Jahrgang 
14-26 (1877)
Einzelbild herunterladen

500 Illuſtrirte Chronik der Zeit.

Rendez⸗vous ganz ihre ſonſtige Vorſicht, Scheu und Furchtſamkeit außer Acht und ſich von ihren vierbeinigen wie von ihren menſchlichen Feinden leicht beſchleichen laſſen. Wer z. B. den Ruf des Haſen mittelſt eines ſogenann⸗ ten Haſenquäckers gut nachzuahmen verſteht, der kann zu gewiſſen Zeiten von einem guten Verſteck aus ſowohl Herrn Lampe aus den benachbarten Feldern, Wieſen und Feldhölzern, als auch namentlich am frühen Mor⸗ gen oder gegen Abend den herum revierenden Fuchs heranlocken und alle Beide ziemlich mühelos zum Schuſſe bringen. Der ſchlaue Reinecke weiß ſich ja dieſe Sorgloſigkeit des Haſen beſtens zu Nutze zu machen, nicht nur um über das Pärchen, das ſich ſpielend und kokettirend im weiten Kreiſe herumtreibt, mit einem kecken Sprunge herzufallen nein, Reinecke geht noch weiter; wenn er bei ſeinem Herumſtreichen in Feld und Wald eine Stelle entdeckt hat, wo Haſen ſich getummelt haben, ſo ſagt ihm ſein Inſtinkt oder ſeine Erfahrung, daß dieſelben am nämlichen Orte höchſt wahrſcheinlich ein neues Stelldichein halten werden. Er legt ſich daher in der Nähe der Stelle in einen Hinterhalt, und wenn dann die beiden Haſen wieder zuſammen kommen, ſo packt er, wie auf unſerem hübſchen Bilde S. 484 zu ſehen, mit einem einzigen ſicheren Sprunge den erſten beſten der beiden Lampe und läßt ihn ſeinen Mangel an Vorſicht ſofort mit dem Leben büßen.

Vom ruſſiſch⸗türkiſchen Kriegsſchauplatze. (Mit 4 Bildern auf S. 488, 492 u. 493.)

Aller Augen ſind in dieſem Moment auf die kriegeriſchen Ereigniſſe gerichtet, welche ſich an der Donau und in Aſien in dem begonnenen Kriege zwiſchen Ruſſen und Türken abſpielen, und ſo werden es unſere Leſer uns geiwiß danken, wenn wir ihnen an der Hand von guten Bildern Land, Leute und Begebenheiten aus dieſem Kriege erläuternd näher zu rücken verſuchen. Wir machen daher im gegenwärtigen Hefte den Anfang, die verſchiedenen Ereigniſſe und Scenen des derzeitigen türkiſch⸗ruſſiſchen Krie⸗ ges in Wort und Bild zur Kenntniß unſerer Leſer zu bringen, und eröffnen die Reihe unſerer Bilder S. 488 mit dem Porträt des Generals Nepo⸗

