Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
100
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gelingen wollen.

mußte, daß die Chriſtiane des Theerbuſch mit Nichten vergeſſen, ſondern vielmehr an dem ihr einſt verlobten Manne mit einer Leidenſchaftlich⸗

keit hing, die dem armen Vetter große Beſorgniß einflößte. Die

Wittwe war ſo entzückt von dem Gedanken, den Mann ihrer erſten Liebe nun glücklich und reich machen zu können, und war ſo hinreißend

in der halb verſchämten Freude darüber, daß der Vetter wie betäubt war, als er ihren Auftrag annahm und nach Berlin ging, den Theer⸗ buſch aufzuſuchen, dem all das Glück, all die Liebe beſchieden ſein

ſollte, um die er ſich ſeit ſo vielen Jahren nun ſchon vergeblich bemüht.

In Berlin fand der Vetter den alten Kameraden nun zwar bald genug, es war das eben keine ſchwere Aufgabe, er fand denſelben ſogar als Feldwebel und auch in ganz guten Verhältniſſen, denn der Herr Feldwebel hatte eine wohlhabende Berlinerin geheirathet, und zwei echte, mit Spreewaſſer getaufte Berliner Kinder ritten bereits auf ſeinen Knieen.

Wir wollen nun nicht in Abrede ſtellen, daß der Vetter über dieſe Erſcheinung zuerſt laut jubelte, denn die ehrliche Seele hätte das liebe Chriſtianichen doch gar zu gern geheirathet, und wer weiß, ob's ihm damit nicht geglückt wäre, wenn er ihr frei und offen von der Verheirathung des Feldwebels Theerbuſch Meldung gethan, aber da ſpielte ihm ſein weiches Gemüth einen Streich, an deſſen Folgen er lange und ſchwer tragen ſollte. Er fürchtete nämlich, ſein Chriſtiani⸗ chen würde ſich über die Untreue des Theerbuſch, ſo ſah er deſſen Verheirathung mit der Berlinerin an, ſchwer kränken, und lediglich um ihr dieſen Schmerz zu erſparen, log er ihr vor, der Theerbuſch ſei nach Saarlouis oder Luxemburg verſetzt worden, und er habe nicht in Erfahrung bringen können, was aus dem Feldwebel geworden ſei. Anfänglich hatte er ihn todt ſagen wollen, und das wäre viel klüger geweſen, aber ſonderbarer Weiſe bildete er ſich ein, die Wittwe könne dann den Todtenſchein von ihm verlangen, den er doch nicht aufweiſen konnte, um dadurch hinter die Sache zu kommen. Man ſieht, der arme Kerl, der ſich aufs Lügen herzlich ſchlecht verſtand, machte einen Fehler über den andern, denn Chriſtiane, die ihre Liebe ſo geheim hielt und überhaupt mit Verhältniſſen der Art ganz unbekannt war, hätte wahrlich nicht darau gedacht, einen Todtenſchein zu verlangen; ſie hatte auch gar kein Recht dazu.

So hatte ſich denn der treue Vetter in ein Netz verſtrickt, aus welchem er gar keinen Ausweg mehr wußte, und mit ſchwerem Herzen ſpielte er die Komödie weiter und ging gehorſam alle Jahr ein Mal nach Berlin, um ſich nach dem angeblich Verſchollenen zu erkundigen, mit dem er doch jedesmal in alter Freundſchaft, und zwar in deſſen eigenem Hauſe auf der Kaiſerſtraße, eine Flaſche Bier trank.

Im Anfang mochte er wohl gehofft haben, die Wittwe werde ſich jetzt ebenſo überwinden, wie ſie ſich etliche Jahre zuvor überwunden hatte, als ſie auf Befehl ihres Vaters den alten Lautenſpihl heirathete;

es war jetzt aber doch ganz anders, der ſtrenge, alte Käsmark war

100 todt, es hatte der Frau niemand etwas zu befehlen, ſie blieb feſt in

ihrer Liebe und ſchien ſich immer mehr in derſelben zu verſteifen. So kam es denn, daß der arme Vetter endlich ſeinen eigenen Hoſſ⸗ nungen ganz trübſelig Valet geſagt hatte und nur noch darauf rech⸗ nete, daß die Frau Feldwebelin, die ihm jetzt höchlich verhaßte Ber⸗ linerin, ſterben würde, um der Wittwe Lautenſpihl Platz zu machen. Alle Mal, wenn er nach Berlin kam, hoffte er, den Theerbuſch, ſeiner Chriſtiane geliebten Auguſt, als Wittwer zu finden, aber ſtets fand er die Frau Feldwebelin bei beſter Geſundheit, wenn ſie nämlich nicht

gerade im Wochenbette lag, und auch das ſchien ihr ganz vorzüglich

gut zu bekommen.

So lebte denn der arme Burſche, immer der Wittwe hilfreich dienend und ſeine Leidenhaft für ſie ohne Hoffnung im Herzen, weiter, aber ſtets von der Furcht geplagt, Chriſtiane könne einmal auch durch einen anderen Erkundigung einziehen laſſen und ſo hinter die Wahr⸗ heit, das heißt hinter ſeine Lügen kommen.

