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Fremdwörter aus dem Lateinischen im späteren Mittelhochdeutschen und Mittelniederdeutschen / eingereicht von Paul Möller
Entstehung
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die löblich ie die geschrift merten theologici sapienter

philosophice prudenter.

das beweist sant Thomas de Aquin; es kam mit reverencia

ain orden de penitencia,

de sant Dominicus hat gemacht..

Besonders bemerkenswert ist das Verhalten der deut- schen Mundartgebiete zu dem Fremdwort. Da ist zuerst die Wahrnehmung zu machen, daß das mittelniederdeutsche sehr viele Fremdwörter allein belegt von 997 beinahe : 227, die auf dem süddeutschen Boden nicht anzu- treffen sind; weiterhin belegt das angegebene Gebiet zahl- reiche Wörter schon Mitte und Ende des 14. Jahrhunderts, von denen auf oberdeutschen Boden noch am Ende des 15. keine Spur zu finden ist, während andererseits das mittel- und niederdeutsche Gebiet die lateinischen Formen sehr lange festhält und auch Wörter, die schon ahd. oder frühmhd. eingedrungen waren, wieder neu aus dem lateinischen entlehnt oder an das lateinische anlehnt: prepo- situr Probstei; sacrist: Sigrist. Festzustellen ist also mit Sicherheit eine engere Anlehnung an das Lateinische.

Woher kommt diese eigentümliche Erscheinung? Es wird sich wohl um das Streben nach einer einigermaßen allgemein verständlichen Schriftsprache handeln. Mittel- und Norddeutschland haben am längsten das lateinische in den Urkunden festgehalten, sicher wohl im Verkehr mit Süd- deutschland. Jetzt wo die Sprache der Urkunden deutsch geworden ist, muß nach einem Mittel gesucht werden, um sie trotzdem auch Nichtangehörigen derselben Mundart ver- ständlich zu machen. Dieses Mittel ist eben, daß für das betreffende, vielleicht der Mundart allein zukommende Wort das lateinische in möglichst lateinischer Gestalt gesetzt wurde.

Sehr bezeichnend ist die Art, wie das Fremdwort viel- fach eingeführt wird. Es steht oft nicht für sich allein, sondern die deutsche Bezeichnung steht mitund ver-

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