Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
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eilenden und meiſtens mit großem Gekrächze ihr Kommen und Gehen bekundenden Seevögel. Still, ſtumm und ſtarr liegt das Hügelmeer der Graswelt von Rio Grande unter uns an jenem von mir bezeich⸗ neten Waldrand. Befangen von dem Anblick der Erſtarrung reiten wir ſchweigend in den Wald von mächtigen Araucarien hinein, und freuen uns, wenn wir bald Antſchläge vernehmen, durch welche ſich das ihr fröhliches Vernichtungswerk auch in dieſen fernabliegenden Tannenforſten Braſiliens treibende Coloniſationsleben deutſcher Aus⸗ wanderer kund thut.

Doch nur ſcheinbar iſt die Erſtarrung des Lebens in der Gras⸗ welt von Rio Grande. Zwar müſſen wir lange traben, ehe wir ein mal eine Kirche entdecken, um welche ſich hinreichend zahlreiche Häuſer herumdrängen, und den Namen und die Bedeutung eines Kirchſpiels, eines Fleckens, eines Städtchens gewinnen; ja man kann manchmal einen ganzen Tag umhertraben, ehe man das auf einem Hügel ge⸗ legene und von einem Bosquet von Orangen und Pfirſichbäumen umgebene Haus eines Eſtancieiro auffindet; was aber an Men ſchen fehlt, wird von einem ſeltſamen Thierleben erſetzt. Allüberall und weit zerſtreut in einzelnen Gruppen graſen Rinderherden, deren ruminirender Friede von daherjagenden Pferdeſcharen mannigfaltig geſtört wird. Aus den Niederungen ſpringen aufgeſcheuchte Gruppen von Emas ſüdamerikaniſchen Straußen auf, und rennen in ungeſchicktem Trab von dannen, während die Rudel kleiner Hirſche, die ſich vor dem daherkommenden Reiter vergebens zwiſchen den ruhig weidenden Kühen zu verbergen ſuchten, in geſtrecktem Galopp davon jagen und erſt in weiter Ferne auf der Höhe eines Cuchillo oder Grashügels Halt machen und dort, ſcheinbar zu Standbildern er⸗ ſtarrt, nach dem einhergaloppirenden Reiter hinblicken. Aus jedem Grasbüſchel ſchwirren Stepphühner auf, um ſich nach einem kurzen Fluge wieder niederzuwerfen; in allen feuchten Niederungen zankt ſich der Queroquero oder ſüdamerikaniſche Kiebitz mit ſeinen Genoſſen umher und iſt ſichtlich erboſt, wenn man ihn darin zu ſtören ſich er⸗ dreiſtet. Ganze Scharen von Buſſarten(circaétus) wandeln oder fliegen über dem Graſe dahin, während größere Schwärme von Uru⸗ bus oder kleinen Geiern die Stellen bezeichnen, wo irgend ein Rind oder Pferd verendet iſt. Mannigfaltige Eidechſen raſcheln im dürren Gras und ſchrecken Schmetterlinge und Heuſchrecken auf, das iſt die Sceuerie, und ziemlich die ganze Scenerie, in der der durch Rio Grande reiſende Reiter ſich bewegt, ein allerdings belebtes und doch, weil Wochen lang andauernd daſſelbe, befangend monotones Bild, welches die neben einander hintrabenden Reiſenden gar leicht verſtummen und gewiß manchmal auf einen ganzen Tag ſchweigſam macht. So wenigſtens ging es mir und meinem franzöſiſchen Spahi, der in Rio Grande mein Begleiter war, ganze Tage lang trabten wir ſchweigend neben einander dahin zwiſchen den Graswellen dieſer ſonderbaren ſüdbraſilianiſchen Hügelwelt.

