5 ———
—
—
490 Illuſtrirte Chronik der Zeit.
eine Kleinigkeit. Die alchemiſtiſchen Träumereien waren eine krank⸗ hafte Thorheit jenes Zeitalters und darauf eben ſpekulirte der Char⸗ latan mit dem beſten Erfolg.
Einige angeſehene Perſonen, darunter der Herzog v. Chaulnes, bei welchem Vinache früher Diener war, ſchenkten den unverſchäm⸗ ten Lügen des Schwindlers Glauben und ſchoſſen ihm fünfundzwanzig⸗ tauſend Livres vor, um ihn in den Stand zu ſetzen, ein Laboratorium mit Schmelzöfen zu erbauen, ſowie zur Anſchaffung von Kohlen und ſonſtigen Materialien.
Bald ſtand der„Goldmacher“ in ebenſo großem Rufe, wie früher der„Wunderdoktor“; Leute aus allen Ständen ſtrömten ihm zu, um von der vermeintlichen Weisheit des Magiers zu profi⸗ tiren. Er kieß ſich von den leichtgläubigen vertrauensſeligen Thoren viel Geld zahlen und vertröſtete ſie hinſichtlich der einſtigen hundert⸗ und tauſendfältigen Wiedererſtattung auf ſeinen„Kobold“, einen dienſt⸗ baren Geiſt nämlich, den er angeblich hinten in ſeinem Haarwulſt mit ſich herumtrage, der aber für Jedermann, nur für ihn ſelbſt nicht, unſichtbar ſei und bleiben müſſe. Seltſame und wunderliche Geräthſchaften zeigte er ſeinen Beſuchern, ſo z. B. einen goldenen Zauberzirkel mit darauf eingravirten Sternzeichen und ähnliches ſinnloſes Zeug. Alles dieſes wurde gebührend von den Gläubigen angeſtaunt.
Die vornehmſten und hochgeſtellteſten Perſonen traten mit dem frechen Abenteurer in den intimſten Verkehr.
Dem Admiral Despondis und dem Fregattenkapitän Beaubriant machte er den Antrag, er wolle ihnen für gutes Geld ein Zauber⸗ mittel geben, durch welches ſie in den Stand geſetzt würden, alle feindlichen Schiffe, die ihnen auf Seefahrten in Kriegszeiten begeg⸗ neten, ohne Anwendung von Geſchützen in den Grund zu bohren. Die beiden tapferen Seeoffiziere erklärten darauf ritterlich, daß ſie den Gebrauch ſolcher Zaubereien nicht mit ihren ehrlichen Soldaten⸗ grundſätzen in Einklang zu bringen vermöchten und alſo auf den Antrag Verzicht leiſten müßten. Aus den Prozeßakten geht leider nicht hervor, welcher Art des Italieners Erfindung war. Möglich uumeihin, daß er die Idee zu einer Art„Torpedo“ ausgeklügelt hatte.
Der Herzog von Nevers beſuchte häufig Vinache, um von ihm, dem vermeintlichen Meiſter, die geheimen Wiſſenſchaften zu erlernen. Er ſchenkte ihm achthundert Livres und einen koſtbaren Brillant⸗ ring, obgleich er ſpäter eingeſtand, daß er durchaus nichts Beſon⸗ deres von dem Wundermanne gelernt habe.
Für den Herzog Philipp v. Orleans, den nachmaligen Regen⸗ ten, erbaute Vinache drei Schmelzöfen, in welchen kleine Diamanten in große verwandelt werden ſollten. Selbſtverſtändlich verlor der Herzog bei dieſem Geſchäft ſein Geld und ſeine Diamanten und er wurde bald der Sache überdrüſſig.
Für einen anderen vornehmen Cavalier verfertigte der Schwind⸗ ler einen künſtlichen Diamanten, der die geheime Kraft haben ſollte, ſeinen Beſitzer im Spiele beſtändig gewinnen zu laſſen. Dafür erhielt er fünftauſend Livres. Der Edelmann probirte darauf ein ganzes Jahr lang den Talisman, ohne deſſen Segen zu verſpüren. Da zwang er den Magier, den Diamanten zurückzunehmen und den Kaufpreis wieder herauszugeben. Dies ſcheint übrigens das einzige Mal geweſen zu ſein, daß Stephan Vinache erſchwindeltes Geld zurückgezahlt hat.
