Jahrgang 
14-26 (1877)
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Im Sommer 1691 kam ein junger Neapolitaner nach Paris und nahm Quartier in einer beſcheidenen Her⸗ berge in der Straße St. Denis.

Er hieß Stephano Vinache und hatte ſein Vaterland im Gefolge des in Italien reiſenden Herzogs von Chaulnes als einer von deſſen Bedienten ver⸗ laſſen. Gleich nach der An⸗ kunft in Frankreich ließ er ſich im Jahre 1689 bei dem Regiment Royal Rouſſillon anwerben, von welchem er jedoch um die oben erwähnte Zeit deſertirte, nachdem er vorher noch dem Schneider des Re⸗ giments einige koſtbare goldbordenbeſetzte Offiziersuniformen geſtohlen. Unterwegs wurde der Flüchtling angehalten und wegen Diebſtahls und Deſertion in's Gefängniß geworfen. Aus unbekannt gebliebenen Gründen wirkte der Graf v. Auvergne ein hochgeſtellter Offizier, ſeine Begnadigung und Freilaſſung aus.

Vinache hatte bei ſeinem Eintreffen in Paris keinen Sou in der Taſche, und ſeine Kleidung war zerlumpt und abge⸗ riſſen von der langen Wanderſchaft.

Gleichwohl ſcheint er ſich nicht viele Sorgen über ſeine betrübte Lage gemacht zu haben. Er war ein ſchöner, ſtatt⸗ licher junger Burſche von 25 Jahren, mit ſüdlichem, gebräuntem Lazzaronikopf, feurigen Augen, ſchwarzen Locken, von lebhaftem und intelligentem Weſen, doch dabei ſo ungebildet, daß er weder leſen noch ſchreiben konnte und es auch nie⸗ mals der Mühe werth hielt, dieſe Künſte zu erlernen.

Dafür beſchäftigte ſich ſein unruhiger Geiſt mit anderen Dingen, oie nichts weniger als löblich und weiſe waren. Er hatte ſich's in den Kopf geſetzt, ein ſteinreicher Mann werden zu wollen, gleich⸗ viel auf welche Weiſe, aber jedenfalls ohne beſondere Mühe und Arbeit. Nun, ſein Sinnen und Trachten ſollte auch wirklich vom Erfolg gekrönt werden, ihn aber auch ſchließlich in's Verderben reißen. 4

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Illuſtrirte Chronik der Zeit.

3- General Nepokoitſchitzky, Generalſtabschef der ruſſiſchen

Ein Geheimniß der Baſtlle.

Skizze von Valentin Fern.

(Nachdruck verboten.)

Vor Allem mußte ihm daran gelegen ſein, ſich einen feſten Halt in Paris zu verſchaffen.

Der Schenkwirth, bei dem er logirte, hieß Bullot, ein braver, etwas beſchränkter Mann, der ein kleines, früher durch Kramhandel erworbenes Vermögen und eine ſehr hübſche Tochter beſaß. Dieſe verliebte ſich in den ſchönen, feurigen Neapolitaner und das Ende war eine Heirath.

Die Mitgift betrug 2500 Livres. Doch wurde dieſe Summe nicht ſogleich ausgezahlt und Vinache ſah ſich alſo genöthigt, um ſich und ſeine Frau zu ernähren, vorläufig einen Dienſt zu er⸗ greifen. Es gelang ihm, die Stelle eines Unterverwalters auf einem Gute des Herzogs v. Briſſac in Anjou zu erhal⸗ ten. Bald aber ſah man ein, daß der des Leſens und Schreibens unkundige Menſch nicht zu gebrauchen ſei, und er wurde nach wenigen Wochen entlaſſen.

Von jetzt ab verlegte er ſich auf Schwindelgeſchäfte, und zwar trat er zu⸗ nächſt in Paris als Wunderdoktor auf. Er hatte einige alte Bücher mit Rezep⸗ ten zu Heilmitteln gegen allerlei Krank⸗ heiten aufgeſtöbert. Dieſe ließ er ſich von ſeiner Frau vorleſen und diejenigen Rezepte, die ihm am beſten gefielen, von ihr abſchreiben, worauf er ſie als eigene Erfindung ausgab. Dann dachte er neue, ſonderbare, hochtrabende Namen für dieſe Arzneien aus und fing an, Menſchen und Vieh von allen möglichen und unmöglichen Krankheiten zu kuriren. Es fanden ſich wirklich Dummköpfe genug, die ſeiner Marktſchreierei glaubten und ihr gutes Geld dem Wundermanne brachten, der durch die Großartigkeit ſeines Auftretens imponirte und ſeinen Klienten vor⸗ ſchwatzte, daß er in die tiefſten Geheimniſſe der Natur, ſpeziell aber des Pflanzen⸗ und Steinreichs, eingeweiht ſei. Unter allen ſeinen Medicinen machte ein Mittel gegen das Fieber, welches erPara⸗ nesloe nannte, am meiſten Glück, vielleicht weil es urſprünglich wirklich von einem tüchtigen Arzte herrührte und ſomit heilſam in

Donau⸗Armee.(S. 500.)

Auſicht der Feſtung Kars

der Anwendung war. Auf ſolche Weiſe lebte der Charlatan in mäßigem Wohlſtande bis zum Jahre 1698 und er hätte wohl mit ſeinem Schickſal zufrieden ſein können. Doch ſein Sinn ſtand nach Höherem; er ſchwatzte ſeiner leichtgläubigen Frau von Millionen vor, die er verdienen wolle, und verſprach ihr, daß ſie wie eine Her⸗ zogin bald in einer Karoſſe mit ſechs Pferden fahren ſolle.

Im Sommer 1698 machte er eine Reiſe nach der Bretagne, wo er durch Wunderkuren und Geheimmittelverkauf dem einfältigen

in Armenien.(S. 500.)

Landvolk viel Geld abnahm. Nach der Rückkehr von dieſem ge⸗ winnreichen Ausfluge bezog er eine prächtige Wohnung und nahm einen Kammerdiener und zwei Lakaien an. Er gab nun den Geheim⸗ mittelſchwindel auf, um ſich fortan mit dem Schwindel der Alchemie und verwandter Betrügereien zu beſchäftigen. Frech behauptete der höchſt unwiſſende, aber äußerſt gewandte ehemalige Lazzaroni, daß er im Beſitze des Steines der Weiſen ſei und ſich auf die Kunſt der Verwandlung der Metalle verſtehe; Gold zu machen, ſei ihm

Wil ſtreichen; im Schu

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F Sonne darf er habe ja