koitſchitzki, des Generalſtabschefs der ruſſiſchen Donauarmee im gegen⸗

wärtigen Kampfe. Dieſerruſſiſche Moltke, wie ihn ſeine Landsleute nennen, ſtammt aus einer polniſchen Familie und iſt beinahe ſiebenzig Jahre alt. Er iſt einer der älteſten Veteranen der ruſſiſchen Armee, in welcher er ſchon länger gedient hat, als die meiſten der heutigen ruſſiſchen Führer; insbeſondere gehört er dem Generalſtabe ſchon ſeit geraumer Zeit an und hat auf dieſem Gebiete eine reiche und ununterbrochene Erfahrung für ſich. Seinen Dienſt in der Armee begann Nepokoitſchitzki in der In⸗ fanterie, und zwar bei einem im Kaukaſus ſtationirten Regimente, bei welchem er ſich ſo auszeichnete, daß er bald zum Stabsoffizier aufrückte und ſpäter in den Generalſtab berufen wurde, in welchem er fortan ver⸗ blieb. Als Kaiſer Nikolaus J. den Oeſterreichern ein Hilfscorps zuſandte, welches gemeinſam mit den öſterreichiſchen Truppen den ungariſchen Auf⸗ ſtand von 1849 dämpfen ſollte, bekleidete Nepokoitſchitzki eine wichtige und verantwortliche Stelle im Generalſtab dieſer Truppen. Im Krimkriege von 1854 und 1855 war er Generalſtabschef eines Armeecorps, welches unter Gortſchakoff die Donaufürſtenthümer beſetzte und unter Paskjewitſch an der denkwürdigen Belagerung von Siliſtria theilnahm. Seit dem Krim⸗ kriege hat General Nepokoitſchitzki nicht mehr im aktiven Kriegsdienſte ge⸗ ſtanden, aber ſtets in irgend einer wichtigen militäriſchen Beſchäftigung Verwendung gefunden, namentlich an der Reorganiſation des ruſſiſchen Heeres einen thätigen und höchſt erſprießlichen Antheil genommen. Vor ſeiner Berufung auf ſeine dermalige Stelle ſtand General Nepokoitſchitzki an der Spitze der Kommiſſion für die Neubildung der ruſſiſchen Armee nach dem modifizirten preußiſchen Syſtem, deſſen Einführung ſo weſentlich zur Hebung der Wirkſamkeit und Schlagfertigkeit der heutigen ruſſiſchen Armee beigetragen hat.

Unſer zweites Bild S. 488 führt die Feſtung Kars in Armenien vor Augen, eine Stadt von etwa 12,000 Einwohnern, Hauptſtadt des

gleichnamigen Liwa im türkiſchen Armenien und im Krimkriege unter der

Leitung engliſcher Genieoffiziere zu einer ſtarken Feſtung gemacht, welche jetzt eines der wichtigſten Grenzbollwerke des türkiſchen Reiches in Aſien iſt. Sie liegt im Weſten der fruchtbaren Ebene Schuragel am Arpa⸗Tſchai oder Karsfluſſe, hat mehrere zum Theil ſelbſtſtändig befeſtigte Vorſtädte, enge, ſchmutzige Gaſſen und meiſt Häuſer von ſchwarzem Baſalt, iſt an der Oſt⸗ und Südſeite mit einer doppelten Ringmauer umgeben und wird von einer alten, unter Amurat III.(1578 89) erbauten Citadelle auf der Höhe von Karabagh beherrſcht. Die Einwohner, Armenier, Kurden, Georgier, Türken u. ſ. w., treiben einen lebhaften Tranſithandel von und nach Aſien. Die Befeſtigungen ſind erſt im vorigen Jahre durch Anlage von neuen Werken und durch Armirüng mit Krupp'ſchen ſchweren Kanonen bedentend verſtärkt worden. Schon früher iſt Kars von den Ruſſen erobert worden, am 5. Juli 1828 durch Paskjewitſch, und am 27. November 1855 unter Murawieff, nachdem es durch den General Williams mehrere Monate lang glänzend vertheidigt worden war.

Unſer Bild S. 492 zeigt uns einen Hinterhalt von Koſaken, welche ihre gefügigen und vortrefflich zugerittenen Pferde zwangen, ſich in's hohe Gras niederzulegen und ſich ſelbſt nun hinter ihren Thieren niedergethan haben, um ſowohl aus dem Pferde eine Art Schutzwall gegen etwaige verirrte feindliche Kugeln zu machen, als auch um die Gewehre behufs ſichereren Zielens auf den Thieren auflegen zu können. Als leichte Reiterei ſind die Koſaken für die ruſſiſche Heerführung eine Waffe von unſchätzbarem Werth und ſeit ihrer Bewaffnung mit dem Berdan ſſchen Hinterlader zu jeder Art von Dienſt zu gebrauchen. Der Koſak iſt geborner Reiter und Soldat, unerſchrocken, ausdauernd, im kleinen Kriege unübertrefflich und

neuerdings durch die ſorgſamſte militäriſche Drainirung noch zu einer erhöhten Leiſtungsfähigkeit gebracht, welche zumal den Tſcherkeſſen, Kurden, Daſb bahuts und ſonſtigen türkiſchen Irregulären gegenüber ſehr in's Ge⸗ wicht fällt.

