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Illuſtrirte Chronik der Zeit.
aber auch in den Privatwohnungen das ganze Jahr hindurch ge⸗ bräuchlich; Winters beräucherte man auch noch die Oefen. Das Material zum Räuchern beſtand in Thymian und Wachholder, zu⸗ weilen wurde anſtatt des letzteren Weihrauch gebraucht.
Schließlich müſſen wir noch eine Einrichtung hervorheben, die im Mittelalter zur allgemein verbreiteten Volksſitte und daher von weſentlichem Einfluß auf die Geſundheitszuſtände der damaligen Zeit wurde. Wir meinen die Bäder und die Badeſtuben. Beſon⸗ ders durch die Kreuzzüge, welche uns mit Sitte und Lebensart des Morgenlandes bekannt machten, erhielten die Bäder in Deutſchland die weiteſte Verbreitung, weil ſie auch als Heilmittel gegen die Krank⸗ heiten des Orients, die Peſt und den Ausſatz, angeſehen wurden. Da jetzt auch die Geiſtlichkeit die Bäder für ſymboliſch mit dem Abwaſchen der Sünden erklärte, ſo wurden allenthalben neue Bade⸗ ſtuben errichtet. Kein Ritter wurde in dieſer Zeit in einen Orden aufgenommen, kein Knappe wurde zum Ritter geſchlagen, der nicht am Abend vorher unter vielen Ceremonien ein Bad genommen und ſich hatte den Bart ſcheren laſſen. Selbſt in den kleinſten Städten wurden Badeſtuben errichtet, zum Theil ſogar auf öffentliche Koſten, um auch die Aermſten, welche die Bäder umſonſt erhielten, nicht vom Genuſſe dieſer Wohlthat abzuhalten. In den meiſten Städten waren die Badeſtuben vom Rath verpachtet, und die ziemlich hohe Pachtſumme verwendete man zum allgemeinen Beſten. Am zahl⸗ reichſten wurden Badeſtuben in den Klöſtern oder auf dem ihnen gehörigen Grund errichtet, um die Wallfahrer und Pilger aufzu⸗ nehmen. Die reicheren Bürger und die Vornehmen hatten dagegen in ihren Wohnungen eigene Badeſtuben eingerichtet. Außerdem wurden durch fromme Vermächtniſſe eine Menge ſogenannter„Seel⸗ bäder“ für die Armen geſtiftet, welche am Todestage des Stifters die Bäder unentgeltlich empfangen durften und außerdem noch ge⸗ ſchröpft und zur Ader gelaſſen wurden. Beſonders hatte das Volk zu den Bädern im Frühjahr, hauptſächlich im Mai(daher Maien⸗ bäder) ein großes Vertrauen; ſie ſollten ganz vorzüglich den Körper reinigen und ſtärken. Man gab ſich ſogar zu ſolchen Maienbädern gegenſeitig Geſchenke, wie wir jetzt zu Weihnachten. Am Johannis⸗ tag(24. Juni) war es ſogar Sitte, vierundzwanzig Stunden lang im Bade zu verweilen, und hielt man ein ſolches Bad für beſon⸗
Mannig
Der berühmte engliſche Geſchichtsſchreiber Macaulay führte ein höchſt eigenartiges Privatleben; er konnte, wie G. O. Trevelyan in ſeinem unlängſt erſchienenen Werke„Leben und Briefe Lord Macaulay's“ ſchil⸗ dert, nur ſelten dazu vermocht werden, aus ſeinem gewohnten Kreiſe der vertrauteſten Freunde und nächſten Verwandten herauszutreten. Seine Abneigung gegen die ſich in einem Londoner Empfangszimmer zufällig zuſammenfindende Geſellſchaft nahm mit ſeinem zunehmenden Alter immer mehr zu. Wie ehedem Caſaubonus wußte er recht wohl, daß man nicht zugleich mit Müßiggängern und mit den Muſen zuſammenleben kann. Er war für das Gefühl der Langeweile, wenn er ſich in Geſellſchaft befand, beſonders empfänglich; ſo hatte er den entſchiedenſten Widerwillen gegen Logirbeſuche, ſelbſt in den beſten und angenehmſten Häuſern. Es koſtete ihn Ueberwindung, ſelbſt nur außer dem Hauſe zu ſpeiſen, und wenige von denen, welche mit ihm zuſammen trafen und an ſeiner animirten Unter⸗ haltung ihre Freude hatten, konnten wohl muthmaßen, wie viel lieber er daheim geblieben wäre. Während er in großer Geſellſchaft ſehr leicht gelangweilt wurde, fühlte er, wenn er allein oder mit Perſonen, welche er liebte, zuſammen war, niemals Langeweile. Namentlich wurde er des Umgangs mit Kindern nie überdrüſſig. Es iſt unmöglich, die Schilderungen des Vergnügens, welches Macaulay an Kindern fand, oder der Wonne, in welche er ſie verſetzte, zu übertreiben. Er war der unvergleichlich