Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
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lichen Fälle beſprechen können, in welchen des Arztes unterſcheidender Blick dieſe Mittel noch weiter verwerthet. Denn leicht möchte ſich hier das Wort erfüllen, wonach das Licht in der Hand des Blinden zur zerſtörenden Fackel wird.

Schließlich erübrigt noch ein Unterricht über die Art und Weiſe, wie man den Senf in ſeiner äußeren Anwendung handhabt. ſamer wirkt der Senf als Teig, ſchneller als Senſſpiritus; ſonſt iſt es gleichgültig, welcher Form man ſich bedient. Zur Herſtellung eines

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Lang⸗

Senfteiges genügt das einfache Anrühren mit lauwarmem Waſſer, bis

ein dicker Brei zu Stande kommt. Die übliche Anfeuchtung des Senfs mit Eſſig vermindert nur die Schärfe des Mittels, und beeinträch⸗ tigt den Erfolg. Je nach der beabſichtigten Wirkung macht man den Teig von der Größe eines Thalers bis zu der einer Hand, trägt ihn federkieldick auf Leinwand und läßt ihn 10 bis 30 Minuten lang auf der äußeren Haut in der Nähe, manchmal auch entgegengeſetzt, der leidenden Stelle(Nacken, Bruſt, Magen, Rücken, Waden, Sohle)

Braſilianiſche I

bis zum Eintritt einer bedeutenden Hautröthe und einer mäßig hoch geſteigerten Empfindlichkeit liegen, nie aber ſo lange, bis etwa Blaſen⸗ bildung einträte, weshalb öfters nachzuſehen iſt. Einer zu heftigen Wirkung auf eine abnorm empfindliche Haut begegnet man durch Unter⸗ legen eines Florſtückchens. Nach Abnahme des Umſchlages hat man blos die Haut zu reinigen, und bedeckt ſie nur im Fall ſehr lebhafter Schmer⸗ zen mit einem durch Sahne, Milch oder Oel befeuchteten Linnenſtück⸗ chen. Der Geufſpiritus wird theelöffelweiſe auf ein mehrfach zuſammen⸗ gelegtes Stück Leinwand gegoſſen, und übt ſchon nach 3 bis 6 Minu⸗ ten ſeine Wirkung. Der Umſchlag darf nur etwa 10 Minuten liegen bleiben.

In Fällen, wo Senf nicht augenblicklich zu haben iſt, vertritt theilweiſe auch der geriebene Meerrettig ſeine Stelle. Im übrigen aber ſollte jeder Hausvater den Senf oder Senſſpiritus wohl ver⸗ ſchloſſen vorräthig halten!

Nächte.

Von Dr. Robert Aue Balemam

11.*)

Surge et impera, du herrlich Land, Wo mit einander koſend Palmen rauſchen, Die Meereswoge donnernd rollt zum Strand, In dunklen Büſchen braune Mädchen lauſchen, Wo längs der kühlen Waldesſtröme Rand Die Wellen mit den Blüthen Küſſe tauſchen, Wo mitten unter hohen Myrthendomen In Farben glüht der Hain der Melaſtomen!

Surge et impera! Noch einmal ſoll Mein Geiſt durch deine Wälder muthig dringen u. ſ. w.

