Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
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werk vollendet. St. Arnaud hat die Befehle des Präſidenten aus⸗ geführt; der General Canrobert hat von der Porte St. Martin aus die Boulevards mit Kartätſchen... abfegen laſſen; hunderte von friedlichen Müßiggängern liegen blutend auf den Trottoirs; ein paniſcher Schrecken iſt über Paris gekommen,.. wie der Präſident es vorhergeſehen; die Barrikaden ſind von ſelbſt gefallen... Die Feder entfällt unſeren Händen wir können nicht mit der Vorſehung rechten wir dürfen den Lenker des Schickſals der Nationen nicht fragen, warum er ſolche Mittel, ſolche Schrecken zuließ, um ein tiefgebeugtes Volk wieder aufzurichten. Das geſchichtliche Kriterium hört hier auf demüthig beugt der Menſch ſein Haupt vor Dem, der über allem Irdiſchen thront und der unſre mit Blindheit geſchlagenen Augen erſt am Tage aller Erleuchtung öffnen wird. Wir haben das Blutbad des Boulevard ſelbſt mit angeſehen; von dem Hauſe des heutigen Deputirten Sallanderouze bis zum Café Tortoni wateten wir in Menſchenbluto ſchauervolle Erinnerung!... und doch müſſen wir, menſchlich geredet, uns ſagen, daß ohne dieſes Blutbad Frankreich, die unterminirte bürgerliche Geſellſchaft in ganz Europa ſogar... verloren wären! Wir haben Frankreich auf dem Gipfelpunkte des Ruhmes und des materiellen Ge⸗ deihens geſehen... wir beugen in Demuth unſre Vernunft und beten Deine Allweisheit an, Du Herrſcher der Herrſcher, der Du durch den ſumpfigen Schlamm einen Weg zum blühenden GWipfel führſt!!!

Der Morgen des fünften Decembers leuchtet hell und freundlich über Paris die Truppen haben in den Straßen bivouakirt, alles iſt ruhig und ſtill wie könnte es auf einem Kirchhofe auch anders ſein?

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Die Läden bleiben lange geſchloſſen doch endlich öffnen ſich auch dieſe; leiſe fängt das Leben wieder an; da gegen Mittag will der Oberkommandant von Paris, der General Magnan, den Bewohnern noch einen moraliſchen Schlag geben, von dem ſich die Anarchie ſo leicht nicht wieder erholen ſoll. Die Truppenmaſſen ſich mit klingendem Spiele durchziehen ſie die Stadt die Pioniere und Sapeurs marſchiren voran, und bei rauſchender Tanzmuſik und heitern Märſchen zerſtören ſie die noch ſtehen gebliebenen Barrikaden!!...

Während deſſen ſitzt derSieger immer noch in ſeinem Cabinette im Elyſée ein Cabinet, das hiſtoriſch für alle Zeiten ge⸗ worden iſt, und lieſt in einer Liſte, die während der drei Tage beim Portier des Palaſtes ausgelegt geweſen, und in der alle, welche dem Staatsſtreich ihre Sympathie zollten,... ihre Namen aufgezeichnet haben... Namen aller Art... hunderte... tauſende... Na⸗ men aller Stände... vom Handwerker bis zum Exminiſter.. Männer... Frauen,... Soldaten des erſten Kaiſerreichs neben dem des Marquis von Laroche⸗Jaquelin, der ſich den beſten Legitimiſten Frankreichs nennt!

Ein Lächeln ſpielt um ſeine Lippen ſeine bleichen eingefalle⸗ nen Wangen röthen ſich leicht er ſteht auf... feſten Schrittes geht er auf das Porträt des großen Kaiſers zu ſein Blick trifft feſt und durchdringend die claſſiſch⸗ſchönen Züge des todten Caeſars und mit feſter Stimme ſagt er:

Ich habe Frankreich gerettet, Sire... Sind Sie zufrieden mit mir?...

... Die Thür öffnet ſich Herr von Morny tritt ein, und die beiden Brüder, die ſich ſeit zwei Tagen nicht geſehen, werfen ſich einander in die Arme.

Durch Wald und Haide dem Waidmann zur Freude.

Von Guido Hammer.

III. Die wilde Katze.*)

Nur noch ſelten ſtreift dieſes gefährliche Raubthier in ſeiner Echtheit durch unſere Wälder. Wohl wird angeblich hier und da noch manchmal eine dergleichen geſchoſſen; aber gewöhnlich iſt es nur die verwilderte Hauskatze.

