Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
42
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alten Matroſenſachen und halbgegerbten Fellen, empfingen uns, ſtreck⸗ ten uns aber erſt die Hände entgegen, als wir ihre dringend ängſt⸗ liche, in gutem Engliſch vorgebrachte Frage:Seid Ihr Walfiſch⸗ fänger? Amerikaner? mit einem herzhaften:Nein! beant⸗ wortet hatten. Höchſt verwundert jedoch ſahen ſie ſich an, als wir unſer Vaterland nannten; ſie hatten niemals von demſelben etwas gehört und unſere Flagge heut' zum erſtenmal in ihrem Leben geſehen. Aber ſie wurden nun raſch zutraulich und freundſchaftlich, zumal ſie die unter der Abtheilung herrſchende Mannszucht und den eigenthüm⸗ lichen Schliff der Marine mit geübtem Blick ſofort herausfanden. Von den luſtig fragenden und ſchwatzenden Inſulanern geleitet, erſtiegen wir den ſteilen Klippenpfad; er führte empor auf ein Pla⸗ teau; hier erwartete uns die geſammte, eben herbeigeeilte Bevölkerung von Triſtan da Cunha, außer unſeren Begleitern nur Weiber in ſchon vorgerücktem Lebensalter und Kinder. Etwa fünfzig Schritte vom Rande der Hochebene entfernt erhoben ſich die ſchwarzen, aus Lava⸗ ſtücken aufgebauten, zum Theil aber ganz hübſch mit Glasfenſtern verſehenen Wohnungen, deren wir auf dieſem Flecke neun zählten. Kaum hatten wir uns flüchtig umgeſehen, ſo feſſelte plötzlich ein eigen⸗ thümliches, ganz unerwartetes Schauſpiel unſere Blicke: aus dem höch ſtgelegenen, entfernteſten Hauſe trat ein Paar, wie man es wahr⸗ haftig mitten in dem Atlantic nicht geſucht hätte: Ein hoher Greis, im langen ſchwarzen Rock, mit weißer Halsbinde, Kniehoſen und Schnallenſchuhen, ein ſchwarzes Sammetkäppchen auf dem weißbereif⸗ ten Haupte und an ſeinem Arm eine gleichfalls ganz ſchwarz geklei⸗ dete, ältere Dame mit freundlichem, von einer weißen Haube um⸗ rahmtem Geſicht genau ſo, wie man häufig noch Geiſtliche aus älterer Zeit in der lieben Heimath zu ſehen pflegt. Unſere Ueberra⸗ ſchung ſollte aber noch ſteigen.Mr. Taylor, Mrs. Taylor! rief es von allen Seiten dem Ehrwürdigen entgegen,keine Amerikaner, Holländer ſind's, Dutchmen!*)Nicht Dutchmen! rief ich,ſon⸗ dern German, ächte, gute Deutſche! Da warf der Greis die Hände empor und ſtürzte uns entgegen:Landsleute? rief er im beſten Deutſch,Landsleute! Iſt es denn möglich? Gott ſei geprieſen, der mich dieſen Tag hat erleben laſſen! Und wie außer ſich vor Freude umarmte er uns alle, und fing immer wieder von vorn an, und zog die weinende alte Dame herbei;das iſt meine Schweſter Eliſabeth! rief er,und ſie ſoll Euch ebenfalls einen Kuß geben! und erröthend bot das alte, verſchämte Mädchen uns die Wange, die wir mit wirk⸗ lich tiefer Bewegung, ja Ehrfurcht berührten. Hier, am einſamſten Punkte der Welt, auf einer vulkaniſchen Klippe mitten im unermeß⸗ lichen Ocean, zwei Deutſche, und zwar gute Deutſche, würdige Ver⸗ treter des Vaterlandes! Wir vermochten uns vom Staunen kaum zu erholen. Mit der liebenswürdigſten Nöthigung ward uns nun⸗ mehr die verſchwenderiſchſte Gaſtfreundſchaft aufgedrungen. Mr. Taylor wollte die geſammte Mannſchaft mit in ſein Haus ziehen, allein die andern wollten auch etwas haben und nahmen ſofort die Matroſen in Beſchlag, die zunächſt Waſſer, friſche Gemüſe, Kartoffeln und Fleiſch, die man ihnen im Ueberfluß verſprach, in den Kutter ein⸗ nehmen ſollten, um gegen Abend zur Carolina zurückzukehren mit einer Einladung an den Capitän und alle Zurigebliubenen ſo weit ſie im Dienſt entbehrlich, zu einem Landbeſuch auf Morgen. Wir drei Officiere begleiteten alſo das alte Pärchen allein in ſeine Wohnung. Sie war geräumig, bequem, ſah jedoch auffallend dürftig aus. Kaum das nothwendigſte fand ſich darin vor an Möbeln, Geräthen, Vorräthen; aber das dauerte nicht lange. Kinder erſchienen beladen mit allem mögllchen Panerdehe Fräulein Eliſabeth zauberte einen großen Korb voll Victualien herbei und rumorte an dem großen Herd der zugleich den Mittelpunkt des Salons bildet und mit zwei ge⸗ trennten Verſchlägen als Schlafgemächer, den geſammten Wohnraum ein angenehmer Duft nach Real Turtle begann unſere Geruchs⸗ nerven zu kitzeln.Sie wundern Sich, meine Herren, redete Mr. Taylor uns an,daß unſere Häuslichkeit ſo kahl und ärmlich aus⸗ ſieht; ſie iſt es nicht immer, denn wir befinden uns materiell ganz wohl hier, nur ſobald ein Schiff am Horizont erſcheint, verſchwindet unſer geſammtes Eigenthum, das wir in eine nahelegene, Fremden ganz unauffindbare Höhle verbergen, welche nicht ſelten auch die ganze Bevölkerung aufnehmen und Tagelang beherbergen muß, wozu ſie treff⸗ lich eingerichtet iſt. Das macht, wir ſind, ohne jeden Schutz, denn

