Jahrgang 
14-26 (1877)
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nahme und Herberge fand. Am folgenden Morgen hrach er wieder auf und marſchirte nach Altenburg, wo er bei einem Verwandten ſeiner Frau abermals koſtenfreie Aufnahme fand. Von jetzt ab je⸗ doch mußte er Herberge in Gaſthäuſern ſuchen, da er auf der ferner zurückzulegenden Strecke weder Verwandte noch Freunde mehr hatte, bei welchen er hätte einſprechen können. Um nun die hieraus ent⸗ ſo gering wie nur möglich zu machen, in Städten, ſondern in

ſpringenden Koſten wieder ſ beſchloß er, ſein Nachtquartier nicht mehr Dörfern zu nehmen, wo er weniger koſtſpielige Herberge und Zeh⸗ rung finden konnte. Er kehrte deshalb am dritten Tage ſeiner Wanderſchaft in einem Dorfe in der Nähe von Rochlitz ein und ebenſo am vierten in einem ſolchen bei Noſſen. Am Nachmittage des fünften Tages aber gelangte

etwas ermüdet zwar, doch geiſtig um ſo friſ Eindrücke der herrlichen Fußreiſe, das Haus ſ Gönners Volumier zu Dresden.

Freudigſt bewegt begrüßte der Kapellmeiſter den ſehnlichſt Erwarteten und eilte ſofort nach dem Reſidenzſchloſſe, um dem König die Ankunft des Weimarer Organiſten zu mel⸗ den und ihn zugleich zu bitten, gegen Niemand etwas über den beabſichtigten muſikaliſchen Wettſtreit zu äußern, damit der Franzoſe keine Kenntniß davon erhalten und um ſo ſicherer für ſeine Anmaßung beſtraft werden könne.

Friedrich Auguſt lachte. Er hat wahrlich eine große Meinung von ſeinem Kirchen⸗ orgler, mein lieber Volumier, ſpräch er,doch weil es Inpiter tonans ſo wünſcht, ſo ſei es d'rum: das Vor⸗ haben ſoll geheim gehalten werden. Doch, fügte er mit gerunzelter Stirne hinzu, wenn Er nur mit ſeinem Vertrauen auf dieſen unbe⸗ kannten Bach nicht zu Schan⸗ den wird ich fürchte ſehr für Ihn!

Majeſtät, erwiederte Volumier nachdrücklich,ich bin des Erfolges völlig ſicher; fff ich bin bereit, jede Bürgſchaft 8 zu leiſten, daß Marchandunter⸗ 4 ſſ liegen und fernerhin nicht mehr die Anmaßung haben 8 wird, ſich den größten Klavier⸗ 8 virtuoſen der Welt zu nennen. 8 86

er endlich glücklich an's Ziel und betrat, cher geſtimmt durch die eines Freundes und

Rnandafn

Er wird erfahren, daß Einer über ihm ſteht Johann Sebaſtian Bach!

Nun gut, antwortete der König, dem begeiſterten kleinen Manne freundlich zu⸗ nickend,wir wollen ſehen und hören. Bringe Er ſeinen Freund morgen Abend mit, morgen ſoll es ſich entſcheiden, weſſen Kunſt größer iſt, die des Franzoſen oder des Deutſchen. Adieu!

Er nickte ſeinem Kapellmeiſter freundlich zu und tief beugend verließ Volumier den König und das Schloß.

Am Nachmittage des nächſtfolgenden Tages ſaß Marchand in ſeinem Ankleidekabinete, um ſeine Toilette für das Abends ſechs Uhr ſtattfindende Hofkonzert zu machen, in welchemder größte Klaviervirtuoſe der Welt ſeiner Meinung nach abermals Lorbeeren pflücken und Triumphe ernten ſollte. Ein Schneider, ein Friſeur uns ein Kammerdiener waren um ihn beſchäftigt, und endlich nach dreiſtündiger Arbeit war der Anzug zur Zufriedenheit des eitlen Gecken beendet. Tadellos lagen die ſchneeweißen ſeidenen Strümpfe über den falſchen Waden, nicht ein einziges Fältchen ſchlugen

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ſich ver⸗

Illuſtrirte Chronik der Zeit.

