Unter„Fremdwort“ verstehen wir ein Wort einer fremden Sprache, das zu irgend einer Zeit und aus irgend einem Grunde in unsere Sprache aufgenommen worden ist, dessen Zugehörigkeit zu der betreffenden fremden Sprache wir jedoch noch jetzt an dem äußeren Gewand usw. zu erkennen vermögen. Dieser letzte Satz ist besonders wichtig: denn neben dem Fremdwort besteht das Lehnwort. Der Unterschied zwischen beiden liegt darin, daß das Lehn— wort eine Entwickelungsform des Fremdwortes ist— wem es so ausgedrückt werden darf. Es hat an den Verände-— rungen, denen unsere Sprache unterworfen war, teilge- nommen und hat dadurch sein fremdes Gewand so ver— ändert, daß wir es heute kaum noch als fremdes Sprach-— gut empfinden.
Auch das Lehnwort können wir natürlich auf wissen— schaftlichem Wege an seinem äußeren Gewand als fremdes Gut erkennen. Worauf es jedoch bei dem Fremdwort an— kommt, ist, daß wir in dem Stamm des deutschen Wortes noch vollständig den Stamm des fremden, hier des latei- nischen, Wortes mit denselben Lauten vor uns haben. Wenn die Einbürgerung des fremden Wortes bereits so weit gediehen ist, daß es durch Vor- und Nachsilben neue Worte bilden konnte, oder daß es bereits die deutschen Beugungsformen angenommen hat, so hat das mit seinem Charakter als Fremdwort nichts zu tun. Einige Beispiele für solche Neubildung durch Vor- oder Nachsilben seien genannt, die jedoch nichts daran ändern, daß auch diese Wörter unter den Begriff des Fremdwortes fallen:
abstinierung, absolvierung, apostolisch, apothekisch, artikulierung, disputierung, elementisch, elephantisch, evan-
gelisch; confirmierung, cristallisch, ordinierung, orientisch, 13*


