Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
22
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bei Beginn des Gefechtes, ja, ſobald die Truppen nur die Möglich⸗ keit eines Treffens in Ausſicht haben, richten ſich die Behörden hinter der Armee vollſtändig ein. Gewöhnlich wird dabei auf Nähe einer Eiſenbahnſtation geſehen, um mit den Verwaltungen und Vorſtänden der übrigen Lazarethe in Verbindung bleiben zu können, auch weiſen dieſe Behörden den Verbleib der Verwundeten nach, welche aus Feld⸗ oder Etappenlazarethen an andere ſtehende Verpflegungsanſtalten ab⸗ gegeben worden ſind. Die Verpflegung unterwegs, ſowie die Art der Be⸗ förderung leiten die Vorſtände der einzelnen Lazarethe. Hundert Ver⸗ wundete oder Kranke befördert man durchſchnittlich in 15 Güterwa⸗ gen; 2 Aerzte, 2 Lazarethgehilfen und 13 Krankenwärter geleiten den ernſten Zug. Daß alſo für die Armeen, welche das mordende Ge⸗ ſchoß traf, nach beſten Kräften geſorgt wird, das muß wohl aus obi⸗ gen flüchtigen Angaben ſchon erhellen; eine genaue Schilderung aller Verbindungen und trefflichen Einrichtungen würde den Raum, der hier bewilligt iſt, weit überſchreiten. Wenn ſelbſt die ſorgſamſte Pflege und deren Vorbereitung auf Hinderniſſe ſtieß, ſo liegt das in der Gewalt der Verhältniſſe und Begebenheiten, die mit unwiderſteh⸗ licher Kraft, gegen alle Berechnung und Erwartung hereinbrachen, daß aber trotz dieſer unerwarteten Maſſen von hilfsbedürftigen, un⸗ ſere Lazarethe, Ambulancen und Verpflegungsanſtalten des Krieges, dennoch ſo Bedeutendes leiſteten, das eben iſt der Beweis für die mo⸗ raliſche Kraft unſeres Vaterlandes; hinter der kämpfenden Armee zieht eine zweite daher die Armee der Pfleger und Wärter. Sie haben noch größere Mühen als die Streiter, ſie ſehen noch größeres Elend, ſie ſetzen ihr Leben noch ſchrecklicheren Feinden aus, den Fie⸗

bern, den Seuchen und wie ſchon geſagt worden iſt: auf Ar den Krankenträger ſauſt oft genug die tödtliche Kugel herbei unr ſchmet⸗ tert ihn nieder, während er ſein Liebeswerk verrichtet und wie viele Aerzte haben die Seuchen in letzter Zeit hinweggerafft!

Aber nicht nur durch den Dienſt im Gefechte und in den Laza⸗ rethen ſind die Pfleger und Wärter gefährdet. Oft genug müſſen ſie durch die Bosheit der Einwohner des beſetzten Landes, ſelbſt durch die Tücke der feindlichen Verwundeten leiben. Man muß es mlt Widerſtreben niederſchreiben, daß Fälle vorgFee Sen ſind, wo der zo eben ſanft Verpflegte ſeinem Wärter ein verborgen gehe as Meſer in die Schulter oder Bruſt ſticht, wo auf den verbindenden Arzt ge⸗ feuert wurde; aber das hält die Braven nicht ab, ſorgſam die Ver⸗ wundeten zu erſpähen, ihnen Hilfe zu bringen. Im Regen, im Sonnenſchein in der ſtillen Mondnacht ſtreifen ſie durch das Lei⸗ chenfeld. Das Hüttenlager auf dem Blutfelde von Königgrätz ſteht vor ihnen noch iſt das Getreide, aus welchem die Strohhütten des Bivouaks zuſammengeſetzt ſind, friſch, aus den Wänden nicken Blu⸗ men hervor, aber die noch vor wenig Stunden hier ſich umhertum⸗ melten, die liegen ſtarr und bleich, vom Monde beſchienen auf der Haide, über welche der Nachtwind klagend ſtreicht. Horchend ſtehen die Wärter, in ihren Händen die Laternen haltend da ſchallt wie⸗ der ein leiſer Hilferuf durch die ſtille, ſchauerliche Nondnacht noch einer ein dritter, die Retter nahen ſich der Stelle, von woher der Klagelaut dringt und wieder iſt ein armes, hilfloſes Menſchen⸗ kind geborgen.

