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des Königs“ trauen, und er ſah darin ſo vornehm aus, wie ein Oberſt⸗ lieutenant— ſo ſagte wenigſtens die gute, alte Demoiſelle Anne Schmitz, und Fräulein Editha Reinecke, die Schweſter des Oberamt⸗ manns Reinecke auf Rotis, hatte davon noch nicht genug, denn ſie verſtieg ſich bei ihrer Vergleichung ſogar bis zum Generalmajor, ſo vornehm kam ihr der Ludolf Käsmark an ſeinem Hochzeitstage vor.
Von der Braut ſagen wir nichts weiter, als daß ihr zuweilen eine helle Thräne über das glückſtrahlende Antlitz lief, und daß ſie ſo ſchön ausſah, daß der alte Fuchs und ſein Special, Herr Heu, die mit auf der Hochzeit waren und mehr als billig der Flaſche zu⸗ ſprachen, ſich gegenſeitig mehr als hundert Mal verſicherten: die Wittwe Lautenſpihl ſei doch ein herrliches Weib und tauſend Mal ſchöner, als Lydia Dick, des reichen Branntweinbrenners Dick einzige Tochter, welche doch für die erſte Schönheit in der ganzen Umgegend galt. Uebrigens ſchien darin Peters, der Siebenundzwanziger, nicht gleicher Meinung mit den beiden alten Herren zu ſein, denn der hielt ſich, trotz ſeiner Armwunde, immer hart an die Lydia Dick und ließ keinen Tanz mit ihr aus.
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Es war eine große Hochzeit, von der, dieſſeits und jenſeits der Teufelsmauer, noch lange geredet werden wird.
Nach den neueſten Nachrichten ſteht der jetzige Beſitzer des alten Hofes, Herr Ludolf Käsmark mit ſeinen Vettern, den Stadelmanns, in Verhandlung über den Ankauf des neuen Hofes, und ſo werden denn alle Aecker des rothen Hofes, wahrſcheinlich in dieſem Jahre noch, nach langer Trennung wieder in einer Hand vereinigt ſein.
„Der Vetter muß einen guten Groſchen baares Geld im alten Hofe gefunden haben!“ ſagen die Leute in Quedlinburg voll Reſpect vor dem Gelde; wir aber wiſſen, daß der ehrliche Kerl in dem alten Hofe noch etwas Beſſeres gefunden hat, als Geld, nämlich ein gottes⸗ fürchtiges, liebendes Weib.
Frau Chriſtiane aber hat bis jetzt noch keinen weiteren Kummer gehabt, als daß die Leute ſie aus fauler Gewohnheit noch immer die Wittwe Lautenſpihl nennen, und das hochpoetiſche Lautenſpihl klingt ihr, ſeltſamer Weiſe, lange nicht ſo fein und lieblich ins Ohr, wie das urderbe: Frau Käsmark!
Am Rande des Kraters.
Aus der Mappe eines reiſenden Schriftſtellers. Von W. von Tecklenburg.
„Den Frauen läßt man doch nie Gerechtigkeit widerfahren!“ ſagte unſere ſchöne Begleiterin, als wir Reſina verlaſſen hatten und an jenem berühmten Weinberge vorbeiritten, aus deſſen Trauben der allbekannte Lacrimä Chriſti bereitet wird.
„Ich bitte, dieſen Ausſpruch zu motiviren,“ meinte der Präſi⸗ dent, deſſen kurze gedrungene Figur eine entfernte Aehnlichkeit mit der des unſterblichen Knappen des edlen und thatendurſtigen Ritters von der Mancha hatte, der jedoch, nicht wie jener, auf einem Eſel, ſondern auf einem langen, mageren Pferde ſich hin und her ſchaukelte.
„Setzen Sie die gnädige Frau nicht in Verlegenheit, lieber On⸗
kel,“ ſagte der Lieutenant zur See,„hören wir ſchweigend ihre Ora⸗
kelſprüche mit an!“
„Ich kann mich in Ihre ſtumme Disciplin nicht fügen,“ unter⸗ brach der Maler, der neben der Dame ritt,„die gnädige Frau ſagte, daß man den Frauen nie Gerechtigkeit widerfahren ließe— i eine Erklärung, denn dieſe Worte ſcheinen eine Anklage gegen ihre Begleiter zu enthalten!“
„Perche? come? di che modo?**) ertönte eine heitere Stimme aus dem Nachtrab.
Die Dame wandte ſich lächelnd um.
„Kommen Sie doch näher, Herr Doctor!“ ſagte ſie,„meine
Aeußerung war beſonders gegen Sie gerichtet.“
„Warten Sie, gnädige Frau, ein klein wenig; mein Pferd ſcheint ſich eben mit dem meines Nachbars etwas zu erzählen; ſehen Sie, wie ſie die Köpfe zuſammenſtecken! ich möchte wetten, daß das, was ſie ſich ſagen, nicht gerade ſehr ſchmeichelhaft für uns ſei, jedenfalls nicht für meinen Nachbar, der ſich etwas unbehaglich zu Pferde zu fühlen ſch eint!“
„Woraus ſchließen Sie das, verehrteſter Aesculap?“ ſagt der Nachbar,„ich glaube, ich habe in meinem Leben ſchon mehr geritten,
als andere Leute!“
„Andere LeuteVl wieder ein Orakelſpruch, eine Anſpielung, die motivirt und explicirt werden müßte, nicht wahr, Herr Lieute⸗ nant?“ ſagte einer der Geſellſchaft.
