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Fukunft das bleiben wird, was als ihre eigentliche Aufgabe zu Eingang dieſer Erörterungen hingeſtellt wurde, das geiſtige Nervenzentrum des Staatsweſens, ob ſie alſo auch in Sukunft eine geſicherte, von den ö5ufälligkeiten wirtſchaftlichen Auf⸗ und Niedergangs unabhängige Stätte freier und tiefer Forſchung ſein ſoll. Sollte die dauernde Verwirklichung dieſer Sweckbeſtimmung irgendwie ernſthaft in Frage geſtellt werden, ſo wäre es mit der Sukunft der Landesuniverſität überhaupt zu Ende.
Man braucht dieſe Möglichkeit nur anzudeuten, um ſofort zu empfinden, welche unermeßliche Schädigung darin für den heſſiſchen Staat liegen würde. Ein größeres deutſches Staatsweſen iſt ohne eine lebenskräftige Univerſität ſo wenig denkbar wie ein menſchlicher Körper ohne geiſtige Triebkräfte. Der Verfaſſer glaubt in der Annahme nicht fehl zu gehen, daß ſich hierüber alle maßgebenden Stellen einig ſind. Iſt das aber der Sall, ſo erwächſt ihnen allen die unabweisbare pflicht, der Kufrechterhaltung des alten Anſehens der Landesuniverſität in Sukunft verdoppelte Nufmerkſamkeit zuzuwenden. Will man Lehrer und Forſcher von RKuf an die Landesuniverſität ziehen und, was faſt noch mehr be⸗ deutet, an ihr feſthalten, ſo muß man auch auf die vorſtehend aus⸗ führlich dargelegte Sonderart der Profeſſoren und die beſonderen Erforder⸗ niſſe ihrer wiſſenſchaftlichen Arbeit verſtärkte Rückſicht nehmen. Nach den langjährigen Erfahrungen des Verfaſſers ſind die profeſſoren faſt ausnahmslos gern in Gießen. Der unleugbare Kufſchwung der Stadt in den letzten Jahrzehnten, der es ihr ermöglicht, auch anſpruchsvollen Ein⸗ wohnern Vorteile, Anregungen und Genüſſe mannigfachſter Art zu bieten, ihre günſtige Derkehrslage und ihre freundliche Umgebung laſſen es in der Tat nicht einſehen, warum der Profeſſor den Wohnſitz an einer anderen kleinen oder mittleren Univerſität dem in Gießen vorziehen ſollte. Es gilt, dieſe guten Bedingungen auszunutzen und die Profeſſoren mit dem ihre Stimmung hebenden und ihre Arbeitsleiſtung fördernden Bewußtſein zu erfüllen, daß man in Stadt und Land ſtolz iſt auf ſeine Univerſität, und daß man nicht nur um ihretwillen vermehrte Laſten willig trägt, ſondern die Förderung ihrer öwecke als hohe Aufgabe empfindet.
öu ſolcher hebung des Anſehens der Univerſität würde es ſchließlich mit Sicherheit beitragen, wenn es gelänge, die Aufmerkſamkeit S. K. h. des Großherzogs in verſtärktem Maße auf die Leiſtungen der Univerſität


