Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
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Nimmt man Abſchied von den Leichenhügeln eines ſo furchtba⸗ ren Schlachtfeldes, wie es das von Königgrätz war, ſendet man den

den letzten Blick zu, dann weilen die Augen welche mit weißer Fahne und rothem Kreuze

Dort liegen die Verwundeten der erſten, ſor⸗ genden Pflege übergeben. Es iſt ein ſchmerzliches Gefühl für den Menſchen, der mit geſunden Gliedern, unberührt von dem feindlichen Geſchoſſe ſeine Reiſe fortſetzt, denn er weiß, wie ſehnſüchtig die hinter den Fenſtern der Lazarethgebäude Schmachtenden in die Ferne denken, 1 wie ſie inmitten ihres Schmerzes bei den Ihrigen im Geiſte ſind und

woiie die Wunde doppelt brennt, wenn in der Stille der Nacht, begleitet

des Lebens begrüßten, noch auf den Stätten, darauf, bezeichnet ſind.

vom Wimmern und Stöhnen der Leidensgenoſſen, ein liebes Bild neben dem Schmerzenslager emporſteigt. Aber der Engel des Todes, Senſen, ſie achten auf keines Menſchen Rang, Anſehen und Alter, wenn der Kriegsſturm durch die Reihen tobt, und ſie werfen auf das Feld dahin ihre ſchrecklichen Früchte: 2 Leichen und Verwundete! Es muß ſo ſein, das Schickſal gebie⸗ 4 tet alſo, und da bleiht dann keine andere Wahl, nur Eines iſt zu thun, eine ſchmerzliche aber große Pflicht iſt zu erfüllen: Rettung für in die Blutenden, Hilfe für die Verwundeten! Schon einmal iſt in ddieſen Skizzen(Nr. 49 d. vor. Jahrg.) der Hilfe gedacht worden, welche die Johanniter den Bleſſirten beider Armeen zu Theil werden laſſen, 1 aber man kann, wie geſagt, nicht Abſchied nehmen von den Stätten 1 des Jammers und Kampfes, ohne noch der Thätigkeit des Ordens 6 Wer

die blutigen Reiter mit den

. u gedenken und immer wieder ſeine Männer zu rühmen. am Morgen nach der Schlacht als Augenzeuge gegenwärtig war, dem au werden jene Wagen mit dem rothen Kreuze ewig im Gedächtniſſe Kämpf z bleiben, jene Männer, die zwiſchen den Leichenhügeln umherſpürten de und ihre Hände zum Werke der Rettung boten, werden nie aus der ſd Erinnerung ſchwinden. Ihnen als Oberhaupt ging Graf Eberhard a Stolberg voran. Seine edle Perſönlichkeit, die ſo vielen Leidenden in als eine Geſtalt von Oben geſendet erſchien, wird in der Geſchichte an des Krieges von 1866 eine der erſten und ſchönſten Stellen einneh⸗ 3 men Viel ungeheuer viel war zu thun, als die Entſcheidung

gefallen war. Auf ſo gewaltige Niederlagen hatte man in Oeſter⸗ eich nicht gerechnet, auf eine ſo blutige Siegesbahn, wie ſie der Tag on Königgratz geſchaffen, waren die Preußen kaum vorbereitet. Graf ßtolberg hatte von allen Seiten her Lieferungen, Hilfe und Beiſteuer) rhalten, aber noch immer mehrten ſich die Bedurftigen, was war Aues Geleiſtete dieſem Jammey, dieſen Maſſen von Blutenden gegen⸗ iber? und doch hatte eine treffliche Einrichtung ſtatigefunden. In der preußiſchen Armee beſteht für jede Diviſion ein leichtes Feldla⸗ zareth. Hier finden ſich Lagergeräthe, Verbandmittel, Wäſche, Medi⸗ lamente und die nöthigen Inſtrumente für 200 Bedürftige. Ein birigirender Arzt, 12 Hilfsärzte, 8 Lazarethgehilfen, 2 Apotheker und 16 Krankenwärter begleiten die fahrenden Rettungswerkzeuge. V Außerdem iſt noch eine Anzahl von Trainſoldaten dafür thätig. Man unterſcheidet hierbei das fahrende Detachement und das Depot. So⸗ bald der Kampf ſich entſpinnt, folgen dieſe beiden Theile den Trup⸗ pen, für welche ſie beſtimmt ſind. Eine der erſten, ſchrecklichen Auf gaben vor der blutigen Abrechnung iſt die Beſtimmung des Verband⸗ platzes. Hier wird das fahrende Detachement zunächſt verwendet. Wenn das Feuer der Geſchütze und des Kleingewehres raſt, wenn die Lnien der Infanterie, die Schwadronen der Cavallerie in⸗ und gegen⸗ 12

