—yͤn
70
„Beſſer?“— liſpelt ſie... ich bin im Paradieſe!“
Der Doctor ſieht ſie erſchreckt an... er fürchtet... doch ſie läßt ihm keine Zeit, ſeiner Furcht einen Namen zu geben; denn ſie ergreift ſeine Hand, und indem ſie ihr thränenſchweres Auge auf ihn richtet, ſagt ſie in gebrochenen Sätzen:
„Haben ſie gehabt... Recht!... Ich bin ein ſchlechtes Weib.. ich will's geſtehn— ich hab' gehadert mit Gott, meinem Herrn, in meinem Herzen... ſeit Jahren... und zur Strafe hat er mich geſchlagen... mit Blindheit, und hat gemacht, daß ich werde eine ſchlechte Nutter— denn eine Mutter, die nicht ſieht, nicht fühlt, was geht vor im Herzen ihrer Tochter... iſt eine ſchlechte Mutter— und Gott hat geſchlagen meine Augen mit Blindheit, daß ich nit konnt' ſehen, daß neben meinem unerſetzlichen Verluſte er mir gleich geſandt hatte eine unermeßliche Gnade... Ruben und Rebecca Mann und Frau... o Du Allgütiger, verzeih, verzeih! laß mich noch ſo lange leben, bis ich es ſehe— und dann laß mich ſterben... gleich.. damit ich kann bringen der Seele meines Davids die goldene Mähr, daß... o mein Gott... der Sohn ſeines Bruders— ſeine Tochter ſo liebt, wie er hat geliebt mich auf Erden... o mein Gott.. Gnade!... Allgütigkeit ohne Ende... wie danke ich Dir!“...
Und ſie fiel halb ohnmächtig in ihre Kiſſen zurück....
Der Doctor athmete tief auf— ein Gewicht von Angſt und Schrecken war ihm vom Herzen gefallen, er hatte faſt ein neues Un⸗ glück befürchtet.
Rahel blieb noch einige Zeitlang in jener ſieberhaften Auf⸗ regung— dann ſchloß ſie die Augen, ihre Schwäche überwältigte ſie, und ſie ſchlief ein.
. Während deſſen ſaß Rebecca auf der Raſenbank des Gärtchens, den Kopf an die Bruſt Johannas gelehnt— und auch ſie weinte; denn auch hier hatte eine Erklärung ſtattgefunden, und das
Herz des jungen Mädchens hatte ſich der ſchönen Frau geöffnet,—
oder vielmehr dieſe hatte dem Gefühle, das ſeit ihrer erſten Kindheit ſchon in ihrem Bin hn keimte, den richtigen Namen gegeben, hatte ihr geſagt:„Du liebſt Ruben“— und das ſüße Geheimniß war der Bruſt des jungen Mädchens entquollen,— hatte ihre Wange mit Scham geröthet, aber einen faſt überirdiſch ſeligen Glanz ihren ſo ſanften Augen gegeben.
„Und nun, Rebecca,“ hatte ihr Johanna geſagt,„ſei ſtark wie ein Weib, welches liebt,— nicht in Worten, mein Kind, beweiſt man die Liebe— Worte ſind nur ein ſüßer Tand— Thaten beweiſen ſie, Thaten! nur Thaten!“
„Und was ſoll ich thun?“ fragte Rebecca.
„Sei ſtark, ſei ſtark!— ſo kannſt Du dem Armen am beſten Deine Liebe beweiſen; laß Dich nicht vom Kummer um ſein Loos darniederwerfen! Du biſt Dich— ihm ſchuldig. Er wird die harte Probe beſtehen, ich glaube es, wie ein Mann; denn ſein Geiſt iſt ſtark, und Gott wird unſern Bemühungen für ſein Wohl Gelingen geben.“...
„Und,“ ſagte Rebecca hocherröthend und ihren Kopf an Jo⸗ hannens Bruſt verbergend,„glaubſt Du, daß auch er mich liebt?“
Johanna küßte lächelnd das junge Mädchen auf die Stirn.
