Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
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vorragender Spanier natürlich unter ihnen.

Waſſer... Waſſer... Waſſer! Ein Sergeant, Meyer iſt ſein Name, und er ſteht bei den Füſilieren des 6. Grenadierregiments, ſprang mit einem Male auf...

Nein! rief er,das geht nicht; ich habe noch einen Schluck Waſſer in meiner Flaſche. Seit 10 Uhn bin ich in Verſuchung, ihn zu trinken, ich habe mich immer bezwungen; jetzt kann ich es nicht mehr!

Und er ſetzte die Flaſche, welche er aus ſeinem Brotbeutel ge⸗ zogen, an den Mund; doch, ehe er noch die Lippen mit dem Inhalte benetzt hatte, ließ er ſie wieder ſinken.

O, wie ſchlecht von mir! ſagte er, und mit einem Sprunge

war er bei einem verwundeten Oeſterreicher und hatte ihm den Hals

der Flaſche feſt in die Zähne gepreßt.

So! nun bin ich die Verſuchung los! ſagte er, indem er ſich erhob, aber deſſenungeachtet einen traurigen Blick auf die jetzt leere Flaſche warf!

Einige Augenblicke ſpäter kam Hauptmann Fiſcher vom ſelben Regimente vorbei, und wir klagten ihm unſer Leid, d. h. unſeren Durſt. Er war einige Augenblicke lang ohne Antwort; dann hob er, zufällig, wie wir ſpäter erfuhren, den Kopf in die Höhe, ſtutzte einen Augen⸗ blick und rief dann mit vergnügtem Geſichte:

Dumme Kerls! haben da Kirſchbäume die Menge und be⸗ klagen ſich über Durſt!

Im erſten Augenblicke, glaube ich, verſtand niemand von uns, was der Hauptmann eigentlich ſagen wollte; wir ſahen einander an, aber dann erſcholl plötzlich ein ſo donnerndesHurrah! Kirſchen! daß die andern Regimenter gewiß gedacht haben müſſen, wir chargir⸗ ten den Feind mit dem Bajonette!

Und nun ſtürzte alles den Bäumen zu und wollte verſuchen, ob man immer noch einen Baum erklettern könne. Doch dies wurde nicht geduldet, nur einige Mann wurden hinaufgeſchickt und hatten Auftrag, für die anderen zu pflücken. Dies dauerte einige Minuten.

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Da hatte ein genialer Kopf die Idee, es ſich dort oben bequemer zu machen; er zog ſein Faſchinenmeſſer und eins, zwei, drei... da lag ein reichbeladener Aſt unten. Die anderen hatten das Praktiſche dieſer Art und Weiſe zu verfahren, gleich eingeſehen, gleich nachge⸗ ahmt. Einige Minuten lang ſpiegelte ſich die Sonne in einem Dutzend geſchwungener Faſchinenmeſſer, und bald war der Weg, in dem wir lagen, mit Aeſten bedeckt.

Alles wollte darauf losſtürzen, alles wollte ſeinen Theil an der unverhofften Beute haben, da rief Lieutenant von Loeven:Denkt an die Verwundeten, Jungen an die Verwundeten!

.... Was wir nun thaten wir, die halb Verdurſteten, können Sie auf der ſo mangelhaften Skizze, die ich Ihnen ſende, ſehen. Es iſt keines Lobes werth, es wäre unwürdig geweſen, anders zu han⸗ deln und doch... doch... die Kirſchen waren ſo verlockend roth und ſaftig, und die Zunge klebte uns am Gaumen!

O, aber dieſe Blicke der Armen, die da lagen, dieſe Händedrücke, dieſe:Danke, Kamrad!

Ein öſterreichiſcher Jäger lächelte mir ſo ſanft, ſo freundlich zu, als wenn ich ſein Bruder wäre; ich drückte ihm die Hand, ſprach ihm Troſt zu, ſteckte noch eine Kirſche in ſeinen Mund, doch er antwortete nicht: ſeine Hand entſchlüpfte der meinen, ſeine Augen wurden gläſern, ſtier!... o, ich werde es mein Lebenlang nicht vergeſſen er lag todt vor mir... mit ruhig lächelndem Geſichte, und die rothe Kirſche auf den bleichen Lippen!

.... Wir haben ſeitdem viel gekämpft, viel geſiegt und viel ge⸗ litten, aber dieſer erſte Tag meines Kriegerlebens ſchwebt unvergäng⸗ lich vor meinem Geiſte und der abgebrochene Aſt in unſerem Gar⸗ ten erweckte die Rückerinnerung an jene anderen Aeſte im Wege nach Nachod lebhaft wieder.

Dem Schlingel, meinem kleinen Bruder, haben Sie es alſo zu danken, wenn ich endlich das Ihnen gegebene Verſprechen gelöſt habe.

F. T.

Bilder aus dem Heeleben.

Vom Corvettencapitän Werner.