*) Der gewöhnliche Engländer, wie auch der Amerikaner, weiß keinen Unterſchied zwiſchen Holländer, Dutchman, und Deutſcher, German, zu machen.

Triſtan da Cunha gehört keinem Staate an, nur allzuhäufig der Un⸗ bill, den ſchändlichſten Rohheiten und Plünderungen amerikaniſcher Walfiſchfänger ausgeſetzt, durch die unſere einſt blühende Anſiedlung in gänzlichen Verfall gekommen und der Auflöſung nahe iſt! Der gute Mann ſeufzte tief auf.Daher, fuhr er nach einer Pauſe fort,kann ich Sie auch nicht ſo bewirthen, wie ich möchte. Früher mangelte es uns nicht an allen Producten des Welthandels und ein Glas Teneriffa durfte kein Gaſt verſchmähen; jetzt aber fehlt es uns an Luxusartikeln gänzlich, und wir können Ihnen nur bieten, was die Inſel ſelbſt erzeugt oder das Meer uns liefert. Es wird aber gern gegeben, ſeien Sie überzeugt davon!Einem Mangel kann ab⸗ geholfen werden, ſagte der Doctor, indem er die rieſige Botaniſir⸗ kapſel aufklappte, und als deren Inhalt zu allgemeiner Heiterkeit zwei Flaſchen Sherry an den Tag förderte; es fand ſich, daß auch der Zahl⸗ meiſter dafür geſorgt hatte, nicht vor Durſt umzukommen, und ich ſelber führte wenigſtens das Material zu einem ſteifen Majorkagrog in der Taſche. So kam denn ein treffliches Mahl zuſammen: Schild⸗ krötenſuppe, Fiſch, Kartoffeln, Möveneier, wilder Ziegenbraten, ver⸗ ſchiedene Gemüſe, köſtlicher Salat und eine große Schüſſel voll Erd⸗ beeren freilich ohne Zucker, aber ſie bedurften deſſen nicht was will man mehr dort unten, nahe dem Ende der Welt? Während der Mahlzeit mußten zuerſt wir berichten:

Fremdlinge, ſagt, wer ſeid Ihr? Woher durchſchifft Ihr die Wogen?

