leines 9.
falen kreegen und — Plattdeutſch Juhorer, eine er⸗ ihm, der einmal uges Verbot Lehm rhaltenen Verweis ffen hatte. Unter geht die Zeit hin; wirn, um defectes ten hatte,— zu⸗ (n das Feuer ge⸗ ſt es im Walde, in der Regel von uodtenſtill iſt
an die Waſſerfälle den hohen Wald⸗ enächtlichen Sala⸗ fnilleduft blühender m etwas breiteren tbar über den dun⸗ (uf und bricht ſein Waſſerfalles nach links, während negel zwiſchen e Wolkenflöck⸗ und träumen,— zt ſagen, gar nicht verden kann, wenn eo ſie vergebens in
ctt! wenn ein Ge⸗ in einen rühigen,
higen, triefenden um gleich von
viſirte ieder dort, end⸗ endlich überall, Und nun geht
felei iſt los; denn oft ſtürzen bei ſolchen Waſſerdurchbrüchen alte
Waldbäume mit um oder bleiben an tauſendfachen Schlingpflanzen in der Schwebe hängen und zerren an den Nachbarn. Scheint im Rabendunkel der Nacht ſolche ſchwankende Waldpartie,— denn wirk⸗ lich muß man einen abgeſtorbenen Waldbaum mit ſeinen Paraſiten eine Waldpartie nennen,— ganz nahe zu ſein, ſo kann es einem doch immer etwas fatal zu Muthe werden, und die Nacht im Walde dauert ewig lang.
Aber der Morgen kommt, mit ihm Licht und Leben und unver⸗ wüſtlicher Frohſinn. Die Reſte der geſtrigen Mahlzeit, wenn ſie ſich noch conſervirt haben, dienen zum Frühſtück; ſtatt des gekochten Kaffees kaut man einen Theelöffel voll gemahlenen Kaffees, und trinkt ihn mit einem Schluck kalten, etwas grauen Waſſers hinunter,— man ſattelt wieder auf, und das Geſindel zieht weiter!
Viel weniger vereinſamt, als ſolche Waldnacht auf einer Pica⸗ dentour iſt ein Bivouac im Oberlande des Paranage⸗ bietes. Vom Orte Lages, etwa 3000 Fuß hoch gelegen(Provinz S. Katharina), ritt ich nach der Eſtancia dos Indios, deſſen Beſitzer mit ſeiner Familie in einem förmlichen Blockhaus einen activen und paſſiven Krieg gegen die Wildniß, gegen den Araucarienforſt, Unzen und Wilde oder Bougres führt und denſelben mit dem Blockhaus, den Grasfeldern und dem Tannendickicht auf ſeine Nachkommen ver⸗ erbt, denn dieſe urkräftigen Eſtancieiros wanken und weichen nicht zurück, mag da oder dort auch jemand von den Bougres erſchlagen oder von den Unzen zerriſſen werden. Solch Blockhaus ſteht feſter da, als eine Miſſionskirche; die Kugelbüchſe predigt lauter und nachdrück⸗ licher Reſpect, als ein Capuziner oder Lazariſt. Aber die Verbindung zwiſchen dieſen Eſtancias und dem Unterland iſt ungemein ſchwierig und kann von einem einzelnen Reiſenden nicht wohl gewagt werden. So ward denn auf der Eſtancia dos Indios eine Tropa von 25 Maul⸗ thieren formirt und mit allen Victualien und Kochgeſchirren verſehen; ein anderer Mulatte, ein Negerburſche, ein zahmer Indianer aus den Miſſionen, mein Spahi und endlich ich ſelbſt bildeten die Menſchheit; vorauf läutete eine Stute mit einer Glocke um den Hals, auf welche die Maulthiere ſeltſam Acht geben und ihr überall hinfolgen. Solche Leitſtute hat den Namen madrinha, Gevatterin.
