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deren Anwendung zur Desinfection der Auswurfſtoffe ebenſo leicht durchführbar, als dringend geboten.
Bezüglich der Vernichtung der zur Verbreitung der Cholera nothwendigen Bedingung, nämlich der inficirten Bodenbeſchaffenheit, iſt die Aufgabe freilich viel ſchwieriger. Der Boden ſolcher Städte, welcher bereits ſeit Jahrhunderten durch die aus Senkgruben durchge⸗ ſickerten excrementellen Stoffe, die zum Theil auch in die Brunnen⸗ keſſel eingedrungen ſind, verunreinigt iſt, läßt ſich nicht mehr reinigen, und es entſteht nunmehr nur die Aufgabe, die fernere Verunreinigung zu verhüten, indem Vorkehrungen getroffen werden, die Auswurfſtoffe der Bevölkerung ſogleich nach ihrer Erzeugung aus dem Bereich der⸗ ſelben zu entfernen. Ob dies durch Regelung der Abfuhr oder durch Canaliſirung am zweckmäßigſten zu geſchehen habe, läßt ſich im all⸗ gemeinen kaum beſtimmen, da hier die örtlichen Verhältniſſe von weſentlichſtem Einfluſſe ſind. Doch dürfte das Abfuhrſyſtem für die meiſten Orte das vorzüglichere ſein.
Von noch größerem Intereſſe wird für die meiſten die Frage ſein: was die Wiſſenſchaft in der Behandlung der Cholera ſeit 1830 gelernt habe?
Furchtbar iſt der Uebermuth geſtraft worden, mit welchem da⸗ mals in verſchiedenen Facultäten Deutſchlands das endliche Erſchei⸗ nen der Cholera herbeigewünſcht wurde,„da es Zeit ſei, dieſem aſia⸗ tiſchen Geſpenſte die Larve vom Geſicht zu reißen!“ Wir müſſen geſtehen, daß ſich bei der vollſtändig ausgebildeten Form dieſer Krank⸗ heit, in ihrem ſogenannte, stadium algidum, die ärztliche Kunſt nur wenig mächtig erweiſt. 3 ies zeigt ſich am evidenteſten dadurch, daß die Sterblichkeit der ver u denen Epidemien ſeit 1830 in Europa bis jetzt faſt dieſelbe g Dand iſt, wiewohl die Methoden der Be⸗ handlung oft genug gewechſelt haben. Und dennoch darf man be⸗ haupten, daß es kaum eine andere Seuche gibt, welche der ärztlichen Behandlung ſo zugänglich und mit ſo großer Ausſicht auf günſtigen Erfolg anzugreifen iſt, als die Cholera. Dies iſt kein Widerſpruch
Der Anbekannte von Biarrit.
Aus dem Reiſetagebuche eines
... Schreckliche Saiſon!— Langeweile au beau fixe! Voll⸗ ſtändige Geiſteserſchlaffung bei drei Seebädern täglich und enormem
Appetit! Die Arrondirung meines Ichs macht höchſt bedenkliche Fort⸗
ſchritte, während der Geiſt bis auf mikroscopiſche Parcellen zuſammen⸗ ſchrumpft!— Was thun?— Zur Abwechslung ein Seebad nehmen und den Tritonen mein Leid klagen— oder auf der Düne herum⸗ ſchlendern und den Damen fade Complimente ſagen!— All meine Freunde ſind von demſelben Uebel angeſteckt!— O Biarritz— Capua unſeres beſſeren Ichs— deine Bäder und deine Küchen haben uns alle auf dem Gewiſſen!— Geſtern traf ich den Legationsrath von R. aus Wien— er las.... nein, ich will nicht einmal nieder⸗ ſchreiben, was er las!— Schrecklich... Schrecklich!
... Ich bemerke, daß die Langeweile hier als Epidemie graſſirt, und daß ſowohl Franzoſen als Ausländer,— ſowohl das ſchöne Ge⸗ ſchlecht, als auch... das andere davon angeſteckt ſind! Bedenkliche Symptome zeigen ſich überall— man erzählt von einem deutſchen Aſſeſſor— aber ich glaube es nicht, daß er— eine Tragödie zu ſchrei⸗ ben gedenke!— Das nennt man nun Sommervergnügen! Ich habe mich heute wiegen laſſen und wiege eilf Kilogrammes— nach deut⸗ ſchem Gewichte beinahe dreiundzwanzig Pfund mehr, als am Tage meiner Ankunft!— Ausſichtzauf eine Bantingkur nach der Rückkehr! — Schrecklich!