IX. Marinecavallerie.

Wer hätte wohl längere Zeit in Teneriffa verweilt, ohne ſeinem berühmten Pik einen Beſuch zu machen, jenem gigantiſchen Wahr⸗ zeichen, das die Natur einſt unter welterſchütternden Zuckungen aus der Tiefe des Oceans bis an den Saum der Wolken hob, durch wel⸗ ches Jahrtauſende lang die überkochende Maſſe des flüſſigen Erdkerns ſich ziſchend und brauſend in das Meer ergoß, das aber ſchon ſeit Jahrhunderten ſchweigend ruht und einer üppigen Vegetation geſtattet hat, in ungeſtörter Arbeit bis zur Grenze des ewigen Schnees einen grünenden Teppich um ſein zerklüftetes Aeußere zu weben.

Ein ſtummer Zeuge urweltlicher Umwälzungen ſteht er da, der gewaltige Berg, ein Symbol der Allmacht, vor dem der Menſch

demüthig ſein Haupt neigt, eines der großen Räthſel der Schöpfung,

das wir vergebens zu löſen, aber wenigſtens, wenn ſich Gelegenheit bietet, aus nächſter Nähe zu betrachten ſuchen.

Naturforſcher, Touriſten par excellence, gelegentliche Beſucher der Inſel alles drängt zum Pik, wär's auch nur, um ſagen zu kön⸗ nen:ich war oben.

Es kann deshalb kein Wunder nehmen, daß das Pikfieber auch unſere Freunde vom Seeſtern erfaßt und daß mit praktiſcher Schnellig⸗ keit der Plan ins Werk geſetzt wurde.

O weh! höre ich verſchiedene Leſer ſeufzen,jetzt wird uns wieder eine Pikreiſe aufgetiſcht. Leider haben Sie Recht, Verehrte, indeſſen, wenn ich zu den hunderten bereits exiſtirender Beſchrei⸗ bungen noch eine füge, ſo hoffe ich wenigſtens einen neuen Geſichts⸗ punkt zu eröffnen, den ſelbſt Humboldt unerwähnt ließ, Marine⸗ cavallerie.

Die Reiſegeſellſchaft beſtand etwa aus zehn Perſonen, Seeoffi⸗ cieren, Badegäſten und Cadetten, der unvermeidliche Vogel als her⸗ Der arme Bölting hat renoncirt, die Bartgeſchichte iſt noch in zu friſchem Andenken, und

Kurzſpleiß nun er kann wohl Abends mit dem Capitän üin ge Stunden zum Gouverneur gehen, aber zwei bis drei Tage vom Schiffe

fort, wo bliebe da der Dienſt!

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Dr. Salomo arrangirt die Partie, und Vogel iſt ſein Adjutant, da die Inſulaner doch nicht ſo claſſiſch gebildet ſind, um das Latein des Doctors zu verſtehen.

Anfänglich will dieſer Wagen nehmen, ſtößt aber bei der ſee⸗ männiſchen Majorität auf ſo entſchiedene Oppoſition, daß er den Gedanken aufgeben muß.

In einem geſchloſſenen Wagen zu ſitzen, iſt dem Seemanne ein ſchrecklicher Gedanke; es beengt ihn und flößt ihm Furcht ein. Die Bewegungen machen ihn ſeekrank, in beſtändiger Beſorgniß umzu⸗ ſchlagen, ſitzt er mit ausgebreiteten Armen und hat keinen ruhigen Augenblick, bis er ſich wieder in freier Luft befindet.

Mit Ausnahme des Doctors ſtimmten daher alle für das Reiten, und obwohl dieſen eine trübe Ahnung beſchleicht, muß er ſich fügen. Das Pferd iſt nämlich für den Seemann dasjenige Inſtrument, deſſen er ſich nach einem Schiffe oder Boote am liebſten zur Fortbe⸗ wegung bedient. Schon der Name beſitzt für ihn etwas Heimiſches. Wagen und Kutſchen gibt es nicht am Bord, aber deſto mehr Pferde an den Raaen, wenn ſie auch nur von Tauwerr gefertigt ſind. Wie oft hat er bei Nacht und Sturm zwar nicht ſehr bequem, aber ſicher auf ihnen geritten!

Am liebſten nimmt er hartmäulige Thiere, bei denen er tüchtig an den Braſſen reißen kann, hauptſächlich fühlt er ſich aber auf einem Pferde wohl, weil er ſich in freier Luft befindet und um ſich ſchauen kann.

Am nächſten Morgen ſtehen die Ihr Aunſelen enuße der Doctor ſehr; allem Anſchein nach ſind ſie keine Durchgänger, die herabhängenden Ohren, das ſchläfrige Auge und die durchſcheinenden Rippen ſprechen für eine lammfromme Geſinnung. 3

Untir Benutzung von Eckſteinen und Treppen gelingt Pis Aai ſitzen, und die Geſellſchaft begibt ſich unter Führung der nel nhee laufenden Treiber auf den Weg. In Ermangelung von Sporen, her ſich jeder mit zogr kecken Reitgerte bewaffnet, und Vogel an har ſeinigen nocsmblſcharfe Spitze angebracht⸗ der Schelme taßu on wi neben dendhe im Koßf. ſeehedis Hufe auſ em Straß

ten ſind klein kat Fuß.

Roſſe und Maulthiere bereit.

ſſt eine Se Lultwe 12 Fuß Breite, 10 Guß Hrgeg