Unſer vierter Holzſchnitt endlich, S. 493, veranſchaulicht Exploſion und Untergang des türkiſchen Panzerſchiffs Lütfi Dſchelil in der Nähe von Braila und Matſchin während der Nacht vom 25. zum 26. Mai d. J. Der Lütfi Dſchelil war eines der beiden Thurmſchiffe oder Monitors, welche für Rechnung der chileniſchen Regierung auf den Armanſchen Werften in Bordeaux erbaut, 1868 aber von der kürkiſchen Regierung angekauf wurden. Das einzige Verdienſt, welches ſich der verſtorbene Sultan Abdul Aziz um die Türkei erworben hat, beſtand bekanntlich in ſeiner Vorliebe für Panzerſchiffe, von denen er eine große Anzahl angeſchafft hat und deren Vorhandenſein beim Ausbruch des gegenwärtigen Krieges den Türken auf dem Schwarzen Meere und der Donau ein bedeutendes Uebergewicht über die Ruſſen zu geben ſcheint, da dieſe ſeit der Verſenkung ihrer Pontus⸗ Flotte im Hafen von Sebaſtopol während des Krimkrieges nur einige kleinere Panzerſchiffe auf dem Schwarzen Meere haben. Der Lütfi Dſchelil lag unweit von Braila in dem nach Matſchin führenden Donauarme oder Kanal, um gelegentlich die Batterien zu beſchießen, welche die Ruſſen am linken Donauufer erbauten. Eine dieſer Batterien, welche von dem Feuer des Monitors ſchon mehrfach gelitten hatte, bewarf nun ſeinerſeits den Monitor mit Granaten, und ein Schuß, den ein junger Unterlieutenant der Artillerie Namens Romanoff gerichtet hatte, traf das Thurmſchiff gerade in den Heizraum, ſo daß der Keſſel explodirte und das Schiff ſogleich mit Mann und Maus verſank und nur ein einziger ſchwer verletzter Matroſe gerettet wurde, obwohl man die ruſſiſchen Dampfbarkaſſen ausſandte, um die aus etwa 200 Köpfen beſtehende verunglückte Mannſchaft zu retten. Der Monitor war ſo vollſtändig zerſtört, daß am andern Morgen nur noch ſein Maſt mit der türkiſchen Flagge aus dem Waſſer ragte, die von ruſſiſchen Offizieren abgenommen wurde. Von den drei anderen Monitors ähnlicher Bauart wurde wenige Tage ſpäter eines von ruſſiſchen Torpedo⸗ booten angegriffen und von dem Schiffslieutenant Dubaſchoff mittelſt eines Kaſtentorpedos in die Luft geſprengt.

Charade.

Ein Strom ſoll, aus Italiens Gefilden

Zu unſerm Wort die erſte Silbe bilden. Die beiden Letzten zeigen uns ein Thier Klein, aber widerwärtig Dir wie mir,

Das oftmals, wenn man's unvermuthet ſieht, Verderben kann den beſten Appetit.

Das Ganze iſt, o liebe Leſer glaubt,

Recht dienlich für ſo vieler Menſchen Haupt, Doch wer davon verwendet gar zu viel, Wird leicht des Witzes und des Spottes Ziel

Auflöſung folgt im nächſten Heft. M. Booch⸗Arkoſſy

Auſlöſung des Buchſtaben⸗Räthſels vom 24. Heſt: Elbe, Elba.

Bilder-Räthſel

Auflöſung folgt im nächſten Heft.

Auflöſung des Bilder⸗Räthſels vom 24. Heft: Fliege nicht, ehe dir die Federn gewachſen ſind.

Alle Rechte vorb

ehalten.

Redaltion, Druck und Verlag von Hermann Schönlein in Stuttgart.

eingeſtau haben. uns mit

Der

Ke Ich ha ahmen z

drehen! D S papieren der K. waren ein B. Sie pla Mann habt I Sl auch ſch terlein Hohn. Hausſu Be Frage! Ka nicht in wonnen

Rath un mit der Unterſu die Wal kommen

3 ien, gene,, erworbe als mei miren,