Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
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innerliche wie äußerliche. Es iſt bald erreicht, und am gewaltigen Torffeuer thauen wir unſere erfrorenen Glieder wieder auf. Der Oſtfrieſe hat Recht!Dem Schulmeiſter geht's wie einem blecher⸗ nen Gefäß, es iſt leicht warm, leicht kalt.

Die Wirthsſtube oſtfrieſiſchJagdweide birgt eine ganze Schar junger Burſchen, die ihr lebhaftes Geſpräch durch die An⸗ kunft eines Fremden in keinerlei Weiſe ſtören laſſen.Faſtelavend! Klootſcheeten! inholden! Dieſe und andere ſich häufig wieder⸗ holende Ausdrücke beweiſen uns zur Genüge, daß ſich die Debatte um das Vergnügen des morgenden Tages dreht. Endlich iſt man fertig geworden, und ein Theil der Geſellſchaft bricht auf, nachdem noch zu⸗ vor die kurzen Pfeifen geſtopft und mit einer glühenden Kohle ange⸗ zündet, die Kragen der kurzen Jacke aufgeſchlagen und ein Tuch um Mütze und Ohren gebunden iſt. Sie ſind aus einem benachbarten Dorfe deputirt und haben die jungen Burſchen Werdums zum Zwei⸗ kampf auf morgen herausgefordert. Dieſer iſt angenommen, und die Bedingungen ſind aufs genaueſte ſtipulirt. Dreierlei beſonders mußte beſtimmt geregelt werden:

1) Sollen die Kugeln leicht⸗ oder ſchwerpfündige ſein?

2) Wie viele Perſonen jeder Partei ſollen thätig auf dem Kampfplatze erſcheinen?

3) Wie hoch gilt der Preis?

Der Städter iſt nur ſelten in der Lage, ſolche echten Volksver⸗ gnügungen zu ſehen, weshalb wir es vorzogen, die Nacht hier zu verweilen, um am folgenden Tage dieſem nationalen Feſt beizuwohnen. Zu gleicher Zeit haben wir ja dann hinreichende Gelegenheit, über die vorbereitenden Verhandlungen des heutigen Abends unſere Er⸗ kundigungen einzuziehen.

Von einem etwa eine Stunde entfernten Dorfe waren am heu⸗ tigen Abend ſechs ſtämmige Burſchen ins hieſige Wirthshaus gerückt, hatten ſich rund um den Herd geſetzt, ſich häufig geräuspert, noch häufiger ins Feuer geſpuckt, als ob ihnen die helle Flamme im Wege ſei, am häufigſten aber ſeitwärts die anweſenden Jünglinge Werdums gemuſtert, bis endlich einer der auswärtigen mit gravitätiſchem Ernſt in die tiefe Hoſentaſche gefahren war und eine hölzerne, mit Blei durchgoſſene Kugel auf den Tiſch gedrückt hatte mit den herausfor⸗ dernden Worten:Wi hangt den Kloot up! d. h. Wir fordern Euch

zum Klootſchießen heraus. Die einheimiſchen Burſchen, denen längſt der Zweck jenes Beſuches bekannt war, hatten bis dahin alles mit größter Gemüthsruhe beobachtet, aber jetzt ſchien plötzlich doppeltes Leben in ſie zu fahren; einige Secunden leiſes Geflüſter dann ergriff einer die Kugel und ſagte:Wi nehmt den Kloot up! d. h.: Wir nehmen die Herausforderung an. Das gab Leben in dem Hauſe und außer⸗ halb deſſelben, wo die halberwachſene Jugend mit kaum bezwingbarer Sehnſucht das Reſultat erwartete, um es dann ſchleunigſt von Haus zu Haus zu verkünden, daß morgen dieſes und jenes Dorf ſich im Klootſchießen meſſen werde. Freunde der Sache nehmen nun gleich die Angelegenheit in die Hand, und in kurzer Zeit iſt ein Sümmchen Geld zuſammengebracht, um am folgenden Tage als Preis zu dienen.

Während deſſen wurden da drinnen die oben erwähnten Fragen verhandelt und nach langer Debatte beſchloſſen: beim Kampf gelten nur ſchwerpfündige Kugeln, das ſind ſolche, die zwei bis drei Mal durchbohrt und mit Blei ausgegoſſen ſind, ſo daß ſie wenigſtens ein Pfund wiegen, während nicht ſo ſchwere leichtpfünd ige heißen. Von beiden Seiten werfen drei Mann hin und zurück von Dorf zu Dorf; der Preis beträgt zehn Thaler von jeder Seite. Die

Anzahl der Werfenden rief eine lange, heftige Debatte hervor, ernſter und hartnäckiger, als die der preußiſchen Abgeordneten über zwei⸗ oder dreijährige Dienſtzeit, denn das eine Dorf hatte nur zwei gewiegte Klootſcheeters, während Werdum drei in ſeiner Mitte barg. Wenn bei dieſer Debatte ſich auch manche Kehle heiſer ſchrie und dann und wann die Krüge und Gläſer von den derben Fauſtſchlägen auf dem Tiſche tanzten, ſo ſiegte doch letztere Anſicht, und einige Krüge Warm⸗ bier beſiegelten den Vertrag.

Es iſt Faſtnacht, und früh Morgens ſchon regt ſich's im Dorfe,

Briefe und Sendungen ſind zu richten an die Redaction des Daheim in Leipzig, Poſtſtraße Nr. 17.

