Jahrgang 
14-26 (1877)
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4³⁶6 Illuſtrirte Chronik der Zeit.

rath ſetzte kopfſchüttelnd ſeinen Weg fort, um in der Reſtauration ſeinen Verbündeten zu erwarten.

Im Hauſe Ackermann's hatte man keine Ahnung von dem furchtbaren Gewitter, welches über ihm drohend ſich zuſammenzog.

Ackermann war damit beſchäftigt, ſeine Werthpapiere in eine elegante Reiſetaſche einzupacken, der Sekretär ſah ihm ſpöttiſch lächelnd zu.

Vergeſſen Sie nur die Brillanten nicht! ſagte der alte Mann ſarkaſtiſch,ſie könnten nachträglich noch an Ihnen zum Verräther werden.

Wie ſo? fragte Ackermann befremdet.

Wiſſen Sie denn noch nicht, daß jeder werthvolle Diamant ein beſonderes Kennzeichen trägt?

Bah, der alte Schuft verſtand davon nichts, und auf redlichem Wege hatte er die Steine auch nicht erworben

Sie ſind einer Ruſſin geſtohlen worden!

Die jetzt wohl nicht mehr an ihren Verluſt denkt!

Erlauben Sie, es ſind ſeitdem erſt vier Jahre verſtrichen, einen ſolchen Verluſt vergißt man aber nicht, ſo lange man lebt.

Ackermann ſchloß die Reiſetaſche zu und legte ſie in den eiſernen Schrank.

Den Schmuck hole ich nachher, ehe ich abreiſe, ſagte er mit einem ſcheuen Blick auf die Thüre;ich glaube, daß meine Frau heute das Bett nicht verlaſſen wird

Waren Sie ſchon bei ihr?

Nein. 5 8

Was berechtigt Sie dann zu dieſem Glauben?

Ackermann wandte ſich haſtig um und trat an's Fenſter.

Sie iſt ja mit jedem Tage ſchwächer geworden, erwiederte f achſelzuckend,die Hoffnung auf ihre Geneſung habe ich ver⸗ oren.

Beſeitigen Sie nur Alles, was als Beweis gegen Sie dienen kann, ſagte Becker in warnendem Tone.

Als Beweis gegen mich?

Jawohl! Wenn man nach Ihrer Abreiſe irgend ein ver⸗ dächtiges Pülverchen fände und daſſelbe chemiſch unterſuchen ließen ſo könnte dem Arzt, der, beiläufig geſagt, ein Dummkopf iſt, plötz⸗ lich ein Licht aufgehen. Sie haben das auch nicht klug angefaßt, Sie hätten da nicht lange fackeln, ſondern der Geſchichte mit Einem Schlage ein Ende machen ſollen.

Ackermann ſah ihn ſtarr an, der Schweiß perlte in hellen Tropfen ihm auf der Stirne.

Ich verſtehe das nicht, erwiederte er,Sie ſprechen da Ver⸗ muthungen aus, die zu lächerlich ſind, als daß ich nur mit einer Silbe darauf eingehen könnte!

Der alte Mann lachte höhniſch.

Es könnten noch andere Leute ſolche Vermuthungen hegen, ſagte er,und von Vermuthungen bis zum Beweis iſt häufig nur ein ſehr kleiner Schritt. Ich traue der Zofe nicht

Sie hätteneſfedgeihan, Ihrer eigenen Magd kein Vertrauen zu ſchenken! fuhr Ackekmann auf.Durch ſie hat Jeanette erfahren, daß ich beabſichtige, mein Haus zu verkaufen, und Jeanette wußte nichts eiliger zu thun, als dieſe intereſſante Neuigkeit meiner Frau mitzutheilen.

So, ſo, alſo das Frauenzimmer hat ſpionirt? ſpottete der Sekretär.Na, ſie wird das Vergnügen nicht lange mehr genießen. Wann wollen Sie abreiſen?

Sobald ich von Plettenberg zurückgekehrt bin.

Wünſchen Sie, daß ich Sie begleite?

Nach Plettenberg ja, aber weiter nicht. Reiſen wir zuſammen ab, ſo könnte das Verdacht wecken, ich werde meinem Schwieger⸗ vater und meinem Kammerdiener ſagen, daß ich nach Schleſien reiſe, darin kann Niemand etwas Auffallendes finden, da ich dort ja Geſchäfte mache, und ehe man hier mich vermißt, bin ich bereits drüben angekommen. Es wäre mir darum ſehr lieb, wenn Sie noch einige Tage hier bleiben wollten, ich laſſe Ihnen eine Generalvoll⸗ macht zurück, vielleicht gelingt es Ihnen, das Haus zu verkaufen.

Dagegen würde Ihre Frau Einſpruch erheben!.

Ah bah, meine Vollmacht würde ſolchen Einſpruch wirkungs⸗ los machen. Nach meiner Abreiſe wird meine Frau jedenfalls nach Pleltenberg überſiedeln, dann ſind Sie hier Herr im Hauſe, und meine Vollmacht geſtattet Ihnen, nach Belieben zu ſchalten.

Der alte Mann war in Nachdenken verſunken, er verkannte die Vortheile nicht, die für ihn in dieſem Vorſchlage lagen. Er konnte aus dem Verkauf des Hauſes und des Mobiliars eine be⸗

deutende Summe erzielen und dieſe Summe in die eigene Taſcher

ſtecken; das war gewiß verlockend und wohl werth, daß man es einer reiflichen Erwägung unterzog.

