Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
104
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regnen droht, legen die Canoeiros ans Ufer an und bauen ein dichtes Dach für ihr Salz, das ſie in kleinen Säcken führen und ſtapeln dieſe Säckchen geſchickt auf einander. Da ſie nun immer ihren Mund⸗ vorrath, oft auf Wochen lang, bei ſich führen, ſo bleiben ſie bei ihrem Salz ſo lange liegen, oft 8 bis 14 Tage lang, bis das Wetter wieder klar wird und das Salz wieder eingeſchifft werden kann. Wenn es alſo in jener abſcheulichen Nacht am Canal von Poaſſu zu regnen an⸗ fing und in den folgenden Tagen geregnet und ſelbſt auch nur unter⸗ brochen geregnet hätte, ſo wären wir ganz beſtimmt dort liegen ge⸗ blieben und umgekommen.

Aber es regnete nicht! Das Morgenroth dämmerte durch den Wald, die Sonne kam; wir waren noch alle vier ſpringlebendig, aber hungrig und vor allem ganz entſetzlich durſtig, ohne daß an irgend welches Eſſen oder Trinken zu denken geweſen wäre.

Langſam gingen die Stunden hin, ein Todesſchweigen lag auf dem Walde und in demſelben. Endlich um 10 Uhr hörten wir Menſchen ſprechen: ein Salzcano mit zwei Indianern kam den Canal herauf. Als die Braunen uns erblickten, ſtutzten ſie und ließen ihr Fahrzeug langſam zurücktreiben; auf mein Zurufen indes kamen ſie näher und erkannten unſer und ihr eigenes Mißgeſchick, denn auch ſie konnten nun den Canal nicht paſſiren. Sie hatten indes ein Beil zur Hand und wollten die Barriere zerhauen. Ich engagirte ſie aber, mir erſt zu meinem Cano zu verhelfen; denn wenn ſie eine offene Waſſerſtraße hatten und die Wiedergewinnung meines Bootes ſehr ſchwierig war, ſo mußte ich fürchten, daß ſie mir davongingen. So ging denn mein Quartett, zwei Neger und zwei Indianer längs des Baumſtammes in den Wald hinein bis zur Stelle, wo mein Cano feſtſaß. Nach einigen Minuten ſchon hörte ich ſie ſchreiend arbeiten. Die Arbeit mußte furchtbar ſein, denn die Kerle machten einen Mord⸗ ſcandal, wie das namentlich die Neger gern thun, um eine leichte Arbeit entſetzlich ſchwer erſcheinen und damit lucrativer werden zu laſſen; oft trat eine Pauſe ein, dann wieder Lärmen und Schimpfen, bis ein offenbares Triumphgeſchrei mir das Gelungenſein der Arbeit ſchon von fern anzeigte. Nach einer Viertelſtunde kamen wirklich meine vier Heloten im Cano an. Wir halfen ihnen im Zerhauen der Barriere, welche dann von der Strömung mit einem lauten Krach völlig geſprengt ward; die Indianer zogen weiter; wir luden unſere Sachen wieder ein, und ich ſprang mit innerem Herzensjubel in den hohlen Baumſtamm. Der Strom faßte uns mit rüſtiger Kraft und brachte uns in den Rio da Salſa und um drei Uhr zu einem gemüth⸗ lichen Alten auf einer Zuckerpflanzung, wo wir Trinkwaſſer bekamen und etwas aßen. Ohne weiteren Anſtoß erreichten wir endlich Can⸗ navieiras..

Wie anders, wie groß, wie wunderbar eine Nacht auf dem Amazonenſtrom! Den hemmt kein einzelner, umgeſtürzter Baumſtamm; vielmehr reißt er ganze Waldwände, ganze Inſelpar⸗ tieen mit ſich fort; ein ſo mächtiges, maſſenhaftes Fortfluten iſt es in ſeinem Bett, daß man von einem Strombett, von einem Strom

Eleazar, mein Sohn, willſt Du thun mir wohl, nimm dort

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kaum noch reden darf. Ein Süßwaſſermeer rollt dahin, deſſen Ufer darum auchKüſten genannt werden, ein Meer, welches durch Zu⸗ ſtrömungen wie der Rio Negro oder Rio da Madeira gar nicht zuzu⸗ nehmen ſcheint, ſo mächtig, ſo gewaltig, ſo ungeheuer iſt ſeine Waſſer⸗ menge..

Ein eigenes Unternehmen war es, als ich in einer nur kleinen Montaria oder Fahrzeug von Manaos den Rio Negro und Amazo⸗ nenſtrom ein Ende hinabfuhr. Nur drei Indianer waren meine Be⸗ gleitung; nur einer von ihnen, mein Steuermann oder Jacoman, ver⸗ ſtand einige Worte Portugieſiſch: die anderen beiden waren vollkom⸗ men unciviliſirt. Langſam glitt ich auf dem ſchwarzen Waſſer des Rio Negro oder Parana pichuna hinab bis zu den grauen, wildbewegten Fluten des Amazonenſtromes, deſſen vielfach ſich kräuſelnde Wirbel die Montaria raſch mit ſich fortriſſen. Unter den wunderbarſten Erſcheinungen, zwiſchen großen Treibholzſtämmen, trägen Krokodilen, ſchlafenden Schildkröten, ſchnaufenden Lamantinen und auftauchenden Delphinen fuhren wir mit der grauen, raſtlos jagenden Flut zu Thal; die prachtvollen Waldufer zeigten, je mehr ſie ihre Menſchenverödung verriethen, deſto reicheres Leben von Pflanzen und Thieren, nament⸗ lich von großen Araraarten, den Arara-una und Arara⸗canja, welche hoch in der Luft in ſtattlichen Geſchwadern über den Strom ſetzten. Am meiſten aber imponirt immer die ungeheure, wirbelnde, rauſchende graue Waſſerflut, auf der man dahin getragen wird. Nirgends in der Welt findet ſich eine ſo ungeheure Stromtrias, wie der Amazo⸗ nenſtrom mit dem Rio Negro und dem Madeira.