„Auf jeden Fall waren Sie damit nicht gemeint?“ erwidert der Officier,„Sie, der Sie den halsſtarrigen Pegaſus ſo meiſterhaft zu zügeln wiſſen!“
„Alſo?“ meint der Präſident,„warum läßt man den Frauen nie Gerechtigkeit widerfahren? wir können doch unmöglich mit ſolcher
Anklage auf dem Gewiſſen den Veſuv beſteigen, denn wenn ſie gerecht⸗
fertigt wäre, könnte ich es dem alten Brummbär wahrhaftig nicht verdenken, wenn er einen neuen Krater unter unſeren Füßen öff⸗ nete und uns ſammt und ſonders verſchlänge!“
„Brr! Herr Präſident, Sie jagen mir einen Heidenſchrecken ein; ich will nur ein pater peccavi ſagen,“ ruft der Doctor,„... ich bekenne, daß ich geſtern Abend meine Zweifel darüber ausgeſprochen
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habe, ob die gnädige Frau heute früh zur rechten Zeit bereit ſein würde. Sie hat mich beſchämt! als ich fünf Minuten vor ſechs auf der Station athemlos ankam, ſaß ſie ſchon im Coupé! Ich bekenne es,— bekenne ſogar noch, daß ſie dn Edelmuth ſo weit getrieben hat, von Neapel bis Portici, wo wir die Eiſenbahn verließen, kein Wort über meine ſo ungerechtfertigten Zweifel fallen zu laſſen!“
„Bravo, Doctor!“ verſetzte der Poet,„ein offenes Bekenntniß der Schuld iſt ein mildernder Umſtand— aber ſollte denn niemand von uns allen ſein Gewiſſen fühlen und Ihnen nachahmen? Sie ſchweigen alle, meine Herren? Nun, ſo werde ich Ihnen ſagen, in wiefern ſie Recht hat, ſich über uns zu beklagen.
„Uns?... ſprechen Sie von ſich!“ meint der mürriſche Nach⸗ bar des Doctors.
„Von uns allen ſpreche ich!“ ruft der andere,„wir waren alle geſtern noch unſchlüſſig, von welcher Seite wir den Veſuv beſteigen ſollten, ob von Pompeji und Torre del Grecco, oder von Portici und Reſina, von allen Seiten wurden uns die brillanteſten Beſchreibungen der beiden Touren gemacht, wir ſchwankten hin und her, unſere Reiſe⸗ bücher behandeln beide Touren mit einer ungewöhnlichen Unpartei⸗ lichkeit, und es wäre vielleicht ſo weit gekommen, daß wir den Veſuv gar nicht beſtiegen hätten, wenn die gnädige Frau nicht mit ſalomo⸗ niſcher Weisheit den Vulkan zwiſchen unſerer Geſellſchaft getheilt hätte. Unſere Freunde werden wohl jetzt ſchon in Torre del Grecco ſein und ſich mit uns oben vereinigen; wir werden uns unſere gegen⸗ ſeitigen Eindrücke mittheilen und einen doppelten Genuß erzielt haben. Alles dies verdanken wir der gnädigen Frau, und niemand von uns hat daran gedacht, ihr eine Dankadreſſe zu votiren.“
„Abſcheulich!“ ſagt der Präſident,„wir ſind wirkliche Südſee⸗ inſulaner! Gnädige Frau, wollten Sie die Güte haben, Ihr Pferd anzuhalten, damit ich in meiner Qualität als Neſtor der Geſellſchaft Ihnen eine Rede halten kann und.
Doch die ſchelmiſche Dame hat ihrem Pferde mit der Reitgerte
einen Schlag gegeben, und dieſes eilt im ſtarken Trabe davon. Die Herren folgen ihr, ſo gut wie möglich,— eine dichte Staubwolke 4
umhüllt die ganze Geſellſchaft. So geht es faſt eine Viertelſtunde fort bis zu dem Punkte, wo man die Landſtraße verläßt, rechts ein⸗ biegt und über die Lava von 1858 die Richtung der Einſiedelei ein⸗ ſchlagen muß. Von hier aus kann man höchſtens im Schritt vor⸗ wärts, und die Dame hält ihr Pferd an, um einen Blick zurückzu⸗ werfen. Nur vier Perſonen der Geſellſchaft ſind ihr zur Seite ge⸗ blieben: der Maler, der Poet, ein Engländer... und ſogar der Lieutenant zur See, welcher auf dem ihm fremden Elemente ſeiner Flagge— trotz der ſarkaſtiſchen Bemerkung des Schriftſtellers — alle Ehre gemacht hat.
Aber welch ein Gelächter, als die am Kreuzweg Angekommenen rückwärts ſchauen! Der Doctor hält ſich am Sattelknopf feſt— ſein Nachbar ſchwankt nach vorn und nach hinten— einer hat ſogar den
an dr Zügen
wie ſein Ne
rovane wieder.
vorigen Dage erwartet eriffn


