Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
40
Einzelbild herunterladen

ſchnitten, der hier eine Mühle treibt, dort als Waſſerfall in die Tiefe ſchießt, dann wieder zwiſchen Felſen und Blumen verſchwindet, um in einem von dunklem Geſteine gebildeten Becken zu verweilen.

Alles war luſtig und guter Dinge, man ſang und jubelte, und unter Luſt und Fröhlichkeit fuhren dieSommerfriſchler der Reſi⸗ denzen in das herrliche Dorf Achenthal. Da gleich am Ende breitet ſich in azurnem Hauche der See aus, von den Bergen und Felſen herab weht der erquickende Hauch, die kleinen Schiffe ſchaukeln auf den leichtgekräuſelten Wogen, und in der Ferne zeigt ſich Pertisau zwiſchen mächtigen Felskuppen ruhend. Die Geſellſchaft hat bereits Schiffe beſtiegen, und man rudert über den See; in der Pertisau an⸗ gelangt, wird wenig Zeit zur Ruhe gegönnt, die romantiſchen Leute dringen weiter vor in die Berge hinein. Zwar ſchwitzt der dicke Con⸗ ſul ſchon ein wenig, und einige andere murmeln leiſe ſo etwas von: Halt machen oderImbiß einnehmen. Aber die jüngere Gene⸗ ration iſt unerbittlich.Sommerfriſche genoſſen! ſchallt es ermun⸗ ternd.Erſt abwarten, bis ein recht angenehmer Platz da iſt! Weiter geht es; die ſchattigen Wege eines Laubholzwaldes nehmen die vergnügten Wanderer auf, zwiſchen jede Lücke des dichten Geheges hindurch blitzt der herrliche See.Wann kommt der Platz für Wil⸗ helm Meiſters Geſellſchaft? ruft der Rath.Geduld! antwortet man ihm endlich öffnet ſich die Gegend.Ah, ſchallt es.Hier hier wollen wir raſten! ruft Emilie.Sehen Sie dort rechter Hand, hinter und neben uns die hohen Berge, am Rücken des Ge⸗ birgszuges die ſchattigen Waldſtreifen, aus ihnen ragen die reizenden Häuſer empor und da an der Seite das hübſche Kirchlein. Die Maler ſondiren das Terrain.Herr Conſul! Herr Conſul! ſchreien ſie,Glück auf! wir werden keine unglücklichen Sommerfriſchler ſein wir werden das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden da drunten iſt ein Wirthshaus.Gott ſei Dank! ſagt der Conſul und wiſcht ſich ſein gutmüthiges Antlitz.Fräulein Emilie!Hier bin ich! ſagt die Freundin Wilhelm Meiſters.Thun Sie mir den Gefallen, bittet der Conſul,und verlegen Sie die romantiſche Scene recht nahe an jenes Gebäude hin da, ſehen Sie? die Gegend iſt da eben ſo reizend als hier, das Haus iſt mit Blumen umgeben, ſieht allerliebſt aus, hat kleine Gallerien und Weinlaub, ein Mutter⸗ gottesbild, und oben am Dache noch dazu einen Haken mit dem Pente⸗ gramma daran, in deſſen Mitte ein Glas ſichtbar iſt, was ſo viel bedeutet als: hier gibt es zu eſſen und zu trinken. Die Geſellſchaft unterſtützt des Conſuls Bitten, und bald iſt man gruppenweiſe im Freien, auf dem ſchönen, ſchwellenden Mooſe gelagert. Im Hinter⸗ grunde Lieutenant Friedrich mit dem Rechtsanwalt und den Töchtern des Conſuls; dicht am Hauſe wird auf dem plumpen Tiſche ein Kaffee ſervirt, wie man ihn nicht ſchöner in den erſten Conditoreien der Reſidenz genießen kann; Lina iſt in Betrachtungen verſunken, denn die Bewohner eilen herbei und bieten eine ganz wunderhübſche Staffage für das Gemälde. Dicht vor der ſchönen Frau knieet ein junges Mädel mit dem Hunde des Wirthes im Arm. Lina betrach⸗ tet das hübſche Kind ſehr aufmerkſam. Ihre Betrachtung erregt wie⸗ der die Neugierde der hübſchen Frau, die neben der ſauberen Alten auf der Steinbank vor dem Hauſe Platz genommen hat; weshalb iſt die Frau ſo aufmerkſam? jenes hübſche, kleine Mädchen iſt der Gegen⸗ ſtand des Intereſſes, es iſt der Obhut der beiden auf der Bank an⸗ vertraut, denn ſo ſagt man die Eltern der Kleinen ſind nicht genau zu ermitteln. Viele meinen: Das Kind habe vornehme El⸗ tern; die Kleine ſei hier in der Verborgenheit aufgewachſen, um erſt ſpäter, wenn die Hinderniſſe, welche eine Verbindung der Eltern für jetzt unmöglich machen, aus dem Wege geräumt ſein würden, zu Ehre, Glanz und Namen gelangen zu können. Das Kind hat ein höchſt intereſſantes Geſichtchen, und Lina ſieht es nicht zum erſten Male.

