ſchaute die Kecke langen Halſes neugierig und begehrlich vom Spring⸗ holz aus hinein und kroch wohl auch, ſchien es ihr ſicher, hinab, zu ſehen, wie die Sachen ſtanden.„Pink, pink!“ ruft der Gatte— „der Staar kommt— flugs heraus und davon!“
Faſt täglich war der Wittwer am Bau ſeines Neſtes thätig, aber nur in Aengſten, ſchien es, und zum Zeitvertreib. Da wurden Dinge zu Neſte geführt, die bei einem geregelten Baue das Weibchen nie dazu verwenden würde; grüne Blätter, ſelbſt Bohnenkeime abge⸗ riſſen und in den Bau geſchleppt, oft aber auch wieder herausgetragen. Von Zeit zu Zeit machte er ſeiner inneren Unruhe Luft. In großen Kreiſen flog er rings um ſeinen der ſehnſüchtig erwarteten Frau be⸗ reiteten Herd und führte dabei nicht ſelten ganze Maſſen Geniſte im Schnabel mit umher zur Schau und zur Einladung gleichſam. Gegen zudringliche Gäſte ſeines Gleichen brauchte er Hausrecht und mit gro⸗ ßem Nachdruck. Als eines Tages ein benachbartes Pärchen, wahr⸗ ſcheinlich zur zweiten Brut, ſein Käſtchen ſich auserſehen, ſich häus⸗ lich niederzulaſſen und das Geniſte des Wittwers herauszuwer⸗ fen im Begriff ſtand in dem Augenblicke, als mein ungliücklicher Staarmatz von einer Entdeckungsreiſe zurückkam, ſetzte er ſich ſofort ſo energiſch zur Wehr, daß die Eindringlinge ohne weiteren Kampf das Feld räumten.
So trieb es der Einſiedler einundzwanzig Tage lang. Tag⸗ täglich das alte Lied, dieſelbe Unruhe, die gleiche Sehnſucht! Oft habe ich mich gewundert, daß dem armen Thiere nicht die Flügel er⸗ lahmten und die Kehle verſagte.
Am zweiundzwanzigſten Tage endlich langte er mit einer Staarin an. Noch hielt ſie ſich in züchtiger Entfernung auf dem benach⸗ barten Baume. Das Männchen pfiff vom Sprungholz ſeines Niſt⸗ kaſtens eine zärtliche Weiſe nach der anderen, flog zu ihr hinüber und tanzte flügelſchwenkend um ſie herum. Das Weibchen ſchien noch nicht ganz einig mit ſich zu ſein. Wahl macht Qual. Sollte ſie den Liebkoſungen ihres Bewerbers Gehör ſchenken?— Endlich beſtieg der Staar wiederum die Zinne ſeines Hauſes, jubilirte, kroch hinein und brachte im Schnabel Geniſte heraus, ſeiner Schönen ſich als ſorgſamen Vater und getreuen Ehegenoſſen zu documentiren. Das ſchien zu wirken. Die Staarin ließ ſich her⸗ bei, das Neſt näher in Augenſchein zu nehmen, ſchaute hinein und hinab, maß mit dem Schnabel, und jetzt war ſie drinn. Mein Staarmatz ſchien des Sieges gewiß; das war ein Pfeifen und Locken, ein Flügelſchwenken und Gucken! Das Weibchen ſchaut heraus, der Staar folgt ihr ins Neſt. Nach kurzer Friſt verließen beide den Garten, um erſt ſpät am Abend zurückzukehren. Anderen Morgens begannen ſie ſofort emſig am Neſte zu bauen. Und bald freute ſich der Gatte, wenn auch ſpät im Jahre, ſeines Glückes, das ihm vier niedliche Kinderchen brachte, um ſo mehr, je länger er einſam und verlaſſen geſchmachtet hatte.
Die urſprünglinge Heimat des Staaren ſind Laubwaldungen und deren hohle Bäume ſeine bequemen Brutſtätten. Ueberall aber in unſerer Nähe ninamt der menſchenfreundliche Vogel Niſtkäſten, eigens für ihn ezemmert, dankbarlichſt an. So iſt es vieler Orten gelungen, ihn anzuſiedeln, wo er ſonſt nur als vorüberziehender Gaſt Lelannt war. Und das iſt, ganz abgeſehen von der Freude, ein nicht unbedeutender Gewinn, da ein einziges Elternpaar mit ſeinen Kin⸗ dern einen ziemlichen Bedarf an Würmern, Schnecken⸗ und Kerb⸗ thieren hat. Man kann auf eine Familie tagtäglich 200 Stück Schnecken rechnen oder eine entſprechende Menge anderer uns läſtiger und ſchädlicher Schmarotzer, Heuſchrecken, Engerlinge und Raupen. Er folgt den Rindern, ſie von Ungeziefer zu befreien, nicht ſelten deren Rücken ſich zum Sitz wählend. Man berichtet, daß die Bevöl⸗ kerung von etwa 100 Staarkäſten den Verheerungen zweier Rüſſel⸗
käferarten ſteuerte, für deren Einſammeln ein Forſtmann binnen 5 Jahren 1100 Thlr. verausgabt hatte.
