Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
126
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geben ganzer Ländergebiete zwingt, ohne daß ein Schuß fällt, ſo haben auch die Kriegslazarethe aufgehört, die Stätten peſtartiger Seuchen zu ſein, welche ſie noch in den Kriegen zu Anfang unſeres Jahrhun⸗ derts zu den ſchrecklichſten Begleitern der Heereszüge machten. Der ſchwierige Transport der Verwundeten hatte in früheren Zeiten die Anhäufung derſelben in der Nähe der Schlachtfelder zur Nothwen⸗ digkeit gemacht, und bekanntlich iſt nichts dem Ausbruche von Epide⸗ mien und anſteckenden Fiebern ſo günſtig, als die Zuſammenhäufung einer großen Anzahl von Kranken. Erſt die Eiſenbahnen haben dieſem Uebelſtande ein Ende gemacht, indem ſie die Auseinanderlegung der Kranken und Verwundeten in räumlich weit von einander entfernte Plätze ermöglichten. Seitens der preußiſchen Armeeverwaltung war deshalb bereits bei Annäherung der Kriegsgefahr auf die Errichtung ſogenannter Reſervelazarethe in den dem muthmaßlichen Kriegsſchau⸗ platze benachbarten Provinzen Bedacht genommen, und ſchon zu An⸗ fang Juni in zahlreichen, an der Eiſenbahn gelegenen Städten die nöthigen Vorkehrungen, Ermittelung paſſender Localitäten, Ge⸗ winnung des ärztlichen Perſonals, Beſchaffung von Lazarethbedürf⸗ niſſen getroffen worden. Dieſe Vorſorge hat es möglich gemacht, daß Preußen, außer ſeinen eigenen Verwundeten, von denen nur 200 in feindlichen Lazarethen verpflegt worden ſind, im ganzen 25,000 Verwundete der feindlichen Armeen in ſeine eigenen Lazarethe hat aufnehmen und gleich den eigenen Landeskindern verpflegen können.

Sobald die vom Gefecht oder Schlachtfelde in die Feld⸗ und ſchweren Lazarethe gebrachten Verwundeten ſich dort zu häufen be⸗ ginnen, werden die Transportfähigen ausgeſondert und rückwärts in die in den benachbarten Provinzen angelegten Reſervelazarethe ge⸗ bracht. Zu ſolchen Lazarethen werden leerſtehende Kaſernen, leere Fabrikräume, größere Schulanſtalten, Schlöſſer ꝛc. gewählt. Die Belegung der Zimmer erfolgt in der Weiſe, daß auf den Mann circa 600 Kubikfuß entfallen, und wo der Raum beſchränkt iſt, wird durch Aufſchlagung von Zelten mit doppeltem Segeltuchdache, die durch⸗ ſchnittlich für 14 Betten eingerichtet und an den Giebelſeiten mit Abtheilungen für die Wärter verſehen ſind, oder auch durch Er⸗ richtung hölzerner Barracken Platz geſchafft. Das Lazareth wird von einer ſogenannten Lazarethcommiſſion verwaltet, die aus einem Officier, dem Arzte und einem Verwaltungsbeamten zuſammengeſetzt iſt, wäh⸗ rend die ärztliche Leitung dem Chefarzte zuſteht, unter welchem die ordinirenden Aerzte der einzelnen Stationen(50 bis 100 Kranke) mit je einem bis zwei Unterärzten fungiren. Außer dieſen Unter⸗ ärzten ſind jeder Station 1 bis 2 Chirurgengehilfen, Soldaten, meiſt mit Unterofficiersrang und für je 2 Krankenzimmer mit 15 bis 20 Mann je ein Krankenwärter zugetheilt. Die Anſtaltsküche liefert die Speiſen in dreien Diätformen, ſowie die für einzelne Kranke verord⸗ nete Extradiät, welche in Kaffee, Milch, Eiern, Frühſtücksbouillon, Braten, Wein, Compots ec. beſteht.

