Jahrgang 
01-12 (1867)
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Eſtancia ganz in der Nähe; vor der Thür ein gemüthlicher Alter, Farbe indifferent, man wird ausgeſilzt, daß man im Freien ſchlief, ſtatt zur Eſtancia zu kommen, von deren Nähe man aber nichts wußte; dann glühend heiße Mate in zierlicher Cuja mit ſilberner Bomba, aus der Wirth und Gaſt ein Duett ſaugen, dazu ein Stück Fleiſch, das man mit der Hand ißt, endlich adcor, und fröhlich trabt man weiter durch die Welt. Und jetzt erſt fällt es dem Reiſenden ein, daß die ſcheußliche Nacht im Graſe doch eigentlich wundervoll romantiſch geweſen iſt. Ob wohl ein einziger meiner Leſer mir dieſe wundervolle Romantik nachfühlt?

Aber vielleicht gefällt ihm der enge Rahmen einer Nacht im dich⸗ ten Walde beſſer! Eine Schar von Coloniſten, jeder mit einem Päckchen Nahrungsmitteln auf dem Rücken, ſteht mitten im dunklen Wald, voran ein Mann mit einem Kompaß in der Hand, unmittelbar bei ihm zwei Arbeiter mit kurzen Säbeln. Sie ſchlagen eine Picade, einen Durchbruch durch das bis dahin noch unerforſchte Räthſel der dichten Hyläa jenes Waldgebirges, welches das Unterland der Pro⸗ vinz von S. Katharina vom Oberland trennt und letzteres auf den Schultern trägt. Schroff aufwärts geht das kühne Klimmen: ſchroff abwärts ſenkt ſich wieder die Picade; mit Händen und Füßen, oft ſo⸗ gar rückwärts, muß geklettert werden; denn eine Picade iſt kein wirk⸗ licher Weg; nur die Möglichkeit des Durchſchlüpfens, nur die Rich⸗ tung eines zukünftigen Pfades liegt in dem Niederſäbeln von ſtache⸗ ligem Gebüſch und hemmenden Lianen, in dem Anhauen von dicken, rieſigen Waldbäumen, deren verwundete Rinde oft den ganzen Wald durchduftet. Im Grunde tobt der Waldſtrom dahin; man muß ihn, indem man ſich mit einem tüchtigen Stabe, einer jungen Myrthe oder Palme vorſichtig von Stelle zu Stelle fühlt, durchwaten, wenn er auch meiſtens eiſig kalt iſt. So mit allen nur denkbaren und undenkbaren Hinderniſſen kämpfend legt man in einem dichten Waldgebirg mit aller Arbeit eines ganzen Tages im beſten Falle 1500 Klafter zurück, häufig aber viel weniger; ja manchmal hat man, wenn man ſich mittelſt einer Arbeit vieler Stunden, ja eines ganzen Tages, tief in eine Schlucht, ſchroff auf an einem Anberg vorwärts gearbeitet hat, das traurige Geſchick, daß man aus der Schlucht keinen Ausweg bah⸗ nen, oder vom mühſam erklommenen Hochrand nicht anders, als auf dem Rückzugswege herniederkommen kann. Troſtlos gibt man dann das gewonnene Terrain wieder auf und ſchlägt in einer anderen Rich⸗ tung die Picade, oft mit ziemlich ſchwerem Herzen, weil der Proviant⸗ vorrath leichter geworden iſt und man im ſchlimmſten Falle im Walde verhungern kann, wenn man nicht rechtzeitig den Rückweg einſchlägt vos die ganze Picadentour aufgibt, was ſich für einen Reiſenden leitunge 6preuve nicht ſchicken will. ganzen Tr allen Dingen muß man auf ſolcher Picadentour, die nur Redensaigen Reiſenden durchgemacht wird und häufig auf längeren im hoha das Barfußgehen verlangt, rechtzeitig für ein gutes Nacht⸗

