Jahrgang 
14-26 (1877)
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50² Illuſtrirte Chronik der Zeit.

Lippe trotzig aufwerfend.Wollen Sie über dieſe Steine Auskunft haben, ſo müſſen Sie ſich an den Juwelier wenden, von dem ich ſie gekauft habe.

Ich erſuche um Angabe ſeiner Adreſſe.

Juwelier Fellinger in Prag.

Sehr wohl, ich werde ſofort telegraphiſch anfragen laſſen.

Zweifeln Sie an der Wahrheit meiner Worte? fuhr Acker⸗ mann auf.Sie werden mir für alle dieſe Beleidigungen volle Genugthuung geben!

Sobald Sie mir beweiſen, daß ich in Wahrheit Sie beleidigt habe, erwiederte der Rath ruhig.Bis die Antwort des Juweliers eintrifft, dürfen Sie dieſes Zimmer nicht verlaſſen.

Ich proteſtire gegen dieſen Gewaltakt, durch den Sie mich widerrechtlich meiner perſönlichen Freiheit berauben!

Widerrechtlich? Mein Herr, Sie müßten jetzt doch eingeſehen haben, daß der Verdacht, der auf Ihnen ruht, ein wohlbegründeter iſt! Ihre Handſchrift und dieſes Porträt deuten darauf hin, daß Sie ſelbſt jener Woldemar Kramer ſind, die entwendeten Brillanten ſind zum Theil in ihrem Beſitz gefunden worden, der Entſchluß, Ihre geſammte bewegliche und unbewegliche Habe heimlich zu ver⸗ kaufen, bietet dem Verdacht eine weitere Stütze, und eine weitere Beſtätigung muß darin gefunden werden, daß Sie dieſem ent⸗ ſprungenen Zuchthäusler Ihr volles Vertrauen in allen Dingen geſchenkt haben.

Und dieſe ganz unhaltbaren Gründe genügen, um einen unbe⸗ ſcholtenen Mann zu verdächtigen? rief Ackermann, zitternd vor Erregung.Sie laden eine furchtbare Verantwortung auf ſich, und ich gebe Ihnen die Verſicherung, daß ich

Er brach beſtürzt ab, draußen wurde eine Stimme laut, die er kannte, es war die Stimme ſeines Schwiegervaters.

Ein Sergeant trat ein und wechſelte leiſe mit dem Kommiſſär einige Worte, Wittich nickte zuſtimmend, und jetzt ſtürmte der Gutsbeſitzer, begleitet von ſeinem Sohne und Jeanette, in das Zimmer.

Was geht hier vor? fragte Bogen, der ſeiner Aufregung nicht gebieten konnte.Das ganze Haus iſt beſetzt ah, hat man den verdächtigen Patron endlich entlarvt?

Die letzten Worte galten dem gefeſſelten Sekretär, auf dem der Blick des Gutsbeſitzers voll Erſtaunen, aber zugleich auch mit un⸗ verkennbarer Befriedigung ruhte.

Der Kommiſſär hatte inzwiſchen dem Rath einige Worte zuge⸗ flüſtert, er ſtellte jetzt dem Gutsbeſitzer ſeinen Collegen vor.

Es iſt mir lieb, daß Sie hieher gekommen ſind, wandte Ackermann ſich zu ſeinem Schwiegervater.Sie werden dieſem Herrn ſagen, daß ich nicht der bin, den er ſucht. Er will Ent⸗ deckungen gemacht haben, die auf mich einen Verdacht werfen, aber dieſe Entdeckungen ſind ſo wenig ſtichhaltig, daß ich darüber lachen würde, wenn mich die Sache ſelbſt nicht ſo ſehr empörte. Weil ich im Beſitz von Brillanten bin, die Gott weiß wo und wem geſtohlen worden ſind, will dieſer Herr auf mich den Verdacht wälzen, daß ich die Steine entwendet haben müſſe. Wie geſagt, die Anklage iſt zu lächerlich, Sie werden für mich bürgen und

Eine Bürgſchaft kann und darf in dieſem Falle nicht ange⸗ nommen werden, unterbrach der Rath ihn ſcharf.Beſtätigt mein Verdacht ſich, dem triftige Gründe zur Seite ſtehen, dann ſind Sie nicht nur des Diebſtahls, ſondern auch eines Raubmords an⸗ geklagt, beſtätigt er ſich nicht, nun, ſo habe ich meine Pflicht gethan und Niemand kann mir deshalb einen Vorwurf machen.