Georg Hiltl.

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Was haben wir ſeit 1830

Von Medicinalrath Dr. Wald. 6uß u

Noch ſind es nicht 40 Jahre her, ſeitdem unſer Welttheil von jener furchtbaren Seuche heimgeſucht wird, welche, in periodiſchen An⸗ fällen vom Orient einbrechend, nach mehrjähriger Dauer plötzlich ver⸗ ſchwindet, um ſodann mit verdoppelter Wuth nach kurzer Friſt wie⸗ derzukehren. Räthſelhaft mußte es bisher erſcheinen, daß dieſe ſeit vielen Jahrtauſenden im Orient bekannte und gefürchtete Peſt bis dahin ſo vollſtändig auf die Grenzen ihres indiſchen Vaterlandes be⸗ ſchränkt geblieben war: denn ſo gewiß es iſt, daß ihrer bereits in den Sanskritſchriften gedacht wird, und daß die älteſten europäiſchen Rei⸗ ſenden aus dem 16. und 17. Jahrhundert ſie ſchon unter ihrer heu⸗ tigen Form beſchreiben, ſo ſicher iſt es, daß ſie erſt in unſerem Jahr⸗ hundert die Fähigkeit erlangt hat, die Grenzen ihres Vaterlandes zu überſchreiten. In Europa ſelbſt feſten Fuß zu faſſen, hat ihr Mühe genug gemacht. Denn wiewohl ſie ſchon 1817 in die Nachbarländer Indiens eingebrochen und 1820 in Perſien und Kleinaſien epide⸗

miſch war, von wo aus ſie öfters nach den ruſſiſchen Küſten des

Caspi⸗Sees einzubrechen wußte, gelang es ihr erſt nach viermaligen vergeblichen Verſuchen im Jahre 1829 ſich auf europäiſchem Boden zu behaupten. Damals kam ihrer raſchen Verbreitung ein politiſches Ereigniß zu Hilfe, die polniſche Revolution. Die continuirlichen Truppenzüge durch die weiten Ebenen Rußlands waren es, welche die Seuche bald zu den verſchiedenſten Punkten dieſes Reiches hin⸗ ſchleppten, und ihre Verbreitung über den Weſten Europas war nun nicht mehr zu hindern. Sie verweilte damals in unſerem Welt⸗ theile, von wo aus ſie auch den transatlantiſchen Continent heim⸗ ſuchte, volle 8 Jahre, bald hier, bald dort hauſend, und ſelten dieſelbe Gegend zweimal überfallend. Mit dem Jahre 1838 erloſch ſie in Europa vollſtändig. Aber nach 9 Jahren brach ſie, ebenfalls von Indien aus über Rußland, von neuem in Europa ein und verweilte nun 12 Jahre, von 1847 bis 1859 bei uns, und zwar mit dem traurigen Unterſchiede von ihrem erſten Beſuche, daß ſie nunmehr häufig genug Jahr aus Jahr ein dieſelben Gegenden überfiel: leider iſt ſie jetzt bereits nach nur éjährigem Ausbleiben abermals erſchienen. Jedermann weiß, daß die Pilgerzüge nach und von Mecka ſie zu⸗ nächſt in die Häfen des Mittelmeeres verſchleppt hatten, von wo aus ihre Verbreitung über Europa nicht mehr zu verhindern war.

Mit Recht verlangt man nunmehr von der ärztlichen Wiſſen⸗ ſchaft Auskunft über das, was ſie in den 36 Jahren, ſeitdem die Seuche bei uns heimiſch geworden, über ihr Weſen und ihre Be⸗ handlung gelernt hat.

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über die⸗-Lholeras geletnt?