„Sahſt Du nicht, wie ſeine Augen ſprühten, als jener Unglück⸗ ſelige Dich ſchmähte?— ſahſt Du nicht... nein, Du konnteſt es nicht ſehen, als Meyer die Hand gegen Dich erhob und Dich ſchlagen wollie wie Ruben meinem Mendel den Knüppel aus der 3 unn riß
und ihn gegen Meyer warf, daß dieſer zuſammenſtürzte. Es war das
Werk eines Augenblicks, einer halben Secunde— ich habe Ruben ins Angeſicht geſchaut, und ich kann es Dir zuſchwören, Du ſüßes Kind, Du biſt geliebt!“
Das ſchöne Geſicht der Tochter des Karaiten ſtrahlte von einem
himmliſchen Glanze, ſie legte ihre beiden Hände auf ihr Herz, und Thränen brachen aus ihren Augen.
Faſt zur ſelben Zeit, wie ihre Mutter dem Doctor Elias, ſagte ſie zu Johannen:
„O wie undankbar war ich gegen unſern Gott, zu verzweifeln und zu klagen gegen Ihn, der auf Erden ſchon ſolche Himmelsfreuden dem Herzen der Menſchen ſenden kann!!!*...
*
Unſere Leſer haben die Kataſtrophe erfahren, die Ragiwen ſeit einigen Tagen auf ſolche Weiſe alterirt hatte;— Meyer, mit ſeinem bösartigen Lächeln, mit ſeinem böswilligen Achſelzucken, mit ſeinen hämiſchen Worten, hatte während der ganzen erſten Periode des
und der Candidat Walter irrte ſich vollſtändig, als er dieſes Erröthen
Spieles ſchon Rebecca verfolgt und ihr keinen Augenblick Ruhe ge⸗
gönnt. Mehr als einmal hatte der nrr prende Blick Rubens ihn getroffen, doch er berechnete ganz gut, daß er ſich hier inmitten ſo
vieler Leute vollſtändig in Sicherheit befände, und weder die vor
einigen Tagen gegen ihn ausgeſtoßenen Drohungen des jungen Mannes, noch irgendwelchen Eclat zu befürchten habe.
Der Leſer wird ſich fragen, aus welchem Grunde Meyer eine
dem gewöhnlich gutmüthigen Charakter der Juden ſo ganz entgegen⸗ geſetzte Handlungsweiſe ausübte, was ihm denn eigentlich die beiden
unglücklichen Frauen gethan hatten, um ſie immerwährend und ſeit
langen Jahren mit ſeinen Sarkasmen zu verfolgen, und— bei den Juden eine Hauptfrage— welchen Nutzen er ſich davon verſprach, dieſe elende Rolle ſo unausgeſetzt durchzuführen?
Wir kennen keine andere Antwort auf dieſe Frage, als die Ge⸗ genfrage, wozu die giftigen Pilze des Waldes denn eigentlich dienen, die dem weichen grünen Moos entſchießen und ſich im Schatten herr⸗ licher Eichen entfalten. Wozu?... doch nicht, damit ein Unbeſon⸗ nener die giftigen mit den harmloſen Pilzgewächſen ſammele und das, was Speiſe und Leben geben ſoll, Tod und Verderben bringe?
Meyer war eine Anomalie unter den Juden— er übte das Böſe des Böſen halber aus— ein Gefühl von Wolluſt durchrieſelte ſeinen ganzen Kirper, wenn es ihm gelang, zu bemerken, daß ſeine Worte einen Schmerz verurſacht hatten; er ſchätzte ſich glücklich, wenn er ſich ſagen konnte, daß er jemandem weh gethan habe, und an den Tagen, wo ihm dieſes zufälliger Weiſe nich gelang, war er mürriſch und blickte finſter vor ſich hin.
Wie alle böſe Menſchen, war Meyer auch feig, feig bis zum Aeußerſten. Er band nie mit einem Chriſten an, nicht einmal mit einem chriſtlichen Knaben, denn von ihnen oder von den Eltern deſ⸗
ſelben konnte er nicht die ſtillſchweigende Verachtung erwarten, die ihm faſt alle ſeine Glaubensgenoſſen des Städtchens zollten, von ihnen waren handgreifliche Entgegnungen zu befürchten, und nichts wa
Meyer fataler, als dieſe Art und Weiſe von Argumentationen.
