſen Art von Mißgunſt be⸗ trachten.

Vor uns liegt das Dorf Werdum und verſpricht uns Labung,