Brunier ſorgen. Schon um drei oder vier Uhr Nachmittags wird eine ſattelt, d. h. alles das, was zu tragen war, an einem paſſenden men, beſonders gern an einem brauſenden Waldſtrom zuſammengelegt. Stihrige Hände fällen mit Aexten und Beilen ſchlanke Bäume, deren factämme mittelſt Cipos(Schlingpflanzen) zu dem Gerüſt eines ſchrä⸗ gen Daches zuſammengefügt werden; ſolch Dach iſt je nach Bedarf 40 Fuß lang, 910 Fuß tief und vorn 7 Fuß hoch, in der ganzen Länge offen. Mit großen Palmenblättern wird dieſes Dach kunſtge⸗ recht ſo belegt, daß, falls es Nachts regnen ſollte, kein Regen hin⸗ durchdringt, ſondern vom ſchrägen Dach herabläuft und mittelſt einer klüglich eigens dazu gemachten Furche fortfließt. Dann wird der Boden dieſes ſeltſamen Sommernachtstraumpalaſtes dicht mit Pal⸗ menblättern bedeckt und der Raum endlich nach dem Geſetz der Gleich heit vertheilt. Gleichzeitig iſt im Zuſammenhang mit dem Palmen⸗ dach ein anderes kleines Dach hergeſtellt worden, ein kleiner Veſta⸗ tempel, denn das Waldfeuer darf die Nacht nicht ausgehen. Nun iſt der Haushalt fertig, Carne secca wird mit Reis gekocht und Schiffszwieback vertheilt, beſonders aber ein tüchtiger Kaffee gebraut, von allen Erquickungsmitteln im feuchten Wald das beſte, Suppe und Nachtiſch in einer Form. Das Eſſen ſelbſt geſchieht, weil alle Welt entſetzlich hungrig iſt und kein Tiſch gedeckt zu werden braucht, in fliegender Haſt, um einem höchſt originellen Zuſtand Platz zu

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ſchwatzend und ſich nach beſten Kräften hänſelnd, um das Feuer her⸗ um; der Norddeutſche redet den Schweizer plattdeutſch an, und beide verſtehen ſich nicht; der Franzoſe kann des Belgiers flämiſchen Jar⸗