Die ganze Gemeinde kannte die unaufhörlichen Verfolgungen, die Rahel und ihre Tochter von ihm zu erleiden hatten, aber wer in der ganzen Gemeinde nahm die Vertheidigung der verlaſſenen Familie des Karaiten? Man hatte wohl bemerkt, daß dieſe beiden Frauen,
ſeitdem ein unerhörtes Unglück ſie betroffen, mehr denn alle andere von ihm zu leiden hatten, daß eine gewiſſe nervöſe Aufregung ſich ie ihm kundgab, wenn er ſie nur zu Geſicht bekam, daß ſelbſt am Jaum Kippur, am Tage, wo das Wort„Verſöhnung“ in allen jüdiſchen Herzen wie ein Schall von Oben wiederklingt, daß ſelbſt an jenem
Tage das Geſicht Meyers blaſſer wurde und ſeine Züge ſich ekelhaft
verzerrten, wenn der Zufall es wollte, daß er einer von beiden be⸗
gegnete. Doch wer achtete darauf?— waren es nicht die Parias
der Kille? waren es nicht die Befleckten in ihrer Mitte— ſie die
Reinen, die Gerechten— das auserwählte Volk des Herrn?
Wie geſagt, Meyer glaubte, keine beſſere Gelegenheit finden zu können, ſich ſo ganz von Herzen ſeinem Hange hinzugeben, als gerade während des Adlerabwerfens, wo Luſt und Freude überall herrſchte, und ſogar die Augen Rebeccas einen Schimmer von Heiterkeit wieder⸗ ſtrahlten, der ihnen ſonſt nicht eigen war.
„Nu?.. biſt Du zufrieden, Rebeccchen,“— hatte er geſagt— „ſiehſte, dort ſteht Dein Choſſin und legt zuſammen die Knüppel, und iſt der Bediente von die Kinder der Gojims?“...
Rebecca hatte ſich abgewandt, ohne ihm zu antworten, und war zu einem jungen Mädchen getreten; doch Meyer folgte ihr auf dem Fuße.
„Haſte gehört, daß er will gehn fort von hier, Dein Choſſin? will gehn nach Berlin, der Schaute!— ſoll ich Dir ſagen, wo er wird gehen hin?— Er wird gehen, wo iſt hingegangen Dein Vater, und nachdem er iſt geworden auferzogen von der Kille, wird er aus⸗ lachen die Kille und wird Dich ſitzen laſſen, wie Dein Vater hat ſitzen laſſen Deine Mutter, die ſchöne Rahel, wo hat nit gewollt heirathen Reb Abraham, und iſt geworden 9 häßliche Rahel— Gott ſoll be⸗ wahren alle jüdiſche Kinder zu haben ä Ponim(Geſicht), wie hat Deine Mutter, wo iſt geweſen die Schönſte von der Kille— und Du, Rebecechen, wenn Dich wird hat ſitzen laſſen Dein Choſſin, wirſte werden bleich und wirſte fallen der Kille zur Laſt, wie es iſt Deine Mutter.“
Rebecca ward dunkelroth bei dieſen Worten des böſen Menſchen,
4 ——
r mäte ers g gehör
b ine Mutte
viele inn z und 4 inks, um! knnte
„Wr leben fa on ſäinem wöchen Stimme.
er brach eine
ſteinlch it me
der oben 2
bracht, un und ale We der liſe Mendel ſo
bilde des königlicen? Doch als ls das2
l nkei ſih nach und ldie Stange ſliegen h ſch bahd de vorige plauder von vorher Ddieſen Augen Tochter Rahels zu „Alſo Ruben I as kann da ſeine I line beim Gaſtwirth „Herr im Hit ITodte...„der Ma „Nu warum aſſen boingen wit de — man ſoll ſagen? laſſen bringen hine dungens... Llender, ſchl A„Was haſte g Ioſchrit. h ſeid ein, „Was kann de beſt ſäpf..„ſchimpf AUund ſeine dar Schl age.. doch, lun te er plät üh ſammelt banit lber es gelang üm eeſehen, machte das Ruben, nit erwirrten Haare und.. jetzt ſuß nüyyel der Hand verbergen, ab
den W Wurf, hür
ber ſe