Dieſen ſtaatlichen Einrichtungen hatten ſich nun in allen Städten, in welchen Reſervelazarethe eingerichtet waren, Privatvereine zugeſellt mit der Abſicht, die Pflege der Verwundeten nach allen Richtungen hin zu fördern. Außerdem war vom Johanniterorden einem jeden größeren Lazarethe ein Ritter als Ordenscommiſſarius zu gleichem Zwecke beigeordnet.

In der an der Eiſenbahn belegenen brandenburgiſchen Garniſon⸗ ſtadt X. waren mehrere große Lazarethe mit im ganzen 1000 Betten errichtet worden, von welchen bis zum 16. Juli erſt 300 mit, theils innerlichen, theils augenkranken Preußen belegt waren. Für den ge⸗ nannten Tag, 13 Tage nach der Schlacht bei Königsgrätz, waren die erſten Transporte von Verwundeten angeſagt worden, und ſchon am 19. waren deren 700 angelangt. Es waren 620 Oeſterreicher, 12 Sachſen und etwa 6070 Preußen. Ihre Ankunft war das Signal zur Bildung neuer Pflegevereine, theils von Frauen aus der Nachbarſchaft jedes Lazareths, theils von Männern. In kurzer Zeit hatte der Männerverein eine Summe von 6300 Thaler auf⸗ gebracht, und einem jeden der 4 großen Lazarethe einen Commiſſarius beigegeben, welcher aus Vereinsmitteln für die Förderung der Kranken⸗ pflege zu ſorgen hatte. Die Frauen und Jungfrauen dagegen, die ſich zahlreich zur Pflege der Kranken einſtellten, theilten ſich in die einzelnen Krankenzimmer, deren Inſaſſen von ihnen durch regelmäßige tägliche Spenden von nicht⸗etatsmäßigen Erquickungen, als Vesper⸗ kaffee ꝛc., erfreut wurden. Viele betheiligten ſich auch an der un⸗ mittelbaren Krankenwartung, andere vermittelten die Correſpondenz der Kranken mit deren Angehörigen; kurz, es war in einer Weiſe

für die Verwundeten geſorgt, daß dieſe es bald vergaßen, daß ſie ſich in Feindes Gewalt befänden.

Wie vorzüglich die Einrichtungen dieſer Lazarethe waren, geht am ſchlagendſten daraus hervor, daß ungeachtet ihrer bedeutenden Größe, das eine enthielt 330 Verwundete, ein anderes 400 Kranke, darunter 200 Verwundete, weder Lazarethfieber, noch das gefürchtete Eiterfieber(die Pyämie) in denſelben zum Ausbruch kam, die gefähr⸗ lichſten Wunden vielmehr ebenſo gutartig verliefen, als ob ſie in Privatwohnungen behandelt würden. Ja, obgleich während des Be⸗ ſtehens der Lazarethe in der Stadt eine ausgedehnte Cholera⸗Epidemie herrſchte, iſt kein einziger der 1000 Lazarethkranken von dieſer Seuche ergriffen worden.

Faſt ausnahmslos beſtanden die Verletzungen in Schußwunden, und zwar die größere Hälfte derſelben mit Knochenzerſchmetterungen verbunden, und ſomit für das Leben, wenigſtens für die Erhaltung des verletzten Gliedes höchſt gefährlich. Dennoch war der Verlauf der Wunden ein überraſchend günſtiger, indem von 100 Verwundeten durchſchnittlich nur 45 ſtarben. Eben ſo erfreulich war es, daß es auch in den meiſten Fällen, in welchen anfänglich die Amputation un⸗ vermeidlich ſchien, gelungen war, das Glied zu erhalten. Ihrer Nationalität nach waren unter 100 Oeſterreichern in dieſen Lazarethen etwa 33 Deutſche, 40 Slaven(Czechen, Polen und Slowaken, Croa⸗ ten ꝛc.), 12 Ungarn, S Italiener und 7Rumänen(aus Siebenbürgen, dem Banat ꝛc.); und es ſtellte ſich bald heraus, daß die ſlaviſchen und italieniſchen Soldaten bei weitem empfindlicher und weichlicher bei ihren Verwundungen ſich verhielten, als die Deutſchen und Ungarn.