So geht man in die Wildniß hinein über Grashügel, Flüſſe, durch Schluchten und einen ewigen Araucarienforſt, bis die Sonne ſinkt. Nun wird abgeſattelt, der Rückweg wird verrammelt,— ſonſt rennt die ganze Tropa davon und nach Hauſe zurück— mindeſtens ein Zelt aufgeſchlagen, um alles Gepäck unterzubringen, und dann ein mächtiges Feuer angemacht, zu welchem man Brennmaterial in Menge vorfindet. Um das lodernde und kniſternde Feuer werden die Ochſenhäute, mit welchen die Ladung der Maulthiere überdeckt iſt, herumgelegt, und die Tropeiros beginnen mit großer Kunſtfertigkeit ihr Küchengeſchäft, wozu, wie ich ſchon ſagte, alles mitgenommen worden iſt.
Auf den erſten Blick wird jeder erkennen, daß die Soirée im
Hochland und im Fichtenwald viel glänzender ausfällt, als das Bi⸗!
vouac auf der Picadentour. Auf der Ochſenhaut liegt es ſich unend⸗ lich behaglich; das Eſſen beſteht aus mehreren Gängen, man kann ſich leichtſinniger Weiſe vollkommen ſatt eſſen, und nach dem Kaffee iſt noch Muſik. Der Tropeiro hat gar zu gern eine Guitarre bei ſich und klimpert ſich gar bald ſeine Melodie zurecht; der Text wird häu⸗ fig improviſirt und enthält meiſtentheils glühende Liebeserklärungen oder Klagen über die Sprödigkeit von Anninha oder Mariquinha. Unbedingt wird man an den Tannhäuſer erinnert, wenn man ſo beim Bivouac in den Tannen bald den Mulatten, bald den zahmen Indianer ein Liebeslied klimpern und ſingen hört, während man ſich, behaglich auf der Ochſenhaut gelagert mit einer Taſſe duftenden Kaffees vor ſich, gar leicht zur Größe eines thüringiſchen Landgrafen hinaufträumt. Aber die Sänger verſtummen bald einer nach dem andern; dieſelben Naturmenſchen, die ſich zwiſchen ihrem Guitarre⸗ klimpern eine Menge Schauergeſchichten von Unzen und Ueberfällen der Wilden mit obligaten Todtſchlägereien erzählt hatten, ſchnarchen ein ſonores Trio, während mein graubärtiger Spahi, der ſich zwei Orden und drei Schlachtmedaillen erworben und doch, Gott mag wiſſen durch welch Vergehen, ein ganzes Leben verloren hat, reglos wie eine
Atlas und den Gefechten gegen Abdelkader und die Kabylen erzählt. Geſpenſtiſch ſchauen die vom mächtigen Waldfeuer bis zu den dunkel⸗ grünen Kronen hochroth beſtrahlten Rieſenfichten, von denen viele 5 bis 7 Fuß Durchmeſſer haben, auf die ſeltſam zuſammengeſetzte Menſchengruppe hernieder; allerdings befangen ſchauet man zu ihnen hinauf und noch viel befangener in den Wald hinein, in welchem die langen Schlagſchatten der naheſtehenden Araucarien wunderbare Effecte hervorrufen und wie erſchlagene Lapithen und Giganten da⸗ liegen, während die Tiefe des Waldes vom Flackern der Flammen be⸗ wegt zu werden ſcheint und vor dem Auge des müden Reiſenden ſelt⸗ ſame Gebilde erzeugt; man erblickt recht eigentlich Erlkönigs Töchter am düſteren Ort! So ſchläft man ein. Erwacht man aber am frühen Morgen, ſo iſt zwar aus all den Spukgeſchichten von Unzen und Bougres nichts geworden; aber man befindet ſich ſelbſt in der wunderlichſten Spukgeſchichte. Das Feuer iſt aus; der Wald ſcheint verſchwunden; man liegt mitten in einem dichten, ſchneeweißen Wol⸗ kenmeer von Nebeln, aus welchem kaum die allernächſten Gegenſtände herausragen. In einiger Entfernung hört man die Glocke am Halſe der Madrinha läuten. Der