Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
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weiter zu ziehen, meiner Beſtimmung entgegen. Aber dieſe ſcheint hier zur Erfüllung gekommen zu ſein, ich blieb und blieb, bis heute. Als im Jahr 1853 der alteKönig begraben worden war, ward ich ohne Wahl, wie ſelbſtverſtändlich, Vorſtand der Inſelbevölkerung und bin es noch. Meine Schweſter hatte ich, unter genauer Darlegung der Verhältniſſe zu mir kommen laſſen; die treue Seele gelangte nach jahrelanger Wanderung auf dem weiten Weg über Baltimore, Bahia, Rio durch die Mildherzigkeit eines Bremer Walfiſchfängers hierher in meine Arme. Wir leben hier, ſehr einſam, es iſt wahr, aber nicht ohne Freuden; wir haben Liebe geſäet und Liebe geerntet; ein kleines Häuflein iſt durch uns dem Frieden Gottes und der rechten Lehre auf immer gerettet. Aber näher und näher rückt die ſchwarze Sorge; rie Zukunft bringt uns vielleicht noch bittere Tage; wir wollen ſie geduldig tragen. Nur eins iſt uns ſchmerzlich: daß uns alten Leuten nicht vergönnt ſein ſoll, unſer müdes Haupt da zur Ruhe zu legen, wo wir ſo lange in Ruhe gelebt, bis böſe Menſchen muthwillig in den Garten unſeres Lebens brachen und ihn verwüſteten. Der Herr wolle ihnen vergeben; wir ſind in ſeiner Hand!

Der Greis ſchwieg kummervoll; die Schweſter lehnte das Haupt an ſeine Schulter und Thränen ſtanden ihr in den Augen. Wir drückten dem alten Pfarrer theilnehmend die Hand und baten um Mittheilungen über die Urſache ſeiner trüben Blicke in die Zukunft. Um Ihnen Aufſchluß zu geben, fuhr er fort,muß ich Ihnen die Geſchichte unſerer Anſiedlung erzählen. Nachdem die Inſel Sankt Helena zum Verbannungsaufenthalt Napoleons auserkoren worden war, fand ſich die großbritanniſche Regierung bewogen, das bis dahin öde Felſeneiland Triſta da Cunha zu beſetzen, einestheils, um daſelbſt eine Seeſtation für das St. Helenageſchwader zu haben, anderntheils in der Abſicht, bei dem erſten Befreiungsverſuch, welcher gewagt würde, den großen Gefangenen ſofort nach dieſer unnahbaren, die vollkom⸗ menſte Sicherheit bietenden Warte im Ocean, von der das nächſte Feſtland über 1500 Seemeilen entfernt liegt, überzuſiedeln. Zu dem Ende ward ein Detachement Artillerie auf den einſamen Poſten ver⸗ legt. Als es nach Napoleons Tod wieder zurückgezogen wurde, be⸗

ſchloß der Corporal Glaß mit ſeinem Weibe, einer Mulattin aus

Capland, und zwei, mit Negerinnen aus St. Helena verheiratheten Matroſen vom Geſchwader, hier auf Triſtan da Cunha zurückzublei⸗ ben. Die geſammte übrige Beſatzung hatte dem, wie ſie meinte, un⸗ wirthſchaftlichen Platze gern den Rücken gekehrt; doch waren die An⸗ ſiedler mit allem entbehrlichen Material, mit Munition und Fiſcherei⸗ geräthen, einem Kutter und einem Langboot, auch mit Saatgut, einigen Ziegen, Schafen und Hühnern reichlich bedacht worden. Die kleine Colonie dieſer Robinſone gedieh trefflich, vermehrte ſich durch reichen Kinderſegen, aber auch durch Zuwachs von außen durch Schiffbrüchige,

Ausreißer von Walfiſchfängern und Freiwillige ſo, daß ſie im J. 1849 gegen 120 Perſonen betrug. Ueber dieſe hatte ſich Corporal Glaß das ungetheilte Regiment zu erwerben und zu erhalten gewußt; er hieß daherKönig, freilich mit einem unliebſamen Zuſatz: unter den Seefahrern dieſer Breiten war er nämlich allgemein bekannt un⸗ ter dem Spitznamenthe ragged king. Aber einLumpenkönig war er durchaus nicht, ſondern ein guter und energiſcher Mann, wel⸗ cher Ordnung und Trieb in die Anſiedlung zu bringen wußte; aller⸗ dings hatte er ſeine Schwächen, von welchen eine, Begünſtigung der Vielweiberei, ſich auf die Abſicht gründete, ſein geliebtes Eiland mög⸗ lichſt raſch mit einer botmäßigen Bevölkerung zu verſehen, die andere, Liebe zu einem guten Tröpfchen, nur gelegentlich volle Befriedigung fand. Als ich mich im genannten Jahre hier niedergelaſſen undKö⸗ nig Glaß mich feierlich als Seelſorger inſtallirt hatte, war mein er⸗