beſte Spielkamerad; unübertrefflich in der Erfindung von Spielen und unermüdlich bei deren Wiederholung. Er beſaß ein unerſchöpfliches Reper⸗ toire von kleinen Dramen zu Nutz und Frommen ſeiner Nichten, in welchen er die verſchiedenſten Rollen mit einer Geſchicklichkeit ſpielte, welche ſeine dankbare Zuhörerſchaft jedenfalls ganz befriedigte. Ein alter Freund ſeiner Verwandten ſchreibt:„Ich erinnere mich noch ſehr wohl eines ſeine Wirkung nie verfehlenden Spieles, wobei eine Höhle hinter dem Sopha mit Zei⸗ tungen aufgebant und Räuber und Tiger geſpielt wurde; ſeine Nichten und Neffen kreiſchten auf vor Schrecken, waren aber doch immer ganz bezaubert und baten ihn, noch einmal anzufangen; auch kam er täglich auf die Beobachtung zurück, daß doch eigentlich die Kinder die einzigen wahren Dichter ſeien.“ Zu anderen Neigungen, welche Macaulay mit den Kin⸗ dern gemein hatte, gehörte auch ſeine Begierde, alle Schauſtellungen zu be⸗ ſuchen. Er war nie ſo vergnügt, als wenn er einen Nachmittag damit zubringen konnte, ſeinen Nichten und Neffen Londoner Sehenswürdigkeiten zu zeigen und zwar ſo lange, bis ſie, um ſeinen Lieblingsausdruck zu ge⸗ brauchen,„die Beine nicht mehr nachſchleppen konnten“. Wenn er dies ganz nach ſeinem Belieben hätte durchführen können, ſo würde er ihnen zweimal wöchentlich dieſes Vergnügen mit großer Freigebigkeit bereitet haben.„Bei dieſen Gelegenheiten fuhren wir,“ erzählt ſein Neffe,„bei guter Zeit nach London hinein, erhielten um Mittag ein köſtliches Mahl, bei welchem zu allen unſeren Lieblingsgerichten Auſtern, Kaviar und Oliven hinzugefügt wurden, Delikateſſen, welche er uns jedes Mal in der
faltiges.
ders wirkſam gegen mancherlei Krankheiten. Dieſe Sitte wurde jedoch ſpäter in proteſtantiſchen Ländern, auch weil ſie zu verſchie⸗ denem Unfug Anlaß gab, verboten.
So war das Baden im fünfzehnten Jahrhundert zur allge⸗ meinen Volksſitte geworden, und die hiedurch bewirkte Reinhaltung des Körpers, auch bei den ärmeren Klaſſen, war gewiß von den wohlthätigſten Folgen für die Geſundheit der Bevölkerung. Leider wurden die öffentlichen Badeſtuben mit der Zeit die Stätten des ärgſten Unfugs und der gröbſten Ausſchweifungen, ſo daß dieſelben endlich in allgemeinen Verruf kamen, zumal als bei den ſo häufig graſſirenden Seuchen dieſelben durch das Aufſetzen nicht gereinigter Schröpfköpfe in den Badeſtuben noch mehr verbreitet wurden. In Folge deſſen wurden die Bäder im ſechzehnten Jahrhundert beim Auftreten der Epidemien häufig verboten, bis noch in demſelben Jahrhundert die meiſten Badeſtuben in Deutſchland ganz ein⸗ gingen.—
Im Hinblick auf dieſe hier geſchilderten Verhältniſſe müſſen wir es als eine nicht hoch genug zu ſchätzende Errungenſchaft der Neuzeit anſehen, daß der Erhaltung von Geſundheit und Leben der geſammten Bevölkerung eine Vorſorge von Seiten des Gemeinweſens entgegengebracht wird, welche weſentlich dazu beigetragen hat, unſeren Exiſtenzbedingungen ſichere und feſte Grundlagen zu geben. Die Mauern, welche alle Städte früher einzwängten, ſind niedergeriſſen, die Wallgräben, ehedem mit faulendem Waſſer angefüllt, ſind aus⸗ gefüllt und mit Raſen bepflanzt, die Straßen gereinigt und ver⸗ breitert und in die Häuſer und Gemächer haben Luft und Licht ihren Einzug gehalten und dort eine freundliche und die Geſundheit fördernde Heimſtätte geſchaffen, wie ſie früher ſelbſt die Wohnungen der Reichen und Vornehmen nicht bieten konnten. Es würde leicht ſein, nachzuweiſen, welchen günſtigen Einfluß dieſe Aenderung der bezüglichen Verhältniſſe auch auf die ſittlichen Zuſtände geſchaffen haben, und bei der großen Aufmerkſamkeit, die man jetzt dieſem Gegenſtande von Seiten der Behörden zuwendet, wie bei dem vor⸗ geſchrittenen Standpunkte der mediciniſchen Wiſſenſchaft dürfen wir mit Sicherheit annehmen, daß ſich dieſe erfreuliche Wechſelwirkung mit jedem Jahrzehnt zum Gedeihen des Ganzen immer mehr bemerk⸗ bar machen wird.