Er iſt der kühnſte Vorläufer des nahenden Lenzes, kühner ſelbſt als Lerche und Droſſel.„Die Staare ſind da!“ klingt als freund⸗ liche Botſchaft in unſer Herz. Luſtig pfeift und ſchnalzt, ſchmatzt und ſchwatzt er ſein Lied zu uns hernieder, mag es auch ſtürmen und ſtö⸗ bern und mager die Koſt ſein. Er weiß es, der Frühling kommt, er muß, und hohnlachend trotzt er den letzten Zuckungen des Winters. Die Staare ſind da, der Winter hat verſpielt! Noch hat der Herold des Frühlings Muße, mit ſeinen Genoſſen zu jubiliren. Da lärmt es auf den Dächern der Häuſer und in den Kronen der Bäume. Im Sonnenſtrahl glimmern und ſchimmern, grünlich und purpurfarben, die dunklen Gewänder. Recht ſo, ihr Lieben, bald kommt die Zeit
der Gründung des Herdes, dann ſingt ihr der brütenden Gattin vor
und ſorgt für die kleine Familie. Doch auch dann weiß ſich der Vo⸗ gel ein Viertelſtündchen abzumüßigen, um mit ſeinen Genoſſen zu lärmen und zu ſingen, zu ſchäkern und zu keifen. Geſelligkeit iſt ihm Bedürfniß. Selbſt mit Krähen, Dohlen und Droſſeln ſieht man ihn nicht ſelten, wenigſtens vor und nach der Brutzeit ſich tummeln. Im Zimmer ergötzt er durch ſein papageienartig poſſirliches Weſen, lernt
die verſchiedenſten Töne nachahmen, das Gackern der Hühner, das Klappern der Mühle, wie das Knarren der Thüre, weiß den Buben
ihre Gaſſenhauer abzulauſchen, den Katzen ihr Miau, den Hunden ihr Mäff. Er ſpottet ihnen allen nach und ſpricht menſchliche Worte, ohne daß es nöthig wäre, ihm die Zunge zu löſen, treibt allerlei Schnurrpfeifereien und verträgt ſich mit den anderen Stubengenoſſen Hund und Katze wie Vögeln aller Art recht gut, nur daß der drollige Kauz den Gefährten zuweilen durch ſeine Narrethei, an ihnen mit dem Schnabel herumzuzirkeln, läſtig wird.
Die erſte Brut iſt abgethan. Die Kinder verlieren ſich ins Weite. Die zweite wird zu Ende geführt, und nun adieu, ihr Staare, hinaus in Wälder und Röhricht treibt es euch fort. Rauſchenden Fluges, ungezählte Scharen, wogen und ſtrömen ſie in geſchloſſenen Reihen über die Fluren hin. Einem rollenden Rade gleich wälzt ſich das Heer kreiſend und kreuzend, dahin, dorthin, fallend und ſteigend über und unter einander hinweg, wie um einen Kern und frohlockend ſchiebt die wimmelnde Maſſe ihrer Nachtherberge zu. Pfeilwohl z ſtürzt der luſtige Troß über deinem Haupte zur Tiefe niedexung ſenkt ſich ins Röhricht. Die Halme beugen Gnſten gewis S&
S brechen. Ungeſtüm flattert die Cololpe- Stengel
wird erwählt, aber Ruhe iſt bamit noch nichk gewonnen. Eben langen
neue Chöre an; ſie fallen ein; Kämpfe entbrennen; noch einmal ſteigt die Geſellſchaft zur Höhe, und wiederum taucht ſie nieder. So geht es fort, bis die Nacht dämmernd über die Scharen hereinbricht. Einzelne Stimmen werden noch laut, bald aber verſtummen die ge⸗ ſchwätzigen Zungen. Doch kurz nur iſt ihre Nachtruhe; mit dem er⸗ ſten Grauen des Morgens erklingt die luſtige Weiſe von neuem, tauſendkehlig begrüßen ſie ſich, ſchweben in gewaltigen Flügen wolken⸗ gleich empor, tauchen aber noch einmal zu ihren Schlafplätzen nieder. Jetzt endlich auf und davon! Bald zertheilt ſich der Chor, hierhin, dorthin eilen die Schwärme.
Schon naht die Zeit, ſich zur Reiſe in die Winterherberge zu rüſten, denn bei uns iſt der Staar nur Sommergaſt. In Südeuropa aber ſind ſie Standvögel, und die Hauptmaſſe der nordiſchen Staare herbergen ebenda, wenige nur gehen nach Afrika hinüber. Unſere Gäſte erinnern ſich des Schutzes, den ihnen neen actsch ni ge⸗ währt und keiner verſäumt, die letzten Wochen zu nützen, um Mor⸗ gens und Abends den alten, lieben Brutherd zu beſuchen, Leid und Freud gedenkend, Abſchied zu nehmen und ſich unſerer ferneren Gunſt zu verſichern. z
Braſilianiſche Nächte.
Von Dr. Robert Avé⸗Lallemant.
(Schluß.)
In der Provinz Bahia rauſcht aus tiefen, undurchdringlichen Waldſchluchten eine ſtattliche Reihe von Küſtenflüſſen dem Meere zu. Zwei dieſer Küſtenflüſſe, der ſüdlichere— Rio Belmonte oder india⸗ niſch: Jequitinhonha— und der nördlichere Rio Pardo— laufen in einem gewiſſen Parallelismus neben einander hin und ergänzen
—
ſich inſofern, als der erſtere bei einer anſehnlicheren Größe in ſeinem ganzen Laufe dennoch eine nur ganz kleinen Fahrzeugen zugängliche Mündung beſitzt, während der andere leichter vom Meere aus zugänglich iſt, aber dennoch eine unbedeutendere Waſſermenge führt. Der mächtige Rio Belmonte hat etwa 6—8 Meilen von ſeiner Mün⸗
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