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Bei ihrem erſten S 3 führe ſielt man die Cholera bekanntlich

für anſteckend in dem Si Ie es die Pocken oder die Peſt ſind, und hatte verſucht, ſie durcke militäriſche Abſperrung der Grenzen vom Lande abzuhalten. Aber ſowohl dieſer Grenzſperre, ſowie auch der dann verſuchten localen Sperrmaßregeln der einzelnen Diſtricte hatte die Seuche geſpottet, und ſomit einen heftigen Widerſpruch gegen die Lehre von der Anſteckungsfähigkeit der Cholera hervorgerufen. Die⸗ ſer Widerſpruch wurde mit einer Leidenſchaftlichkeit geführt, welche die Ermittelung der Wahrheit lange Zeit aufhielt. Erſt, nachdem die zweite europäiſche Epidemie vom Jahre 1848 ab das Material ins Ungeheure vermehrte, und die Unterſuchungen leidenſchaftslos geführt wurden, hat man dieſe wichtigſte Frage beantworten gelernt. Es iſt gegenwärtig kein Streit mehr darüber, ſondern allſeitig aner⸗ kannt, daß die Cholera in Europa nirgends von ſelbſt, auf miasma⸗ tiſchem Wege, entſteht, ſondern daß ſie bei uns nur eingeſchleppt vorkommt. Sie verbreitet ſich lediglich und ausſchließlich nur auf dem Wege des menſchlichen Verkehrs, unabhängig von Windrich⸗ tungen oder anderweitigen atmoſphäriſchen Einflüſſen. Hieraus folgt die äußerſt fruchtbare Thatſache, daß die Entſtehung der Cho⸗ lera an einen verſchleppbaren Stoff gebunden iſt, welcher, wie man mit größter Wahrſcheinlichkeit erkannt hat, in dem Aus⸗ wurfſtoffe der Kranken enthalten iſt und dadurch wirkſam wird, daß er in den Erdboden und das in ihm reſp. auf ſeiner Oberfläche circulirende Waſſer gelangt. Man erkannte ferner, daß ſich nicht alle Oertlichkeiten in gleicher Weiſe bei der Einſchleppung der Cho⸗ lera verhalten. Während in der einen Klaſſe derſelben ſchon wenige eingeſchleppte Fälle genügen, um ſofort eine ausgedehnte Epidemie zu erwecken, kommt eine ſolche in den zur anderen Klaſſe gehörigen Oertlichkeiten durchaus nicht zu Stande, wiewohl ihr Verkehr mit Choleraplätzen ungehindert bleibt.

Dies verſchiedene Verhalten hat nun zur Ergründung der hier maßgebenden Umſtände und zur Erkenntniß folgender höchſt wichtigen Wahrheiten geführt.

1) Wir wiſſen jetzt, daß die Cholera ſich nur dort nach ihrer Einſchleppung halten und zur Epidemie entwickeln kann, wo das, im lockeren und poröſen Erdboden enthaltene Grundwa ſſer mit exkre⸗ mentellen Stoffen, die aus Senkgruben, Cloaken, Goſſen und Rinn⸗

ſteinen durchgeſickert ſind, verunreinigt iſt. 2) Ein ſolches Grundwaſſer wird aber beſonders dann gefähr⸗ lich, wenn es abwechſelnd einen hohen oder tiefen Stand einnimmt.

Im letzteren gallet iſchwängertn Erſch Bevölkerung zu V Andreſeits ſtch

V V chen die Gpolera ſich

halen, welcher eines diefenigen, welche a Sandboden, namer Sohrehin ſehr teſt( Oberſlüche emporſch ahfleßt.

Es wird nun legenen Städte, un der Cholera gefäh meiſten im Bereiche ches in allen altben liche Äbfälle verunn ſo näher befinden ſe

Aber dieſe Beſc die Cholua nicht erze der die Virkſamkeit

nach ſiiner Einſchley Wirſamkeit vor ſich Sicher R vur, daß ſchaffenheit die eben wohnern ſich eine C ſolg aber ausbleibt, doch größtenthels

Da nun aber ceen für die Cholen der Krankheit verfa was den Ausbruch thümliche Dispoſitio zur Wöoahme des C iheil bewuh. Wo

Bis jett har geblich bemüht und gu finden. Wenn des entdecken könnte funder die Grenzen me abendlämiſcen köſung der in Rode ener Ent lißt ſich

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