Jahrgang 
14-26 (1877)
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Hirten ſprengten nun herzu und ſuchten einen Theil der Heerde land⸗ einwärts zu treiben, was auch theilweiſe gelang; als aber das Gros der letzteren bei ſeiner tollen Flucht an die ſteile Böſchung jener Flußkrümmung kam, ſtürzten die Thiere im ichten Gedräng über die 14 Fuß hohe Bö⸗ ſchung hinunter in den Rio Pecos und wurden von den nachdrängenden Maſſen zerſchmettert und zertreten, bis die Reihen ſich lichteten und die einzeln nachdrängenden durch das Angſtgebrüll der Verunglückten ſtutzig wurden. Ueber 800 Stück Vieh ertranken, wurden zerſchmettert oder auf den Hörnern der anderen geſpießt und eine Mahlzeit für die Aasgeier, Wölfe und Coyotes, von den mit dem Leben Davongekommenen aber waren viele ſo ſchwer verletzt, das ſie alsbald getödtet werden mußten. Binnen weniger als einer halben Stunde hatte der Beſitzer der Heerde mehr als 1000 Stück Vieh durch den geringfügigſten, ja lächerlichſten Vorfall eingebüßt durch das Geſchrei eines harmloſen Eſels.

Das Bismarck-Denkmal in Kiſſingen. (Mit Bild auf S. 508.)

Kaum war das bübiſche Attentat Kullmann's in Kiſſingen auf den deutſchen Reichskanzler mißlungen, ſo regte ſich auch in Deutſchland der Gedanke, der Freude und dem Dank über das Fehlſchlagen der Unthat durch die Errichtung eines Standbildes des Fürſten Bismarck Ausdruck zu geben, das in der Nähe des Schauplatzes des Mordverſuchs aufgeſtellt werden ſollte. Die Idee wirkte zündend, und binnen Kurzem waren die erforderlichen Geldmittel dazu in Berlin durch ein aus Parlaments⸗ mitgliedern und anderen Verehrern des Reichskanzlers beſtehendes Comité aufgebracht und die Erlaubniß des Königs von Bayern zur Aufſtellung der Statue in Kiſſingen eingeholt. Dieſelbe iſt in der Nähe der Saline errichtet und am 29. April d. J. enthüllt worden. Das von dem talent⸗ vollen Bildhauer Heinrich Manger, einem geborenen Schleſier, der jetzt in Rom lebt, modellirte Standbild ſtellt den Fürſten in ſeiner gewöhnten kräftigen, mannhaften Haltung dar, mit der Interimsuniform der ſchweren Landwehrkavallerie bekleidet, barhaupt, den Körper auf dem linken Beine ruhend, während der rechte Fuß etwas vortritt und beide Hände auf dem Gefäß des Reiterſäbels ruhen, welchen der Fürſt vor ſich auf den Boden ſtemmt. Die Porträtähnlichkeit iſt vorzüglich, und Maske und Stellung haben jenen monumentalen Ausdruck, wie er der volksthümlichen Vorſtellung von Deutſchlands populärſtem Manne entſpricht. Unſer Bild S. 508 gibt eine getreue Anſicht des Denkmals, das eine beſondere Zierde des belebten Badeortes Kiſſingen geworden iſt. Der Schöpfer des Standbildes, Heinrich Manger, hat ſchon früher einige vortreffliche Arbeiten: Büſten für das Goethe⸗ Denkmal in Straßburg, das Herbart⸗Denkmal, das Krieger⸗Denkmal in Stargard geliefert und an dieſer größeren Aufgabe auf's Neue ſeine ſeltene Meiſterſchaft beſtätigt, ſo daß wir von ſeiner Künſtlerhand gewiß noch manche bedeutende plaſtiſche Leiſtung erwarten dürfen.

Vom ruſſiſch-türkiſchen Kriegsſchauplatze. II. (Mit 4 Bildern auf S. 512 u. 513.)

Wir haben im vorigen Artikel die Reihe der Anſichten eröffnet, durch welche wir unſeren Leſern durch getreue Schilderungen in Wort und Bild ein genaueres Verſtändniß der kriegeriſchen Ereigniſſe in dem begonnenen Kampfe zwiſchen Rußland und der Türkei vermitteln wollen, und bitten, uns diesmal zunächſt nach der ſtarken türkiſchen Feſtung Widdin zu beglei⸗ len, die ſich auf dem rechten Donau⸗Ufer der rumäniſchen Stadt Kalafat gegenüber erhebt. Kalafat iſt die ſüdlichſte Stadt der ſogenannten kleinen Walachei, ein nicht unbedeutender Donauhafen mit etwa 4000 Einwoh⸗ nern und einer Quarantäne⸗Anſtalt und liegt an der Militärſtraße, welche hier von der Donau nach Krajowa, der bedeutendſten Stadt der kleinen Walachei und Hauptſtadt des rumäniſchen Kreiſes Dolſchi führt. Seit die rumäniſche Armee ſich aktiv am Kriege gegen die Türkei betheiligt, iſt der⸗ ſelben die kleine Walachei zum Standorte angewiefen, und das Hauptlager derſelben befindet ſich augenblicklich bei Kalafat. Unſer erſtes Bild Seite 512 zeigt einen Theil dieſes Lagers der rumäniſchen Truppen mit der Ausſicht auf Widdin im Hintergrunde. Die rumäniſche Armee iſt be⸗

