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Denkschrift über die Stellung der Landesuniversität und ihrer Professoren im hessischen Staatswesen / Gustav Krüger
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Profeſſoren rechtfertigen, die ſich während einer langjährigen Wirkſamkeit an der Landesuniverſität durch ihre wiſſenſchaftliche Arbeit einen ange⸗ ſehenen, auch über heſſens und Deutſchlands Grenzen hinaus bekannten Ramen gemacht haben und als 5ierde der Landesuniverſität und ſomit des heſſiſchen Staatsweſens beſonderer Anerkennung würdig ſind. Es liegt in der Natur der Sache, daß die Auszeichnungen ſolcher Univerſitäts profeſſoren nicht dem bei den übrigen Beamtenklaſſen angewendeten Schema unterliegen können. Mag man über das Ordensweſen denken, wie man will, jedenfalls haben die Regierungen gerade der kleinen Staaten hieran ein Mittel, ihre beſondere Wertſchätzung der Wirkſamkeit der Profeſſoren zum Ausdruck zu bringen und damit deren Anſehen im Lande zu heben. heſſen aber verfährt wenigſtens bei höheren Huszeichnungen zurückhaltender als z. B. Baden oder die thüringiſchen Staaten. Der Fall kann vorkommen und iſt an der Landesuniverſität zu wiederholten Malen vorgekommen, daß ein Gelehrter und Forſcher von Weltruf im Beſitz hoher Auszeichnungen anderer Bundesſtaaten war, ohne daß man in heſſen daran dachte, ihn in gleicher oder auch nur ähnlicher Weiſe auszuzeichnen. Und daß man verdiente profeſſoren ſelbſt nach Jahrzehnte langer Wirkſamkeit an der Landesuniverſität, von beſonderen Kusnahme⸗ fällen abgeſehen, noch nicht eines Komturkreuzes für würdig hält, würde unverſtändlich ſein, dürfte man nicht auch hier den bedauerlichen Einfluß jenes Abteilungsſtandpunktes vermuten, der ſich bei den Charakteriſierungen ſo unliebſam geltend macht. Dem gegenüber kann nicht nachdrücklich ge⸗ nug darauf verwieſen werden, daß die Sonderart der Univerſitäten es durchaus verbietet, die profeſſoren nach den für die übrigen Beamten geltenden Geſichtspunkten zu behandeln. Es gilt das insbeſondere auch von den außerordentlichen profeſſoren mit Lehrauftrag, die ſowohl bei Charakteriſierungen und Kuszeichnungen als auch bezüglich der Rangſtellung in ganz unverdienter Weiſe zurückgeſetzt werden.

Doch ſind das Keußerlichkeiten, und wer zu lange bei ihnen verweilt, kann in den Verdacht der Kleinlichkeit oder der Eitelkeit kommen, die in weiten Rreiſen ob mit Recht, bleibe dahingeſtellt als eine Schwäche der profeſſoren bemängelt wird. Viel wichtiger iſt die Frage, ob nicht das bereits gerügte geringe Verſtändnis für im ſtrengen Sinn wiſſenſchaft⸗ liche Arbeit der Förderung dieſer Arbeit, die das eigentliche Lebenselement der Univerſität bildet, hinderlich im Wege ſteht. Wenn der verfaſſer