Druckschrift 
Denkschrift über die Stellung der Landesuniversität und ihrer Professoren im hessischen Staatswesen / Gustav Krüger
Entstehung
Seite
10
Einzelbild herunterladen

10

ſchaftliche Unterſuchungen, Reiſen und Veröffentlichungen, ohne die ſie ihre Rulturarbeit nicht verrichten können, Staatsmittel zur Verfügung geſtellt werden müſſen, dafür iſt das Verſtändnis nur ſelten zu finden. S5war ſoll dankbar anerkannt werden, daß derFonds für öffentliche und ge⸗ meinnützige Swecke gerade auch den wiſſenſchaftlichen Beſtrebungen der Univerſität zugute kommt, aber auch hier ſorgen ſchon die Abteilungs⸗ Eiferſüchteleien dafür, daß die Bäume nicht in den himmel wachſen. Dieſe Verhältniſſe werden ſich aller Wahrſcheinlichkeit nach künftig noch verſchlechtern. Der heſſiſche Staat und mit ihm die Landesuniverſität gehen nach dem Uriege ſchweren Seiten entgegen. Unter der mit Sicher⸗ heit vorauszuſehenden Knappheit der Finanzen werden gerade die Bedürf⸗ niſſe der Univerſität zu leiden haben, und wiederum in erſter Linie die⸗ jenigen ihrer Beſtrebungen, die ſich nicht ohne weiteres in auch dem Steuerzahler faßbare Werte umſetzen laſſen. Bei ſolcher Sachlage wird auch der Wettbewerb mit der Univerſität der nahen Großſtadt, deſſen Ge⸗ fahren ſtark einzuſchätzen man kein Schwarzſeher zu ſein braucht, noch erſchwert werden. Es iſt hier nicht der Ort, und der Derfaſſer fühlt ſich auch nicht dazu berufen, Pläne zu entwerfen, mit denen dieſen Schwierig⸗ keiten begegnet werden kann. Jedenfalls aber wird es der angeſtrengteſten Aufmerkſamkeit aller zuſtändigen Organe in Regierung und Univerſität bedürfen, um ihrer herr zu werden, beſonders wenn man in KRKückſicht zieht, daß das kleine heſſen die Fürſorge für zwei hHochſchulen auf ſeine Schultern genommen hat, die jede in ihrer Weiſe an den Staatsſäckel be⸗ deutende und dauernd wachſende Anforderungen ſtellen. An einem Punkt möchte aber auch hier der Verfaſſer mit ſeiner perſönlichen Unſicht nicht zurückhalten. Es zeigt ſich neuerdings wieder ein lebhaftes, an ſich durch aus willkommen zu heißendes Intereſſe für den Ausbau unſerer heil⸗ anſtalten. Sicherlich ſind die dafür vorgeſehenen Mittel gut angewendet, und ſicherlich bedeutet die Förderung dieſer pläne auch eine Sörderung der Univerſitätsintereſſen. Dennoch ſind dieſe mit jenen nicht ſo eng ver⸗ bunden, wie es den Anſchein haben könnte. Und wenn man die Frage ſtellt, ob die Candesuniverſität auf die Dauer im Daſeinskampf und Wett⸗ bewerb beſtehen könne, ſo handelt es ſich dabei nicht um die Möglichkeit der Schaffung und Erhaltung von Einrichtungen, die, an und für ſich leiſtungsfähig, auch im Rahmen etwa einer mediziniſchen Akademie gepflegt werden können, ſondern darum, ob die Landesuniverſität auch in