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denn noch gibt es der Vorbereitungen manche, bevor der Kampf be⸗

Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Bielefeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig. Verlag der Daheim⸗Expedition von Delhagen a Klaſing in Bielefeld a Berlin. Druck von Fiſcher* Wittig in Leipzig.

ginnen kann.

Vor allen Dingen iſt die Stelle, von wo aus man den Wett⸗ ſtreit zu beginnen beabſichtigt, mittels Spaten und Hacken zu ebnen und eine lange Strohmatte daraufzulegen, die vorn durch unkerge⸗ legte Säcke angemeſſen erhöht wird, damit die Kämpfenden beim Werfen eine feſte Stütze haben und nicht ausgleiten können. Daß bei dieſen Vorbereitungen die liebe Jugend die erſte Violine ſpielt, iſt gewiß ſelbſtredend.

Früher, wie ſonſt, kommt heute das Mittagsmahl auf den Tiſch, um ja nicht den Anfang des Kampfes zu verſäumen. Von hüben und drüben verſammelt ſich allgemach eine große Menſchenmaſſe, und manche Wette, das Reſultat des Kampfes betreffend, wird noch gemacht.

Plötzlich tiefe Stille! Die Gladiatoren haben die Arena be⸗ treten und ſetzen ſich in Poſitur, nicht nur die eigene, ſondern auch die Ehre des ganzen Dorfes zu vertreten.

Bahnwieſer und Stocklegger ſtehen auf ihrem Poſten. Jener zeigt durch einen emporgehaltenen Stock die Richtung und zugleich eine ausgeſuchte Stelle für das Niederfallen der Kugel an; dieſer be⸗ wacht die gegneriſche Kugel in ihrer Ruhe und legt ſeinen Stock davor, damit weder Tritt noch Stoß ſie weiter befördere. Würde das ge⸗ ſchehen, ſo wäre ja eine allgemeine Keilerei unausbleiblich, und dazu iſt ja noch ſpäter Zeit und Gelegenheit. Die erſte Kugel ſauſt durch die Luft. Um mit voller Kraft und ohne jegliches Hinderniß werfen zu können, haben die Kämpfenden ſich ihrer Oberkleider und Holz⸗ ſchuhe entledigt und ſolche dem kleinen Volke zum Aufheben über⸗ geben. Wer dieſer Ehre gewürdigt wird, wächſt plötzlich um eines Hauptes Länge.

Hierhér! ſchreit der Bahnwieſer,Hal wér! der Werfende und macht nach verſchiedenen blinden endlich den wahren Anlauf, be⸗ ſchreibt mit dem Arm eine Kreislinie, und 50 bis 60 Schritt von ihm ent⸗ fernt, fällt die Kugel auf eine glattgefrorene Fläche nieder, um alsdann hüpfend und rollend noch mehrere Schritte zu durchlaufen. Seine Partei bricht in einen nicht enden wollenden Jubel aus, ihr Held aber wirft ſich ſtolz in die Bruſt und ſchaut geringſchätzend auf ſeine Gegner. Dieſe haben beim erſten Wurf entſchieden Pech, denn ihre Kugel bleibt ruhig auf der Stelle liegen, wo ſie niedergefallen iſt. Eine

ſolche Kugel heißt einetodte. Der zweite Mann beider Parteien thut nun ſeine Schuldigkeit, während deſſen ſtärken ſich diejenigen, die bereits theilweiſe ihrer Pflicht nachgekommen ſind, mit einer kräftigen Mettwurſt.

So geht's ohne große Unterbrechungen fort bis zum nächſten Dorfe, und ſodann wieder zurück nach Werdum. Jeder nimmt nun den Kloot der Gegenpartei auf und wirft von da aus, wo derſelbe liegt und umgekehrt; dadurch wird natürlich das richtige Verhältniß wieder hergeſtellt. Selten geſchieht es, daß eine Partei, an ihrem Sieg verzweifelnd, ſich vor beendetem Kampf ergibt. Es wird zurück⸗ geworfen bis zum Ausgangspunkte und wer am weiteſten voraus und wäre es nur der Raum einer Spanne, der hat gewonnen.

Lauter Jubel verkündet den Sieg derer von Werdum. Dieſe nehmen nun die gewonnenen Thaler in Empfang, wogegen ſie die von ihnen geſammelten Gelder den Gebern mit freundlichem Dank zurückerſtatten.

Die Beſiegten werden großmuthsvoll zum Klootſchetelbeer auf

den nächſten Sonntag eingeladen, und ergötzt man ſich alsdann an

Warmbier, Geſang, Tanz und Prügelei in der Väter Weiſe. Längſt nach Mitternacht kehrt die Geſellſchaft heim; hat auch dieſer einen blutigen Kopf, jener eine zerquetſchte Naſe alle meinen einſtimmig:

iſt doch ein famoſes Vergnügen das Klootſchießen, und zwei ſolche Feſte im Jahre wären gewiß nicht zu viel!

Inhalt: Die Wittwe Lautenſpihl.(Schluß.) Novelle von G. H kiel. Am Rande des Kratere. Mit Illuſtr. von Th. Pixis. Len iſche dnislme

bilder. I. Von Hermann Meier. Aus was beſtehen die Sterne? Von

Dr. Pfaff. Ein Feſtgeſchenk des Friedens. Mit 2 Illuſtr. Aus den

märkiſchen Reſervelazarethen. Oſtfr. Lebensbilder II.

G Mein Verhe Ddie Verſchiedenl! und geſchah es ei ſchäftlichen Geſich gen auseinandergi Zeit die Behandlu ürtheile War de üterhaupt mit ſei Ken die Beſtäti⸗ neigung die jedoch

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