An dem überraſchend günſtigen Verlaufe der Verletzungen hatte ohne Zweifel das Zündnadelgewehr einen erheblichen Antheil. Denn es iſt eine alte Erfahrung, daß die Schußwunden der früheren runden Kugeln, die aus glattläufigen Gewehren abgeſchoſſen wurden, wegen ihres unſicheren Laufes, den ſie auch innerhalb der getroffenen Theile fortſetzen, die Umgegend des Schußkanals weit mehr verletzten und erſchütterten, und namentlich ſchwerere Knochenverletzungen hervor⸗ brachten, als die, wegen ihrer ſpitzeren Geſtalt viel leichter eindrin⸗ genden Geſchoſſe der Präciſionsgewehre, welche außerdem die ihnen im Gewehrlaufe durch die Züge mitgetheilte Richtung viel feſter inne⸗ halten, und daher die Wände des Schußkanals nicht ſchlotternd ver⸗ letzen. Am klarſten erweiſt ſich dies aus dem auffallend günſtigen Verlauf der Bruſtwunden, die bei den früheren Gewehren meiſt immer abſolut tödtlich waren. In unſeren Lazarethen befanden ſich nicht weniger als 6 Perſonen, welche von vorn nach hinten durch die Bruſt geſchoſſen waren, ſo daß bei mehreren die Kugel beim Austritte noch dazu durch das Schulterblatt geſchlagen hatte, und alle dieſe an⸗ ſcheinend ſo ſchwer Verletzten waren bereits in der vierten Woche vollkommen geheilt..

Sehr bedeutend war die Zahl derjenigen Verwundeten, die erſt am 45. Tage nach der Schlacht von den Preußen auf dem Schlacht⸗ felde aufgefunden, und in die Lazarethe geſchafft waren. Unter ihnen befanden ſich zwei, deren Geſchick eine beſondere Erwähnung verdient. Der eine war ein Officier ungariſcher Abkunft. Er war am Tage vor der Schlacht bei Königgrätz in Regimentsgeſchäften von früh bis Abends 8 Uhr in der Umgegend des Feldlagers beſchäftigt geweſen, und hatte keine Gelegenheit zur Mahlzeit gefunden. Höchſt erwünſcht war es ihm daher, daß er bei ſeiner Rückkehr am Abende Gelegenheit fand, von einer ihm begegnenden Gänſetreiberin zwei Gänſe zu er⸗ handeln, welche zu einem feſtlichen Abendeſſen beſtimmt wurden. Schon hatten ſich die hierzu eingeladenen Kameraden eingefunden, die gerupften Gänſe wurden in den Feldkeſſel gethan, und mit einigen Händevoll Reis übers Feuer geſtellt. Als das Waſſer zu wallen be⸗ gann, erging plötzlich der Befehl an die betreffende Brigade: aufzu⸗ brechen, und die Stellung bei Chlum einzunehmen. Der Keſſel wurde umgeſtürzt, und die Gänſe wanderten zurück in den Torniſter des Burſchen. Auf dem neuen Lagerplatze erſt in früher Morgenſtunde angekommen, forderte der Schlaf zunächſt ſeine Rechte. Um 7 Uhr begann die Schlacht, die ſich gegen Mittag nach Chlum wälzte, in deſſen Straßen der Kampf hin und her wogte. Unſer Freund hatte einen preußiſchen Officier mit drei Mann gefangen genommen, und, ſich des Degens deſſelben bemächtigend, drang er an der Spitze ſeines Zuges, zur Ermuthigung ſeiner Leute mit dem preußiſchen Degen vor. Aber dies Vorgehen ſollte ihm verderblich werden, denn faſt gleichzeitig wurde er von vier Kugeln, die ſämmtlich in das rechte Bein drangen, getroffen und ſank in der Dorfſtraße nieder. Faſt

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