Feldzuges abhing, und es mußte gehandelt werden, da die ſtets frucht⸗ loſen Unterhandlungen ſchon eine koſtbare Zeit geraubt hatten; man kann ſolche Kataſtrophe tief bedauern,— und ich bin der erſte, der die Bravour und die unglückliche Lage der Kameraden von der han⸗ noveriſchen Armee anerkennt, aber es ſcheint mir dennoch Zeit, mit den Lamentationen über Langenſalza aufzuhören... überdies iſt der Krieg ja keine Schule der Philanthropie!“
„Ich begreife wohl, Excellenz,“ ſagte ich,„daß nach Laugenſalza Ihre Stellung eine ganz andere wurde.“
„Gewiß! wie ein Reiter, der ſich feſt aufs Pferd geſetzt hat und ſich Herr des Thieres fühlt, ſo fühlte ich erſt nach Langenſalza, daß ich überhaupt eine Armee habe! Nun kam Dermbach und Neithards⸗ hauſen... in meinen Augen die Enſcheidung des ganzen Feldzuges.“
„Ich verſtehe nicht, Excellenz... ich dachte mir, daß das Schickſal des Feldzuges ſich auf dem Scheidewege vor Schweinfurt entſchieden hat, als die Baiern eine Schlacht bei Kitzingen oder einen Angriff auf Würzburg erwarteten und Sie gegen die Reichstruppen zogen.“
„Dem iſt nicht ſo, denn bei Dermbach wurde mir ſelbſt mein ganzer Feldzugsplan klar; bei Dermbach begriff ich, daß ich die Feinde nur zurückdrängen müßte, daß meine Hauptaufgabe wäre, ſie zu tren⸗ nen,— ſie aus der Faſſung zu bringen. Es iſt mir gelungen... aber ich ſage ihnen, es ward mir an dem Tage ganz wehmüthig um's Herz, als ich Goeben inmitten ſeiner brillanten Affaire aufhalten mußte, und die braven Jungen ſahen mich an, als wenn ſie mich auf⸗ freſſen wollten, als ſie erfuhren, daß auf meinen ausdrücklichen Be⸗ fehl ſie am Abend des Sieges dieſelben Quartiere beziehen mußten, die ſie am Morgen verlaſſen. Mein Plan gelang...“
„Und wie man ſagt, hat der Gegner redlich dabei mitgeholfen,“ unterbrach ich lächelnd.
„Ich weiß nicht, was ich Ihnen hierauf antworten ſoll,“ erwi⸗ derte der General,„ich weiß allein nicht, wo es bei unſern Gegnern ſteckte;— ich verſichere Sie, ſowol die Baiern, als auch die Reichs⸗ armee haben ſich wie brave, tüchtige Soldaten geſchlagen, und die deutſche Tapferkeit hat auf beiden Seiten wahrhaft Bewunderungs⸗ würdiges geleiſtet;— die Officiere haben ihre Pflicht gethan und die Zahl der Todten und Verwundeten beweiſt es zur Genüge,— die bairiſchen Schützen ſchießen zweifelsohne beſſer als unſere Soldaten,— prächtige Cavallerie, gute Waffen, genaue Kentniß des Terrains, ſtets die Vortheile der Defenſive auf einem Terrain, das der Offenſive gar große Hinderniſſe darbietet... und doch... doch!... trotz alle⸗ dem!— ich weiß nicht, woran es liegt.“
„Vielleicht an der oberſten Leitung!“...
„Die mag freilich zu wünſchen übrig gelaſſen haben, wenn man auch nicht das geringſte Gewicht auf all' dieſe Schandſchriften, die jetzt im Süden erſcheinen und die man mir regelmäßig zuſchickt, legen muß. Es fehlte Einheit,— Energie der Führung— man ſah, daß die Ober⸗ leitung der Gegner die Organiſation der preußiſchen Armee nicht oder gar wenig kannte,— von deren Leiſtungsfähigkeit keine Idee hatte. Die Führung war nicht unſerer Zeit angemeſſen,— alles das iſt richtig
und wahr,— aber immer noch nicht der wahre Grund dieſer beiſpiel⸗ loſen Schwäche; der Grund liegt meiner Anſicht nach in der ganzen Organiſation!... Ich werde es nicht mehr ſehen, aber wenn alle deutſchen Armeen einſt nach dem Muſter der unſeren organiſirt ſein werden.... dann möge die Welt nur kommen! Bei Aſchaffenburg habe ich die Reichsarmee uns gegenüber geſehen!... O wenn ich die braven Jungen im Verein mit meinen Weſtphalen einſt gegen einen auswärtigen Feind führen könnte... dann würde man Wunder ſehen!“
Der General hielt inne und ſeufzte:
„Luftſchlöſſer! wenn man im Januar ſiebenzig Jahre alt wird!“ — ſagte er.
„Glaubten Excellenz dies nicht auch an Ihrem 69. Geburtstage? — fragte ich lächelnd.