Dieſe Furcht war freilich ganz ohne Grund, denn die Wittwe war ſo harmlos, und kein Gedanke des Mißtrauens gegen den treuen Vetter kam in ihre Seele. Was nun der ehrliche Menſch in dieſen Verhältniſſen litt, das brauchen wir nicht zu ſagen; in welcher Ver⸗ wirrung er ſich aber befand, geht deutlich daraus hervor, daß er es. ſogar wagte, bei dem Herrn Feldwebel leiſe Andeutungen, ſowohl auf eine Scheidung, als auch auf den Wittwenſtand der Chriſtiane zu machen. Die Anſpielungen auf Scheidung verſtand der Feldwebel glücklicherweiſe nicht, und die auf den Wittwenſtand der einſt Geliebten nahm er mit einer Kälte auf, welche den verliebten Vetter geradezu empörte.

Als der Vetter dieſes Mal aus Berlin zurückkam, war er ängſt⸗ licher und trauriger noch, als ſonſt; er wagte es auch nicht, ſeine alten Lügen noch ein Mal mit Worten zu wiederholen und ſchüttelte nur den Kopf gegen die Wittwe, als er ihr mit halb abgewendetem Geſicht die Hand reichte. So hart plagte ihn ſein böſes Gewiſſen. Dar⸗ über bemerkte er denn auch gar nicht, daß die Wittwe ihn mit ganz curioſen Augen anſah, und daß ſie ihn nicht, wie bei der Rückkehr von den früheren Reiſen, mit Fragen beſtürmte und mit überſtrömenden Augen die Nachricht von dem abermaligen Fehlſchlag ſeiner Be⸗ mühungen empfing. Die Abweſenheit des Vetters hatte, obwohl ſie nur wenige Tage dauerte, eine ganz merkwürdige Veränderung in den Gefühlen der jungen Wittwe zu ſeinen Gunſten gewirkt. Frau Chriſtiane hatte zuerſt ein Gefühl der Verlaſſenheit gehabt, wie nie zuvor, dann hatte er ihr bei etlichen Arbeiten ſo gefehlt, daß ſie die⸗ ſelben bis zu ſeiner Heimkunft aufſchob, und endlich hatte ſie zufällig in dieſer Zeit mit böſen oder doch neidiſchen Nachbarn allerlei Strei⸗ tigkeiten gehabt und dabei manche Kränkung, manche Unbill hinnehmen müſſen, die der Vetter, das wußte ſie gewiß, nicht gelitten haben würde.(Schluß folgt.)

Sfaarmakt. Ein Lebensbild aus der Vogelwelt von Franz Schlegel.

Es iſt mir ein mit jedem Frühjahr ſehnſüchtig erwartetes und immer wieder neues Vergnügen, den Staaren, dieſen erſten befiederten Boten des Frühjahrs, in meinem Garten einige Niſtkäſten hoch auf Stangen über die Krone der Bäume hinaus vorzurichten.

Von allen die Nähe des Menſchen ſuchenden Vögeln hat mir eigentlich nur mit dem Staar ein freundſchaftliches Einverſtändniß Der Sperling iſt ein übermüthiger Geſell, voller Liſt und Ränke, flegelhaft und derb mißtrauiſch, weil nicht ganz rein von Gewiſſen und ſchadenfroh wie einer. Die Schwalbe iſt zu flüch⸗ tig und hält ſelten nur einer Unterhaltung und Annäherung Stand. Näher ſchon fühlen wir uns dem Storche, doch bei der ernſten Miene des ſteifbeinigen Pedanten ſtreift die Komik ſeines Weſens nahezu ans Lächerliche, und gemüthlich könnte er ſein, nur müßte ſein Herz nicht wie ſein Leib uns auf Stelzen entgegenkommen.

Wie anders der Staar! Er iſt zutraulich ohne zudringlich zu ſein keck, aber nicht unverſchämt ein Schelm, der uns unter⸗

halten, aber nicht ſchaden will; ſeine Komik macht uns lachen, doch ihn

ſelbſt nicht lächerlich; immer heiter finden wir ihn, niemals ausgelaſſen, zu Zeiten feierlich wohl und gemeſſen, aber dabei nicht ſteif und pedan⸗

tiſch, allezeit gunex Dinge und mit Recht der Philoſoph unter den Vö⸗ geln getauft.

Ich hatte in meinem Garten mehrere Staa genau nach den von Lenz und Gloger für dergleichen Brutſt angegebenen Vorſchriften an Stangen befeſtigt, hoch über die höchſten Obſtbäume hinausragend angebracht. Um die leuchtende Farbe des Holzes, aus welchem die Häuſerchen gezimmert waren, zu verdecken, wurden ſie mit Eichenrinde benagelt. So erſchienen ſie möglichſt naturwüchſig und nicht allzu neubacken.

Längſt waren die Staare der Nachbarſchaft eingezogen. Schon machten ſie ein weiches Lager für ihre zukünftige Brut zurecht. Meine Käſten nur, mit ſo viel Liebe und in froheſter Hoffnung hergerichtet, ſchienen unbeachtet bleiben zu ſollen. Kaum aus dem Bett, war es mein erſtes, zu ſehen, ob denn leiner meiner Lieblinge ſich eingefunden. Wenn ſich einer herbeiließ, die nette Wohnung näher zu betrachten, das Springholz zu erproben, nur einen Blick hineinzuwerfen, die Ein⸗ gangsthür abzuzirkeln, und ſchließlich auf dem vſpringenden Dache mit aufgeblaſener Kehle ſeinen freundlichen Geun anzuſtimmen, da⸗

zu den Takt mit den Flügeln ſchlagend, deu d dr, dann war ich

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