kanntlich nach dem Muſter der deutſchen Heeresverfaſſung organiſirt, aber ihre Uniformirung und Ausrüſtung eine Miſchung von franzöſiſchem, deut⸗ ſchem und ruſſiſchem Syſtem; auf erſteres deuten ſchon die Zelte, welche unſere Truppen nicht mehr in's Feld nehmen, und insbeſondere auch die Adjuſtirung der Infanterie. Widdin, von welchem wir in dem erſten Holzſchnitt auf Seite 513 eine Anſicht geben, iſt eine Stadt von etwa 20 25,000 Einwohnern und neben ſeiner Bedeutung als Feſtung nament⸗ lich durch ſeinen Handel wichtig. Durch die Nähe von Orſowa iſt es gleichſam der erſte Ablagerungsplatz des öſterreichiſch⸗deutſchen Donau⸗ handels mit der Türkei und deren verſchiedenen Schutzſtaaten auf der Balkan⸗Halbinſel. Die Befeſtigungen von Widdin wurden in den jüng⸗ ſten Jahren bedeutend verſtärkt durch eine feſte Citadelle und die befeſtigte Inſel in der Donau, welche der Stadt vorliegt. Ein großer Theil der Einwohner von Widdin beſteht aus Bulgaren und Rumänen, die eine lebhafte Gewerbſamkeit und Handelsthätigkeit entfalten. Widdin iſt der Sitz eines Gouverneurs und eines griechiſchen Biſchofs und hat eine viel⸗ beſuchte griechiſche Schule. Bei gutem Waſſerſtande können Seeſchiffe aus

Stadt iſt ziemlich eng gebaut und gilt für ungeſund. Sie hat in den früheren Türkenkriegen ſtets eine bedeutende Nolle geſpielt, insbeſond re aber im letzten türkiſch⸗ruſſiſchen Kriege, denn von hier aus begann im

davon fanden in den darauf folgenden Monaten in der Umgebung von Widdin und Kalafat verſchiedene Gefechte, namentlich am 6. Januar und 19. April 1854, zwiſchen den Türken und Ruſſen ſtatt.

Unſer zweites Bild auf S. 513 gibt eine Anſicht von der rumäni⸗ ſchen Stadt Braila oder Ibraila, im Oſten der großen Walachei an jener großen Schleife, welche die Donau bildet, ehe ſie ſich in verſchiedene Arme theilt, und mittelſt dieſer in das Schwarze Meer mündet. Braila iſt eine blühende Stadt von ungefähr 25,000 Einwohnern und einem ſehr lebhaften Handel und reger Flußſchifffahrt und Fiſcherei. Die Stadt liegt auf den hohen walachiſchen Uferböſchungen angeſichts der Höhen des Dobrudſcha⸗Balkans und war früher befeſtigt. Als eine ſehr alte Stadt war Braila ſchon zur Zeit der türkiſchen Eroberung einer der bedeutendſten Handelsplätze des Landes, hat in den Kriegen zwiſchen Ruſſen und Tür⸗ ken immer ſehr gelitten, aber ſich ſtets wieder raſch erholt, war 1828 in den Händen der Ruſſen, welche ſie nach dem Frieden von Adrianopel wieder zurückgeben mußten, und iſt für Rumänien ein ſehr wichtiger Beſitz, da es zugleich der Hafen für deſſen Kriegsſchiffe und nächſt Galatz der einzige Handelsplatz iſt, durch welchen die Walachei mit dem übrigen Europa in Verbindung ſteht. Die Donau theilt ſich ſchon bei Braila in mehrere von kleinen Inſeln beſetzte Arme, jenſeit welcher Matſchin liegt. Von hier aus traf der ruſſiſche General Zimmermann ſeine Vorberei⸗ tungen zum jüngſten Uebergang über die Donau und ſiegreichen Einmarſch in die Dobrudſcha.