„Ja, ja, wir alten Männer haben Ihnen Etwas gezeigt:— machen Sie es nur einſt nach! unſer König hat uns ein ſo hohes Beiſpiel gegeben, daß wir nicht anders konnten, als demſelben zu folgen!— Andere Generationen werden kommen und ihre Thaten werden vielleicht die unſren verdunkeln, aber ich glaube wirklich, man hat genug gethan, wenn man als Jüngling ſein Leben für die Be⸗
freiung des Vaterlandes aufs Spiel ſetzt,— undals Greis für
deſſen Kräftigung und Machterhebung! Gehen Sie zu Goeben, der hat noch 20 Jahre vor ſich, bevor er mein Alter erreicht hat, und das ſage ich Ihnen, wenn in dieſen 20 Jahren dem Vaterlande Ge⸗ fahr droht, dann wird der Commandant meiner erſten Diviſion bei der Main⸗Armee mich und andere genügend erſetzen!“
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Ich habe ſo treu, wie es mir irgend möglich iſt, verſucht, die Unterhaltung, die ich mit dem General Vogel von Falckenſtein im Ritterſaale des Schloſſes Münſter gehabt, dem Leſer wiederzugeben. Unmöglich iſt es mir, ihm eine wenn auch nur annähernde Idee zu geben von der Biederkeit, der Gutmüthigkeit, die aus allen Zügen des Generals ſich bei dieſer langen Erzählung wiederſpiegelte, noch von dem ſo jovialen Humor, mit dem er hier und da ſich ſelbſt unter⸗ brach und eine geiſtreiche Bemerkung machte, und noch weniger von dem wirklich jugendlichen Enthuſiasmus, der ihn ergriff, wenn er von ſeiner Mainarmee ſprach. Er ſeloſt führte mich im Schleſſe herum, und, was mich am neiſſten intereſſirte, zeigte mir ſeine Haus⸗ poſtille, in der er ſeine und ſeiner Familie Geſchichte niederſchreibt und mit höchſt gelungenen Aquarellen begleitet.
Ich ſchied von ihm mit einer innigen Genugthuung,— wie ich ſelten eine gleiche gefühlt,— ich hatte mit einem glorreichen und durch und durch deutſchen Feldherrn geſprochen,— das war der Haupteindruck, den ich von dieſem mir unvergeßlichen Be⸗ ſuche mitnahm!—
von Goeben meine Aufwartung machte, ſagte mir dieſer:„Unſer Commandirender iſt zwanzig Jahre jünger als wir alle.“ .. Doch von dieſem Beſuche ein ander Mal. M.
Dichter und Bildhauer.
(Mit Abbildung.)
Es war im Jahre 1780 an einem Sonntage im Sommer, deſſen Morgen einen herrlichen Tag verſprach, da ordnete ſich vor der zu einem großen vierflügligen Hauſe ausgebauten Caſerne hinter dem alten Schloß in Stuttgart ein ſonderbarer Zug. Das Haus war ſeiner urſprünglichen Beſtimmung nicht entfremdet worden, nur war es aus einer Militärcaſerne zu einer Wiſſenſchaftscaſerne geworden. Hierher war nämlich 1775 von ihrem Gründer, Herzog Carl von Würtemberg, die Carlsacademie von dem Luſtſchloß Solitüde ver⸗ legt worden, die ihre Zöglinge ganz corporalmäßig zu allen Zweigen der Wiſſenſchaft drillte. Sie waren militäriſch organiſirt, trugen eine wunderliche ſteife Uniform, eine hellblaue Aermelweſte von Com⸗ mißtuch, mit Kragen und Aermelaufſchlägen von ſchwarzem Plüſch, weißtuchene Hoſen und auf dem Kopfe einen kleinen Dreimaſter, und waren in Diviſionen abgetheilt, deren jede unter einem Hauptmann ſtand. Auch die Spatziergänge wurden ordonnanzmäßig abgehalten, und zu einem ſolchen hatte ſich eben an beſagtem Sonntagmorgen
eine Diviſion Carlsſchüler unter ihrem Hauptmann verſammelt. Man zog im Paradeſchritt die alte Weinſtiege hinauf in den Wald, der die Bopſerhöhe krönt, und dazumal viel dichter war als jetzt. Im Walde wurde die militäriſche Ordnung laxer, und die entſtehende Unordnung und Zerſtreuung machte es ſechs jungen Geſellen möglich, ſich heimlich von der Colonne zu entfernen und ein heimliches Plätz⸗ chen im Walde zu gewinnen. An ihrer Seite lief mit gewaltig langen Beinen ein blaſſer, hagerer Jüngling, mit dünnem, geſtreckten Halſe und einem kränklichen Geſicht voller Sommerſproſſen. Unter dem Dreimaſter lugten zwei mit Gips gekleiſterte Papilloten hervor, den Rücken hinab baumelte ein falſcher Zopf. Er konnte die Zeit kaum erwarten und ſchritt ſo ſtärk aus, daß ihm die Gefährten faſt nicht folgen konnten. Man langte auf einer kleinen mit Moos bewachſenen Lichtung an, der bleiche Jüngling zog ein Manuſcript aus dem Buſen und hub an vorzuleſen. Sei u Züge belebten ſich, in heftiger, zügelloſer, faſt unangenehmer Declamation trug er ſeinen Gefährten, die
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