einanderſtürmen, wenn die Kämpfer fallen und röchelnd den Boden decken, dann erſcheinen im Toſen der Schlacht die Trupps der Kran⸗ Tragbahren und kleinen Wagen. wo die Gefallenen in Reihen

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kenträger und Wärter mit ihren Sie dringen vor bis in die Kampflinie,

de Gefechtslinie zurückene den Verbandplatz, wo die bereitſtehenden Aerzte .Iſt dies geſchehen, dann 3 7

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d 4 4 f Reminiscenzen aus der Hochſommerzeit.

3 I. Die Schutzengel der Verwundeten.

1. 9 8* führen die Transportwagen ihre Verbt⸗ denen in das Depor zurück, welches meiſt nur eine Viertelſtunde von dem Verbandplatze entfernt

Kirchen, Klöſter. zur Gefechtslinie heim, um neue Laſten aufzunehmen, für we Dämon der Schlachten bereits geſorgt hat. bei Königgrätz und überall mit einer wahren Aufopferung, ir ver muthigſten haben ihre Treue mit dem Leben bezahlt, aber auf ſolche Maſſen von Niedergeſchmetterten hatten ſie nicht gerechnet, ihre Zahl reichte nicht hin, alle, die da am Boden lagen, aus dem Und aus welchem Feuer! Wirkung; was iſt auch eine Gewehrkugel gegen die Splitter des mör⸗ deriſchen Geſchoſſes, welches unter die Anſtürmenden fahrend, mit wahrhaft h allen Richtungen ſchleudert? der That etwas Teufliſches. vor ihrem Einſchlagen durch der faſt wie ein Hohn klingt und deſſen Schwingungen eine Art von ſataniſcher Freude vernehmen laſſen, gleichſam frohlockend über das Verderben, welches nun bald verbreitet werden ſie nieder und berſtet geſtreckt, welche noch und vielleicht mit lächelndem Blick den weißen Streifen erſcheinen ſahen, der das Herannahen der Granate jedes Mal verkündet, bevor der Tod zwiſchen ihre Leiber fuhr. dete! aber unaufhaltſam ſtürzen die Scharen der wohlerhaltenen er vorwärts, gegen den Feind über die Verwundeten und Todten geht der Sturm des Gefechtes. entfernt, nur die blutige Werk ſeinen Fortgang nimmt und bei dem Dröhnen und Krachen kommt der wüthender Schmerz zuckt durch das es im Kopfe des ein wimmernder Genoſſe, deſſen mehren hilft, in größerer oder geringerer Entfernung die hinanſtür⸗ menden Scharen von Freund oder Feind, der ins Leven Zuruckgekeyrte erblickt. dicht bei ihm ein Trupp Reiter vorüberſtürmt, mit Grauſen ſieht er,

keine Rettung, und ſ Schmerzen fühlt er

nicht mehr, und noch der auf die ihn umgebenden Leichen.

in ſein Gehirn, und links neben ihm knieen

rohgezimmerten Kreuzen, unter deren ausgebreiteten Armen ſo mancher liegt. Man nimmt zum Depot die weiteſten, luftigſten Gebäude: ſchlummert, den wir noch vor wenig Tagen friſch und in voller Kraft Schulhäuſer, Fabriken oder die Säle fürſtlicher Schlöſſer, endlich Sobald die Wagen entleert ſind, kehren ſie*

