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Illuſtrirte Chronik der Zeit.
daß es der Gelehrte in ihrer Gegenwart verzehre. Newton ſah nicht ſo⸗ bald das Mädchen in ſein Zimmer treten, als er ſchon bat, daß ſie ihn allein laſſen möge. Das Mädchen ſagte ihm, weshalb ſie gekommen ſei. „Nun, dann gib das Ei her, meine Tochter,“ meinte Sir Iſaak,„ich werde es mir ſelbſt kochen.“ Das Mädchen ſetzte den Waſſertopf auf den Herd, gab dem Gelehrten das Ei und ſagte ihm, daß er daſſelbe nicht länger als drei Minuten im heißen Waſſer laſſen dürfe. Newton ver⸗ ſprach, dies genau zu beachten, und das Mädchen ging. Nach einiger Zeit ſtiegen ihr indeß Zweifel an der Kochkunſt ihres Herrn auf und ſie begab ſich nochmals auf das Zimmer des Gelehrten, um nach dem Rechten zu ſehen. Sie fand Newton vor dem Herde ſtehend; in der Hand hielt er
Anſere Mohammed es-Sadok, Bey von CTunis.
(Mit Porträt auf S. 501.)
Unter den afrikaniſchen Staaten, welche formell noch die Oberherr⸗ lichkeit des türkiſchen Sultans anerkennen, ſteht Tuneſien nach Egypten in erſter Reihe. Dieſes reiche und fruchtbare Gebiet von nahezu 2200 Quadrat⸗ meilen und faſt zwei Millionen Einwohnern geht unverkennbar noch einer bedeutenden Zukunft entgegen, was namentlich auch ſein gegenwärtiger Herrſcher, Mohammed es⸗Sadok Paſcha, deſſen Porträt wir Seite 501 geben, vollkommen begreift. Der jetzt regierende Bey von Tunis iſt thatſäch⸗ lich ſo gut wie vom Sultan unabhängig und betrachtet das Land, welches zwar noch den Namen einer„Regentſchaft“ führt, ſchon jetzt als ſein Eigenthum. Er iſt aus Kräften bemüht, lebhafte Handelsverbindungen und gute politiſche Beziehungen mit den verſchiedenen europäiſchen Großſtaaten zu unterhalten und ſeine Unterthanen mit den Vortheilen der europäiſchen Civiliſation bekannt zu machen. Mohammed es⸗Sadok iſt als der Sohn des Bey Sidi⸗Aſſin 1813 geboren und folgte ſeinem Bruder, dem Bey Sidi Mohammed, bei deſſen Tode am 22. September 1859, beſchwor ſodann im April 1861 in Gegenwart der Vertreter der chriſtlichen Mächte jene neue Verfaſſung von Tuneſien, zu deren Annahme ſein Bruder Sidi Mohammed ſich in Folge der Judenverfolgung von 1857 hatte bequemen müſſen. Die europäſchen Vertreter waren damals zu Gunſten der unſchuldig verfolgten Juden eingeſchritten, und unter dem gemeinſamen Andringen des franzöſiſchen und britliſchen Generalkonſuls hatte Sidi Mohammed ſeinem Lande eine Verfaſſung ertheilen müſſen, welche folgende Hauptpunkte gewährleiſtete: Einſetzung von Handels⸗ und Kriminalgerichten mit chriſtlichen und moslemiſchen Richtern, Freiheit des Handels und der Gewerbe, Sicherheit des Eigenthums und der Perſon, Gleichheit aller Glaubensbekenntniſſe, Stände und Nationalitäten vor dem Geſetz, Freiheit der Religionsübung, gleiche Beſteuerung, Einführung der Konſkription und feſte Beſtimmung der militäriſchen Dienſtzeit. Dieſer Verfaſſung wollte ſich der neue Herrſcher zwar nicht ſogleich unterwerfen, ward indeß durch den gemeinſamen Einfluß von Frankreich und England dazu gezwungen und leiſtete, wie bemerkt, ſchließlich den Eid auf die Ver⸗ faſſung, welche auch ſein älteſter Bruder, Sidi⸗Aly, der muthmaßliche Thronfolger(geb. 1817) anerkennen mußte. Mohammed es⸗Sadok Paſcha hat ſich neuerdings weſentlich vom franzöſiſchen Einfluß befreit und mehr „England und Deutſchland genähert, und auch ſeine Miniſter, die Generale Khereddin, Si⸗Ez⸗Azig Buattur, Ruſſan und Muſtapha Ben⸗Ismain, ſuchen Fühlung mit der neuen deutſchen Großmacht, welche durch den Ge⸗ neralkonſul Tulin de la Tuniſie tüchtig vertreten iſt. Tunis hat ſich unter dem gegenwärtigen und dem vorigen Bey der europäſchen Civiliſation genähert, 1842 den Sklavenhandel, 1846 die Sklaverei aufgehoben, ſein Heer, welches aus ſieben Regimentern oder etwa 14000 Mann regu⸗ lärer Infanterie, 800 Mann regulärer Kavallerie und einem Regimente Artillerie mit 40 Geſchützen, ſowie aus etwa 8000 Mann irregulärer In⸗ fanterie und 3500 Mann irregulärer Reiterei beſteht, und ſeine Seemacht ſo ziemlich auf europäiſchem Fuße eingerichtet, überhaupt europäiſche Sitten und Inſtitutionen angenommen, Schulen aller Art gegründet und über 60 Kilometer Eiſenbahnen angelegt, die Linien Goletta⸗Tunis, Tunis⸗Bardo, Goletta⸗Marſa und Marſa⸗Tunis. Tunis hat ferner gegen 700 Kilometer Telegraphen⸗Leitungen, durch welche die Hauptſtadt mit allen Provinzial⸗ ſtädten ſowie mit Algerien und Europa verbunden iſt, und in der etwa 100,000 Einwohner zählenden Stadt Tunis fungiren ein franzöſiſches und ein italieniſches Poſtamt. Die Sommerreſidenz des Bey's befindet ſich in dem Luſtſchloſſe Bardo.
