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etwas aus dem Concept gebracht iſt—„ich kann es doch wahrhaftig Ihre Pflicht nennen, uns Ihre B erlobung anzuzeigen, gnädige Frau!“
Wie der Schriftſteller es vorausgeſagt— ertönt ein allgemeiner Staunensruf!— Die Dame lächelt nicht mehr— ſie iſt faſt ernſt geworden und dreht den Kopf dem Veſuv zu— der Schriftſteller, welcher alle genau beobachtet, hat zwei eigenthümliche Bemerkungen gemacht: die eine, daß der wortkarge Engländer ſich auf ſeinem Pferde ſpreizt und einen Blick voll Selbſtbefriedigung auf die Dame wirft — die andere, daß der Lieutenant zur See mit einem Male äußerſt blaß geworden iſt und die Spitzen ſeines Schnurrbartes zerbeißt.
Nach einer kleinen halben Stunde iſt man an der Ein⸗ ſiedelei angekommen und hält einige Augenblicke ſtill, um einen Rück⸗ blick auf die wirklich bezaubernde Landſchaft, die ſich zu den Füßen der Touriſten ausbreitet, zu werfen.— Der Golf von Neapel liegt vor ihnen. Das Wetter iſt klar und heiter, und ihr Blick, der von Sorrento bis zur Inſel Procida ſchweift, trifft eine Küſtenland⸗ ſchaft, wie es in der ganzen Welt keine zweite gibt— und vor ihnen jener Golf, das ſchönſte aller Meere, aus dem ſie rechts, faſt noch in Aether gehüllt, die Felſenküſte von Iſchia ſehen, während die Inſel Capri am ſüdlichen Horizonte wie eine Oaſe in dem blauen Meere ſich widerſpiegelt. Sprachlos genießen ſie eine Zeit lang den herr⸗ lichen Anblick.
Jener mürriſche Nachbar des Doctors iſt der erſte, der wieder zu Worten kömmt; ſein Pferd hält etwas ſeitwärts, mit dem des Doctors, von den andern getrennt. Er beugt ſich zu ſeinem Nachbar hin und ſagt leiſe:„Sie wollten mir ja ſchon lange erzählen, wer die gnädige Frau iſt, denn ich bin nicht mit ihr in Florenz und Rom zuſammen geweſen.“
„Einen ſchönen Augenblick wählen Sie zu vertraulichen Mit⸗ theilungen“, erwiderte der andere heiter—„ich weiß übrigens nicht viel mehr als Sie und alle andern.— Sie iſt die Wittwe der alten Excellenz von W' aus Hs, noch nicht 25 Jahre alt, reiſt in Begleitung ihrer Tante, der Mutter jenes Engländers da vorne— iſt liebens⸗ würdig, geiſtreich, höchſt gebildet... weiter weiß ich wirklich nichts!...“
„Aber kennt ſie denn niemand?— Sie ſind ja, als ob Sie alle alte Bekannte wären!“
„Haha, lieber Herr— wir ſind alle alte Touriſten, und unter uns herrſcht eine gewiſſe Freimaurerei; wir kennen uns alle, obgleich wir uns nie geſehen, und werden auf Reiſen in 24 Stunden gute Freunde, wenn wir das erſte erforderliche Requiſit eines wahren Touriſten, die Heiterkeit, haben. Niemand kennt die gnädige Frau, vielleicht mit Ausnahme des Lieutenants, der ſie ein Paar Mal in Berlin geſehen haben will— und dennoch ſind wir alle gute Freunde... auf dem Veſuve!“
„Aber wie kann man denn mit Leuten, die man gar nicht kennt...“
„Galerien beſehen und den Veſuv beſteigen? ja, das iſt wahr⸗ haftig unbegreiflich leichtſinnig!... Hahaha!“
Die Cavalcade ſetzt unterdeſſen ihren Weg fort, und unter heiterem Geplauder, geiſtreichen Bemerkungen, zu denen faſtein jeder, mit Ausnahme des Nachbarn des Doctors ſeinen Beitrag liefert, iſt man bis zum metereologiſchen Obſervatorium gekommen, von wo aus man in ungefähr dreiviertel Stunden bis zum Fuße des Kegels gelangt, welcher zum Rande des Kraters führt.
Vielleicht würde es einem aufmerkſamen Beobachter gelungen ſein, die Entdeckung zu machen, daß ein Schleier von Mißſtimmung ſich über einige Perſonen ver Geſellſchaft gelegt hat, und daß es ihnen trotz aller Anſtrengung nicht vollkommen gelingt, denſelben zu verſcheuchen. Die gnädige Frau macht oft ſehr brüske Bewegungen, — der Lieutenant zur See bildet den Nachtrab und ſcheint tiefe Be⸗ trachtungen über die Lava auzuſtellen, deun ſein Auge iſt finſter vor ſich hin gerichtet, und dieſer junge Mann, der vor einigen Augenblicken noch ſo überaus heiter und lebensluſtig dreinſchaute, ſcheint jetzt das Bild, wenn auch nicht der Verzweiflung, jedoch eines Menſchen, dem ein herbes Leid begegnet und der all ſeinen männlichen Muth zuſam⸗ mennehmen muß, um mit kalter Vernunft die Trünmer irgend eines Luftſchloſſes von ſeinem Herzen zu wälzen.— Von Zeit zu Zeit nähert ſich der Engländer, eine lange, blonde Geſtalt, mit mächtigem Backenbarte und regelrechtem Scheitel am Hinterkopfe, ſeiner Couſine und ſagt ihr einige Worte auf engliſch, die dieſe jedoch ſehr einſilbig oder gar nicht beantwortet!