Tropeiro holt das Thier in einem klei⸗ nen Trabe herbei; kaum beginnt die Glocke tactmäßig zu tönen, ſo brechen die übrigen Maulthiere heraus aus dem Chaos von Ne— beln und Gebüſchen; ein mühſames Aufſattelungsgeſchäft beginnt, wobei man leicht von den tückiſchen Laſtthieren geſchlagen werden kann. Nach einer Stunde iſt alles fertig, die Madrinha bekommt einen demonſtrativen Hieb und trabt vorauf,— ihr nach die Laſt⸗ thiere, zuletzt die Reiter; ſo reitet man 4 bis 6 Meilen am Tage durch die ewigen Araucarienwaldungen und Grasgebirge, oft durch ziemlich tiefe Bäche, oft durch reißende Waldſtröme, von denen manche nur ſo paſſirt werden können, daß man die Thiere abſattelt, und ſie durch⸗ ſchwimmen läßt, während man ſich ſelbſt auf mühſamen Umwegen, ſelbſt durch Errichtung eines Floſſes aus Bambuſen, hinüberhilft, immer mit der Chance, einmal von Wilden überfallen zu werden; wenigſtens träumen die Leute immer davon und erzählen einem bei jedem Kreuz, was zum Andenken an einen an Ort und Stelle umge⸗ kommenen Menſchen errichtet wird, immer den alten Refrain: Da ward ein Mann von einer Unze zerriſſen, dort ein anderer von den Bougres erſchlagen,— bis der Tag zu Ende gehen will, und die Araucariennacht mit einem neuen Bivouac ebenſo wieder beginnt. Wenn man dann endlich von der Serra do Trombudo ſchroff ins Thal hinunterklimmt, nnd wieder Anpflanzungen und ſelbſt kleine Ortſchaften, rari nantes in gurgite vasto, zu ſehen bekommt, ſo dankt man Gott wirklich recht von ganzem Herzen, daß in alle den Arau⸗
carienbivouacs nichts vorſiel, und beſonders, daß man in keinen
Conflict mit Wilden kam, von denen man vielleicht den einen oder andern hätte niederknallen müſſen, eine Procedur, die im Leben der
Oberländer oft genug vorkommt. Denn nirgends häuſiger, als noch in den ungemeſſenen Tannenforſten im Oberlande von Santa Catha⸗
Salzſäule in die Flammen ſtarrt, oder mir von ſeinen Bivouacs im
rina, ſtreifen ſolche Indianer umher, welche von Recht oder Unrecht, von Sitte, Geſetz, Cultur nicht die leiſeſte Ahnung haben, und eben nur mit der Kugelbüchſe zurückgewieſen werden können. Kaum eine Colonie jener Gegenden, ſelbſt in den Gebirgsſchluchten und Wal— dungen des Unterlandes, iſt von ihnen verſchont geblieben. Um Tu⸗ barao bei Laguna, im Süden der Provinz Santa Catharina ſowohl, wie in Blumenau und Donna Francisca im Norden derſelben Pro⸗ vinz, ſind Conflicte mit ihnen vorgekommen, und— was man auch ſagen möge,— der äußerſte Anbauer einer Colonie iſt, wenn er ſein Haus etwas weit vorgeſchoben hat, immer in Gefahr, Nachts im Schlafe von Bougres überfallen und erſchlagen zu werden.— Und ſomit mögen auch ſolche braſilianiſche Nächte im Walde, wie ich ſie eben kurz darſtellte, ihre Gefahren haben; aber der unbefangene Rei⸗ ſende ſieht ſie nicht; ſie werden ihm nur erzählt.
Höchſt ſeltſam kann manchmal die Lage eines Reiſenden ſich zur Nacht geſtalten, wenn ihm Hemmniſſe in den Weg kommen, an die ein vernünftiger Menſch gar nicht vorher denkt und denken kann. Wie oft muß ich einer Nacht gedenken im braſilianiſchen Ur⸗ wald, die wirklich durch und durch originell war, aber doch auch einen Begriff gibt, wie lebensgefährlich das Reiſen in den Wildniſſen des Waldes werden kann!
(Schluß folgt.)


