Jahrgang 
01-12 (1867)
Seite
19
Einzelbild herunterladen

4

A

id jagen nes wird

) duben zu⸗ öhnlichen fingerdich

er! r

du Dich! g wirküch biſt

rach ihn, Frrrupoſlchniſe G

ich vor Schatk⸗ romme Jüden;

ſie E

5 j

dochts und uns

je Bruͤde me, die Bri

ſtüchuigen Griß zufälliger Weſe V in will das junge imme vom Lui 1 sororis lia,

Iden Koh en Gruß

ockor dreht ſg

r D der u ſagen, dd ddaß 144

19

kann einen Begriff davon haben, mit welcher Ruhe, in welchem Frieden der Jude den Vorabend des Tages ſeines Gottes feiert. Sobald der Gottesdienſt in der Synagoge beendet, kehrt der Familien⸗ vater iw Se. und umgeben von allen Mitgliedern ſeiner 3 züber den Feſtwein und das geflochtene un oeſte Aite Feſtbrot, und nachdem er ſelbſt dar⸗ aus getrunken, reicht er den Becher in die Runde, bricht das Brot, und nachdem er zeſſen, theilt er es unter die Verſammelten aus wöhnlich gleich zu Tiſche, und während des oleſem Abende auch bei den ärmſten Familien Zgteik, ein ſo vollſtändiges Vergeſſen aller Qual und Sor⸗ veu der vergangenen Woche, daß in der Erinnerung derer, die in gro ßen Städten leben und meiſtentheils den Gebräuchen ihrer Väter ſeit lange ſchon Valet geſagt haben, die Freitagabende ihrer Kindheit und Jugend immer noch wie leuchtende Punkte in ihrer Lebenswanderung auftauchen.

Und was mußte der Freitagabend in der Familie des Reb Iſaac Bentheim heute erſt ſein! Seit fünfzehn Jahren das erſte Mal, daß ſeine beiden Söhne, ſeine über alles geliebte Schwiegertochter und ſein Enkel den Tag des Herrn mit ihm feiern!

Wie rührend, wie ſchön war das jetzt faſt ganz verlorne patriar⸗ chaliſche Leben der Juden in den kleinen Städten noch vor zwanzig Jahren! Eleazar, der ſtarke, erfahrene, vielgereiſte Mann, der zwei⸗ mal Schiffbruch gelitten und in den Urwäldern Amerikas Jahre ver⸗ bracht, in jenen Gegenden, wo Geiſt und Muth und Vertrauen in die Zukunft allein vor ſicherem Untergang retten jener ſo hochgeach⸗ tete Mann von allen denen, die ihn in der Hauptſtadt kennen er iſt wieder ein Kind geworden, er ſitzt auf einer kleinen Bank zu ſeines Vaters Füßen, er wagt nicht, irgend einer ſeiner Meinungen Aus⸗ druck zu geben, wenn er fürchtet, daß ſie mit denen ſeines alten, ein⸗ fachen Vaters, der in ſeinem ganzen Leben nicht weiter als bis Stet⸗ tin gekommen iſt, nicht übereinſtimmen; wie ſeine Stimme, die furcht⸗ bar den Indianern gegenüber ertönte, beſcheiden, faſt demüthig klingt, wenn er mit dem Greiſe ſpricht! Und jener andere Sohn, dem ſich die Menſchen anvertrauen, damit er für ſie den herben Kampf mit dem bleichen unvermeidlichen Gaſt auskämpfe, auf den die Leiden⸗ den ihre letzte irdiſche Hoffnung ſetzen, wie ein Kind ſchmiegt ſich der Doktor an ſeine Mutter, und wenn ſie ihn lobt, daß ſeine Wäſche ſo hübſch in Ordnung iſt, daß alle Taſchentücher vollzählig ſind und Knöpfe an allen Hemden, dann erröthet er vor Freude und fühlt eine tiefere, innigere Befriedigung, als in jenen feierlichen Verſammlun⸗ gen, wo er ſeinen erſten academiſchen Grad erhielt und ihm geſagt wurde, daß dieſer ihm magna cum laude ertheilt würde!