über ſeinem eigenen Haare trug. Durch den Schoß ſeines

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reichen

Gewandes aber war ein kurzer Hofdegen mit glänzend vergoldetem

Gefäße geſteckt

praenumerando freilich, da Friedrich Auguſt

ihm nach ſeinem erſten Konzerte eine Hofanſtellung mit anſehnlichem

Gehalte zwar in Ausſicht geſtellt, bisher aber noch k

eine diesbezüg⸗

liche Verfügung erlaſſen hatte.*)

einem Strome feinſten Pariſer zur feſtgeſetzten dem Reſidenzſchloſſe fahren ſtatt des erhofften Triumphes

an der Seite ſeines trat den feſtlich erleuchteten Konzertſaal. reits verſammelt,

In ſolcher Weiſe prächtig gekleidet und zum Ueberfluſſe mit Parfüms übergoſſen beſtieg Marchand Zeit den vorgefahrenen Hofwagen, um ſich nach zu laſſen, nicht ahnend, daß er heute eine Niederlage erleiden ſolle.

Ungefähr zur ſelben Zeit auch ſchritt Johann Sebaſtian Bach Gönners Volumier nach dem Schloſſe und be⸗ Der ganze Hof war be

die Mitglieder der Hofkapelle hatten ihre Plätze

eingenommen, und Alles ſah nun mit Ungeduld dem Eintritte des

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Das Bismarck⸗Denkmal in Kiſſingen.(S. 515.)

di eng anliegenden Pantalons, und der Spitzen⸗Jabot, der aus der

langen goldgeſtickten Weſte ragte, war künſtlich gekräuſelt und ſo blendend weiß, daß er mit dein Puder der zierlichen Lockenperrücke wetteifern konnte, die Marchand nach der Mode der damaligen Zeit

König⸗Kurfürſten entgegen. Unbeachtet führte Volumier ſeinen Begleiter, deſſen einfach dunkler Anzug ſehr gegen die hellfarbigen und reichen Pracht⸗ gewänder abſtach, nach dem Orcheſterraum, wo er ihm einen Platz in ſeiner nächſten Nähe anwies. Alsdann be⸗ ſtieg er ſelbſt ſeinen Dirigenten⸗ ſtuhl, denn nach dem glän⸗ zenden Programme ſollte das Konzert mit der Ouvertüre zuAlmira, der erſten Oper des damals im Vollglanze der Berühmtheit ſtrahlenden Komponiſten Händel, begin⸗ nen. Unmittelbar nach dieſer Nummer ſollte Marchand ein grand concert pour le clavecin eigener Kompoſition vortragen, zu welchem Zwecke auf einem Podium, dem Arm⸗ ſtuhle des Königs gegenüber, eines der kurz zuvor von dem Italiener Chriſtofali erfunde⸗ nen Inſtrumente mit Hammer⸗ mechanismus und Pedal ſtand, das Friedrich Auguſt mit be⸗ deutenden Koſten von Padua, dem Wohnorte des Erxfinders, hatte herbeiſchaffen laſſen. Es galt als ein für die damalige Zeit geradezu unübertreffliches Inſtrument, das an Wohl⸗ klang und Stärke des Tones weit über den ſeither im Ge⸗ brauch geweſenen Klavichorden ſtand und deshalb von Bach mit nicht geringer Neugierde betrachtet wurde. Er konnte den Augenblick kaum erwarten, wo er ſelbſt dies herrliche In⸗ ſtrument ſpielen ſollte, was nach dem Plane Volumier's unmittelbar nach Marchand als Einſchub in das feſtgeſetzte

Bach hatte zwar hiefür keinerlei Vorbereitungen getroffen, deſſen ungeachtet aber war er voll Zuverſicht und Selbſtvertrauen. Nicht durch den Vortrag eines brillanten Klavierſtückes wollte er den Franzoſen beſiegen; ſein Spiel ſollte durchaus den Charakter einer Improviſation tragen und er verließ ſich deshalb auf die Eingebungen des Augenblicks, ſeine unendlich reiche, ſchöpferiſche Phantaſie und die keit, mit der er das Inſtrument zu beherrſchen verſtand.

Jetzt wurden die breiten Flügelthüren geöffnet und Friedrich Auguſt, ſeine edle vielgeprüfte Gemahlin Chriſtine Eberhardine am Arme, trat, vom Orcheſter mit einem rauſchenden Tuſch empfangen, in den Saal. Unmittelbar nachdem das Herrſcherpaar ſich nieder⸗ gelaſſen hatte, begann das Konzert.

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3ARCk acntunüichts

Programm ſtattzufinden hatte.

Die erſte Nunmer, die Ouvertüre des unſterblichen Tonmeiſters.

Händel, kam unter der Leitung des kunſtſinnigen Kapellmeiſters zur

) Hiſtoriſch.

Gewalt ſeiner Kunſtfertig⸗

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durch dapide ſtändlic dujgene obene