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Geschichte der mundartlichen Literatur in Hessen und Nassau
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Berichterſtatter: Dr. Behaghel

Bremer Zeitungs⸗Verlag G. m. b. H., Bremen

Begriff und Grenzen der mundartlichen Literatur.

Die vorliegende Geſchichte der mundartlichen Literatur in Heſſen und Naſſau iſt der erſte Teil einer Darſtellung der geſamten rhein⸗fränkiſchen Dialektliteratur, zu der mich mein verehrter früherer Lehrer, Geheimerat Profeſſor Dr. Otto Behaghel angeregt hat. Sie ſoll das reiche mund⸗ artliche Material des rhein⸗mainiſchen Landes zunächſt nach ſeinem künſtleriſchen Werte unterſuchen, dann aber auch nach ſeiner Bedeutung für die Dialektforſchung, deren Wichtigkeit für die Erkenntnis der Sitte, des Glaubens und zugleich der Sprache unſerer Vorzeit nicht geringer iſt, als die der Volkslieder, des Aberglaubens und aller gemeinen Ueberlieferungen überhaupt. Darauf hat ſchon Jakob Grimm in ſeiner deutſchen Grammatik(I, 3, 24) hin⸗ gewieſen, aber dennoch gibt es meines Wiſſens bis jetzt keine Darſtellung, die auch die Sprache der Dialektdichter aufmerkſam verfolgt hätte. Auch Kurt Wagner geht in ſeiner erweiterten Diſſertation Schleſiens mundartliche Dich⸗ tung von Holtei bis auf die Gegenwart(Breslau 1910 kaum auf eine ſprachliche Wertung ein.

In meiner Unterſuchung konnte ich mich, ſchon des Vergleiches wegen, natürlich nicht auf das politiſche Heſſen beſchränken. Ich habe auch die bedeutenderen Mund⸗ artdichter der näheren Umgebung berückſichtigen müſſen. Beſondere Aufmerkſamkeit ſchenkte ich der Dialektliteratur von Frankfurt am Main, das der natürliche Mittelpunkt von Heſſen und ſprachlich der Wetterau zuzurechnen iſt. In die Bibliographie habe ich die reiche Dialektliteratur der alten Reichsſtadt aber nicht aufgenommen, weil ſie Askenaſy in ſeinem trotz mancher Irrtümer nicht üblen Buche über die Frankfurter Mundart und ihre Literatur

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