Von dem Brieſe ſeines Bruders wußte er nichts, da der Kom⸗ miſſär denſelben noch beſaß.

Ich wollte ebenfalls heute Abend abreiſen, erwiederte er nach einer Weile,aber ich will es mir noch einmal überlegen; für alle Fälle können Sie mir die Vollmacht ausſtellen.

Ich knüpfe nur Eine Bedingung daran, ſagte Ackermann, der jetzt langſam auf und ab wanderte.

Welche?

Sie müſſen mir verſprechen, daß Sie nicht morgen ſchon mit dem Verkauf beginnen, auch nicht das Mobiliar einzeln an einen Trödler verkaufen wollen. Ein ſolches Verſchleudern des werth⸗ vollen Mobiliars würde nicht unbemerkt bleiben und unausbleiblich Verdacht erregen, man würden dieſen Verdacht auch auf Sie über⸗ tragen, und möglicherweiſe könnte das Gericht ſich bewogen finden, dadenen einzuſchreiten, abgeſehen davon, daß auch meine Schwieger⸗ eltern

Ich werd's klüger anfangen und alles Aufſehen vermeiden, ſpottete der Sekretär.

Und nach meiner Anſicht iſt das ſehr leicht. Haben Sie einen Käufer für das Haus gefunden, ſo verkaufen Sie das Mo⸗ biliar insgeſammt an einen Mann, der Geld und Unternehmungs⸗ luſt genug hat, um einen ſo vortheilhaften Handel abzuſchließen. Aber das muß geſchehen, ehe meine Schwiegereltern den Braten wittern und Arreſt auf mein Eigenthum legen. Ich muß es dann Ihnen überlaſſen, ob Sie ſo ehrlich ſein wollen, mir, ſagen wir: die Hälfte der Summe zu überſenden, behalten Sie die andere Hälfte, ſo haben Sie immer noch ein brillantes Geſchäft gemacht.

Gut, nickte der alte Mann,ich werde ſo lange hier bleiben, bis der Boden unter meinen Füßen einzuſtürzen droht. Palleamihi muß notariell ausgeſertigt werden, damit ſie Rechtskraft eſitzt. B. Sobald wir von Plettenberg zurückgekehrt ſind, fahren wir zum Notar.

Und glauben Sie, daß Ihr Schwiegervater Ihnen das Geld

geben wird!

Ja, ich glaube es. Mein Schwager war geſtern Abend hier, er hat einen Brief erhalten, in welchem er aufgefordert wird, heute Morgen ſich in Plettenberg einzufinden, ich denke mir, daß der Gutsbeſitzer mir in Gegenwart ſeines Sohnes das Geld übergeben will.

Und was ſoll ich in Plettenberg thun?*.

Ueber das Rittergut Bericht erſtatten; Sie haben die Papiere ſtudirt und können mit gutem Gewiſſen zu dem vortheilhaften Ge⸗ ſchäft rathen, legen Sie beſonderes Gewicht auf die werthvolle Bibliothek, dadurch gewinnen wir meinen Schwager am ſicherſten.

Ackermann brach ab und heftete den Blick auf die Thüre, durch die Daniel eben eintrat. 5.

Was gibt's? fragte er in barſchem Tone.

Zwei Herren wünſchen mit dem gnädigen Herrn zu ſprechen, meldete der Diener.

Wer ſind ſie?

Ich kenne nur den Einen, er iſt Häuſermakler.

Ackermann blickte ſeinen Sekretär fragend an.

Es wird derſelbe ſein, mit dem ich in Verbindung getreten bin, flüſterte der Letzkere;hören wir, wäs er uns zu ſagen hat.

Es war allerdings der korpulente Makler, und der Polizeirath Stern begleitete ihn.

Ich muß um Entſchuldigung bitten, daß ich mir die Freiheit nehme, Sie direkt zu beſuchen, ſagte der Makler, der eine gewiſſe Befangenheit nicht verbergen konnte,in Geſchäftsſachen ſieht man gerne klar.

Becker hatte den beiden Herren Stühle angeboten, ſie nahmen Platz, und der Makler ſchien ganz zu vergeſſen, ſeinen Begleiter vorzuſtellen.

Der Herr Sekretär ſagte mir, Sie wünſchten Ihr Haus ſammt dem Inventar zu verkaufen, fuhr der Makler fort,ich habe nun einen Käufer gefunden, aber er will nur mit Ihnen perſönlich unterhandeln. 1

Der ſtechende Blick Ackermann's heftete ſich lauernd auf das Geſicht des Polizeiraths, er fand in ihm keinen Zug, der ihm Miß⸗ trauen hätte einflößen können.

Sind Sie geneigt, auch das Inventar zu übernehmen? fragte er.

Unter Umſtänden ja! erwiederte der Rath ruhig.

Hat man Ihnen den Preis genannt?

Jawohl, und ich finde ihn nicht zu hoch, wenn die innere Ausſtattung,

Ich ſtelle Ihnen frei, ſie zu beſichtigen. Mein Wagen er⸗ wartet mich um elf Uhr, alſo haben wir noch eine knappe Stunde

Bitte, das kann ja ſpäter geſchehen, ich möchte nur über eine Bedingung mit Ihnen reden, die mir nicht gefällt.

Und welche iſt das?

Sie verlangen ſofortige Zahlung der Kaufſumme und wollen das Kaufobjekt erſt nach zehn Tagen dem Käufer überliefern.

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