4o0

Otto hat ſchon die Kleine protraitiren wollen, aber die Frauen, die⸗ ſelben, die da auf der Steinbank ſitzen, haben es nie gelitten.

Emilie iſt ſehr glücklich. Sie überblickt von einem kleinen Hü⸗ gel aus die ſcherzenden und plaudernden Gruppen, zu ihren Füßen ruht der Rentmeiſtereiaſſiſtenk, er ſchildert die Reize ſeiner Stellung und wagt die Behauptung, daß er wohl eine Frau glücklich machen könne. Eben will Emilie antworten, da wird ſie von Lina gerufen, der Aſſiſtent iſt höchſt unglücklich, aber er muß ſich fügen.Betrach⸗ ten Sie das Kind, Fräulein Emilie! flüſtert Lina auf die Kleine deutend,dann ziehen Sie Ihr Notizbuch. Emilie thut es, und nun gibt Lina ihr kleine Fingerzeige, darüber iſt Emilie glücklicher, als ſie zuvor geweſen:Ich habe einen Stoff mehr, jubelt ſie, wie wird ſich die Redaction freuen, wenn ich ihr ein Myſterium aus dem Gebirge bringe, unter dem Titel:Waldröslein oderEin Geheimniß des Seewirthes. Nach und nach geſtaltet ſich wirklich eine Scene à la Wilhelm Meiſter. Die jungen Leute tanzen oder arrangiren ein Spiel, die materiell Geſinnten probiren den Landwein, einer oder der andere fängt an, ſich ein wenig zu langweilen und be⸗ trachtet die Gruppen mit leiſem Gähnen, wobei er die Hände in die Taſchen ſteckt, als ob ihn friere.

Die Jungen des kleinen Dorfes ſtieren verwundert die Geſell⸗ ſchaft an und beneiden ſie, wenn ſie den Zucker betrachten, der in den Kaffee geworfen wird.Wo ſind denn nur der Conſul und der Rath hingekommen? fragt Otto.Ja ich vermiſſe meinen Mann ſchon längere Zeit! ſagt die Frau Räthin.Ich den meinen eben⸗ falls! intonirt die Conſulin.Um die Scene aus Wilhelm Meiſter vollſtändig zu machen, lacht Louiſe,müßten wir eigentlich einen Ueberfall erleben.Das wäre himmliſch! ruft der Lieutenant.