.. Dcer Geiſt des neunzehnten Jahrhunderts iſt doch im gan⸗ zen genommen etwas Großes!— Geſtern ſprachen wir im Hotel von der graſſirenden Langeweile, und gleich fand ſich ein unternehmender Kopf, welcher eine Société anonyme vorſchlug, pour la protection des
Ich glaubte, daß das alles Unſinn ſei, daß die Genoſſenſchaft conſtituirt iſt, ſchon ein Dutzend Mitglieder beiderlei Geſchlechtes zählt und Aus⸗ hat. Ich werde mich heute Abend gleich⸗
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der Lega⸗
gegen den eben geäußerten Satz. Denn ſo ſchwieng und hoffnungs⸗ arm die Behandlung des letzten Stadiums der Krinkheit, ſo einfach und ſicher iſt die des Beginns derſelben. Ueberal nämlich hat die Beobachtung gelehrt, daß dem Ausbruche der ausgebildeten Cholera ein Vorläuferſtadium vorhergeht, welches an dem meiſt leicht und ſchmerzlos erfolgenden Durchfalle leicht erkennbar iſt. In dieſem Zeitraume der Krankheit iſt es, wo die Bobandlung eintreten muß, wenn der ausgebildete Choleraanfall un der Tod abgewendet werden ſoll. Dau⸗ 7 aller die Cholerafrage betreffenden Marraen. der Bevölkerung eingedrungen ſein, dann erſt wird die Seuche ihre Macht eingebüßt haben..
Aus demjenigen, was wir über die Dispoſition oder Em⸗ pfänglichkeit für den Choleraſtoff niedergelegt haben, folgt endlich noch eine wichtige Regel. Sie betrifft die Regulirung der Diät bei An⸗ näherung und Herrſchaft einer Choleraepidemie. Die Beſchaffenheit unſerer Säftemiſchung ſteht zu großem Theil in unſerer Macht und Wahl; denn unſere Körpermaſſe wird durch die Nahrungsmittel ſtets erſetzt und neugebildet. Da wir nun dieſelben größtentheils nach eigenem Belieben wählen, ſo kann man ſagen: wir kaufen unſeren Leib allmählich auf dem Markte zuſammen. Bei Annäherung der indiſchen Seuche iſt es daher gerathen, diejenigen Nahrungsſtoffe zu vermeiden, welche unſere Säftemiſchung derjenigen ähnlich machen, die jene Völker in Folge ihrer einſeitig vegetabiliſchen Nahrungsweiſe allmählich acquirirt haben. Wir müſſen zu dieſem Zwecke uns ſomit mehr an Fleiſchkoſt halten und die vorwiegend vegetabiliſche Koſt meiden.
Schon dies beiſt, wie oberflächlich die ſo oft gehörte Redens⸗ art ſei: man miüſſe während der Herrſchaft einer Choleraepidemie an ſeiner geyihſnten Lcbeusweiſe möglichſt wenig ändern. Vielmehr
iſt, es der Verſua⸗ gemäß den ve änderten Umſtänden Rechnung
9ℳ zu t. agel 8 nl,
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Diplomaten. Von A. Mels.
tionsrath lieſt nicht mehr das Werk... das ich nicht nennen will!
— Es lebe die Genoſſenſchaft!.... wir ſind fünfzig Mitglieder.. die Langeweile iſt todt in unſerer Geſellſchaft, und niemand weint an ihrem Grabe!....
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Ich habe es für nothwendig gehalten, dieſe Zeilen der nachfol⸗ genden Epiſode voranzuſchicken, damit der Leſer erkennen möge, bis zu welchem Grade geiſtiger Abgeſtumpftheit ein Menſch kommen kann, wenn er ſich dem Dolce far niente des Badelebens ſo, gänzlich hin⸗ gibt, wie man es gewöhnlich in Biarritz und auch in anderen Bädern zu thun pflegt. Die Bildung der Geſellſchaft, deren Authenticität ich verbürgen kann— hatte keinen anderen Zweck, als uns geiſtig aufzurütteln, und dies gelang dermaßen, daß, wie ich gehört habe, in den nächſten Jahren die Bildung einer neuen derartigen Geſellſchaf
4 Luſeſt
als ſie nach Biarritz zurückkehrten.— Leider war die Idee eingeriſſen, daß das beſte Mittel, um zu
Intriguen die lächerlichſten Cataſtrophen herbeizuführen. Ich kann immer noch nicht ohne Lachen jenes etwas beliebten Frankfurter Ban⸗ quiers gedenken, von dem wir das Gerücht verbreiteten, er ſei der Componiſt Richar in Paris ſich nur incognito zeige. lichſten Verwicklungen, auch ganz entſchiedene Gegner in Biarritz hatte und der Banquier, deſſen Incognito ſtreng geachtet wurde, bitterte Feinde fand.
Die nachfolgende Epiſode iſt vollſtändig wahrheitsgetreu, und
Es entſtanden hierdurch die köſt⸗
lich darüber gelacht haben, als er ſie erfahren. Sie gefähre⸗eui⸗
gen Jahren.— Eine Cavalcade,
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2 7.. aus vier Damen und drei“ einninmt.
dieſem Zweck zu gelangen, das wäre, ſich einige Originale der Bade⸗ welt zur Zielſcheibe des Witzes auszuerwählen und durch geſchickte
d Wagner, der nach dem Fiasco des Tannhäuſers da die Zukunftsmuſik ſowohl Vertheidiger, als ſowohl Freunde als auch er⸗
wie mir erzählt wurde, ſoll der Held derſelben, den jedes Kind in Deutſchland und jeder Erwachſene in der civiliſirten Welt kennt, herz⸗
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Damit dem hier beifügen, daß macht wurde, daß uunantaſtbar“
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Sderr Graf, bei mänen Mitn ‿ 7. Damen ausgeſetzt „Liebſter He