Um das Jahr 1700 ließ er durch einen hochgeſtellten Höfling, der zu ſeinen gläubigen Jüngern zählte, der beſtändig in Geldver⸗ legenheit befindlichen Regierung den vertraulichen Antrag machen, er wolle mit Hilfe des magiſchen Steins der Weiſen, deſſen glücklicher Beſitzer er ſei, binnen kürzeſter Friſt dreihundert Millionen Louisd'ors zuſammen bringen, um den finanziellen Verlegenheiten des Staates gründlich abzuhelfen, falls der König und die Miniſter ihn in Freiheit ſchalten und walten laſſen und ſeine Geheimniſſe reſpektiren würden. Wahrſcheinlich bezog ſich dies Anerbieten auf Münz⸗ verfälſchungen. Offen iſt die Regierung freilich nicht mit dem Schwindler in Verbindung getreten. Ob es aber im Geheimen oder durch vertraute Mittelsperſonen geſchehen iſt, das kann man bejahen oder verneinen, je nachdem man gut oder ſchlecht von den mora⸗ liſchen Grundſätzen der Regierung Ludwigs XIV. denkt. Es iſt ein in der Baſtille begrabenes Geheimniß, wie aus dem Verlaufe unſerer Erzählung ſich ergeben wird.
Um dieſelbe Zeit kaufte er ein ſchönes Landgut in der Nähe von Paris, wo er ebenfalls Laboratorien einrichten ließ, um dort ungeſtörter ſeinen geheimnißvollen Arbeiten obliegen zu können, ferner ein elegantes Hotel zu Paris, deſſen Zimmer prächtig möb⸗ lirt wurden. Er unterhielt ſieben Domeſtiken, abgeſehen von den Gehilfen, die er für ſeine chemiſchen Arbeiten brauchte, und ſchaffte eine ſchöne vierſpännige Karoſſe an. Außerdem hielt er drei Reit⸗ pferde, welche als die ſchönſten in der Hauptſtadt bezeichnet wurden und deren Riemzeug von Gold⸗ und Silberverzierungen ſchimmerte.
In ſeinem Hauſe hatte er eine herrliche Gemäldegallerie, die eine enorme Summe gekoſtet, und ſeine eitle Frau trug häufig. wenn ſie in Geſellſchaft ging, für fünfzigtauſend Livres Juwelen an ſich. Als der Nachlaß des verſtorbenen Bruders des Königs verſteigert wurde, kaufte er allein für ſechzigtauſend Livres Diamanten.
Man erſieht daraus, daß Vinache über bedeutende Geldmittel verfügte und ſeiner großartigen Verſchwendungsluſt freien Lauf ließ.
Durch ſeine Verbindung mit Prinzen, Herzögen und anderen vornehmen Herren, die ſich von dem„Magier“ hatten beſchwindeln laſſen, war er auch in Beziehungen zu den damaligen bedeutendſten Finanzmännern gerathen und es iſt außer allem Zweifel, daß dieſe hochangeſehenen Herren ſeinem verbrecheriſchen Treiben Vorſchub leiſteten, indem ſie den geheimnißvollen Nimbus, den er um ſich zu verbreiten verſtand, benützten, um ſich ſelber auf unrechtmäßige Art zu bereichern.
Der Millionär Samuel Bernard, der Rothſchild ſeiner Zeit, deſſen Geldkiſten und deſſen Kredit ſo oft dem großmächtig⸗ ſten Könige Ludwig XIV. zu Hilfe kommen mußten, ſtand in in⸗ timſtem Verkehr mit Stephan Vinache, ebenſo der Financier Me⸗ nager, der durch ſeinen Titel„Sekretär des Königs und Depu⸗ tirter des Handelsweſens zu Rouen“ großes Anſehen in der Ge⸗ ſchäftswelt genoß, ferner die Herren Vanderholz, Vater und Sohn, holländiſche Bankiers, die zu Paris und Rouen Filialen hatten, und noch manche andere Geldmänner zu Paris, Rouen, Nantes, Metz, Straßburg, Genf, Amſterdam und an anderen Orten.
Samuel Bernard verkehrte hauptſächlich durch ſeinen Kaſſirer Tronchin mit dem Neapolitaner und beſorgte deſſen auswärtige Korreſpondenz, die dadurch ein ſtreng geſchäftsmäßiges und anſtän⸗ diges Ausſehen erhielt.