2.. -rüche zwiſchen Uew⸗Vork und Broohklyn. (Mit Bild auf S. 504.)
Die S eew⸗York hat bekanntlich ihre gewaltigen Arme nach allen Seiten hin Klsgereckt und auch die benachbarten Städte Hoboken, Jerſey⸗ City, Aſtoria, Green Point, Williamsburg und Brooklyn noch in ihren eigenen Bereich hereingezogen. Von dieſen iſt namentlich Brooklyn als Vorſtadt von New⸗York bedeutend, denn es iſt von letzterem gerade durch denjenigen Theil des Eaſt⸗River geſchieden, wo die überſeeiſchen Schiffe den beſten Ankergrund finden und New⸗York ſeinen eigentlichen Handelshafen hat. Zugleich münden in Brooklyn, das ſchon auf Long⸗Island lliegt, verſchiedene Stränge der Eiſenbahnen, welche die lange Inſel nach allen Richtungen durchſchneiden und mit der Stadt New⸗York in⸗Verbindung ſetzen. Seither ward die Kommunikation zwiſchen New⸗York und Brooklyn durch eine Menge von Dampffähren aufrecht erhalten, welche alle Viertel⸗
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Die Rieſt
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das Ei und hatte das Auge zerſtreut darauf geheftet; im Waſſertopfe ſelbſt
aber ſott inzwiſchen: Newton's Taſchenuhr! B.⸗A. Ein triftiger Grund.— Es war ein Uhr Morgens und einige Nachtſchwärmer kehrten von einem ſplendiden Souper nach Hauſe zurück. Einer der Herren merkte, daß er viel mehr rückwärts als vorwärts ging.— „Auf die Weiſe,“ ſagte ein ihm begegnender Bekannter,„werden Sie nimmermehr nach Hauſe kommen.“—„Ja, ja, ich gehe mehr rückwärts, nicht wahr?“ entgegnete der Angeredete,„aber ich weiß auch wohl warum.“— „Ich auch,“ lachte der Andere,„natürlich, weil Sie zu viel getrunken haben.“—„Durchaus nicht; ich glaube, es kommt nur daher, weil ich
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zu viel Krebſe gegeſſen habe!
Bilder.
ſtunden von acht bis zehn verſchiedenen Punkten ab hin und her gehen, allein immer die Nothwendigkeit mit ſich brachten, alle Frachtgüter der Eiſenbahnen ein⸗ und auszuladen, um ſie zu Schiffe über den Meeresarm des Eaſt⸗River zu befördern. Zur Beſeitigung dieſer Unbequemlichkeit haben eine Anzahl unternehmender Männer nun eine Aktiengeſellſchaft ge⸗ gründet, um eine Eiſenbahnhängebrücke über den Eaſt⸗River zu erbauen. Die beiden thurmartigen Landfeſten dieſer Hängebrücke ſind ſeit Kurzem vollendet; jede derſelben iſt nahe an 300 Fuß hoch und mit zwei Durch⸗ läſſen in Spitzbogenform verſehen, an deren Sohle das Geleiſe der Eiſen⸗ bahn zu liegen kommt, etwas mehr als 100 Fuß über dem Niveau der höchſten Springfluth, damit auch große Schiffe unter der Brücke durchfahren können; außer den Eiſenbahngeleiſen wird aber die Bahn dieſer Hänge⸗ brücke noch eine doppelte Fahrbahn für gewöhnliche Räderfuhrwerke und einen doppelten Steig für Fußgänger tragen. Es iſt ein rieſenhaftes Unternehmen, wie es faſt nur unter dem rührigen und kühnen amerika⸗ niſchen Volke denkbar iſt. Die Spannweite dieſer Drahtbrücke wird zwiſchen den beiden Landfeſten etwa ein Kilometer betragen, und die Fundirung dieſer Thürme von Landfeſten, ſowie die Verankerung der Spannkabel der Brücke ſind mit ganz unſäglichen Schwierigkeiten verbunden, ſo daß die Löſung des Problems der Standfähigkeit und Tragkraft der Brücke einer der größten Triumphe der modernen Ingenieurkunſt ſein wird. Seit Kurzem ſind die beiden thurmartigen Landfeſten dieſer Hängebrücke durch einen an Drahtſeilen hängenden einſtweiligen Fußpfad mit ein⸗ ander verbunden, den unſer Bild S. 504 veranſchaulicht. Dieſer Fußpfad iſt jedoch zunächſt nur zum Gebrauche für die am Bau beſchäftigten Arbeiter beſtimmt. Unſere Anſicht des ſchwindelnden Steges iſt von der Landfeſte auf der Brooklyner Seite aus aufgenommen und zeigt den regen Schifffahrtsverkehr auf dem Eaſt⸗River und die Anländen wie die Land⸗ feſte der Brücke auf dem New⸗Yorker Ufer und in der Ferne einen Theil der amerikaniſchen Handelsmetropole.