Aber der Matungo, der Gaul, wird leicht müde gegen Abend, wenn er den ganzen Tag traben mußte, Hügel auf, Hügel ab, zumal, wenn er merkt, daß ſein Reiter, wie mir das öfter paſſirte, vom Wege abgekommen und es bis zur geſuchten Eſtancia für den Tag zu weit iſt. Da bleibt denn nichts weiter übrig, als der Laune des Thieres nachzugeben, abzuſatteln, ihm eine lange Leine an eine Hufe zu bin⸗ den und es laufen zu laſſen, wo es ſich dann behaglich an das Gra⸗ ſen begibt, ſich dick frißt, niederlegt und das köſtlichſte Bivouac im Freien beginnt.

Anders als ihm aber iſt ſeinem Herrn, zumal, wenn er noch ein Neuling im Reiſen iſt, zu Muthe. Erſtens kein Eſſen, wenn nicht im Sack irgend ein Stück Brot und Käſe hängen geblieben iſt; zweitens kein Obdach, nicht einmal ein Baum; drittens kein Bett, viertens, fünftens, ſechſtens totale Abweſenheit alles deſſen, was wir nach unſeren gewöhnlichen, wenn auch noch ſo beſcheidenen Anforde⸗ rungen, für ein Nachtquartier verlangen.

Aber eben dadurch gewinnt ſolche braſilianiſche Nacht in den Grasgefilden von Rio Grande einen wunderbar großartigen Anſtrich. Das eigenthümlich aus mehreren großen Lederplatten und Decken zu⸗ ſammengeſetzte und ganz direct für ein Bett im Freien beſtimmte Rio Grande-Sattelzeug wird auf dem Boden ausgebreitet; der Sattel⸗ bock dient zum Kopfkiſſen, der Poncho oder Reitermantel zur Decke, und man legt ſich nieder. Die Nacht bricht herein. Langſam verhallen die letzten Stimmen des Tages; nur ſelten vernimmt man

noch das Brüllen eines Rindes; kaum hier und dort wiehert noch ein

muthwilliges Pferd. Selbſt der Queroquero verſtummt, oder zankt

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Qſich höchſtens nur noch im Traum halblaut mit ſeinem Nachbar; und wenn noch ein ſpätes Nebhuhn mit ſeinem pfeifenden Flügelſchlag über die Cuchillos dahin zieht, ſo geſchieht das nur, weil eine Schlange, eine große Eidechſe oder ein Tatu(Gürtelthier) daſſelbe in ſeinem Schlummer ſtörte und aufſchreckte. Kaum ein mit dem Graſe ſpie⸗ lender Nachthauch bekundet noch Leben und Bewegung; ſtill iſt es, todtenſtill im unermeßlichen Raume; Gottes Gnade und Vatergüte hat alles eingewiegt und ſchützt alles mit wachendem Auge und all⸗ mächtiger Hand. Und als Symbol des wachenden Auges und des himmliſchen Friedens dehnt die Nacht am weiten Himmel ihren wun⸗ derbaren Sternenmantel aus. Der wilde Orion taucht unter; bril⸗ lant funkelt der Sirius im Weſten, während das Schiff Argo mit ſeinem Canopus und der ſeltſamen, von einem Sternennebel um⸗ floſſenen, langſam hinterdrein ſchwimmt, gefolgt vom hoch auf der Milchſtraße ſtehendem Südkreuz und dem gewaltigen Centauren, ganz öſtlich tauchen dann die Scheeren des Scorpions auf, während um den vereinſamten Südpol die beiden Capſchen Wolken kreiſen und bis ſpät in die Nacht hinein im Weſten das weiße Zodiakallicht pyramidenförmig faſt bis in den Zenith hinaufdämmert. Stun⸗ denlang, ja, ich möchte ſagen, Nächte lang habe ich in ſolcher braſilia⸗ niſchen Camposnacht hinaufgeſtarrt in den wunderſchönen Sternen himmel, deſſen Ruhe und Friede ſo friedlich und ruhig das Menſchen⸗ herz ſtimmt, daß eine am Himmel plötzlich aufglühende und dahin⸗ ziehende Sternſchnuppe uns faſt erſchreckt und zuſammenfahren macht.