Und in welcher Weiſe iſt dieſer Mord verübt worden? fragte Guſtav, raſch vortretend.

Durch Gift!

Ah, dann kaun ich kaum noch bezweifeln, daß dieſe furcht⸗ bare Anklage ſich beſtätigen wird.

Guſtav! rief der Gutsbeſitzer entſetzt.

Was nützt uns jetzt noch unſer Schweigen! fuhr der junge Mann mit zitternder Stimme fort,die Schande läßt ſich nicht mehr abwenden. Ich klage ebenfalls dieſen Mann eines Mordver⸗ ſuchs an; er hat verſucht, ſeine Gattin, meine Schweſter, durch Gift zu tödten.

Elende Lüge! ſchrie Ackermann mit einer Bewegung, als ob er ſich auf ſeinen Schwager ſtürzen wolle.Anklagen kann Jeder, aber ich fordere Beweiſe!

Hier ſteht die Zeugin, erwiederte Guſtav, auf Jeanette deu⸗ tend.Sie hat in der vergangenen Nacht geſehen, wie dieſer Mann das Gift in die Arznei meiner Schweſter goß, hier iſt ferner die Arznei, das Uebrige iſt Sache der Chemiker und der Aerzte.

Wittich nahm die Flaſche in Empfang und wechſelte mit ſeinem Collegen einen bedeutſamen Blick..

Auf Grund dieſer Anklage muß ich Sie verhaften! ſagte er.

Zurück! rief Ackermann, mit einer blitzſchnellen Bewegung

in die Bruſttaſche greifend, und im nächſten Moment ſah der Kommiſſär die Mündung eines zierlichen Revolvers auf ſich ge⸗ richtet.Zurück, wem ſein Leben lieb iſt!

Dieſer plötzliche und ganz unerwartete Angriff überraſchte und verwirrte alle Anweſenden in ſo hohem Grade, daß es Acker⸗ mann gelang, ungehindert in ſein Schlafzimmer zu flüchten.

Aber dieſe Beſtürzung währte nur einen kurzen Moment, und doch hatte derſelbe hingereicht, der Gerechtigkeit ihr Opfer zu entreißen.

Als der Kommiſſär dem Entflohenen folgte, bot ſich ihm ein überraſchender Anblick..

Ackermann ſtand hinter dem Bette vor einer offenen Thüre, es war dieſelbe Thüre, die der Sekretär ſchon bei ſeiner erſten Anweſenheit in dieſem Hauſe entdeckt hatte, und der Blick Wittich's fiel auf eine große Zahl kleiner und großer Flaſchen, die mit Glasſtöpſeln verſehen und theilweiſe mit verſchiedenartig gefärbten Flüſſigkeiten gefüllt waren.

Ackermann kam langſam hinter dem Bette hervor, ſeine glühen⸗ den Augen ſtreiften mit einem verächtlichen Blick die Beamten und blieben einige Sekunden auf dem Gutsbeſitzer ruhen.

Die Komödie iſt zu Ende! ſagte er kalt.Bleiben Sie mir vom Leibe, Kommiſſär, ich entrinne Ihnen nicht mehr.

Holt einen Arzt! rief der Rath.