Wie geſagt, alles dies hätte man ganz gut beobachten können,
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aber man beſteigt gewöhnlich den Veſuv nicht, um pſychologiſch e Studien zu machen, und der Schriftſteller, der anfangs ſeinem Hange dazu nachgegangen, iſt bald von den ihn umgebenden Naturwundern dermaßen berauſcht, daß ſein Blick von der öden, farbloſen und doch ſo hoch majeſtätiſchen Steingegend, in der er ſich befindet, über die Paradieſespracht zu ſeinen Füßen ſtreift und ſein Geiſt ſich von ſeinen Begleitern vollſtändig trennt.
„He! conduttore!“... ruft der Doctor dem Führer zu, „wie weit haben wir noch bis zum Kegel? Die Sonne fängt an, barbariſch zu ſtechen—“
Dieſer legt die Hand vor die Augen, wirft einen Blick nach vorwärts, und ohne zu zaudern, antwortet er:
„Fünfundzwanzig Minuten, Excellenz!“
„Und von da bis oben?“
„Das kommt darauf an, wie die Excellenzen ſteigen!“
Und er ſenkt den Blick wieder zur Erde, ſtößt mit dem Stocke auf die Lava und ſchreitet rüſtigen Schrittes vorwärts.
Dieſe Frage des Doctors hat die Aufmerkſamkeit der Geſellſchaft auf den Führer gelenkt. Es iſt ein Mann von einigen vierzig Jah⸗ ren, mit ſcharf ausgeprägten Zügen, aus denen Kraft und Energie ſprüht. Seine Geſichtsfarbe iſt bräunlich⸗blaß, und der lockige Bart, ſowie das Haar, welches aus ſeiner Fiſchermütze hervorſieht, ſind faſt weiß. Seine Kleidung iſt die traditionelle des Lazzaroni, offenes Hemd, kurze leinene Hoſen, die den ganzen unteren Theil des Beines entblößt laſſen und eine tuchene Jacke über den Arm geworfen. Die lange, wollene, tuneſiſche Schärpe, die er um die Hüften geſchlungen hat, iſt roth und blau geſtreift und der Griff eines Meſſers ſchaut aus derſelben hervor. Im Gegentheil zu all ſeinen Landsleuten iſt er äußerſt wortkarg, und ſein düſterer Blick gibt ſeiner ganzen Erſchei⸗ nung etwas Eigenthümliches, das ſeinen Eindruck auf die Geſell⸗ ſchaft nicht verfehlt— beſonders auf den Maler, der ſich das Ver⸗ ſprechen gibt, den Veſuv nicht eher zu verlaſſen, bis der„pittoreske“ Führer einen Platz in ſeinem Skizzenbuche gefunden hat.
Man iſt am Fuße des Kegels angekommen und von den Pferden geſtiegen. Die des Reitens ungewohnten Herren ſtrecken die gelähmten Glieder und verlangen„zehn Minuten Aufenthalt“, ehe ſie die ermüdende Erſteigung bis zum Krater beginnen. Eine Un⸗ maſſe von Weibern und Kindern befindet ſich hier ſeit Sonnenauf⸗ gang ſchon, die den Touriſten Eier anbieten, die ſie in der glühenden Aſche des Kraters hart kochen können. Der Preis dieſer Eier iſt durch den Transport im Verhältniß der Höhe des Veſuvs über dem Meeresſpiegel geſtiegen; denn unter einem halben Franken(4 Sgr.) will keine von den Verkäuferinnen das Stück hergeben. Der Nach⸗ bar des Doctors räſonnirt furchtbar und macht beißende Anſpie⸗ lungen über das Brigantenthum, welche glücklicherweiſe die Bäue⸗ rinnen von Gremano und Camalboli nicht verſtehen...
„Nun, Herr Lieutenant!“ ſagt die Dame,„jetzt iſt der Wunſch, den Sie in meiner Gegenwart im vorigen Jahre in Berlin aus⸗ ſprachen, bald erfüllt; in einer halben Stunde werden wir in den Rachen des Ungethüms ſchauen...“
„Ja, gunädige Frau, ich bin ein ſehr glücklicher Menſch, alle meine Wünſche erfüllen ſich!...“
Der junge Mann hatte dieſe Worte mit einem ſo eigenthüm⸗ lichen Klang in der Stimme geſprochen, daß die Dame erſtaunt ihren Blick zu ihm erhebt; ſeine angegriffenen Züge ſcheinen ſie zu frap⸗ piren, eine Secunde ſcheint ſie unſchlüſſig, dann wendet ſie ſich an den alten Herrn...
„Apropos, Herr Präſident!“ ſagt ſie,„in welche Geſellſchaft von Klatſchſchweſtern ſind Sie denn eigentlich in Neapel gefallen, ich bin Ihnen ja noch eine Antwort auf meine Verlobungsanzeige von vorhin ſchuldig! Es iſt das erſte, was ich davon höre; es iſt doch wahrhaftig ſchön, daß es gute Seelen in der Welt gibt, die ſich einer Wittwe annehmen, ich hätte indeſſen doch verlangen können, daß auch ich davon benachrichtigt würde.“
„Uova, Excellenza, uova ¹« ſchreit ein kleiner Junge neben dem Lieutenant...„vuol uova?“
Der erſte Officier am Bord einer Corvette Sr. Maj. kauft dem Kleinen ſeinen ganzen Eiervorrath ab, bezahlt, was jener verlangt, gibt ihm noch einige Soldi mehr, hat mit einem Male das Wort wiedergefunden, ſieht ganz anders, wie vorher aus und macht ſeinem Oheim Complimente über deſſen ſtattliche Haltung zu Roſſe. .
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