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ſtes geweſen, das alte Wachlocal als Gotteshaus einzurichten und da⸗ rin die Taufe vieler Kinder darunter ſchon halb erwachſene ſowie die Einſegnung der noch nicht geweihten Ehen vorzunehmen. Vater Glaß, wie wir ihn nannten, ließ mich gewähren, und ſah beifällig der Einrichtung einer Schule zu, denn er ſelber, weil er es zum Corporal gebracht, hielt ſich für einen halben Gelehrten und wußte den Werth der Kenntniſſe zu ſchätzen. Unſere Saaten gediehen trefflich, die Thiere vermehrten ſich ſo ſehr, daß Ziegen nach Nightin⸗ gale und Inacceſſible übergepflanzt werden konnten, einen Stamm Rinder hatten wir vom Capland bezogen; die Walfiſchfänger benutz⸗ ten gern die gelegene Station zum Tauſchhandel und verſahen uns gegen Proviant mit Kleidern, Gewürzen, Werkzeugen, Schießpulver; kurz die Colonie ſchien einem recht glücklichen Gedeihen entgegen zu gehen. Leider ward, was ihr Glück zu bringen ſchien, zum Verder⸗ ben. Es wurde nach und nach Sitte, daß jüngere und ältere Män⸗ ner ſich zu einer Fahrt von Walfiſchfängern heuern ließen; Viele kehr⸗ ten mit gutem Gewinn zurück; Vater Glaß erblickte darin einen He⸗ bel zur Kräftigung ſeines Königreichs, auch zur Füllung ſeines Säckels, denn die Fahrer mußten ihm für den Schutz der Hinterbliebenen eine Steuer bezahlen; in Kürze war allenthalben bekannt, daß Triſtan da Cunha eine treffliche Station zur Ergänzung der Mannſchaft für Walfiſchjäger ſei. Es kamen aber Amerikaner, die ſich vollzählig zu machen wünſchten, und fanden nur die abſolut für die Anſiedlung ſel ber nothwendigen männlichen Kräfte vor; ſie boten zuerſt hohen Lohn, und als dieſer nicht zog, gaben ſie Bedenkzeit mit der Androhung von Gewalt. Vater Glaß ließ jedoch nicht mit ſich ſpaßen; als am näch⸗ ſten Tag ein wohlbewaffnetes Boot der Amerikaner ſich dem Landungs⸗ platze nahte, flog die Kugel eines kleinen Schiffsgeſchützes zur War⸗ nung über daſſelbe hinweg und der Mannſchaft ward bedeutet, umzu⸗ kehren und nicht zu landen, da der Pfad beſetzt ſei und wohl verthei⸗ digt werden würde. Da dort wenige Männer ein Heer zu hemmen im Stande wären, und derKönig ſich auf Capitulation nicht ein⸗ ließ, ſo mußten die Yankees racheſchnaubend abziehen; zwar machten ſie noch mehrere Verſuche, zu landen, aber der Alte war ſo ſchlau, wie ſie, und ließ ſich nicht überrumpeln. Drei Jahre waren ſeit dieſem Vorfall vergangen, man dachte nicht mehr an ihn, obgleich es an Ver⸗ drießlichkeiten mit den Walſiſchfängern nicht gefehlt hatte; ich war angekommen und eingewöhnt; es war mir gelungen, mehrere leiden⸗ ſchaftliche Seefahrer zu bereden, endlich in ihrem Daheim zu bleiben und ſich ihren Familien zu widmen; es ließ ſich das Leben auf der Inſel von Neuem recht gut an. Da kam wieder ein großes Bark⸗ ſchiff; ein Boot ſtieß ab, nicht übermäßig bemannt; die Leute, welche ſich als amerikaniſche Walfiſchjäger erwieſen, wurden freundlich auf⸗ genommen und in die Mitte der Anſiedlung geleitet, da ſie einen Tauſchhandel einzugehen beabſichtigten. Auf dem Plateau angelangt, bemerkten wir, daß ein zweites, weit ſtärker bemanntes Boot vom Schiff abſtieß, zugleich aber auch, daß die gekommenen, wohl bewaff⸗ neten zwölf Matroſen augenſcheinlich den Pfad nach dem Strande beſetzt zu halten geſonnen waren. Auf Fragen und Drohungen gaben ſie ausweichende, trotzige Antworten; es waren nur elf unbewaffnete Männer vom Inſelvolk zugegen; fünf andere befanden ſich oben in den Obſtgärten. Was ſollten wir thun? Ich entfernte mich mit einem Coloniſten, anſcheinend unbefangen, um Succurs zu holen; aber wir waren noch nicht weit geſtiegen, da ſchallte wüſtes Geſchrei zu uns empor; die amerikaniſchen Matroſen waren mit den unſerigen in's Handgemenge gerathen, dieſe zogen den kürzeren, und lagen nie⸗ dergeworfen oder befanden ſich auf der Flucht. (Schluß folgt.)

Die Herbſtzeitloſe.

Ein Naturbild von Hermann Wagner.

er Herbſt bringt ſaftiges Obſt, ſüßen Wein und erfriſchende er bringt aber auch fallendes Laub, kahle Felder und düſtere als Mahnungen an die hereinbrechende unfreundliche Jahres⸗ Zu den letzten Freuden, die der Jahresſegen gewährt: zur zuirlande, dem ſüßen Moſt, dem Kartoffelfeuer, dem Ernte⸗ nd der Martinsgans, zu all dieſen heiteren, jubelnden Genien

hen Zeit treten auch ernſte, düſtere Geſtalten und kehren

er Proteſte und Verwahrungen doch alljährlich wieder.

Du wandelſt durch den Herbſtwald! Jedes gelbe Blatt, das vom Baume herabtaumelt und ſich zu deinen Füßen niederlegt, mahnt dich an eine verlorene Hoffnung, an eine geſtorbene Freude, einen zer⸗ ſtörten Wunſch. Herbſtwehmuth überkommt dich! Dein Blick ſchweift hinaus auf die Wieſe. Die letzten Halme ſind unter der Senſe gefallen, die letzten Kräuter ſind geſchnitten und eingeheimſet. Nebelſchleier liegen über der bleichgrünen Fläche. Zwiſchendurch ſchimmern blaßpurpurne Blumen ohne grünes Laub aus dem Boden.

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