Und Frau Johanna Bentheim erſt, die ſchöne Frau Eleazars, wie ſie mit ihrer ſanften Heitkrkeit alles belebt, wie ſie, die Groß⸗ ſtädterin, die feingebildete Dame, die ſich in den beſten Geſellſchaften von New⸗York, Paris und London bewegt, es gleich verſtanden hat, ſich in die Häuslichkeit einer hinterpommerſchen Judenwirthſchaft zu finden. Sie, die von ihren Eltern faſt wie eine Chriſtin erzogen iſt, hat ſich bei ihrer Abreiſe aus Berlin von einer alten Jüdin die tiefen Geheimniſſe desKoſcher und desTreife expliciren laſſen, iſt gleich im elterlichen Hauſe ihres Mannes in die Küche geeilt und hat trotz der eifrigen Proteſtationen der alten Beile ſofortmitgeholfen, als wäre ſie ſeit ihrer Kindheit daran gewöhnt!

SKeellige Pietät, wohin biſt du heute geflohen, daß das Verhält⸗ niß zwiſchen Eltern und Kindern beinahe ein nur geſellſchaftliches geworden iſt? Es iſt für das Herz ein Unglück, wenn der Geiſt der Kinder dem der Eltern überlegen iſt und die kindliche Pietät nicht laut genug ſpricht, um eben dieſen Geiſt zum Schweigen zu bringen. .. Man ſetzte ſich im Hauſe Reb Iſaac Bennheims zu Tiſche, nachdem Eſther, der alten Beile alte Tochter, ein dampfendes Gericht Butterfiſche das auserwählte Schabbesgericht aufgetragen. Frau Johanna hat den Tiſch ſelbſt gedeckt und will ſich's nicht neh⸗ men laſſen, ihren alten Schwiegervater ſelbſt zu bedienen ſie ſetzt ſich zu ſeiner Linken, ihr Mann, als älteſter Sohn zu ſeiner Rech⸗ ten, eben ſo wie der Doctor zur Seite ſeiner Mutter. Als alle ſich geſetzt haben, ſtellt ſich heraus, daß Frau Johanna ein Couvert zu viel gedeckt hat. Sollte ſie ſich wirklich geirrt haben? und wenn das der Fall iſt, warum ſchwebt denn ein leiſes Lächeln um ihren ſo feinen Mund, das ſie kaum zu unterdrücken fähig iſt? Der leere Platz iſt zur Seite des gelehrten Mendels, der ſich breit macht und der alten Beile, die ihm zur Rechten ſitzt, Geſchichten vom Gymnaſium erzählt,

9 eg;·

die dieſe nicht im geringſten verſteht, aber doch glückſelig belächelt, denn das Mendelchen iſt ja ein ſo gutes, liebes Kind!!

O Du armer, einäugiger Stadtdiener, wie wird's Dir ergehen, wenn man den Schlingel ſo verzieht!

Du haſt eine ſchlechte Probe Deiner Wirthſchaftlichkeit abge⸗ legt, mein Hannchen, ſagt Eleazar,wo hatteſt Du denn den Kopf? konnteſt Du denn nicht zählen, wie viel wir bei Tiſche ſind?

Nun, nun! ſagt Reb Iſaak, der Ritter ſeiner Schwiegertochter, haſt Du Dich denn nie verzählt?

Ich weiß nicht, an wen ich dachte, ſagt Frau Johanna, es war mir immer, als müßten wir neun bei Tiſche ſein....

Ich weiß, woran Du dachteſt, Mutter, ſagte Mendel mit Ueberlegenheit.

Die Großeltern ſchmunzeln... ſolch kluges Kind!

Weißt Du auch, wie Naſeweis auf lateiniſch heißt? fragt Eleazar.

Naris albus, erwidert der Gefragte ohne Zaudern.

