Jahrgang 
14-26 (1877)
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496 Illuſtrirte Chronik der Zeit.

Getreide genug aus einiger Entfernung, wie z. B. aus Oeſterreich die Donau herauf nach Regensburg, aus Polen und Lithauen über Lübeck nach den weſtlichen Gegenden; aber die Getreidezufuhren

dann in Folge der Hungersnoth und der ſie begleitenden verheeren⸗ den Krankheiten die arme Bevölkerung heim, ſo grauenhaft, daß wir ſie heute kaum für wahr halten würden, wenn uns nicht glaubhafte

Chroniſten aus den verſchiedenſten Zeiten und Orten dieſe traurigen Thatſachen verbürgten. Selbſt um die bereits in Verweſung über⸗ gegangenen Viehkadaver ſtritten und mordeten ſich die Menſchen, um nur ihren Hunger zu ſtillen. Noch aus dem ſiebenzehnten Jahr⸗ hundert wird uns von derartigen Hungerjahren berichtet, die zum großen Theil auch durch die immerwährenden, Alles verwüſtenden Kriege verurſacht wurden.

Dieſen Maſſenmorden der Feinde der menſchlichen Geſellſchaft gegenüber, mußten ſich freilich die mancherlei oft ſehr detaillirten Verordnungen und Verhütungsmaßregeln der Magiſtrate der Städte als unwirkſam erweiſen. Die öffentliche Wachſamkeit beſchränkte ſich nicht auf die Heilanſtalten, die Leproſenhäuſer, die wir bereits erwähnt haben. In vielen Städten fand zu beſtimmten Jahres⸗ zeiten, gewöhnlich bei dem Eintritt des Winters und des Frühlings, legenheit um ſo größer, weil ſich Jedermann auf die Unterſtützung eine ärztliche Siechenſchau, oder, wie man es nannte,das Be⸗ verlaſſen hatte. In der That brach die Theuerung ſchnell und ſehen jener Kranken ſtatt, die im Verdacht ſtanden, mit dem Aus⸗ furchtbar über die Städte herein. Schreckliche Zuſtände ſuchten! ſatz oder anderen anſteckenden Krankheiten behaftet zu ſein. Weit

waren doch zu wenig regelnfäßig und zu unzureichend, als daß eine auch nur annähernde Äusgleichung des Mangels und des Ueber⸗ fluſſes erzielt worden wäre. Dazu kam, daß der Anbau des Ge⸗ treides in vielen Ländern, die jetzt wahre Kornkammern ſind, ja in Deutſchland ſelbſt, auf das Aeußerſte durch die Viehzucht beſchränkt ward; es fehlte die Maſſenzufuhr aus Rußland, Ungarn und den deutſchen Tiefländern, die heute den getreideärmeren Hochländern ſo ſehr zu Statten kommt. Daher geſchah es, daß die Noth in be⸗ völkerteren Gegenden ſehr hoch ſteigen konnte, wenn einmal Miß⸗ wachs in weiterem Umfange geherrſcht hatte. Der Rath ſuchte zwar dem gänzlichen Brodmangel dadurch vorzubeugen, daß er Korn in Magazinen(Kornhäuſern) aufſammelte und es den Bürgern in theuren Zeiten für einen mäßigen Preis ließ; allein wenn dieſe Quelle verſiecht war, und ſie verſiechte reicht, dann war die Ver⸗

Humoriſtiſche

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Erſatz. Ach Gnädige, frührer hatten Sie doch zwei Hündchen, ein allerliebſtes Aeffchen und zwei Papageien; wo ſind dieſe jetzt hin? O, lieber Baron, Sie wiſſen ja: ich bin jetzt verheirathet und mein Mann erſetzt mir das Alles!

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Armfeld. Sag nur Richard, war es Dir denn gar nicht möglich, mir aus meiner grenzenloſen Verlegenheit zu helfen, hatteſt Du nicht ſo viel

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Richard. Weißt Du, das, was ich noch hatte, als ich Deinen Brief erhielt, machte mit einer kleinen Erbſchaft, die ich damals erheben mußte gerade auf den Heller 100,000 Thaler, und die mochte ich doch Deiner lumpigen 60 Thaler wegen nicht gleich wieder anreißen.

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umher aus der ganzen Gegend kam alsdann eine große Menge ſolcher Wie wenig die Aerzte ſelbſt zur Abwehr von Krankheiten durch

Unglücklicher in die Stadt, größtentheils Arme und Hilfloſe, zu Vorbeugungsmaßregeln zu helfen wußten, zeigt ein Regulativ, wel⸗

deren Verpflegung milde Stiftungen gemacht wurden; aber auch ches in Frankfurt a. M. um das Jahr 1500 von einem Arzt mit

verworfene Bettler und Landſtreicher benutzten, um an den Almoſen Rückſicht auf eine in jener Zeit graſſirende Epidemie verfaßt worden

Theil zu nehmen, dieſe Gelegenheit und brachten durch angreifende war. Es heißt in demſelben: Werſolich Krankheit habe, müſſe ſ,

Kräuter künſtliche Hautausſchläge an ſich hervor. Unter Aufſicht von Anderen fern gehalten werden und weder in eine Kirche, noch 86 von Mitgliedern des Raths wurde dann von vereideten Aerzten die in eine Badſtube zugelaſſen werden; um ſich aber gegen die Krank⸗ X Unterſuchung der Kranken und Verdächtigen vorgenommen. heit zu ſchützen, ſolle mannit enten, eſſig und nuß eſſen, ſich In Frankfurt a. M. legte im Jahre 1433 der Rath den vor Branntwein und faulem Obſt hüten, auch, wenn man einen N 1 Scherern durch einen Zuſatzartilel zu ihrem Zunftbriefe eine dop⸗ Kamin im Zimmer habe, in demſelben ein Feuer unterhalten. Die ch.

pelte Verpflichtung auf, keinem Ausſätzigen den Bart zu ſcheren Krankenwärter endlich ſollen nicht nüchtern zu den Kranken gehen, A

oder zur Ader zu laſſen, und ſo oft ſie eine ausſätzige Perſon, die die Stube recht warm halten und dabei ein Fenſter offen ſtehen A

ſich nicht zu Hauſe halte, gewahr würden, dies insgeheim den Bür⸗ laſſen; das Sicherſte aber ſei, drei bis fünf brennende Wachslichter

germeiſtern anzuzeigen. Den Aerzten, welche die Verdächtigen zu vor ſich zu halten.

beſehen hatten, wurde verboten, mit dieſen zu trinken oder ſonſt Als einen eigenthümlichen Gebrauch des Mittelalters, der

Gemeinſchaft zu haben. In demſelben Orte hatte der Rath 1457 offenbar mit dem öfteren Ausbruche anſteckender Krankheiten zuſam⸗

ein beſonderes Gefängniß für Kranke erbauen laſſen, in welches alle menhängt, wollen wir noch das Räuchern der Zimmer erwähnen.

Diejenigen geſteckt wurden, die ſich den ſanitätspolizeilichen Anord⸗ Wir finden deſſelben in vielen Städten offiziell in Betreff der 4

nungen nicht fügten, oder der Ausweiſung aus der Stadt nicht Raths⸗ und Kanzleiſtuben gedacht, und zwar fand es immer wäh⸗

Folge leiſteten; man nannte esder Ausſätzigen Loch. rend der daſelbſt gehaltenen Sitzungen ſtatt. Das Räuchern war*) Un

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