Und iſt nun wirklich keine Gefahr vorhanden in ſolchem ein⸗ ſamen Bivouac? ſo mag vielleicht ein Leſer fragen. Nein, gar keine! Eine Unze? Iſt nicht! Eine Rieſenſchlange? Kommt nicht! Ein Räuber? Gibt's nicht! Erkältung, Huſten, Schnupfen? Mein Gott, ſolche Sommernacht in Rio Grande zwiſchen Poncho und Sattelzeug hat mit all dieſen kleinen katarrhalen Lebensereigniſſen gar nichts zu thun. Vielmehr denkt man wohl in ſolcher Nacht an das Wort der reizenden Jeſſica: In such a night!

Ja, in such a night kann man doch manchmal erſchreckt werden. Urplötzlich erwacht man. Es iſt hell wie am Tage! Hoch am Him mel ſteht der volle Mond, und nur wenigen einzelnen Sternen gelingt es, ihr Licht neben dem gewaltigen Erdtrabanten noch geltend zu machen. Aber auf der thaubetrieften Erde und in dem feuchten Duft, der um alle Gräſer herum zu ſchweben ſcheint, wiederholt ſich millio nenfach das Licht des Himmels; ja in den Niederungen wallt und webt ein ſchimmernder Nebel umher, als ob dort ſich ein nächtliches Waſſer von feinerer Subſtanz, denn das eines gewöhnlichen Sees, eines gewöhnlichen Fluſſes, ergoſſen hätte und mit ſeiner milchweiſ⸗au⸗ nur wenig durchſchimmernden Welle der reinen Diana und ihre keinen ſpielinnen zum heimlichen Bade dienen wollte. Und denneinen oder der erwachende Reiſende, der ſich wahrhaftig in keiner End Leben der ſtimmung befindet, erſchreckt zuſammen; denn er ſieht ſich wöals noch einigen hundert umherſchweifenden Roſſen umgeben, die in eCatha⸗ Entfernung neugierig und erſchreckt mit ſchnarchendem Geräuſchnrecht, und her traben, beunruhigt von dem dunklen, am Boden lieger eben Umriß. Hie und da wagt eins der Thiere vorſichtig, mit ausgeſtu eine

tem Kopfe und ſchnaufend näher zu kommen, um dann wieder in wWal⸗ dem Satze zurückzuſpringen, ohne das dunkle Räthſel gelöſt zu habeTu⸗ bis wohl der Reiter raſch aufſpringt und mit lautem Schrei dedhl, Poncho durch die Luft ſchwingt. Aber dann! Schnaubend, ſchnar⸗) chend und huſtend ſtürzt dann die ganze Horde wie von einem Dä⸗ mon beſeſſen im wüthendſten Galopp von dannen; ſchon ſieht man keine Spur mehr von ihnen, indes man ihre Cavalcade noch lange vernimmt und die aufgeſtörten Nebelflächen, durch welche das wilde Heer hindurchſetzte, noch lange, lange fluctuirend auf- und abwallen. Aber der heilige Naturfriede kehrt zurück nach der wilden Störung, und die Cuchillowelt beginnt von neuem ihre lautloſe Nachtfeier, bis der Oſten hell auflodert und das ſeltſame Thierleben wieder erwacht. Da erwacht denn auch der Reiſende. Nach einem langen Gäh⸗ nen und Recken aller Gliedmaßen und einem kurzen Fluche, denn kein Chriſtenmenſch iſt in der Nähe, rafft er ſich vom Boden auf, ſchüttelt den Nachtthau vom Poncho, ſieht ſich nach dem bereits wie⸗ der graſenden Muſtang um und ſattelt ihn langſam und pomadig, denn er hat keine Eile. Ungewaſchen, ungekämmt, ohne zu frühſtücken beſteigt er den Gaul und klappert weiter. Indeſſen kommt die Sonne zum Vorſchein und gibt mitleidig einige Wärme zum Beſten. Und da bellt gleich hinter dem nächſten Cuchillo ein Hund; ein tüch⸗ tiger Spornſtoß bringt den Gaul zum Geſchwindſchritt, eine 6

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