Nun, an wen dacht' ich für den neunten Platz, Herr Pro⸗ feſſor? fragt die immer noch ein Lächeln unterdrückende Mutter und ſieht dabei ihren Sohn ſo bedeutungsvoll an, daß dieſer Blick dem Doctor nicht entgeht.

An Rebekka, antwortet Mendel,Großmutter wird ſie gewiß ausſchelten, daß ſie zu ſpät kommt!

Das Schmunzeln der Großeltern hat aufgehört, und eine pein⸗ liche Stille folgt. Die beiden Söhne ſchlagen die Augen nieder die Frauen ſchweigen nur auf Mirjams Stirne zeigt ſich deutlich die Unzufriedenheit mit der Wendung, welche die Unterhaltung ge⸗ nommen. Allein Frau Johanna bleibt ruhig und freundlich.

Mendel hat wirklich Recht, ſagt ſie mit lieblicher Stimme, ich dachte an unſere nächſte Verwandtin, an Rebekka, ich hätte mich ſehr gefreut, das liebe Kind mit uns am Tiſche zu ſehen!

Reb Iſaak iſt roth geworden er ißt nicht mehr er denkt an die Worte des Bürgermeiſters... Seine Schwiegertochter iſt unzufrieden mit ihm!

Warum iſt ſie nicht gekommen? ſagt Mirjam mürriſch,zu eſſen und zu trinken wird ſie immer hier finden.

Sie wird gewiß vorziehen, das ſpärliche Mahl ihrer Mutter zu theilen, ſagte Johanna, immer ſo ruhig und freundlich wie vor⸗ her,am Freitag Abend iſt ein Kind gern bei ſeinen Eltern das fühle ich und mein Mann und Elias gewiß auch!

Und ſie wirft einen ſo hellen, liebevollen Blick auf ven alten

Iſaak, daß dieſer faſt verwirrt wird, dann ſie bei den Schultern

ergreift, ſie an ſich zieht und ihr einen herzhaften Kuß auf die blühende Wange gibt.

Mein gutes, liebes Töchterchen, ſagt er,gebenſcht ſeiſt Du bis zum letzten Tage Deines Lehens, und möge Gott boruch hu Dir geben ſo viel Glück, als ich Deinem Herzen wünſche, und Du wirſt ſein in Israel die Frau, auf die man wird weiſen mit der Hand und ſagen: Die iſt geſegnet von Gott gelobt ſei Sein Name!

Die Augen der jungen Frau ſind feucht; doch verliert ſie vor Rührung die Geiſtesgegenwart nicht ſie beugt ſich an ſein Ohr und ſagt ihm einige leiſe Worte.

Reb Iſaak hört ihr anfangs mit Erſtaunen zu, dann mit Ver⸗ legenheit dann wirft er einen ſcheuen Blick auf ſeine Frau end⸗ lich jedoch ermannt er ſich und ſagt:

Mendelchen, haſt Du Furcht, allein Abends über die Straße zu gehen?

Der Untertertianer hebt mit dem Ausdruck des tief beleidigten Ehrgefühls ſeinen Kopf in die Höhe...

Furcht? ich? in Ragiwen? fragt er ſtolz...

Nun, wir wollen ſehen! Willſt Du wohl'nauf gehen bis oben in die Straß' und holen Rebekka zum Abendtiſch?

Alle ſehen ſich erſtaunt an doch ſchon iſt Mendel aufgeſprun⸗ gen, hat tief empört vor ſich hingemurmelt: Timor? ego? und läuft zur Thür hinaus!

Vergiß nicht zu ſagen, daß die Großeltern Dich ſchickten, ruft ihm die Mutter nach, und dann ſteht ſie auf, macht ſich irgend etwas in der Stube zu ſchaffen und manövrirt ſo geſchickt, daß ſie hinter den Stuhl ihrer Schwiegermutter kommt, und ehe dieſe ſich deſſen verſieht, hat ſie ihren Kopf ergriffen und ihr ein halb Dutzend Küſſe auf Wange und Mund gedrückt!

2.