Und nun ſinkt der Abend herab auf den ungeheuren Strom und ſeine ewigen Waldungen, im Weſten ſcheint die ungemeſſene Waſſerflut aus einem Feuerthor hervorzurollen, im Oſten ſich in einen leichten Nachtduft verlieren zu wollen. Dann erliſcht das Abendroth, und ſtill flammt in ſchimmernder Pyramide das Zodiakal⸗ licht hoch über Wald und Strom, während der wundervolle Sternen⸗ reigen des Tropenhimmels ſeinen geheimnißvollen Chor beginnt. Am Aequator iſt es dem Menſchenauge vergönnt, alle Sternenbilder des Himmels zu ſehen, im Norden den Polarſtern und den großen Bären, während es im Süden, wie ich ſchon oben erwähnte, um den ſternenarmen Südpol die Capſchen Wolken kreiſen ſieht und das ſchöne Schiff Argo mit ſeinem Canopus und der räthſelhaften T, deren Licht den ſeltſamſten Schwankungen unterworfen iſt, das Südkreuz, den Centauren mit dem hellſten Doppelſtern des ganzen Himmels und den Scorpion erblickt. So den ewigen Himmel mit ſeinen Myriaden Sonnen über mir, ſo den rieſigſten Strom der ganzen Welt unter mir, ſo zu meinen beiden Seiten, freilich in verſchwindender Ferne, den ungeheuerſten Wald, den die Erde aufzu⸗ weiſen hat, ſo ich ſelbſt nur getragen von einem kleinen Nachen, ergoß ich meine ganze Seele in das Weltall und in ſeinen Schöpfer, in Gott, der da war, iſt und ſein wird! O, ſolche Nacht, ſolche braſilianiſche Nacht! Sie lehrt. noch ganz anders beten, als der Cölner Dom und die mächtige Kuppel der ewigen Roma!

Das Weib des Karaiten.

Novelle von M. Ben Aron.

das Buch und lies mir vor vom Schabbes, wie hat gethan mein Da⸗

vid und mein Ruben...

Gern, Tante, aber...

Es klopft an der Thür die Kranke wendet ihren Blick dort⸗ hin und erhebt ſich faſt mit Schrecken, als ſie den Eintretenden erblickt.

Rabbi Simon... der Rabbiner... bei mir?... ſtam⸗ melte ſie.

Nun Rahel?... ſagte dieſer, ein ehrwürdiger Greis mit ſchneeweißem Barte...bin ich nit gern geſehen bei Euch, Rahel, daß Ihr mir nit bietet ein scholem aleichem bei meinem Eintritte.

Scholem aleichem, Rabbi, ſagte Rahel immer noch ver⸗ wirrt...was kommt Ihr mir zu ſagen... o, ich errathe es... was iſt meinem Ruben paſſirt?... ſprecht, ſprecht!

Und warum glaubt Ihr, Frau, ſagte der Rabbi lächelnd und

en Sitz Eleazars einnehmend,daß ich komme, zu bringen Euch

xte Nachricht? 8

(Schluß.)

Ich hab' Euch ja nie bei mir geſehen... o redet, redet.. was iſt geſchehen?

Ich bin nit gekommen zu Euch, weil ich hab' nie gekonnt Euch bringen a gute Nachricht nun hab' ich eine und ſeht, ich komme gleich...

Eine gute Nachricht, Rabbi?

Ja! und da Ihr habt kein' Geduld, werde ich ſie Euch ſagen gleich. Ich hab' gehört vom Bürgermeiſter, daß das Gericht hat an⸗ genommen die Caution, wo ſtellt Eleazar, und daß bis zum Termin

wird ſein Ruben frei und womöglich ſchon morgen, um Euch beim

Kaffee zu ſagen: Gut Schabbes, Tante!

Rahels Geſicht ſtrahlt vor Freude, ſie hebt inbrünſtig ihren

Blick gen Himmel. Rebecca, mein Kind, ſagt ſie,komm, gib mir Deine Hand, damit ich Dein Angeſicht ſchaue.

Als ſie die Hand ihrer Tochter in der ihren hält und das vor Wonne ſtrahlende Geſicht des jungen Mädchens ſieht, da begreift ſie

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nir, ſagt der ſöten an mit Sprecht, für meine lechz felgen! Hört Fr mir wollt Dan 1 kann. Und Heerrn heute, n unſerer Väter, w pel auf geweihte und Jacobs kön ihrem Herrn? danken Gott, coc ſtrenger als ſeinem Knechte? danken Gott, ſchen, wo ſind; endlich, indem dem wir uns be verſtanden, Fra Ich habe

Und nun

nabt JIhr ſicherli and haht gemurr Ja, Nabt ſneiner Niſchem Und hab Eures Volkes, Weſprochen und ſ Ncht.

Es iſt wa Nun, Ra 1 danten dem He⸗ Krend, Sprcht, Maan die Luch ſo lange Schweſter, wir 1

Dir zu bieten;

A ſie nit hat Jyr ſolt Nahel ſi ir Vet verſa

des Rbbinerg