Iſt es vielle icht um Gewerb', iſt's wahllos, daß Ihr umherirrt,

Gleich wie ein Ragubgeſchwader im Salzmeer, welches umherſ ſchweiſt,

Selbſt darbietend das Leben, ein Volk zu befeinden im Ausland?

Wir gaben befriedigende, oft vom Ausruf des freudigen Erſtau⸗ nens unſeres Gaſtfreundes unterbrochene Auskunft. Wir waren das erſte deutſche Kriegsſchiff, das die Inſel angelaufen, überhaupt das erſte Schiff im ganzen Jahr. Was wir über Deutſchland zu erzäh⸗ len wußten, war nicht viel und gut, wir verſprachen von der Corvette Zeitungen und Bücher bringen zu laſſen, was den Mr. Taylor ver⸗ anlaßte, mit ſeiner Schweſter einen bedeutſamen Blick zu wechſeln. Endlich hatten wir vorläufig genug von uns und unſeren Verhält⸗ niſſen erzählt, und baten nunmehr den alten Herrn auch unſere Neu⸗ gierde zu befriedigen.

Ich bin kein Brite, erzählte er,ſondern ein guter Deutſcher, ſogar beſten Stammes, ein Heſſenkaſſeler, und heiße Georg Schneider; da dieſer Name für eine engliſche Zunge ſchwer auszuſprechen iſt, ſo habe ich ihn überſetzt und mich dermaßen an den Taylor gewöhnt, daß ich den Schneider faſt nicht mehr kenne. Ich ſtudirte Theologie in Marburg und war wohlbeſtallter Pfarrvicar, als ich auf Grund einer Studentencorreſpondenz vergangener Jahre in eine langwierige Unterſuchung wegen demagogiſcher Umtriebe verwickelt wurde, der ich mich durch Flucht nach der Schweiz zu entziehen wußte. Hier glückte es mir, Hülfslehrer an den Fellenberg'ſchen Inſtituten zu Hofwyl zu werden; mit einem Zögling aus vornehmer britiſcher Familie ging ich ſpäter als Hofmeiſter nach England, war dort Lehrer und ward endlich als Prediger einer Armenkirche in Whitechapel angeſtellt. Das dürftige Auskommen, welches dieſes mühevolle Amt mir abwarf, therlte ich mit meiner Schweſter Eliſabeth, die ich aus der Heimath zu mir genommen hatte. Im Jahr 1848 zogen mich erneute Hoff⸗ nungen in das alte Vaterland zurück; ſie wurden zu nichte. Da entſchloß ich mich, nachdem ich meine Schweſter bei einem befreunde⸗ ten Pfarrer in England untergebracht, zur Auswanderung nach Auſtra⸗ lien, wo ich glaubte, als Prediger einer engliſchen oder deutſchen Ge⸗ meinde ein erwünſchtes Feld der Thätigkeit finden zu können. Das Schiff, in welchem ich Paſſage genommen hatte, war mit Auswande⸗ rern überfüllt, darunter einige rohe Geſellen, welche es während der Fahrt als beſte Unterhaltung betrachteten, mir, demSchwarzrock allen möglichen Schabernack anzuthun; weder Ernſt noch Milde fruch⸗ tete den böſen Buben gegenüber, und ich hatte gar viel zu leiden. Da das Waſſer im Raum verdorben war, ſo wichen wir vom Cours etwas ab, um, anſtatt die koſtſpielige Capſtadt, Triſtan da Cunha an⸗ zulaufen. Das Einnehmen des friſchen Waſſers nahm zwei Tage in Anſpruch, die ich am Land verbrachte. Damals lebte nochKönig Glaß, die Anſiedlung befand ſich uuf dem Gipfel des Wohlſeins und zählte mehr als hundert Mitglieder, von welchen Viele nach Gottes Wort dürſteten. Als ordinirter Geiſtlicher taufte, traute und predigte ich während meines Beſuchs; die guten Leute gewannen mich lieb und ich entſchloß mich auf ihr herzliches Bitten, zu bleiben, anfänglich Willens, mit dem nächſten landenden Schiff in beſſerer Geſellſchaft

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