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darüber nachdächte, was ich
hab' Euch zu antworten, ſo wäre dies ſchlecht!— Nein, hört Ihr Männer! Eben ſo, wie jetzt, hat man mich vor achtzehn Jahren bereden wollen, dem mich nicht zum Weibe zu geben, dem mein ganzes Herz gehörte. Eben ſo, wie heute, ſind die Aelteſten der Kille in meines Vaters Haus gekommen und haben gegen meinen David geſprochen und mich überzeugen wollen, daß ich den zum Gemahl nehmen müſſe, dem mein Bruder mich verſprochen, Reb Abraham, der dort zwiſchen Euch ſteht. Auch damals wollte man mir Zeit laſſen, aber auch damals verweigerte ich's und ſagte: Nein!— nein! nein!— mein Herz ſpricht aus meinem Munde. Abraham iſt ein guter, frommer Mann, aber ich kann und will ſein Weib nicht ſein, denn mein Herz gehört David ben Iſachar, dem Karaiten! Und ich habe treu verharrt, bis ich geworden bin voll⸗ jährig, und dann bin ich gegangen zum Rabbiner und hab' ihn ge⸗ fragt: Rabbi, was ſoll ich thun?— Soll ich das Geſetz der Gojim zu Hilfe gegen das Geſetz meiner Väter rufen? Und der Rabbiner hat verſammelt die ganze Kille und hat gefragt und geſagt: Wer von Euch kann den David ben Iſachar einer ſchlechten That zeihen?— Und da haben die Jüden geſchwiegen ſtill und nit gewußt zu antwor⸗ ten. Und der Rabbiner iſt gegangen zum Bürgermeiſter und hat ihm gethan dieſelbe Frage, und auch dieſer hat nit gewußt, zu ſagen eppes Schlechtes von ihm. Da ließ er uns beide zu ſich kom⸗ men und ſprach: Fremdling unter Deinen Brüdern in Israel, willſt Du dieſes Mädchen, welches ihre Verwandten Deinethalben von ſich ſtoßen, zu Deinem Weibe nach dem Gebrauche unſeres Volkes neh⸗ men? Und als David ihm dies verſprochen, ermahnte er auch mich, und als auch ich ihm geſagt, daß nichts im Leben mich vom Erwähl⸗ ten meines Herzens trennen könne, da betete der Rabbi laut, las uns aus den heiligen Büchern vor, füllte ein Glas mit Wein, und ch⸗
dem wir davon getrunken, zerſchellte er das Glas und⸗ ſprach⸗
wenig, wie die Scherben dieſes Glaſes ſich je zu einem Ganzen 2
ſammenfügen, ſo wenig könnt ihr Euch trennen auf Erden, denn jetzt ſeid Ihr Mann und Weib nach dem Geſetze in Iſrael. Und als die Aelteſten erfuhren, was der Rabbiner gethan und uns gegen ihren und meines Bruders Willen verheirathet hatte, da murrten ſie gegen ihn. Er aber ſprach: Was murrt Ihr gegen mich, Ihr Männer, und wenn Ihr murrt, was habe ich Euch e i 3 b4 zwten, da ich hab' ge⸗ than Recht nach dem Geſetze des Ewigen⸗ 1hn. le ſein Name— und nach meinem Gewiſſen!— Und ſo lange Nabi Juda lebte, hat er mich immer gegen Euch beſchützt; denn Ihr habt nie aufgehört, mich zu quälen und meinen David zu befeinden.“
Rahel hielt einige Augenblicke inne; ihr Blick ward wiederum ſchwermüthig und ihre Stimme unſicher.
Die erſte Aufregung der Gereiztheit war vorüber— die lei⸗ dende Frau hatte von neuem die Oberhand gewonnen.
„Vier Jahre lang,“— ſagte ſie endlich,—„vier Jahre lang waren meine Gebete zum Allmächtigen nur Dankgebete— o wie glücklich war ich— die Glücklichſte, die Geſegnetſte unter den Wei⸗ bern! Herr, Allmächtiger! Ich hatte gewiß arg in meinem Glücke geſündigt; denn die Strafe, die Du mir geſandt, hat gewiß ſeit Menſchengedenken kein Weib in Israel getroffen!— alles gedieh uns— das Wirken meines Mannes war von Gott geſegnet— Ruben wuchs unter ſeiner Leitung herrlich auf— und Gott hatte mir eine Tochter geſchenkt— unſre Freude und unſer Stolz... da kam der Blitzſtrahl aus heiterem, ſonnigem Himmel, und er traf— er traf furchtbar— all mein Glück mit einem Male vernichtend.
Sie hielt wiederum inne und fuhr mit der Hand über die Augen, welche ſich jetzt mit Thränen gefüllt hatten.
„Ihr wißt, was geſchah,“ fuhr ſie mit zitternder Stimme fort, „David war nach Stargard geritten, um den Bernſtein, den er mit ſolcher Kunſt drechſelte, zu verkaufen... gegen Abend will ihn Reb Meier, der auch in Stargard war, noch zu Pferde ſteigen geſehen haben— und von da an nichts— nichts mehr— kein Zeichen— keine Nachricht von ihm!! O Ihr Männer, möge Gott, der Allgü⸗ tige, Eure Weiber und Eure Töchter vor einem Leid gleich dem mei⸗ nen bewahren... ich... ich kann nicht mehr!“
Und ſchluchzend ſiel die Arme auf ihren Stuhl zurück.