Wo ſie jedoch noch in ihrer Urſprünglichkeit auftritt, hält ſich dieſelbe theils in hohlen Bäumen oder auf dieſen auf, oder ſie ſteckt

ſich in verlaſſene Fuchs⸗ und Dachsbaue, auch in das dichte Geröh⸗

richt der Sümpfe, auf trockene Kaupen. Nicht nur alles Wild, welches zur niedern Jagd gehört, belauert ſie, um es zu würgen, ſondern auch den Reh⸗, ja ſogar den Wildkälb⸗

hen geht ſie nach und thut ihnen beträchtlichen Abbruch. Da ſie mit

den leiſeſten Gehör⸗ und den ſchärfſten Geruchsorganen begabt iſt, ſo entgeht ihr ſo leicht auch in größter Ferne nichts; außerdem äugt ſie ſelbſt bei Nacht mit ihren unheimlich leuchtenden Sehern weit hin,

durch den Wald; aber zu ſpät! ſofort auf den Angſtſchrei ſeines Schützlings herbei und dringt beim

Wohl eilt das ſorgliche Mutterwild

Anblick der furchtbaren Gefahr für dieſen todtesmuthig auf den ſcharfbewehrten grimmen Feind ein, der auch wirklich den markigen Schlägen der ſtahlſehnigen Läufe des alten Thieres nicht zu wider⸗ ſtehen vermag und ſich fauchend Schritt für Schritt zurückzieht. Doch Rettung für das geliebte Kleine vermochte die treue Mutterliebe den⸗ noch nicht mehr zu bringen. Klagend und peinerfüllten Blickes ver⸗ ſucht zwar das Aermſte ſich zur Mutter zu erheben, wozu dieſes noch durch Locken zu ermuntern trachtet. Aber umſonſt! Schon über⸗ zieht das Auge des Schwerverwundeten der ſmaragdene Schimmer des nahenden Todes; noch einmal hebt es das liebliche Köpfchen zur zärtlichen, treuen Schützerin empor dann bricht es vollends zu⸗ ſammen, röchelnd die letzten Athemzüge verhauchend. Lange bleibt das Altthier dabei, immerfort noch das bereits Ver⸗

endete liebkoſend, nur dann und wann ein Paar Schritte fortziehend, dabei den mütterlichen Ruf ertönen laſſend, das noch immer am Leben

ſo daß ſie kein Thier darin übertrifft. Schmiegſam, gewandt, voll⸗ Geglaubte dadurch zum Aufſtehen und Mitkommen zu bewegen. Doch Wie ein;

kommen geräuſchlos ſchleicht und kriecht ſie, wie eine Schlange, an vergeblich! Die ängſtliche Stimme der bekümmerten Alten verhallt üiren, ohne I ihr Opfer heran, bis ſie den letzten Sprung nach echter Katzenweiſe ungehört. Da gibt endlich ein zufälliger Umſtand vielleicht die tt de fiſt d 1 thut und dann wohl nur ſelten ihr Ziel verfehlt. Mit ſcharfen Witterung eines nahenden Menſchen dem ſcheuen Stück Wild ieſelbe u net Krallen und Fängen greift ſie dem ſtärkern Thier ins Genick und Veranlaſſung, dumpf ahnend, daß Hilfe überhaupt nicht mehr möglich, 133 4 beißt und würgt es augenblicklich nieder. plötzlich die Flucht zu ergreifen. Verlaſſen liegt nun das hinge⸗ d ſag Feſt angeſchmiegt am Boden, hinter einem Stein, Baumſtumpf ſchlachtete Opfer da, der Willkür der nicht weit davon lauernden beute⸗ ich n ſe 1 oder ſonſtiger Deckung lauert ſie da, wo ſie weiß, daß Wild vorüber gierigen Katze preisgegeben. en Nüa wechſelt. Jetzt reckt ſie ſich wie zum Sprunge; doch jedenfalls war Schleichenden Schrittes kehrt dieſe auch bald aus ihrem einſt⸗ emrr das auserſehene Opfer noch zu fern oder auch zu flüchtig, denn nur weiligen Hinterhalt auf den Schauplatz der That zurück, um nun Sihme halb erhebt die Geſchmeidige ſich und äugt wild dem Geretteten nach. ungeſtört die errungene Beute anzuſchneiden. Geſättigt verſteckt die diß ſe wird I Wieder kauert me dicht nieder, keine Bewegung verräth ſie; nur die räuberiſche Beſtie dann den Reſt ihres leckeren Mahles unter Gras den 8 ſint 49 Seher funkeln nach rechts und links. Ein Zucken der äußerſten und Laub für kommende Tage, bis dahin aber in irgend einem ſichern Luch hmer

Ruthenſpitze gibt jetzt dem Beobachter kund, daß die Beutegierige Schlupfwinkel träge der Ruhe pflegend. 4

abermals etwas wittert. Darauf hebt ſie ſich wieder leiſe in die So raubt dieſes wilde Geſchöpf Tag für Tag, je wie es ihmNa . Höhe, und nun ſtürzt ſie plötzlich mit weitem Sprunge nach vor⸗ nach der Jahreszeit und ſonſtigen Umſtänden paßt. An ſchilfigenMhr wärts. Sicher hat ſie dabei das Opfer gepackt. Klagend tönt einen Teichen oder andern Gewäſſern lugt die Genäſchige wohl auch nachMar Moment der ſchmerzliche Ruf eines Wildkälbchens nach der Mutter ihrem Leckerbiſſen, den Fiſchen, aus, oder beſchleicht dabei Sumpf⸗ und gAuch; 1 Waſſergeflügel, ſowie ihr auch manches Auer⸗ oder Birkwild u. ſ. w. 8 Jäntl

*Weund