Die Krankenträge

Todesverachtung in das Feuer hinein, viele der Braven

Feuer zu ſchaffen. die Granaten waren von ſchaudererregender

öͤlliſchem Lärmen platzt und ſeine verderblichen Theile nach Dieſe furchtbaren Projectile haben in Sie verkünden ſich ſchon eine Zeit lang das Pfeifen, durch den ſchrillenden Ton,

ſoll. Nun ſchmettert krachend, und da liegen die rings umher nieder⸗ vor wenig Minuten voll Kampfesluſt erglühten

Hier Leichen dort Verwun⸗

Endlich ſind die Angriffscolonnen Donner des Feuers verkünden ringsum, daß das

Verwundete zu ſich, Blut überrieſelt ihn, ein⸗ Gebein, aber immer klarer wird Niedergeſtreckten, er ſchaut um ſich: nur Leichen oder Anblick das eine Elend nur noch ver⸗

das ſind die Dinge, welche Aengſtlich duckt er ſich, wenn

wie neben ihm ein Unglücksgefährte aus dem Leben ſcheidet oder es ſchlägt nicht weit v 1

eine Kugel in den Sand, vielleicht trifft die nächſte ihn und er möchte doch ſo gerne leben; jetzt, unter hartem Kampfe die um das Leben doppelt werth geworden, aber doppelt groß ſeine Angſt, ſeine Sorge. naht? oder wenn er ſich verbluten müßte? ja fällt ihm das Fürchterlichſte: langſam verbluten zu n werden, wenn ſchnell Hilfe bei der Commandeure der Rettungscolonne, Schlachtfeldes, tödtlich, ſondern weil die Hilfe zu blutung ſtattgefunden habe. er glaubt, ſein Blut heftiger rieſeln zu ſehen, ja es iſt d. chon umwölkt Ohnmacht ſeine Sinne wieder, die

on der Stelle, auf welcher er im Blute liegt,

wo er den Schmerz fühlt, wo er ſieht, wie ihn Liegenden verenden, jetzt iſt ihm

Wenn er vergeſſen, wenn er zertreten würde, ehe Hilfe das iſt es. Es

ein, wie die Kameraden noch geſtern erzählt haben, es ſei

nüſſen, man könne gerettet Hand ſei, die Krankenträger, die das ſeien die guten Engel des denn oft ſterbe der Verwundete, nicht weil ſeine Wunde ſpät gekommen ſei und die Ver⸗

Eiſiger Froſt ſchüttelt den Duldenden,

kaum noch, er achtet der vorbeijagenden Reiter

einen ſchwachen Hilferuf ausſtoßend ſinkt er nie⸗ Traumartig iſt ſein Zuſtand. er ſtehe an der Schwelle des Grabes, da iſt es,

1 3 oder in Gruppen ſich neben⸗ und aufeinanderthürmen; wo ſich ihnen Lange dünkt es ihm, g eine Hand entgegenſtreckt, wo ein klagender Laut durch den Donner als höre er durch das Dunkel, welches ſeine Augen umnachtet, emen de der Schlacht erſchallt, dahin wenden ſie ſich und heben, kunſtgerechte lauten Ruf, dann fühlt er ſich emporgerichtet:hier iſt er ſ Griffe brauchend, den verwundeten Bruder auf die Bahre. So ſchnell tönt es,langſam aufheben erſchallt ein Commando. Der Ver⸗ IDals es ſich thun läßt, eilen ſie mit ihrer traurigen Bürde hinter die zweifelte wird aufgerichtet, Geruch einer ſtärkenden Eſſenz dringt er ſchlägt die Augen auf: Gerettet! gerettet! Rechts

Männer, die ihn halten, ſie tragen weiße

·.

iſt der Tod,

Solda und grauem Sod m wäſfen Felde, hilfe iſ nahe, mit

a whar tte wird emy un vald in den b

er

lrdefrben.