Unſer drittes Bild S. 513 führt die wichtigſte der drei größeren Donaumündungen, die von Sulina, vor Augen. Dieſe drei bedeutendſten

im Norden, die Georgsmündung bei Edrillis im Süden und die eben er⸗ wähnte bei Sulina in der Mitte. Dieſe letztere ſtand ſeither unter inter⸗ nationalem Schutze und ward durch die ſogenannte internationale Kom⸗ miſſion beaufſichtigt. Der Sulina⸗Arm der Donau iſt über 80 Kilometer lang, nach der Mündung hin 100 bis 130 Meter breit und von 6 ½ bis zu 19 Meter tief, ſo daß ſelbſt bei niedrigem Waſſerſtand noch große Seeſchiffe hier einlaufen können. Er führt aber eine ſtarke Anſchwemmung mit ſich, die ſich in einem großen Delta abgelagert hat und häufige Baggerungen nothwendig macht. An der Mündung in's Schwarze Meer liegt das auf Pfählen ſtehende Städtchen Sulina. Auch die Ufer des Sulina⸗ Arms ſind größtentheils durch eingerammte Pfähle und Buhnen befeſtigt. Ueberdem hat man einen langen Molo in's Meer hinausgebaut, um die Verſandung durch die Grundwellen des Meeres abzuhalten, welche früher eine in der Mündung liegende Barre erzeugte, durch die man nur 3 4 ½ Meter Fahrwaſſer hatte und alle Waaren von den Seeſchiffen auf kleinen Lichterſchiff(en nach den Donauſchiffen hereinſchaffen mußle. In Folge der häufigen Ueberſchwemmungen der ganz niedrigen ſumpfigen Um⸗ gebung an der Küſte ändert ſich das Fahrwaſſer häufig, und wegen der ſtrengen Winterkälte iſt die Mündung von Mitte Dezember bis Mitte Februar meiſt mit dickem Eiſe bedeckt.

Die Ermordung König philipps durch Otto von Wittelsbach. (Mit Bild auf S. 516.)

Der Wunſch der Hohenſtaufen und anderer deutſchen Kaiſer, Italien dem deutſchen Reiche zu erhalten, hat die Entwickelung des letzteren mannig⸗ fach gehemmt und viel Unordnung und Jammer über Deutſchland gebracht. Während der langen Abweſenheit des Kaiſers Heinrich VI. in Italien waren in Deutſchland überall wieder Fehden ausgebrochen und als dieſer im Jahre 1197 in Meſſina an Giſt oder einem kühlen Trunke ſtarb, hinterließ er ſeine Wittwe Konſtanze mit einem dreijährigen Sohne Friedrich (dem nachmaligen Kaiſer Friedrich dem Zweiten). Dieſes Kind war natür⸗ lich nicht im Stande, die Krone zu einer Zeit zu tragen, wo die Kaiſer⸗ macht zwar wieder auf ihrer höchſten Höhe ſtand, aber eines klaren Kopfes und einer ſtarken Hand bedurfte, um auf dieſer Höhe erhalten zu werden. Von den Söhnen Friedrich Barbaroſſa's war nuͤr noch der ſanfte Philipp von Schwaben übrig, welcher eben das Königskind aus Italien nach Deutſchland holen wollte, um daſſelbe jetzt ſchon krönen zu laſſen, als die Nachricht von Kaiſer Heinrichs VI. Tode eintraf. Philipp konnte bei den damaligen Zuſtänden in Deutſchland nicht darauf rechnen, daß die deutſchen Fürſten den dreijährigen Königsſohn wählten, und um wenigſtens die Krone ſeinem Hauſe zu erhalten, willigte er ein, daß ſeine Anhänger ihn zum Kaiſer wählten, was auch zu Anfang des Jahres 1198 zu Mühlhauſen in Thü⸗ ringen geſchah. Allein die zahlreichen Feinde der Hohenſtaufen und die Gegner eines mächtigen Kaiſerthums, traten ihm entgegen und erhoben, auf fremden Einfluß geſtützt, den Welfen Otto 1V., einen Sohn Heinrichs des Löwen, auf den Kaiſerthron. Philipp rang ritterlich um ſeine Krone, aber ſeine ganze Regierung war ein ſortw render Kampf, worin er und Otto nur das Reichsgut mit vollen Häaͤltden vergeudeten, um ſich perſönliche Anhänger zu werben, des Reiches ſchwächten und die fremden Fürſten, die noch vor Kurzem von 3 chland mit Abhängigkeit bedroht geweſen waren, in den Stand ſetzten, ſich in die Augelegenheiten des deutſchen Reiches maßgebend zu mengen, wie es ins⸗ beſondere König Philipp Auguſt von Frankreich that, der nun der mächtigſte weltliche Fürſt ſeiner Zeit geworden war. Zuletzt blieb jedoch Philipp Sieger, nachdem er Köln erobert hatte, und da Otto nur noch in Sachſen als Kaiſer anerkannt und auf Englands Hilfe angewieſen war, ſo wären für Philipp beſſere Tage in Ausſicht geſtanden, als er jählings auf der alten Babenburg oberhalb Bamberg durch ſchnöden Meuchelmord fallen

Qktober 1853 Omer Paſcha mit dem Uebergang über die Donau und der Beſetzung von Kalaſat die Feindſeligkeit gegen die Ruſſen, und in Folge

ſollte. Einer ſeiner bisherigen Anhänger, Pfalzgraf Otto VII. von Witiels⸗ bach, hegte einen noch nicht völlig aufgeklärten Groll gegen Philipp. Es geht die Sage, Philipp habe dem Wittelsbacher ſeine jüngſte Tochter

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Mündungen der Donau in das Schwarze Meer ſind diejenigen von Kilia