Du würdeſt, geneigter Leſer, dir vergebliche Mühe geben, wenn du den Namen des Poeten, von dem ich die eben recitirten Verſe ent⸗ lehnt habe, im deutſchen Dichterwalde ſuchen wollteſt. Er iſt dort völlig unbekannt und lebt nur in der portugieſiſchen oder braſilia⸗ niſchen Poeſie, wo ſein ganz nach dem Gebrauche des Südweſtens langer Name Fulano de Tal Cicrano e Beltrano immer nur be⸗ lächelt wird und ungemein häufig in allgemeinen Sprichwörtern und Redensarten vorkommt. Und dennoch ſind ſeine eben angeführten Zeilen ganz aus meiner eigenen Seele genommen. Wirklich geht es mir ganz, wie es in der braſilianiſchen Redensart heißt: Wer einmal vom Waſſer der Carioca getrunken hat, kann ſich nicht mehr losſagen von Braſilien, wie denn auch wirklich das Trinkwaſſer jener Waſſer⸗ leitung in Rio de Janeiro das ſchönſte iſt, was es vielleicht in der ganzen Welt gibt, wirklich geht es mir ganz regelrecht nach jener Redensart. Aber es mag das geheimnißvolle Band, das mich noch im hohen Norden an Braſilien feſſelt, wohl nicht allein von der Brunnennajade Rios geſchlungen ſein; die Feſſel iſt und bleibt immer eine andere, ſie iſt allerdings auch das Koſen und Rauſchen der Pal⸗ men, das nicht einmal vom Donnerrollen der Meereswogen am Strande zum Schweigen gebracht wird, allerdings iſt es die ein⸗ fache, beſcheidene Menſchenwelt in ihren Orangenhainen und Kakao⸗ gebüſchen, es iſt das ewige Blühen am Rande der Flüſſe, an denen allerdings die Melaſtomenpracht von mächtigen und doch ſo ſchlanken Myrthen und am meiſten von den zum Myrthentribus gehörenden Topfbäumen(Lecythir ollaria) und Bartholletien überwuchert wird, und das alles überdacht vom Tropenhimmel, der ſo rein, ſo wol⸗ kenlos und durchſichtig blau iſt, daß Gott allein am Himmel iſt zu ſchauen, das alles iſt es, was dem Reiſenden nach längerem Wan⸗ dern durch Braſilien unauslöſchlich vor der Seele bleibt und auch dann noch, oder vielmehr dann erſt recht in ihm fortlebt, wenn er dem heimiſchen Norden längſt wieder zurückgegeben iſt.

Wiederum wende ich mich ab von dem Tropentage Braſiliens mit ſeiner oft tödtenden Sonnenglut, wie ich ſchon einmal in dieſer Zeitſchrift von braſilianiſchen Nächten geredet habe. Das waren aber braſilianiſche Nächte eigener Art, Nächte in und bei der Metropole des ſüdweſtlichen Kaiſerreiches, in denen heitere lebensfarbige Bilder mit einer Mordſcenerie, und ſelbſt mit einer trüben Krankenhausſkizze ſich kreuzten. Mit allen ihren Gegenſätzen indes erinnerten ſie doch immer an zuſammenhängende ſociale Zuſtände und Verfaſſungen, und d gaben immer Einſicht in das Leben von Rio. Wie anders doch

) Lgl. 1 Jahrgang S

braſilianiſche Nächte fern vom Culturleben, Nächte im Freien, eine Nacht in den Grasgefilden von Rio Grande, ein Bivouac im Waldes⸗ dickicht des Paranagebirges, ein Nachtlager in den Araucarienforſten des Hochlandes am Rio des Canoas, oder in der feuchten Hyläa der Provinz Bahia, oder gar auf dem Amazonenſtrom, wie anders ſolche braſilianiſche Nächte, wie ſo ganz anders ſolche! Hier hört alles auf, was das Culturleben gewonnen hat und dem Reiſenden bieten kann, keine Eiſenbahn mehr, kein Hotel mehr, keine Land⸗ ſtraße mehr, nicht mehr Weg und Steg, der einzelne Menſch ſteht ohnmächtig im Weltall da, und der Erfindungsgabe des Augen⸗ blickes, und beſonders der zähen Natur des Reiſenden, bleibt es über⸗ laſſen, unter all den angedeuteten Negativen weiter zu kommen und ans Ziel zu gelangen.

