Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
106
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ſind und ſendet einen inbrünſtigen Blick gen Himmel, der mehr Dank gegen den Allgütigen enthält, als alle Worte fähig ſind, zu faſſen!...

2 Ragiwen hat ein gleiches Schauſpiel nie geſehen! Gegen Abend am Sonntage hat ſich der Leichenzug aus Reb Iſaacs Hauſe in Bewegung geſetzt und iſt langſam die Stadt durch⸗ zogen, dem Kirchhofe der Juden zu, welcher auf einer kleinen Anhöhe, eine Viertelſtunde von der Stadt, gelegen iſt.

Kein einziger Jude iſt zurückgeblieben, vom Greiſe bis zum Knaben alles gibt den Gebeinen des Karaiten das letzte Geleit. Selbſt Frauen der Gemeinde, die ſonſt nie einer Beerdigung beiwoh⸗ nen, folgen von weitem, und da es Sonntag iſt und auch die Kirchen⸗ zeit ſchon vorbei, hat ſich eine große Anzahl von Chriſten dem Zuge angeſchloſſen, und es iſt wirklich beſonders er einen Ragiwener ein impoſanter Anblick, der der langen Menſchenen be welche ſich ſtumm nach dem Kirchhofe hinzieht.

Ein friſcher Hügel iſt aufgeworfen, und der von vier robuſten Männern getragene Sarg wird zur Seite deſſelben geſtellt. Der Rabbi tritt hervor und ſpricht jenes erhabene Gebet, welches, aus Pſalmen⸗ verſen zuſammengeſetzt, mit dem Ausrufe:Zidduk Haddin beginnt dann wird der Sarg langſam in die Erde geſenkt, im Grabe ſelbſt eröffnet und nochmals nachgeſehen, ob die Füße des Todten auch genau nach Oſten gerichtet ſind.

Die Umſtehenden können einen letzten Blick auf den Inhalt des Sarges werfen, doch der Anblick deſſen, was er enthält, iſt nicht dazu geeignet, daß ihre Blicke lange darauf verweilen. Mit dem weißen Todtenhemde und dem Todtenmützchen bedeckt, welches eine jede Braut ihrem zukünftigen Gemahle ſelbſt nähen muß, liegen die Gebeine des Karaiten ſo gut wie möglich geordnet. Der Vorſteher der Gemeinde zerſchlägt einen Topf und reicht dem in der Gruft ſich befindenden Todtengräber zwei Scherben, mit denen er dem Geſetze gemäß die beiden Augenhöhlen bedeckt. Dann wird der Sarg geſchloſſen, und da der Verſtorbene keinen Sohn hinterlaſſen, tritt Ruben an die Gruft und ſagt mit bewegter Stimme dasKadiſch⸗Gebet, eines der ſchönſten des jüdiſchen Rituals, her. Die Erde fällt dumpf auf den Sarg, das Grab ſchließt ſich, und die Gebeine deſſen, den Gottes Hand aus weiter Ferne bis in dieſes Land geführt und ihm gewaltſam ſeinem Erdenglücke entriſſen, dieſe Gebeine Gottes Auge hat ſie am Grunde der Gewäſſer zu finden gewußt und... da liegen ſie ruhig und friedlich neben denen der Kinder ſeines Volkes und erwar⸗ ten, wie der Glaube der Juden es lehrt, jenen Tag aller Tage, an dem die Stimme des Ewigen die Gräber öffnet und die Leiber der Gerechten auferſtehen zu neuem Leben und einer Freude ohne Ende, und eingehen in das himmliſche Kanaan, das ihnen verheißen.

Wer hätte heute die Kranke wiederzuerkennen vermögen, deren Schwächezuſtand noch vor einigen Tagen all die Ihrigen erſchreckte! ſie ſitzt in einem Armſtuhle, bekleidet wie ſie es an Feſt⸗ und Feiertagen iſt, ſeliger Glanz leuchtet aus ihren Augen, ein leichtes

Noth färbt ihre Wangen, und ein faſt glückſeliges Lächeln umſchwebt

ihre Lippen.

Der fieberhaft phantaſtiſche Traum ihres ganzen Lebens hatſich ja erfüllt, erfüllt über alle ihre eigenen Erwartungen, ihr zur Seite ſitzt ja ihr Bruder ihr Bruder, den ſie nie mehr zu ſehen glaubte, oder vielleicht nur in den letzten Augenblicken ihres ſchweren Lebens⸗ kampfes und er ſagt ihr Worte, die ihrem Herzen ſo unausſprech⸗ lich wohlthun!

Und zu ihren Füßen erſt... da ſitzt ja die ganze Zukunft Rebecca und Ruben Hand in Hand zu ihr hinaufblickend und trunken vor Freude und Liebe, kaum fähig ein Wort zu ſprechen...

Und um ſie herum all die lieben Ihrigen ihr Blut und alle in Liebe und Freundſchaft um ſie!... O Herr im Himmel, Du haſt ſchwere Strafen für Deine Kinder, aber was gleicht wohl hienieden den Freuden, die Du allein ſenden kannſt!!!