Wozu? erwiederte Ackermann höhniſch.Und käme er noch in dieſer Minute, er könnte mein Leben nicht mehr retten. Der Engländer, deſſen Sekretär ich in Amerika wurde, war ein vor⸗ trefflicher Chemiker, er kannte Giftſtoffe, von denen unſere Aerzte keine Ahnung haben, und ich habe von ihm gelernt, wie man ſie gewinnen kann und benutzen muß. In zehn Minuten iſt Alles zu Ende, ich ziehe dieſes Ende dem elenden Daſein im Zuchthauſe vor. Es ſollte anders kommen, und Alles wäre mir gelungen, hätte jener Mann, der einſt mein Schickſalsgenoſſe war, nicht meinen Weg gekreuzt! Ich wurde gezwungen, ihn an mich zu ketten, und ſeine Habgier verleitete ihn zu einer Unvorſichtigkeit, die uns Beide verderben mußte. Fragen Sie mich nicht, fuhr er fort, als der Polizeirath Miene machte, zu reden,ich werde Ihre Neugier befriedigen. Als ich nach S. kam, ſagte ich mir, daß ich ein verlorener Menſch ſei, die Schande, die auf mir ruhte, konnte nur dadurch getilgt werden, daß ich ein reicher Mann wurde und einen anderen Namen annahm. Ich erfuhr, daß Freimuth reich war, ich ſchrieb an ihn und es gelang mir ſeine Habſicht zu reizen, indem ich ihm vorſpiegelte, daß ich einen Schatz von enormem Werth wiſſe, der mit leichter Mühe gehoben werden könne. Er empfing mich zur Nachtzeit in ſeiner Wohnung, um mit mir über die Hebung des Schatzes zu verhandeln, Niemand erfuhr etwas davon und mir blieb Zeit genug, meine Vorbereitungen zu treffen. Ein Glas Wein, welches er arglos in einem Zuge austrank, tödtete ihn augenblicklich, und da Niemand ſich um den alten Geizhals küm⸗ merte, ſo konnte ich ohne Gefahr den ganzen folgenden Tag in dem Hauſe bleiben, um die Ernte einzuheimſen. Ich blieb noch eine ganze Woche in der Stadt, ich hörte, daß das Gericht den Selbſt⸗ mord des alten Mannes feſtgeſtellt hatte, auf mich konnte alſo kein Verdacht mehr fallen. Von dort reiste ich nach Böhmen, ich hatte mir Papiere verſchafft, die mich berechtigten, den Namen Ackermann anzunehmen, der Bruch mit der Vergangenheit war vollzogen. Ich kaufte Güter und verkaufte ſie wieder, betheiligte mich an Bergwerken und trat mit verſchiedenen Bankhäuſern in Verbindung, mehr des Scheines, als des wirklichen Nutzens wegen, denn mein Augenmerk war nun darauf gerichtet, eine reiche Heirath zu machen.

Er hielt inne und ſtrich mit dem Taſchentuch über die naſſe Stirne, ein konvulſiviſches Zittern überlief ſeinen Körper, und in ſeinen verzerrten Zügen las man deutlich, wie unſaglich ſchwer es ihm wurde, den Schmerz, der in ſeinem Innern wüthete, zu be⸗ kämpfen.

Das iſt mir gelungen, fuhr er nach einer Pauſe mit ge⸗ preßter Stimme fort,und ich ſage noch einmal, hätte jener Mann meinen Weg nicht gekreuzt, ſo

Er brach zuſammen, ſeine Kräfte waren erſchöpft.

Der Todeskampf war furchtbar, aber kurz, ſchon nach wenigen Minuten hatte der Verbrecher geendet.

Erſchüttert ſtand Bogen vor der Leiche ſeines Schwiegerſohnes, es war für ihn ein furchtbares Gefühl, ſich ſagen zu müſſen, daß er ſelbſt die Verbindung ſeiner unglücklichen Tochter mit dieſem Manne gewünſcht und begünſtigt hatte.

Bertha durfte jetzt noch nicht die Verbrechen und das plötzliche Ende ihres Gatten erfahren, Jeanette mußte die ſtrengſte Ver⸗ ſchwiegenheit verſprechen, in Plettenberg wollte der Gutsbeſitzer ſein Kind langſam darauf vorbereiten.

Die junge Frau war ſofort bereit, den Vater zu begleiten, ſie

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