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Es ist ein vielgestaltiges Bild, das sich darbietet. Fast sämtliche lateinische Deklinationen finden wir Vertreten, auch in ihrem verschiedenen Kasus.
Ein Unterschied zwischen oberdeutsch und mittel- und
niederdeutsch läßt sich in der Behandlung einiger Endungen
erkennen. Das norddeutsche Gebiet hat einige lateinische Endungen festgehalten, die auf süddeutschem Gebiet kaum anzutreffen sind: die Endungen-io und-arius ordinacio, reformacio usw. commissarius, notarius, testamentarius.
Wir lassen nunmehr die Entwickelung der lateinischen Endungen im Deutschen an uns vorüberziehen:
1. Endung Kons.+ a:
a ist bei später eingedrungenen Wörtern noch er— halten: ethica; Sonst erscheint es als e:
glossa— glosse.
Endung Vokal+ a.
fHlier kommen vor allem in Betracht die Endungen ia und ia(mit kurzem und langem i).
ia(kurzes i). Es wird zu ie(auch mit halbvokalischem i) gloria— glorie gratia— gratie historia— historie linea— linie vigilia— vigilie. Das oberdeutsche Gebiet weißt eine Sonderentwicke- lung auf: ia erscheint als i: gloria— glori gratia— gracy historia— histori homilia— homili hostia— hosti linea— lini sequentia— sequenzi(Seuse).