Als hätte es nur eines Stichwortes bedurft, ſo knallen in die⸗ ſem Augenblicke zwei Flintenſchüſſe dicht in der Nähe der Geſellſchaft. Erſchreckt fahren die Damen auf. Wenige Minuten ſpäter ſieht man den Rath und den Conſul an der Biegung des Waldweges er⸗ ſcheinen. Sie ſind ganz außer Athem, und ihre erregten Mienen ver⸗ künden der Geſellſchaft ſogleich, daß beide Herren in gewiſſer Bezie⸗ hung zu den ſo eben gefallenen Schüſſen ſtehen. Alles erhebt ſich und eilt den Herren entgegen, man umringt ſie:was iſt geſchehen? was gibt es? ruft jeder, und die reſpectiven Gattinnen umarmen ihre Männer.Kinder, ſagt der Rath nach einer Pauſe,es iſt ganz herrlich ſo in der Sommerfriſche, und ich bin mit dem heutigen Tage recht zufrieden, aber wenn die Leute hier nach der Scheibe ſchießen wollen, dann müſſen ſie ſich andere Plätze auswählen, als die Kreuz⸗ wege. Dicht über unſere Köpfe hinweg pfiffen die Kugeln. Mor⸗ gen werde ich im Bade die Anzeige machen, das geht ſo nicht weiter. Weshalb bleiben die Herren nicht bei uns? ſchmollte die Räthin. Keine Gardinenpredigt, rief der Rechtsanwalt,heute geht alles frei à la Wilhelm Meiſter zu. Es lebe Goethe! Die Fröhlich⸗ lichkeit iſt bald wieder hergeſtellt, die bedrohten Herren ſtärken ſich an dem Landwein, dann wird ein Gang durchs Dorf gemacht, die Som⸗ merfriſchler ſind entzückt von dem ſchönen Orte, die untergehende Sonne wirft ihren Scheideſtrahl auf dieſe fröhlichen Leute, und da der Lieutenant es ſo dringend wünſcht, ſingt Louiſe das Lied:Kennſt du das Land, wo die Citronen blühen? mit einer ganz wundervollen Stimme. Spät und mit Widerſtreben trennt man ſich von dem

ſchönen Fleckchen Erde, nachdem ein recht gutes Abendeſſen die alten 1 Herren vollſtändig mit der ſchießenden Bevölkerung ausgeſöhnt⸗Vat⸗

Es heißt, an jenem Unterhaltungstage der Semerfriſchler ſeien ſechs Perſonen glücklich geworden: der Lieuten ant, der Rechts⸗

anwalt, der Rentmeeiſtereiaſſiſtent, die beiden ſchöner, Töchter des Con⸗

ſuls und Emilie. Wenigſtens bildeten dieſe ſech s Leutchen ein Jahr darauf drei ſehr vergnügte Ehepaare. Georg Hiltl.

Kus vielen AMeeren. 1

Erinnerungen eines deutſchen Seeofficiers.

V. Der deutſche Pfarrer von Triſtan da Cunha.

Conträren Windes halber mußten wir zwei Tage auf der Rhede von Buenos⸗Ayres verbringen; ſie iſt in dem hier ſeebreiten, aber ganz ſeichten La Plataſtrom über acht Seemeilen von der Stadt ent⸗ fernt, deren Anblick in der Ferne nichts weniger, als irgend anziehend

8 3) iſt. Wir ankerten in vier und einer; gangs der Corvette wegen, währer der gehalt, nur drei Meilen weit und die deſighre ker gehen können. DieCarol, daoch Ne 5 wirklich in einer w haft troſtloſen Einſamkeit. Kei, ina lag da

ſo weit heraus, um ſich langſe ae Landungsbarke,

tt anzuſchmiegen, und i

yꝛꝛV

an halben Faden 6 den ei r Stadt vor An⸗ ahr⸗ kein Bumboot kam n der einen oder

Oſten, dem Ka

denken, als ſich her wir unten die Etrömung uns jedoch als Tage lang al ehe wir, weiſt

Endlich des atlantiſch aus Sicht. 2

gegen, von wel dreitauſend Se der hübſchen Ee Eyplorationsre giifn war; ei ſegler, vollhäh liche Kameradſ in gutem Ver Mannſchaft, Offiziere, wel und das iſt Leben auf ho kommene Unt unſere Meſſe, nären Ausgab wcx wehr ſon war doch voch lichen Lebens ven, öfters d das Sa ffleiſe vaterländiſchen Eine lange Fa⸗ nicht zu den A ſtens den Vort finanzen durch erfahren, wele Daher rührt, Sceoffiziers ir bus bdentend ſchwenderiſc genen Spare! hatten in Ba an das Samm uene gkan ſnui nal ſonderba Ramtffeln. g zu gute Lüen wechſelung d AAm P in Sicht. 5 gen Hi uns fiel z⸗ don cher