(Nachdruck verboten.)
einzigen Abſicht vorſetzen ließ, um ſie von uns mit Ekel ablehnen zu ſehen. Dann brachen wir unter ſeiner Führung auf, im Sommer zu den Bären und Löwen, im Winter zu dem Panorama von Waterloo, nach dem Koloſſeum im Regent's Park ec. E. Braunſels. Das Kameel wird mit Recht das Schiff der Wüſte genannt, ohne daſſelbe wäre eine Reiſe durch dieſelbe ganz unmöglich gemacht. Zu ſeiner Nahrung gebraucht es nur einige Wüſtenpflanzen, doch ſind dieſe meiſt ſo ſpärlich vorhanden, daß es lange genug umherſuchen muß, ehe es ſo viele findet, als zu ſeiner Nahrung nothwendig ſind. Des Kochſalzes kann das Kameel auch nicht gut entbehren; läßt man es längere Zeit ohne dieſes, ſo wird es ſchwach und magert ſelbſt bei der beſten Nahrung ab. Reiſende erzählen, daß es in dieſem Falle weiße Steine in's Maul nimmt und an ihnen kaut in der Meinung, daß es Salzſtückchen ſeien. Viele Kameele ſind Allesfreſſer im wahrſten Sinne des Wortes. Ihre mit Stroh ausgeſtopften Sättel, Riemen und Felle, ja ſelbſt von der Sonne gebleichte Knochen verzehren ſie, und ſchon mehr als einmal iſt es vorgekommen, daß ein ſolches Kameel das Zeltdach in aller Gemüthsruhe verzehrt hat. Hin und wieder findet ſich ein Kameel, das ſogar Fleiſch und Fiſche ſehr gern als Nahrung zu ſich nimmt. Viſſenſchaftliche Reiſende haben ſchon oft genug dies zu ihrem Schaden erfahren, indem ihnen die zum Ausſtopfen beſtimmten Bälge von ihren Kameelen ver⸗ nichtet wurden. Acht bis zehn Tage kann das Thier ohne Nahrung vorwärts ſchreiten, doch muß es im Sommer ſchon nach drei bis vier Tagen getränkt werden. Im Herbſt und Frühling kann es wohl ſieben bis acht Tage ohne Waſſer bleiben, während es im Winter ſich mit dem Schnee begnügt. Uebrigens iſt die Fähigkeit, längere oder kürzere Zeit ohne Nahrung und Waſſer aushalten zu können, eine individuelle Eigen⸗ ſchaft. In geiſtiger Beziehung gehört das Kameel nicht zu den bevorzugten Geſchöpfen; auch iſt es ſehr furchtſam und erſchrickt vor dem geringſten Gegenſtande. Im Zuſtande der höchſten Gereiztheit ſpeit es den Angreifer nur an und brüllt aus voller Kehle. Gleichzeitig ſtampft es mit den Füßen den Boden und biegt ſeinen unförmlichen Schwanz hakenförmig. Das Alter der Kameele wird auf 30 und unter günſtigen Verhältniſſen bis auf 40 Jahre angegeben. Schon vom zweiten Jahre an muß es die Reiſe durch die Wüſte mitmachen, doch bürdet man ihm erſt im vierten oder fünften Jahre größere Traglaſten auf.„R. Sch. Der ſteinerne Hund auf dem Straßburger Münſter.— Auf der Plattform des Thurmes, wo Goethe und ſo viele Andere zum Andenken ihre Namen haben einſchneiden laſſen, befindet ſich eine ſchwarze Marmortafel mit einer Inſchrift zur Erinnerung an das heftige Erdbeben, welches am 3. Auguſt 1728 die Mauern der Stadt und des Münſters erſchütterte. Ungefähr zur nämlichen Zeit wurde dort auch eine Hunde⸗ figur in Stein ausgehauen, zum Andenke an die den Tod verachtende Treue eines ſolchen Thieres. Ein excentriſcher Franzoſe, der gehört hatte, daß
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