will jeder erzählen und ſich erzählen laſſen. Die heiterſten Scenen kommen vor, die ſeltſaniſten Begebniſſe. Als ich eines Abends am Feuer ſaß und dem Geſpräch der Pioniere lauſchte, trat ein Coloniſt auf mich los:. Herr Doctor, ſind Sie wirklich aus Lübeck? Ich? Ja gewiß! Kennen Sie den Dr. juris B. Avé⸗Lallemant? Sehr genau; er iſt mein Bruder! Na, de verdammte Kehrl hätt mi allmal tofaten kreegen und mi int Lock ſtehken, rief er jetzt im beſten Holſteiner Plattdeutſch aus und erzählte, unter wieherndem Gelächter der Zuhörer, eine er⸗ götzliche Geſchichte, wie mein poliziſtiſcher Bruder ihm, der einmal beim Dorfe Curau, nördlich von Lübeck, gegen ſtrenges Verbot Lehm oder Sand geholt hatte und bei einem deswegen erhaltenen Verweis grob geworden war, zu einigen Tagen Arreſt verholfen hatte. Unter ſolchen, oft außerordentlich kleinlichen Heiterkeiten geht die Zeit hin; der eine oder andere nimmt auch wohl Nadel und Zwirn, um defectes Zeug zu flicken, was ich faſt jeden Abend vorzunehmen hatte, zu⸗ letzt wird noch ein mächtiger Holzvorrath um und an das Feuer ge⸗ legt, und die Geſellſchaft ſchläft ein. Todtenſtill iſt es im Walde, wenn nicht etwa gerade heller Mondſchein iſt, der in der Regel von der Thierwelt zu infernalen Nocturnos benutzt wird, todtenſtill iſt es ſonſt ringsher; aber aus der Ferne her hört man die Waſſerfälle wunderbar rauſchen; leiſe rauſcht es auch wohl in den hohen Wald⸗ kronen oben; das friſche brennende Holz ſingt ſeine nächtlichen Sala⸗ manderlieder, in welche ſich oft wundervoller Vanilleduft blühender Orchideen einmiſcht. Iſt das Bivouac an einem etwas breiteren Waldſtrome aufgeſchlagen, iſt der Himmel weit ſichtbar über den dun⸗ keln Waldgipfeln, taucht zuletzt noch der Mond auf und bricht ſein Licht in den ſchäumenden Brandungen des nahen Waſſerfalles nach rechts, in den luſtigen Sprudeln der Cachonira nach links, während er in dem dunkelſchwarzen, ſtill dahinflutenden Fluſſesſpiegel zwiſchen beiden ſein Bild ſcharf abmalt und ganz kleine weiße Wolkenflöck⸗ chen um die dunklen Baumkronen umhertändeln und träumen, nun, ſo hat man eine Nacht, die ſich eben gar nicht ſagen, gar nicht ſingen läßt, und in Europa wohl nur geträumt werden kann, wenn auch der oben ſchon einmal angeführte Poet Cicrano ſie vergebens in einer Strophe darzuſtellen ſuchte: O ſolche Nacht im Walde, ſolche Nacht! Das Leben ſchweigt; es donnern die Cascaden! Im dunkeln Strome ſcheinet ſich die Pracht Des reinen Südenhimmels keuſch zu baden, Bis ſpät der Silbermond am Himmel lacht Und weiße Wölkchen ſich zum Tanze laden, Die durch die Kronen ſich mit leichten Lüften Anmuthig jagen und mit Blumendüften! 1 Aber: O welche Nacht im Walde, welche Nacht! wenn ein Ge witter heraufgerast kommt und ſeine erſte Wuth in einen ruhigen, triefenden Regen übergeht! Man muß ſolchen ruhigen, triefenden Regen braſilianiſcher Wälder kennen gelernt haben, um gleich von vorn herein zuzugeſtehen, daß gegen den ein improviſirtes Palmen⸗ dach auch nicht aushält. Es leckt hier durch, daun wieder dort, end⸗ lich überall! Man wird hier naß und dort, und endlich überall, wie man ſich auch zuſammenzieht und winden mag. Und nun geht auch das Waldfeuer langſam ſeinen Todesgang; ein entſetzlicher Rauch verkündet ſeine Agonie, und die dabei lebhaft intereſſirten Waldläufer verkünden ihre Theilnahme durch einen homeriſchen Huſten und Hohn⸗ gelächter, bis unter derbem Fluchen der Leidtragenden auch der Rauch aufhört. Nun iſt es aber rabendunkel, ſo dunkel, wie man ſich nur ein Dunkel denken mag; dazu ſchwillt der Waldbach, dem man ſo cor⸗ dial nahe ſich gelagert hatte, mehr und mehr an; im Dunkeln tappt man nach ſeinen Siebenſachen, beſonders nach dem Eßvorrath, und zieht ſich aus der durchleckenden Hütte etwas höher in den Wald hin⸗ ein. Dort aber Malheur! Oben in den Baumwißffeln hat ſich das Laubwerk, beſonders aber die Paraſitenwelt, dick voll Waſſer getrun⸗

machen. Während des Eſſens iſt es dunkel geworden, aber bis zum Schlafen ſind es noch immer einige Stunden. Da ſitzt denn das aus allen Weltgegenden zuſammengewürfelte Coloniſtenvolk, Deutſche,

Belgier, Franzoſen, Schweizer, mit ihren Pfeifen ſchmauchend,

ken. Alles ſtrotzt voll Regen, ein Windſtoß! und ganze Eimer Waſſers ſtürzen 60 bis 80 Fuß hernieder, mit ihnen ein ganzes natür⸗

liches Pflanzenſyſtem, Pothos und Bromeliaceen, und abgeſtorbene

Aeſte hinterdrein. Ein förmlicher Waldtumult, eine nächtliche Teu⸗

gon nicht faſſen, alles iſt eine gemeinſame Sprachconfuſion, und doch

Rabendunkel der.

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3 bi der Mot wüſtlicher Frehſinn noch onſervirt habe kaut man einen The inem Schluckkalte wieder auf, und de

Viel weniger dentour iſt ein W bietes. Vom? S. Katharing), ri mit ſeiner Familie paſſiven Krieg gege

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