Ein Stampede in Ueu-Meriko. (Mit Bild auf S. 505.)
Die unabſehbaren Prairieen oder Grasfluren von Texas und Neu⸗ Mexiko ernähren viele Tauſende von halbwilden Rindern und Kühen, die in mächtigen Heerden zuſammen gehalten werden. Die Thiere, welche dieſe großen Heerden bilden, ſind für gewöhnlich von ziemlich trägem und gleich⸗ giltigem Gebahren und ganz theilnahmlos für Alles, was um ſie her vorgeht. Zuweilen aber genügen ſchon unbedeutende Veranlaſſungen, um eine ſolche Heerde zu erſchrecken und zu einem ſogenannten Stampede,
liche Macht Einhalt thun kann, ſo daß das Einſchreiten der Hirten und Wächter weder in Güte noch mit Gewalt die erſchreckten Thiere eher zu beruhigen vermag, als bis deren maßloſes Entſetzen ſich ausgetobt hat. Ein derartiges Stampede, welches im März 1877 in der Nähe von Basque Redondo in Neu⸗Mexiko ſich ereignete und eine Heerde von 3000 großen texaniſchen Stieren und Kühen, welche man behufs des„Brennens“ und der Ausleſe über Nacht zuſammen getrieben hatte, betraf, bot den Vorwurf zu unſe⸗ rem Bilde S. 505. In, jenen Gegenden werden die Heerden, welche das ganze Jahr hindurch nicht unter Dach kommen, meiſt im Frühjahr zuſammen getrieben und nach irgend einem„Camp“(Lager) gebracht, wo ſie gezählt und die noch nicht mit einem Brandſtempel verſehenen jungen Thiere ge⸗ brandmarkt werden, um die Anſprüche ihres Eigenthümers zu begründen, deſſen Brandſtempel gerichtlich deponirt iſt. Ungeſtempeltes Vieh iſt herren⸗ los und Jedermann darf ſich deſſelben bemächtigen; das Stehlen eines geſtempelten Stückes Vieh aber gehört zu den am ſtrengſten verpönten Vergehen in jenem Lande. Bei dem Prozeß des Zählens wird die Heerde durch ein enges Gehege von ſtarken Balken hindurchgetrieben, wobei die noch nicht geſtempelten Thiere mit der Marke ihres Herrn gebrannt und die zum Verkauf oder zum Schlachten beſtimmten zugleich ausgeſchieden werden. In der erſten Morgenfrühe eines nebeligen Märztages wurde die vorerwähnte zuſammengetriebene Heerde durch das Geſchrei eines in der Nähe befindlichen Eſels erſchreckt, und als einige der Bullen darüber jählings Reißaus nahmen und in geſtrecktem Galop davon ſprengten, folgte ihnen ſogleich die ganze von Entſetzen ergriffene Heerde nach und jagte im dichteſten Haufen querfeldein, ſo daß der Boden wie von einem Erdbeben erzitterte, brach durch das Lager des Heerdenbeſitzers, zertrüm⸗ merte die beiden ſchweren Proviantwagen, als ob es Cigarrenkiſtchen ge⸗ weſen wären und ſprengte dem Fluſſe entlang. Die Hirten erkannten augenblicklich die Gefahr, welche der Heerde drohte, denn etwa dreivier⸗
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d. h. einem kopfloſen tollen Ausreißen zu veranlaſſen, dem keine menſch⸗
tel Stunden unterhalb des Lagers machte der Fluß eine ſcharfe Krüm⸗ mung, und das hohe Ufer ſiel in ſteilem Abſturz zum Flußbette ab. Die 4
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