Dieſer Kampfmit der Vereinſamung, wie ich ihn nen⸗ nen möchte, hat einen wunderbaren Reiz, von dem wir, wenn wir in Europa reiſen, gar keine Ahnung haben. fürchten wir nur Straßenräuber an der Landſtraße, oder Diebe im Hotel; wir fürchten, eine Secunde zu ſpät unſern Eiſenbahnwagen zu erreichen oder von einer ungezogenen Locomotive aus den Schie⸗ nen geworfen oder gar auf einen anderen Train hinaufgeſchleudert zu werden, und was dergleichen draſtiſche Schreckniſſe mehr ſein mögen! Nichts von allen dieſen ſchändlichen Hinterliſten auf einer braſilia⸗ niſchen Reiſe! Da geht alles ehrlich zu und langſam vor allen Dingen. Räuber und Diebe exiſtiren nur in den Köpfen einiger Exaltados, nirgends eine Eiſenbahnſchiene, wenigſtens nirgends dort, wo man noch von einer Naturreiſe reden mag, anders, ganz anders und höchſt ſeltſam geſtaltet ſich die Situation des Reiſenden, zumal in der Nacht und in Gegenden oder Momenten, wo ihn die in ganz Braſilien wunderbar entwickelte Gaſtlichkeit von weißen, ſchwar⸗ zen, gelben und braunen Leuten nicht mehr erreicht. Eine Nacht auf dem Campo von Rio Grande, wieſeltſam eine ſolche!

Wer das von einer deutſchen Bevölkerung belebte, mitten im Herzen der Provinz Rio Grande do Sul gelegene Oertchen Santa Maria da Boca do Monte verläßt und den ſteilen, ſchroff in

das Waldgebirge hinaufführenden Pfad, welcher zum Pinhal, dem Fichtelgebirg, und von dort weiter über S. Martinho nach den alten verfallenen, aber großartig angelegten Miſſionen der Jeſuiten

führt, bis zum Hochrand des bezeichneten Waldgebirges einſchlägt, der hat, oben angekommen, einen Anblick, eine Ausſicht, die ſo befangend in ihrer ungeheuren Ausdehnung, ſo befremdend in ihrer eigenthüm⸗ lichen Beſchaffenheit iſt, wie ſie nur an den erhobenen Rändern von Pampasflächen und Llanos ſich finden läßt. Scheinbar hoch anſtei⸗ gend gegen den Horizont erſtreckt ſich ein graugrünes Grasmeer nach allen Seiten hin, in denen kleinere und größere Waldpartien ſich wie

Tangwieſen ausnehmen und die einzelnen weißen, ſparſam auf den

Hügeln zerſtreut liegenden Häuſer der Eſtancieiros den dahinſegeln⸗ den Fahrzeugen gleichen möchten. Aber es fehlt dieſem ſeltſamen

Binnenmeer der ewig belebte anmuthige Wellentanz und das Auf⸗ und Abwogen der Schiffe; ihm fehlt das Branden der grünen, von weißem Rande eingefaßten Waſſerflut, ihm die Scharen der dahin⸗

In unſerm Culturlebe

geſtört wid Aus

neiſte en und n. tleiden und

wanderer k ku Doch nur ſer welt von Rio Gran mal eine Kirche ent herundrängen, und eines Flecens, ein einen ganzen Tag legene und von e umgebene Haus ei ſchen fehlt, wird ve

und weit zeriſtreut

ruminiren nder Fried

von Emas ſüd ungeſc ſchicktemn Trab die ſich vor dem dah weidenden Kühen zu jagen und erſt in Grashügels Halt ſtarrt, nach dem e Grasbüſchel ſchwin Fluge wieder nien ſich der Queroquem umher und iſt ſich dreiſtet. Ganze fliegen über dem G bus oder kleinen G oder Pferd verendet Gras mid ſchreter die Scenerie, und Grande reiſende h doch, weil Wochen Bild, velches die verſtumnen und ge macht. So wenigſ der in Rie ve wir ſchweigend neh ſenntamd ſüdl 1 wenn die der hat en Lanz zen wenn er merktdaſ abgekommen unde 4 geben, al en und eg ſen begib Freien h

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