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Fremdwörter aus dem Lateinischen im späteren Mittelhochdeutschen und Mittelniederdeutschen / eingereicht von Paul Möller
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subtilheit, simpelheit, chronist, theologist, sacramentlich, paradieslich usw.

Beispiele dafür, daß lateinische Wörter deutsche Beugungsformen angenommen haben, wird ein besonderer Abschnitt weiter unten geben.

Wir empfinden es heute als selbstverständlich, daß die aus der Fremde entlehnten Hauptwörter sich in die deutsche Deklination eingefügt haben. Das war jedoch durchaus noch nicht immer der Fall in der Zeit, die wir hier be- handeln. Viele Wörter stehen auch im Deutschen in den betreffenden Kasus mit lateinischen Endungen. Der größere Teil allerdings hat bereits deutsche Endungen angenommen.

Vergleichen wir unser Verzeichnis aus dem Ende der mittelhochdeutschen Zeit mit einem Verzeichnis der heutigen Fremdwörter, so zeigt sich, daß die Fremdwörter, die vor nunmehr 500 Jahren aufgenommen worden sind, nur wenig ihre Gestalt verändert haben. Denn die Macht des La- teinischen dauerte fort, es wurde noch von den Gebildeten gesprochen, und die lateinischen Worte und Wortformen wirkten so auf die bereits in das Deutsche übergegangenen ein, daß sie ihr fremdes Aussehen behielten. Ansätze zur Umbildung sind, wie wir weiter unten sehen werden, vor- handen; infolge der Einwirkung des nebenhergehenden Lateinischen wurden später die lateinischen Formen wieder angenommen.

So wurde es verhindert, daß diese zweite Schicht vonFremdwörtern ebenfalls zuLehnwörtern wurde.

lch gebe nunmehr eine Zusammenstellung nach be- stimmten sachlichen Gruppen:

Kirche:

1. Theologische Vorstellungen absolution anathemasieren absolvieren apocalipse absolvierung apostetieren abstinenz benediction adorieren benedicieren

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