Die Männer ſchwiegen und ſtanden geſenkten Hauptes vor dem Schmerzensanblick— nur der widerwärtige Meier zuckte wie ge⸗ wöhnlich mit den Schultern, brachte ein leiſes„Nä!“ hervor und drehte ſich auf dem Hacken herum, als ein ſprühender Blick Rubens ihn traf...
„Und ſtatt mich zu tröſten, ſtatt mit mir zu weinen,“ ſchrie Rahel plötzlich, indem ſie heftig aufſprang,—„ſeid Ihr ſeit den erſten Tagen meines Unglücks geweſen für mich eine Plage Gottes! Ihr habt gethan, was die Gojim ſiud geweſen zu gut, um zu thun, oder wenn ſie es haben gedacht, haben ſie es wenigſtens mir nicht ge⸗ ſagt ins Geſicht— aber Ihr— und beſonders Du, Reb Meier,— Ihr ſeid gekommen gleich die erſten Tage und habt mir geſagt: Das iſt Gottes Finger! Der Mann, dem Du haſt geopfert Deine Miſch⸗ poche und Deine Freunde und Deinen Glauben, der Mann iſt Dir gelaufen davon und hat Dich gelaſſen allein und im Elend!— das iſt geweſen Euer Troſt! Und das habt Ihr mir wiederholt vierzehn Jahre lang— und ich ſage Euch: Ihr lügt,— Ihr lügt! Und wenn ein Menſch käme und mir ſagte, und mir beim Namen Gottes, des Allmächtigen, einen Schwur thäte, daß er meinen David noch geſtern geſprochen und dieſer ihm geſagt, daß er mich freiwillig vor vierzehn Jahren verlaſſen, dem würde ich antworten: Heb Dich weg, Verruchter in Israel, denn Du ſchwörſt falſch beim uunen Gottes, des Allmächtigen! Und Ihr wollt, daß ih mich von ihm ſcheiden laſſe, und wenn ich ſolches thäte, wäre das nicht daſſelbe, als wenn ich ſagte: Ja, Ihr habt Recht— er iſt davongelaufen!“
„Aber wo iſt er geblieben— glaubſt Du vielleicht, daß Gott der Herr den Karaiten hat genommen lebend gen Himmel, wie er hat gethan mit dem Propheten Elias?“— unterbrach ſie Meier mit ge⸗ waltigem Achſelzucken.
Na hel hob würdevoll ihr Haupt.„Wie viel leichter würde ich an zin Wunder des Allmächtigen glauben“— ſagte ſie—„als an die Schlechii keit meines Davids, des Vaters meiner Tochter! 3
Eite lange Parfse trat ein— dann wandte ſih die Leidende von neum an den Aelteſten unp) Fate: 4
„Und nunn?. Wc wölt ffldon mir?
„Rahel,“ antwortete dieſer mit faſt feierlicher Stimme,„wir kommen zu Dir, um Dir zu ſagen, daß die Kille, wenn Du in Deinem Vorſatze beharreſt, Dich und Dein Kind nicht mehr als Mitglied der Gemeinde Herachten will— Rahel, denk nach, Frau,— ſo, wie Dich Dein Bruder verſtoßen— werden Dich die Jüden Deines Heimatsortes verſtoßen,— Du wirſt allein, ganz allein daſtehen, keiner Deines Volkes wird an Deinem Sterbebette beten und Dir die Worte zurufen, die den gläubigen Jüden noch beim letzten Athemzuge mit Gott vereinen! Rahel, Rahel, Deines unglückſeligen Wahnes halber wirſt Du eine„Verruchte in Jsrael“ ſein, kein Jüd' wird Dich ſegnen, alle werden von Dir fliehen, wie vor einer Verpeſteten, keiner wird ein Gebet von Dir verlangen, keiner ſein Haupt vor Dir beu⸗ gen, damit Du ihn ſegneſt, und.
Der Vorſteher konnte nicht fontfahrer— in der mit ſtarker
Hand aufgeriſſenen Thüre ſtand die hohe Geſtalt Eleazar Bentheims
und hinter ihm ſeine Frau, welche die halbtodte Rebekka umſchlungen hatte; auch Mendel zeigte ſein ſchelmiſches Geſicht hinter ſeiner Mutter.
Die Juden waren dem Eintretenden entgegengeeilt und hatten ihm mit einem freundlichen„Scholem aleichum“ die Hände entgegen⸗ geſtreckt— doch mit finſterer Miene wies Slenzar ſie zurück— nahm Johanna bei einer Hand und Mendel bei der anderen, und indem er auf Rahel zuſchritt, ſagte er mit tiefer, ernſter Stimme:
„Tante Rahel, wollt Ihr mein Weib und Kind benſchen? Der Segen einer Gerechten in Israel iſt wie der Segen Gottes, — er wird meinen Lieben Glück bringen!“
Ohne zu wiſſen, wie ihr geſchah, legte die zitternde Rahel ihre Hände auf die beiden Köpfe, die ſich vor ihr beugten, murmelte einige Worte— daun wankte ſie wie eine Trunkene und fiel ohnmächtig in die Arme Eleazars.
(Fortſetzung folgt.)
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