Es ſcheint mir immer noch wie ein Traum, ſagt endlich Rahel.noch nicht acht Tage ſind verfloſſen, und wo war in der Kille und im Lande wohl ein Weib, wo iſt geweſen ſo unglücklich und ſo elend, wie ich es bin geweſen, krank, allein, von allen ver⸗ achtet, mein Ruben im Gefängniß... und jetzt? inmitten aller Meinen, und die ganze Kille mir zugethan, und mein Bruder da, und mein Ruben da.. und... o Herr, mein Gott, wie iſt Deine

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Du haſt verdient die Gnade des Herrn auch... ſagt Reb Iſaac

Nichts hab ich verdient, erwidert die Wittwe,ich hab⸗ nit gehofft in ſeine Gnade und das iſt ſchon Sünde... Auf Gott hoffen, iſt Gott lieben, und das hab⸗ ich nit gethan, ich hab' geweint und getrauert, und hab' die Menſchen angeklagt, das iſt nicht Gott lieben, Bruder, und ihn verehren!

Alle ſchweigen, eine tief andächtige Stimmung hat alle, ſelbſt die Großſtädter, Eleazar und Elias, ergriffen... Mendel hat ſeinen Kopf auf den Schoß der Großmutter gelegt, und ſein großes Auge ſtarrt faſt ernſt vor ſich hin..

und wir klagen und jammern, daß Gott uns verlaſſen, fährt Rahel fort,und wir glauben, daß Gott den Schwur vergeſſen, den er unſern Vätern gethan! Und wir vergeſſen, was ſteht geſchrie⸗ ben in den heiligen Büchern, wie oft und wie lange er uns gezürnt, und wie er doch endlich wieder ſein Volk zu ſich nehmen und erhöhen will! O kommt und ſeht mich an, Ihr kleingläubigen In⸗ den!!! ſeht, ich hab' auch geglaubt, wie Ihr, daß Gott mich hat verlaſſen auf ewig und hat bei lebendigem Leibe geſtoßen meine Seele in die Fin⸗ ſterniß, ſeht! ſeht! wie ich die Hände falte, ſeht, wie mein Dankes⸗ blick ſich zu ihm erhebt, hört meine Stimme, Ihr zaghaften Juden: Gelobt ſei Dein Name in Ewigkeit, Du Herr, Gott Zebaoth!

Erſchöpft fiel Rahel in den Stuhl zurück; doch als ſie ſah, daß die Ihren ſich erſchreckt ihr näherten, richtete ſie ſich wieder auf und ſagte:Fürchtet nichts, ich bin ſtark jetzt, ich werde nit wieder krank werden, komm mein Elias, gib mir die Hand, Du haſt gemacht eine gute Kur mit mir!

Tante, ſagte Elias,glaubt mir, regt Euch nicht ſo auf, win wollen von andern Sachen ſprechen, komm her Mendel, erzähl der Tante Deinen merkwürdigen Zweikampf mit Claus Nitſchke, aus den Rubens Unſchuld hervorgegangen iſt!

Und Dein Ruhm, mein Sohn, ſagt Reb Iſaac,denn junger Menſch haſt gehabt Recht gegen den Kreisphyſikus.

Wir wollen nicht zu laut davon reden, Vater, ſagt der Doctor denn obgleich es feſtſteht, daß Rubens Knittel Meyer nicht getroffen hat, iſt derſelbe doch auf eine aus der Erde hervorſtehende Baumwurze gefallen, und der Kreisphyſikus kann immer noch Recht haben.

Ach was! ſagt Frau Mirjam,der grobbe Goy kann nich Recht haben gegen meinen Elias.

Armer Meyer! ſeufzt Rahel, die die Wahrheit jetzt er fahren hat,hätteſt Du es gedacht, daß Du noch zwei Tage frühe würdeſt werden begraben, als mein David, den Du ſo ſehr gehaßt, un daß im Grabe werden liegen Deine Gebeine neben denen des von Di ſo verachteten Karaiten?

Reb Iſaac und ſeine beiden Söhne wechſeln einen Blick, in der ſich ein gleicher Gedanke wiederſpiegelt, und alle drei beugen dar Haupt, denn alle drei haben noch nie ſo deutlich wie in dieſem Fall Gottes allmächtige Hand walten ſehen,... das Opfer und ſein wahr

Di

ſcheinlicher Mörder bis zum jüngſten Tage nur durch wenige Fu

Erde von einander getrennt!

Nun, Mendelchen, willſt Du nit erzählen? ſagt die Groſ mutter. Mendel ſteht auf und erzählt vielleicht zum hundertſte Male die bekannte Geſchichte ſeines Zweikampfes mit Claus Niiſchk und wie man im Walde die Spuren des Knittels deutlich au de jungen Buche geſehen, und wie der Richter ihn belobt, und wie ſich nachher mit Claus Nitſchke vertragen und der Bürgermejc ſelbſt in ſeinen Garten geführt und ihnen erlaubt hat, Pflo e Eu zuſchütteln. 3 D komr

Rahel hört dem Knoben lächelnd zu und ſagt:Auch Dir, me Mendel, müſſen wir ſagen Dank, Gott ſchütze Dich, mein Sohn un mache Dich Deinen Ectern zur Freude!!

Und wann ſbll ſein die Hochzeit? fragt Frau Mirjam. ſeht, es iſt Abend, Rahel.. und ich hab gehöft ſagen von meinen Vater, we iſt geweſen ein weiſer Mann, daß, wan man hat beſtimm väß der Choſſin die Kalle ſoll haben, man ſee beſtimmen den Hoch zeitstag, eh man zündet an die Lichte.

Nuben und Rebecca erröthen beided ſtottern ein Paar Worte doch Rahel ergreift ihre beiden Hände p ſagt mit ernſter, feierliche und doch ſo guter und liebevoller Stzhe.

Kinder meines Herzens! u Ehe meine Seele hängt in Lieb an Euch, das wißt Ihr, aber weh eele ſehut ſich nach jenen Ge⸗ filden, wo die meines Davids v harrt. ich weiß, daß, wenn

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