Das Geſchäft, welches dieſe millionenreichen Financiers durch Stephan Vinache betreiben ließen, war ganz einfach die Münzver⸗ fälſchung im großen Styl. Die Bankiers kauften durch Vermitt⸗ lung ihrer auswärtigen Geſchäftsfreunde in ganz Europa ungeheure Maſſen Gold⸗ und Silbermünzen auf, welche darauf in dem Labora⸗ torium des gewandten Italieners eingeſchmolzen und neugeprägt wurden, nachdem man den Gehalt um ſünfundzwanzig oder dreißig Prozent verringert hatte, natürlich ein äußerſt lukratives Geſchäft, da es mehrere Jahre lang unbeanſtandet gelang, die verfälſchten Münzen zum vollen Kurs wieder in ihre Heimath einzuſchmuggeln.
Dieſe„Kipper und Wipper“— wie man früher die Münz⸗ verfälſcher zu nennen pflegte— begnügten ſich übrigens nicht da⸗ mit, nur auswärtige Münzen zu verſchlechtern, ſie thaten es auch häufig bei einheimiſchen Louisd'ors, ungeachtet der Gefahr, der ſie ſich ausſetzten.
Das„Kippen und Wippen“, ein Verbrechen, worauf damals die Todesſtrafe ſtand, war nämlich die Kunſt, den guten gangbaren Münzen geringhaltige unterzuſchieben. Und Vinache verſtand dieſe Kunſt, oder vielmehr er verſtand es geſchickt, die Kunſtfertigkeit An⸗ derer zu benutzen, denn ſeine eigenen Kenntniſſe in der Chemie und Mechanik, ſoweit dieſe Wiſſenſchaften bei dem Schmelzprozeß und der Prägekunſt in Betracht kommen, waren nur gering. Aber er wußte paſſende Werkzeuge zu finden und hatte Künſtler in ſeinem Solde, die ausgezeichnete Arbeiten lieferten, ſo z. B. einen deutſchen Graveur Namens Georg Konrad Schulz und einen vorzüg⸗ lichen franzöſiſchen Mechaniker Namens Thuriat.
Faſt allwöchentlich wurden ſchwere Fäſſer und Tragkörbe voll Gold⸗ und Silbermünzen dem Neapolitaner in's Haus gebracht. Dieſelben kamen von Samuel Bernard, Vanderholz, Menager und anderen Bankiers. Später wurden die Münzen in neuer Prägung zurückgeliefert und dieſer gegenſeitige Verkehr ging höchſt ungenirt am hellen Tage vor ſich.
In Vinache's Haus und auf ſeinem Landgute, wo er das zweite Laboratorium hatte einrichten laſſen, ſtanden und lagen überall die Gold- und Silberſäcke umher, als wenn ſie Kartoffelſäcke geweſen wären. Große Porzellanvaſen voll zerſchnittener Goldmünzen ſtan⸗ den neben anderen, die Queckſilber enthielten, immerwährend im Privatzimmer des„Magiers“ und ſchienen nie leer zu werden.
Die Domeſtiken ſtahlen nach Herzensluſt von den aufgehäuften Reichthümern. Häufig fanden ſie beim Aufräumen Stücke von Goldbarren und verlorene Louisd'ors und lebten in Saus und Braus auf ihres Gebieters Koſten, der ihnen weiß zu machen ſuchte, daß er vom Könige und vom Münzhofe die Erlaubniß habe, alte Münz⸗ ſorten einzuſchmelzen. Bisweilen zeigte er ihnen Haufen ausländi⸗ ſcher Goldſtücke, gleichſam um den Beweis zu liefern, daß er kein einheimiſches Geld umſchmelze. Selbſtverſtändlich wußten ſeine Leute ſehr wohl, daß er es doch that und ſie ſchenkten ſeinen Lügen keinen Glauben.
Drei Diener machten einſt ein Komplott, ihn zu verrathen. Doch entdeckte Vinache noch rechtzeitig ihren Anſchlag. Er gab
trefflich
— Jedem u erko Flande erbüng de h lich w oldene fielen ders de ſceint, Freilich welcheln Gründe beobach N
Millio
führten Gewinr u-
Alchem arbeite Anjou worden chauſſee mit der Akten!
A' Verhän Publik ſchlecht ſchwerd und d gegen
J
dem N war ſch dächtig liebens mit ei des S ſeinen
liche Socqu ſpäter
neue? borata ſchon Finan ſtand, verdä ſo da Die⸗ zu ha
zu e genie


